Meine Eltern haben auch einige Marvel-Filme geschaut. Aber die haben doch davon nix gecheckt.
Aber das sage ich zu Muggeln in der Erwartung, dass sie das nicht checken. Und das ist doch Ok. Weil in echt hat der krass geflopped und ist natürlich aus einer Mainstream-Perspektive absoluter Trash.
Achja und übrigens: der erste erfolgreichste Film aller Zeiten war "Birth of a Nation" - yay!! Ich halte es da lieber mit KMFDM: counterculture und kein Mitleid für die Mehrheit.
Okay, ich weiß wirklich nicht, was es da auch noch zu cheeren gibt.

In all diesen Zitaten steckt eine geekige Abwertung anderer Filmschauenden, die wir als Fantasy- und Science-Fiction- und Horror- und Action-Freunde nun wirklich nicht zu haben brauchen. Es ist mitnichten so, dass
"Muggel" das
"nicht checken". Sie empfinden unseren ganzen Nerdkram nämlich vielfach auch als das, was er ist:
Dumb fun. Und sie haben da vielleicht andere Interessen. Meine Mutter kann auch nichts mit Fantasy anfangen (Zitat: "Ja, aber das gibt es doch nicht."). Sie hat aber als Jugendliche in den 70ern auch eine Filmzeitschrift abonniert gehabt und steht auf Filme mit Bette Davis... und davon sind viele halt auch mal wirklich gut!
Sorry, aber ein durchschnittlicher Superheldenfilm oder eine durchschnittliche SciFi-Satire ist jetzt auch nicht besser als eine durchschnittliche romantische Komödie oder ein durchschnittlicher Politthriller. Die sind dann nämlich alle... durchschnittlich. Wenn wir uns hier wirklich über Kino unterhalten wollen würden, dann müssten wir aber schon ein bisschen mehr über "Ein einfacher Unfall" oder "The Zone of Interest" oder "Nebraska" oder sowas reden (Beispiele zufällig gewählt). Machen wir aber nicht. Ist nämlich für dieses Forum hier nicht genug "Pew Pew" und "Hex Hex" drin! Stattdessen kriegt doch auch noch das cashgrabbigste Remake irgendeiner 80s-IP seinen eigenen Thread. Egal wie dümmlich eigentlich die Vorlage war ("He-Man", anyone?).
Aber klar... ist alles nur ironisch gemeint. Und Trash ist ja auch cool, solange es "unser Trash" ist.
Stimmt, ist auch cool. Gilt dann aber eben auch für
allen Trash. "Bridgerton" oder "The Summer I Turned Pretty" ist genauso Edel-Trash wie "He-Man" oder "Supernatural" oder so... ist halt nur eine andere Art von Trash. Und ich meine "Trash" hier wirklich im positivsten möglichen Sinne. Es macht halt Spaß... aber auch nicht mehr oder weniger als unser Phantastik-Shit. "Nerd" ist vor allem ein wahnsinnig dehnbarer Begriff. Oben über "Inside Out 2" zu spotten, als sei das der übelste Mist, ist halt auch eine hochnäsige Haltung. Der Film ist nämlich völlig in Ordnung. Und: Disney- und Pixar-Nerdtum ist auch Nerdtum.
Und Barbie btw. auch: Als ich den Film seinerzeit im Kino gesehen habe, war der ganze Saal voller Frauen und Mädchen (mitunter drei Generationen) und sie alle konnten aus dem Ärmel Fakten über ihre Puppen oder die ganze IP droppen. Das war beeindruckend nerdig. Und bevor jetzt jemand mit "bäh, der Barbie-Film ist ja reiner Kommerz" anfängt: Glaubt einer hier ernsthaft, dass sei bei einem beliebigen 80s-Animationsfranchise was anderes? Transformers, He-Man, die Turtles, die Marvel-Serien usw. sind auch nur so, wie sie sind, weil man Actionfiguren damit verkaufen kann. Und die Unterschiede zwischen einer Barbie und einer Warcraft-Vitrinenfigur, einer Anime-Waifu-Statuette oder einer Space-Marine-Miniatur sind auch eher vernachlässigbar – ist alles irgendwo Spielzeug.
