Autor Thema: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan  (Gelesen 12978 mal)

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Offline Lyonesse

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #175 am: 29.07.2026 | 10:01 »
Ich haben den Film jetzt im Original gesehen und ich fand, es war ein ganz ordentlicher Unterhaltungsfilm bei dem Nolans Handschrift gut erkennbar war. Kein Mega-Sommer-Blockbuster, sondern eher ein aufwendiger Film der nachdenklichen Töne. Gut gefallen hat mir, dass die Atmosphäre streckenweise schön archaisch war, dass Zeus‘ Gesetze ein Witz waren und zwar fast die ganze Zeit über, es gab einige schöne Bilder und die Erzählstruktur war auch nicht uninteressant. Insofern war alles gut.
Weniger gut war die altbekannte Schwäche Nolans, sich fast schon zu weigern einem seine Charaktere näher zu bringen. Es ist, als wenn der Zuschauer auf keinen Fall Empathie oder eine Beziehung zu den Figuren aufbauen soll. Das war hier, aufgrund der Episodenhaftigkeit, aber ohnehin schwierig.
Das andere, eigentlich noch gravierendere Problem ist, dass der Film ziemlich zerredet wird. Es ist kein Vertrauen in den Zuschauer da, dass dieser die Situation einordnen kann und die richtigen Schlüsse daraus zieht, und vor allem auch den Subtext mitbekommt. Nein, es kommt häufig ein begleitender Kommentar von den handelnden Personen selber, der meistens einfach überflüssig ist und ohne den der Film vermutlich doppelt so gut geworden wäre. Das wurde hier aber auch schon von anderen erwähnt und ich kann nun bestätigen: Ja, es stört und war größtenteils echt unnötig.
Gut war noch, dass Christopher Nolan Szenen durchaus eigenwillig interpretiert, und so auch mal ein neuer Blickwinkel entsteht. Alles in allem war es zum größten Teil solide Unterhaltung, wenn auch in meinen Augen jetzt nicht der ganz große Wurf oder gar Nolans beste Arbeit. Ich habe allerdings auch nichts gesehen, was den momentanen Hype vor allem in den Staaten wirklich nachvollziehbar macht, aber gut - muss man vielleicht noch sacken lassen.
Allerdings hatte ich für dieses Monster-Budget eigentlich größere Schauwerte erwartet, und was die Besetzung anbelangt - gar nicht mal die von Helena -, so hätte man über den einen oder anderen Part, ganz sicher aber über Matt Damon ruhig nochmal reden können. Ich hab gar nix gegen ihn, aber als Odysseus wirkte er streckenweise nicht so wirklich auf der Höhe und sonderlich verschlagen schon mal gar nicht. Tom Holland kam für meine Begriffe zu Beginn auch hin und wieder mal ins schwimmen, Charlize Theron hingegen wirkte gelangweilt, aber dafür hat Edward Cullen seine Sache durchgehend gut gemacht.
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Kann es etwas schöneres geben, als eine Einladung zum Essen bei Circe?
« Letzte Änderung: 30.07.2026 | 19:16 von Lyonesse »

Offline Grashoffer

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #176 am: 29.07.2026 | 10:26 »
Das andere, eigentlich noch gravierendere Problem ist, dass der Film ziemlich zerredet wird. Es ist kein Vertrauen in den Zuschauer da, dass dieser die Situation einordnen kann und die richtigen Schlüsse daraus zieht, und vor allem auch den Subtext mitbekommt. Nein, es kommt häufig ein begleitender Kommentar von den handelnden Personen selber, der meistens einfach überflüssig ist und ohne den der Film vermutlich doppelt so gut geworden wäre. Das wurde hier aber auch schon von anderen erwähnt und ich kann nun bestätigen: Ja, es stört und war größtenteils echt unnötig.

