Ich war ja lange skeptisch bis ich's angefangen habe (abgehalten hat mich dabei weniger das Teenie Drama als die Tatsache, dass es an Discovery anknüpft), aber ich muss sagen, ich wurde bisher positiv überrascht.
Die Zeitepoche mit dem Wiederaufbau ist spannend, und die Academy und vor allem auch die Tatsache, dass die jungen Kadetten hier was reißen können (weil eben Wiederaufbau und alle sind planlos), passen da wirklich wunderbar rein. Die Stories fühlen sich hinreichend Star-Trekkig an; das vieles über geschickte Diplomatie gelöst wird gefällt mir. Der Doktor und Jett Reno geben mir beide mit ihrer Art ein tolles "zuhause"-Gefühl, das Nahla Ake wirkt natürlich hier und da ziemlich off, aber das finde ich durch den Lantaniden-Background gut erklärbar.
Die Kadettenauswahl finde ich ebenfalls gelungen. Diversität wäre vielleicht auch mit bekannteren Star Trek-Spezies zu erreichen gewesen (die Einführung von Dar Sha, Khioniern und Jem Hadar/Klingonenhybriden ist 'n büschen unnötig), aber was solls.
Bisher gebe ich 3,5 von 5 Warpkerne. Die Zugkraft von SNW wird's nicht erreichen, aber als Star Trek Serie funktioniert es für mich ganz wunderbar.
Was mich nervt:
1. Nus Braka - absolut überflüssiger Antagonist ohne Profil. Hätte man sich komplett sparen können. Und rechtfertigt seine Existenz eigentlich ausschließlich durch Akes Schuldgefühle gegenüber Caleb. Mit denen er, genau genommen, mal so garnix zu tun hat.
2. Caleb - der geht einfach garnicht. Eigentlich in vielerlei Hinsicht ein Abziehbild von Michael Burnham (für mich Hasscharakter Nummer 1 im Star Trek Kanon), kann alles (Technikgenie, Volljurist, Topsportler), alle wollen ihn retten, nur er nicht. Und gehören tut er eigentlich in Knast.
Nicht falsch verstehen, aus der Startsituation hätte man Caleb gut aufbauen können. Ake versucht ihn zu retten, natürlich vergeblich, und damit wird Caleb zum zentralen Antagonisten der Serie. Hätte super geklappt. Wäre auch eine aus anderen Coming-of-Age-Serien nicht unbekannte Trope gewesen.
Aber Kurtzmans Star Trek braucht offenbar völlig unlogische Mary-Sue-Charaktere, um zu funktionieren. Ich finde das schade, denn das hat Discovery für mich schon früh disqualifiziert und ich denke das kann mir, je nachdem, wie sich das hier entwickelt, auch den Spaß an Starfleet Academy vergrätzen. Nur dass es mir beim auch ansonsten eher schwachen Discovery egal war. Hier fände ich es echt schade. Doof, weil man ja auch bei SNW erfolgreich auf dieses selten dämliche Konzept verzichten konnte.
PS: Die übliche Boomer-Kritik spare ich mir. "Stating the obvious" und endlos langezogene Szenen usw. sind nun einmal ein Zeichen der Zeit. Das laste ich Starfleet Academy nicht an.
Was mich übrigens nicht nervt:
SAM: wirklich cooler Charakter, spätestens seit der Sisko-Folge auch mit richtig Tiefe. Mag ich.
Was solala ist:
Humor: bin ich zwiegespalten einiges zündet, anderes ist mir zu infantil und zu platt. Aber das ist ein Problem, dass auch SNW schon hatte. Nach dem Erfolg von Lower Decks (wo der eher plumpere Himor natürlich extrem gut funktioniert) hat man da irgendwie den Feinsinn für Star Trek-Humor verloren.