Autor Thema: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?  (Gelesen 15555 mal)

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Online Maarzan

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Re: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?
« Antwort #400 am: 15.04.2026 | 17:03 »
Habe nicht behauptet, dass es für jede Konstellation funktioniert - komischerweise hab ich aber auch noch nie eine Situation erlebt, in der ein Mangel an Regeln zu einem echten Streit geführt haben (wenn überhaupt, dann waren es die Regeln selbst, die zu leichteren Reibereien geführt haben).

Wir hatten in unserer alten Stammgruppe einen Spieler, der war der Archetyp des Buttkicker-Powergamers und damit mit einigen Systemen schlicht nicht kompatibel. Das wussten wir, das wusste er, und er hat in den entsprechenden Runden einfach nicht mitgespielt.
Weil wir alle vernünftige Menschen sind kam es aber auch da nie zum Streit, er hat lediglich nach dem entsprechenden Testspielabend gesagt "nicht mein System" und dann war die Sache gut.

Oder es funktioniert hervorragend, die Gruppe spielt miteinander Ideenpingpong und beabsichtigte Fehlschläge werden nahtlos ins Spiel integriert.
Der Unterschied ist halt, dass wir keine Kinder mehr sind.

Bezeichnend finde ich allerdings, dass all diese regellosen/quasi-regellosen (ich nehme da mal "wirf einen W6 und wir schauen was passiert" mit rein) Runden eine sehr deutliche Frauenmehrheit hatten. Vielleicht sind die mit einem solchen weniger mechanischen Spielstil einfach kompatibler.

Genau, weil die Regelvariante ist ja klar die überlegene Art zu spielen (tm).

Ja, und wenn man das verinnerlicht hat (oder die Lore-Beschreibungen einfach gut genug sind), kann man den Ablauf prinzipiell auch ohne Regeln emulieren.

Versteht mich nicht falsch, ich mag komplexe Regelsysteme, aber ich BRAUCHE sie nicht.
Es kann auch ohne wirklich sehr gut funktionieren.

Ich habe mehrere Versuche freien Spiels mit zufällig zusammengestellten Spieler auf Cons, offenen Spieletreffen oder auch als Oneshot mit Leuten aus verschiedenen Gruppen für zwischendurch auch als Erwachsener erlebt und es kam eigentlich immer zu Problemen. 

Ich habe auch eine Gruppe, wo das regellos funktionieren würde. Aber ich bin nicht so naiv, daß das funktioniert, weil wir so tolle Rollenspieler sind oder so super sozialkompetent wären und damit  ohne Regeln auskommen, sondern weil alle sehr ähnlich spielen und eben auch eine deutlich längere gemeinsame, recht harmonische Spielhistorie haben.
Diese (eine!) Gruppe würde Regeln nicht mehr benötigen, aber das ist wenn der Endzustand, nicht der Startzustand einer Spielgruppe.

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Offline Gorilla

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Re: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?
« Antwort #401 am: 15.04.2026 | 17:45 »
(...)
Diese (eine!) Gruppe würde Regeln nicht mehr benötigen, aber das ist wenn der Endzustand, nicht der Startzustand einer Spielgruppe.
(Hervorhebung durch mich)
Da wäre ich mir nicht so sicher. Das ist sicher auch eine Frage der Erwartungshaltung, mit der man an die Sache herangeht. Falls man sich von vorneherein darauf verständigt mit stark abstrahierten Regeln zu spielen, stellt das wahrscheinlich auch so schnell niemand in Frage.
Ich zweifle auch ein wenig an deiner Aussage, dass ihr Regeln nicht benötigen würdet. Wäre dem so, hättet ihr wohl schon lange darauf verzichtet - ganz einfach, weil es euch unfassbar viel Spielzeit erspart hätte.