Das wird vermutlich auf neuerliche Sehgewohnheiten zurückzuführen sein, was Matt Damon selbst vor ein paar Monaten angeprangert hatte. Es geht darum, dass viele Leute Filme und Serien via Streaming schauen und nebenbei mit ihrem Smartphone herumspielen und dadurch weniger konzentriert auf den Film sind und daher dieses "Zerrede" benötigen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ob etwas dran ist? Vermutlich. (Obwohl die Leute früher vor der Flimmerkiste auch andere Dinge wie Essen oder Bügeln getan hatten...)

Online Kurna

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #177 am: 29.07.2026 | 11:04 »
Das wird vermutlich auf neuerliche Sehgewohnheiten zurückzuführen sein, was Matt Damon selbst vor ein paar Monaten angeprangert hatte. Es geht darum, dass viele Leute Filme und Serien via Streaming schauen und nebenbei mit ihrem Smartphone herumspielen und dadurch weniger konzentriert auf den Film sind und daher dieses "Zerrede" benötigen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ob etwas dran ist? Vermutlich. (Obwohl die Leute früher vor der Flimmerkiste auch andere Dinge wie Essen oder Bügeln getan hatten...)
Und deshalb zum Beispiel die Fernserie Police Squad vorzeitig abgesetzt wurde, weil das Studio meinte, der enthält zu viele Gags, die die Zuschauer dann verpassen. Erst als Film The Naked Gun hatte die gleiche Idee dann großen Erfolg. :)
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Offline Eisenmeile

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #178 am: 30.07.2026 | 18:42 »
Ganz allgemein (ich hab den Film ja auch noch nicht gesehen) prägen solche Filme eben auch manchmal die Vorstellung.

Und? Dann haben eben ein paar Leute ein paar falsche Vorstellungen, das ficht mich nicht an.

Sollen ein paar Leute doch glauben, dass Ritter sich in ihren schweren Rüstungen kaum bewegen konnten, dass Dinosaurier im Grunde große Echsen ohne Federn waren, dass Jack the Ripper hauptsächlich Prostituierte umgebracht hätte, oder dass es theoretisch möglich wäre auf dem Mars Kartoffeln anzubauen. Nichts davon mag den Tatsachen entsprechen, aber es ist auch nicht meine Aufgabe den Oberlehrer zu spielen und diese Vorstellungen zu korrigieren, und die Aufgabe von Filmschaffenden ist das auch nicht. Wer sich dafür interessiert, der wird schnell bei entsprechender Fach- und Semi-Fachliteratur fündig - wer das nicht will, der behält eben sein persönliches Bild von der Vergangenheit.

Und sich über "falsche" Waffen, Rüstungen oder Schiffe aufzuregen ist, in meinen Augen, richtige Zeitverschwendung, angesichts echter Probleme in der Welt.

Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #179 am: 31.07.2026 | 10:41 »
Und? Dann haben eben ein paar Leute ein paar falsche Vorstellungen, das ficht mich nicht an.

Das wird aber dann ein Problem, wenn z.B. falsche Bilder wie "Europa war immer ein Kontinent rein weißer Menschen!" in den Köpfen rumspuken, oder "Der Orient war schon immer der Todfeind Europas." Manche Filme bestärken gefährliche Einstellungen. Da hört der Spaß dann auf. Ansonsten hast du durchaus recht, es richtet keinen Schaden an, wenn die Leute falsche Vorstellungen von mykenischen Rüstungen haben oder sowas in der Art.  :) Obwohl es mich trotzdem aufregt, grrr.  ^-^

Sollen ein paar Leute doch glauben, dass ... es theoretisch möglich wäre auf dem Mars Kartoffeln anzubauen.

Öhöm: https://www.smithsonianmag.com/smart-news/scientists-successfully-grow-potatoes-mars-soils-180962528/
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Offline Talasha

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #180 am: 9.08.2026 | 21:42 »
Ich finde es schade das man nicht auf die Idee kam für die Statisten einfach zwei griechische Fußballmannschaften ein zu fliegen.
Die Lystrigonen fand ich peinlich irgendwie, Einfache Riesen mit Knüppeln wären besser gewesen.
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Offline Lyonesse

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #181 am: 9.08.2026 | 21:54 »
All Odysseus scenes in Troy (2004)
Wenn ich das so sehe, dann kann ich nur sagen, Sean Bean war echt ein klasse Odysseus. Schade eigentlich, dass sie damals die Odyssee nicht noch dran gehängt haben, aber dafür war Troja wohl zu erfolglos an der Kinokasse.

