Autor Thema: Realweltliche Inspirationen für Abenteuer - Was sind eure Grenzen?  (Gelesen 1998 mal)

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Offline nobody@home

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In letzter Zeit haben wir recht häufig in sehr konservativen US-Staaten (z.B. Texas) gespielt. Da hab ich als Spieler irgendwann drum gebeten, ob wir nicht Trump einfach mal außen vorlassen können und uns vorstellen, dass der aktuelle US-Präsident ein Normalo ist, der unsere SC überhaupt nicht tangiert... 😅

Trump ist tatsächlich so ein aktuelles Beispiel aus der Politik. Es gab (aus meiner Sicht) eine lange Zeit, in der ihn die meisten Menschen zumindest aus der Entfernung nie so recht ernstgenommen haben und ich wohl kein Problem damit gehabt hätte, ihn in einer passenden Runde als NSC auftreten zu lassen; das geht heute nach all dem Porzellan, daß er, seine Helfershelfer, und seine eventuellen Hintermänner zerschlagen haben, so gar nicht mehr.

Offline Megan

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Ich mag es, wenn es reale Bezüge gibt, aber es kommt echt drauf an.
Vermutlich ordne ich es so ähnlich wie First Orko und Blackris ein.

Am besten gefällt es mir, wenn es verfremdet wird, so habe ich z.B. mal eine Werwolfgeschichte unter Ivan dem Schrecklichen gespielt, wo ich reale Ereignisse als Grundlage verwendet, aber alles in einen mystischen Rahmen gepackt habe - das hat wirklich gut funktioniert aber der zeitliche Abstand war sicherlich von großem Vorteil.

Letztes Jahr habe ich einen Oneshot geleitet, der die Earthhour in der nahen Zukunft beleuchtet und sich intensiv mit dem Thema Klimawandel und seinen Folgen beschäftigte. Es war eine gute Runde aber wir alle waren uns danach einig, dass es zu sehr runterzieht, als dass wir etwas in der Art wiederholen wollen würden.

Grenzwertig war für mich mal eine Runde beim Vash, in der wir RAF-Terroristen spielten - da habe ich im Vorfeld lange überlegt, ob ich mitmachen will und habe es am Ende auch nur gemacht, weil ich ein großes Vash-Fangirl bin. Aber eigentlich war es mir zu heftig.

Dagegen habe ich eine Runde bei Boni gespielt, in der alle mächtigen Arschlöcher der Welt (also namentlich) ordentlich eins auf den Deckel bekommen haben - das wiederum hat irgendwie gut getan.  ;D

Offline unicum

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Grenzwertig war für mich mal eine Runde beim Vash, in der wir RAF-Terroristen spielten - da habe ich im Vorfeld lange überlegt, ob ich mitmachen will und habe es am Ende auch nur gemacht, weil ich ein großes Vash-Fangirl bin. Aber eigentlich war es mir zu heftig.

Das wäre für mich auch so ein NoGo gewesen, mein Vater hat damals die Schüsse auf Buback in Karlsurhe gehört,... weil er gerade mal kurz vorher an der gleichen Kreuzung vorbei gefahren ist,...

Ich denke es braucht räumlichen und Zeitlichen abstand, ich hätte mit sowas kaum ein Problem: (für "räumlichen Abstand")

https://www.morgenpost.de/politik/article411776607/tot-oder-vermisst-das-raetsel-um-die-verschwundenen-ufo-forscher.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

Offline Megan

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Das wäre für mich auch so ein NoGo gewesen, mein Vater hat damals die Schüsse auf Buback in Karlsurhe gehört,... weil er gerade mal kurz vorher an der gleichen Kreuzung vorbei gefahren ist,...

Ich möchte noch ergänzen, nicht dass ein falscher Eindruck entsteht, dass wir uns sehr kritisch mit dem Thema beschäftigt haben. Also nicht etwa Aspekte glorifiziert oder Ausreden gesucht hätten, sondern es war eben eine Art, sich mit dem Thema zu befassen und auseinanderzusetzen - tatsächlich habe ich dabei auch so einiges gelernt.

Wenn ich einen solchen Bezug wie du hätte, dann wäre das für mich vermutlich auch ein NoGo gewesen.

Offline Ludovico

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Ich bin in der Hinsicht entspannt und hab für Conspiracy X früher mich bei einem Charakterkonzept am Sektendrama in Waco orientiert.
Allerdings bin ich etwas unsicher, wenn es um neuere Sachen geht, auch wenn ich manchmal denke, dass es wirklich zu einem Verschwörungsspiel passt. Ich denke da an die grausame Familientragödie in Louisiana oder Schulschießeren oder auch Fälle von Road Rage.
Allerdings ist das etwas, worüber man seine Spieler im Vorfeld warnen sollte.