Offline Galatea

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Re: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?
« Antwort #402 am: 15.04.2026 | 23:13 »
Was Startzustand und Endzustand ist hängt völlig von den Individuen in der Spielgruppe ab.
Meine Erfahrung ist da, dass Rollenspielneulinge oft viel flexibler und harmonischer sind als Leute, die seit 10 Jahren nur System X spielen und meinen man müsste jedes andere Spiel exakt auf dieselbe Weise spielen, weil ihre eigene Art natürlich die einzig wahre Art des Rollenspiels (tm) ist - siehe Diskussion über DSA, Oldschool und Würfeldrehen.
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Online Maarzan

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Re: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?
« Antwort #403 am: 16.04.2026 | 08:24 »
Was Startzustand und Endzustand ist hängt völlig von den Individuen in der Spielgruppe ab.
Meine Erfahrung ist da, dass Rollenspielneulinge oft viel flexibler und harmonischer sind als Leute, die seit 10 Jahren nur System X spielen und meinen man müsste jedes andere Spiel exakt auf dieselbe Weise spielen, weil ihre eigene Art natürlich die einzig wahre Art des Rollenspiels (tm) ist - siehe Diskussion über DSA, Oldschool und Würfeldrehen.

Wer eh keine Achtung vor anderen Spielstilen und den anderstickenden Mitspielern hat und konkrete Abmachungen wie es Regeln sind ablehnt für den sind Neulinge, die ja erst einmal die Position des Erfahreneren mangels eigener Erfahrungen (und ohne schriftliche Regeln auch erst einmal unprüfbar) übernehmen müssen ein gefundenes Fressen.

Und wer das nicht so sieht oder gar Widerworte gibt ist halt einfach unflexibel bis unharmonisch ...

Auch das Würfeldrehen paßt da wieder hervorragend mit rein.
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Offline Galatea

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Re: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?
« Antwort #404 am: 23.04.2026 | 02:21 »
Tatsächlich war es bei uns bisher tendenziell eher so, dass die Neulinge ihren eigenen Stil eingebringen, und der oft nicht unbedingt dem geplanten/gewohnten Stil der 'Alteingessenen' entspricht, was viele Kampagnen einzigartig gemacht hat, selbst im gleichen Setting.

Unsere Starship Troopers Runden reichten von Seifenoper mit Kanonen zu Mobile SAS und bei Ratten hab ich allein beim 'Die Zeit flieht'-Abenteuer schon so ziemlich jeden Spielstil gesehen, von Warhammer-Ratteninquisition bis nahezu kampffreie Konfliktlösung, mit der ganzen Bandbreite an Würfelfixiertheit. Gerade was das Würfeln angeht merkt man bei Ratten recht schnell, ob die Neulinge eher von der "Och nee, nicht schon wieder würfeln" oder "Darf ich auf meinen Skill X würfeln, büddebüddebüdde?"-Art sind. Das Spiel ist da zum Glück sehr dankbar und funktioniert mit beiden Extremen (und allem dazwischen) ziemlich gut.

Besonders wenn die Neulinge eine eher extrovertiere/dominante Persönlichkeit haben, kann das die Spieldynamik ganz schön durcheinanderwirbeln.



Generell scheint es mir auch als ob Leute, die keine oder wenig Rollenspielerfahrung haben oft deutlich besser darin sind, sich auf einen gemeinsamen Kompromiss-Spielstil zu einigen, als Leute, die schon seit 20 Jahren ihr Lieblingssystem spielen und der Meinung sind, dass die Spielregeln die heilige Schrift sind und jede Abweichung davon mit der Exkommunikation aus der Rollenspielgemeinde geahndet werden sollte (Scheiterhaufen sind ja aus der Mode gekommen) und dass man auch Ratten natürlich genau so spielen kann, wie sie das seit 20 Jahren von ihrer D&D-Runde gewohnt sind, egal was der Rest der Gruppe davon hält. Läuft dann halt meist eher suboptimal.
« Letzte Änderung: 23.04.2026 | 08:07 von Galatea »
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Offline Sphinx

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Re: Warum überhaupt so komplizierte Kämpfe?
« Antwort #405 am: 23.04.2026 | 09:07 »
Ja ich finde richtige Neulinge auch sehr entspannend weil sie noch formbar sind und eben flexibel mitmachen. Gibt auch Spieler die sich diese Flexibilität erhalten. Aber eben auch welche wo sich schon eine harte Kruste gebildet hat. Bei manchen kann man diese Kruste wieder abbröckeln aber bei den ganz harten hilft nur noch das Zertrümmern mit dem Hammer  8]

Sorry hab wohl einen Philosophischen morgen :)
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