Will heißen, die Nase über den sogenannten "Mainstream" zu rümpfen, um sich den eigenen Filmgeschmack zu vergolden... davon sollten wir getrost absehen. Zumal ich denke, dass eines doch über die letzten anderthalb Dekaden klar geworden sein sollte:
Nerdkrams ist bereits der Mainstream. Sich "Starship Troopers" oder "Star Trek" reinzuziehen oder "D&D" zu spielen, hat mit
Counterculture nix zu tun. Überhaupt: Gegen welche "Kultur" begehren wir denn hier auf, wenn wir uns eine halbnischige, grimm&gritty HBO-Serie über einen idealistischen Ritter oder eine langsam erzählte SciFi-Show über Politik in einer Raumstation angucken? Oder eine Serie über Zombies? Was ist denn bitte das "Konternde" daran? Wir sind genauso kapitalistisch und konsumistisch und angepasst unterwegs wie der Rest der Kinogänger:innen. Ist ja nicht so, als würde man sich hier über das wirklich obskure Zeug unterhalten, das mal bei irgendeinem Fantasy-Filmfestival gelaufen ist oder viel über die gesellschaftspolitischen Implikationen gewisser Horror- oder SciFi-Filme sprechen. Das ist nämlich dann zu politisch.
Stattdessen soll dann der Eskapismus für sich selbst schon die Counterculture sein. Aber es sind nicht mehr die 80er, wo man noch in die Mülltonne gestopft wurde, weil man in der Pause "Perry Rhodan" gelesen hat oder im Geschichtsunterricht die Jahreszahl der Verfassung der Goldenen Bulle richtig nennen konnte (allegedly... ich ziehe als Kind der 90er viele dieser Nerd-Verarschungserzählungen inzwischen in Zweifel).
Ich komm auch bei der Wahl der Seiten im "Nerdkulturspektrum" nicht ganz mit. Auf der einen Seite sind wir ja ach so besonders, weil wir "checken" ja dieses ganze Superheldenzeugs und hebt uns ab von der breiten Masse. Auf der anderen Seite sind aber grade die populärsten Filme niemals die Besten, weil das Publikum ist ja dumm und so.
Und dann guckt man halt auf die Liste der
Highest Grossing Films und stellt fest: Da ist eigentlich nur
nerd-anschlussfähiger Kram drauf. Außer "Titanic". Und "Titanic" war tatsächlich gut (wird heut nicht gern zugegeben, weil igitt Beziehungskisten... oder, noch unverzeihlicher, igitt "Logiklücken"... dabei hab ich bei dem Moment, wo der Orchesterdirigent zu den anderen Musikern sagt "Gentlemen, es war mir eine Ehre mit ihnen zu spielen." mehr geheult als beim Tod von Tony Stark.)

(Hmmm, auffällig hohe Platzierung für "Harry Potter", dafür, dass die ganzen Mainstream-Kinogänger alle Muggel sind. Und ernsthaft: "Star Wars" hat Mainstream-Appeal, seit es das Franchise gibt.)
Große Teile des Publikums lieben unseren Scheiß. Und dass Filme wie "Frozen II" drauf sind, die ich auch nicht gut nennen würde, liegt daran, dass die Vorgängerfilme halt wirklich gut waren (ja, ich halte "Frozen 1" für einen wirklich guten Film... dasselbe gilt für "Inside Out" oder für "Zootopia" und ja wohl gewiss für "Top Gun") und damit mehr Leute ins Kino gezogen haben, weil die die Filme dann vorher nicht unbedingt im Kino gesehen haben, aber den Nachfolger jetzt im Kino sehen wollen. Soweit keine Überraschung. Zumal in einer Zeit, wo immer mehr Menschen im Stream gucken, die Ticketverkäufe keine so große Aussagekraft mehr haben. Bei den Serien ist grade ein raunchy Liebesdrama über zwei homosexuelle Eishockeyspieler das Gebot der Stunde. Go figure.
Wie gesagt: Wir sollten bitte nicht so tun, als seien die Sachen, die wir hier lieben, irgendwie so viel hochwertiger oder intellektuell herausfordernder, als das, was sonst so geschaut wird. Es gibt intelligente Stoffe und wirklich einfältiges Zeugs in unseren präferierten Genres. Und wenn wir unser Genre lieben, dann lieben wir das irgendwie beides. Und sind nicht besser oder schlechter als jemand, der halt ein anderes Genre liebt.
In diesem Sinne kaufe ich mir jetzt ein Ticket für "Wuthering Heights". Der Trailer sieht aus wie ein Imagefilm für eine Fashion-Zeitschrift. Ich bin gehookt, auch wenn ich jetzt vielleicht eine Nerdkarte abgeben muss. Geeeez.