Offline Eisenmeile

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #182 am: Gestern um 18:07 »
Ich finde es schade das man nicht auf die Idee kam für die Statisten einfach zwei griechische Fußballmannschaften ein zu fliegen.

Das hätte dann aber mit den Hauptdarstellern geclashed.

Zitat
Die Lystrigonen fand ich peinlich irgendwie, Einfache Riesen mit Knüppeln wären besser gewesen.

Sollte wohl deren Fremdartigkeit unterstreichen. Die Typen waren aus guten Grund in den meißten Adaptionen nicht drin, weil sie (als nackte Riesen mit Knüppeln) halt effektiv nur "Zyklopen, mit zwei Augen" waren.

Zitat
Das wird aber dann ein Problem, wenn z.B. falsche Bilder wie "Europa war immer ein Kontinent rein weißer Menschen!" in den Köpfen rumspuken, oder "Der Orient war schon immer der Todfeind Europas." Manche Filme bestärken gefährliche Einstellungen. Da hört der Spaß dann auf.

Wenn es tatsächlich Schaden anrichtet, dann kann man es ansprechen, allerdings auch dann auch offen, warum diese falschen Vorstellungen schädlich sind - nicht unter dem Deckmantel von "jede Änderung ist abzulehnen".

Zitat
Öhöm: https://www.smithsonianmag.com/smart-news/scientists-successfully-grow-potatoes-mars-soils-180962528/

Die Studie ist von 2016, und benutzt Erde aus einer peruanischen Wüste, von der man damals annahm, sie würde dem Marsboden entsprechen.
Seitdem hat sich allerdings herausgestellt, dass der Boden des Mars nicht nur nährstoffarm und salzhaltig ist, sondern auch einen hohen Anteil von Perchloraten enthalten, welche effektiv ziemlich viel abtöten. Um da etwas angebaut zu bekommen braucht es mehr, als eine dünne Schicht Eigenkacka (und selbst wenn, wären die Ergebnisse vermutlich hochgiftig - was ja auch die Studie einräumt, wenn auch im Bezug auf Schwermetalle im Boden, von den Perchloraten wussten sie damals ja nichts, ebensowenig wie Weir, als er sein Buch geschrieben hat).

Interessante Talks zu dem Thema:
https://youtu.be/mJF3JiwQk0g (besonders Minute 8 und 18)
https://youtu.be/o6UdRXloqGc (besonders Minute 13)

Offline KWÜTEG GRÄÜWÖLF

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #183 am: Heute um 11:31 »
Die Studie ist von 2016, und benutzt Erde aus einer peruanischen Wüste, von der man damals annahm, sie würde dem Marsboden entsprechen.
Seitdem hat sich allerdings herausgestellt, dass der Boden des Mars nicht nur nährstoffarm und salzhaltig ist, sondern auch einen hohen Anteil von Perchloraten enthalten, welche effektiv ziemlich viel abtöten. Um da etwas angebaut zu bekommen braucht es mehr, als eine dünne Schicht Eigenkacka (und selbst wenn, wären die Ergebnisse vermutlich hochgiftig - was ja auch die Studie einräumt, wenn auch im Bezug auf Schwermetalle im Boden, von den Perchloraten wussten sie damals ja nichts, ebensowenig wie Weir, als er sein Buch geschrieben hat).

Interessante Talks zu dem Thema:
https://youtu.be/mJF3JiwQk0g (besonders Minute 8 und 18)
https://youtu.be/o6UdRXloqGc (besonders Minute 13)

Wieder was gelernt, danke für die Info!  :)
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