Bei Outgunned haben wir neulich einen existierenden Hamburger Stadtteil genommen und dort ging es gegen Gangs und Drogenhändler. Da die Drogenkriminalität in Hamburg eher in südländischer Hand ist und Russen nicht so passend gewesen wären, haben wir dann auch diese als Antagonisten genommen (der Villain war dann Libanese). Es wurde sehr viel "Wallah" und "Ich küsse Deine Augen" gesagt (zumal ein Spieler selber einen SC türkischer Abstammung spielte. War sehr witzig und wir hatten Spaß. Hab aber auch vorher darüber gesprochen und alles war gut.
« Letzte Änderung: 23.04.2026 | 13:50 von Ludovico »

Offline nobody@home

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Noch so 'ne mögliche Inspirationsquelle: Verschwörungstheorien. Klar, auch da geht nicht einfach alles -- manche sind einfach zu aufgeladen oder eine zu große Beleidigung für die Intelligenz eines unfreiwilligen Zuhörers. Aber mal ein Abenteuer (vielleicht sogar einen Mehrteiler) um das eigentliche Geheimnis von Bielefeld stricken oder enthüllen, daß dieser oder jener Geheimdienst in der Kampagne tatsächlich beinahe lebensechte Vogeldrohnen zur Aufklärung und Überwachung einsetzt...ich denke, solche Sachen lassen sich allemal noch einbauen.

Offline Gorilla

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Ich nutze realweltliche Vorgänge recht regelmäßig als Inspirationen für Abenteuer.
Meist sind das historische Seltsamkeiten, die mir bei der Recherche zu einem Thema einfallen. Es können aber auch kleinere Ereignisse aus meinem unmittelbaren Lebensalltag sein, die ich als Aufhänger für eine Geschichte nutze.
Das sind die Dinge wie Baustellen, die niemals enden, Bürogebäude, die immer noch leer stehen, ein Traditionsbetrieb, der plötzlich Konkurs anmeldet.
Bei historischen Gegebenheiten konkrete Legenden, Sagen oder Geschichten, die mit der großen Politik meist gar nicht unmittelbar zu tun haben.

Es läuft also oft auf entweder Verschwörungsmythen hinaus bzw. die eigentliche innerspielweltliche Erklärung für manche Ereignisse oder auf Sagen und Anekdoten aus der Geschichte.

Von den großen Themen lasse ich meist die Finger, es sei denn, wir bespielen explizit solche Szenarien. Dabei bin ich i.d.R. aber Spieler und nicht SL und es sind bisher immer Few Shots.

Offline nobody@home

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Vielleicht, weil ich gerade noch mal über den Faden gestolpert bin, noch ein etwas erbsenzählerischer Kommentar zum Originalzitat:

Zitat
Das Leben schreibt die besten Geschichten

Das ist natürlich sachlich so nicht richtig. :korvin: Zuallererst mal schreibt "das Leben" an sich überhaupt keine Geschichten; das machen erst wir, wenn wir uns an Ereignisse aus ihm zurückerinnern und sie ggf. an andere weitergeben. Soviel Zeit muß schon sein. :)

Und dann sind die so entstandenen Geschichten natürlich auch nicht zwingend-automatisch qualitativ "höherwertiger" als andere. Der zitierte Satz ist dabei nicht mal direkt falsch, sondern einfach nur schauderhaft suggestiv unvollständig: ja, natürlich schreibt "das Leben" (sinngemäß) einige der besten Geschichten. Nur tut es das eben auch mit einer ganzen Reihe der katastrophal schlechtesten (sieht man insbesondere, wenn auch nicht nur, an den ganzen Langweilern, die es nicht mal bis zur Weitererzählung schaffen) und der ganzen Bandbreite an Möglichkeiten, die dazwischen liegen -- und diesen kleinen Sachverhalt unterschlägt das Zitat völlig unverfrorenerweise. ;)

Offline Arkam

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Hallo zusammen,

mein Lieblingssystem, PaRANOIA rpg; versteht sich ja ausdrücklich als satirisches Spiel.
In den späten 80 und frühen 90er Jahjren wurden da also Kommis gejagd, Mutanten mit gelben Ms markiert und beide Gruppen gnadenlos terminiert. Während ein wohlmeinder "Freund Computer" alle Leute nur glücklich sehen wolltze und dafür Drogen, Überwachung und Terror anwendete.
Dann kam die Neuauflage und das Ziel sollte sein die Satire zu aktualisieren. Das gelang aus meiner Sicht nicht so richtig und ich versuche das in meinem Hintergrund zu ändern.

Also gibt es etwa religös motivierten Terror, da findet man sowohl christliche als auch moslemische Organisationen wieder. Als Stadtteile, nach Hintergrund spielt man in einem riesigen Atombunker und die Stadtteile ersetzen hier verschiedene Länder, gibt es die USA unter Trump inklusive MAGA Bewegung, Russland unter Putin und natürlich auch ein aufstrebendes China. Für die Entwicklung des Hintergrunds spielen neuerdings auch Drohnen und asymetrische Kriegsführung eine Rolle.
Hacker, KI und eine absolute Überwachung gehörten schon zum Hintergrund als sie  jnoch garkein großes Thema waren.

Da im Hintergrund alle Bürger geklont werden und Drogen und Hormonblocker Bürger gar nicht auf dumme Gedanken kommen lassen spielt Sexualität kaum eine Rolle. Allerdings gilt auch je höher der soziale Rang des Bürgers ist um so weniger Drogen und Hormonblocker nimmt er. Da bleibt es bisher aber bisher auf der Ebene Vater, Mutter, Kind und welche illegalen Tätigkeiten damit verbunden sind.

Ich versuche das ganze auf Ebene des Kopfkinos zu halten. Wenn die Geheimpolizei also verhört krame ich nicht meine Anatomiebücher, ich bin Krankenpfleger, heraus sondern schildere wie die Wachen unauffällig versuchen außer Hörweite zu kommen.
Zudem gibt es mit sprechenden Namen, etwa einem Herrn Sar -U- -MAN, einer überbordenden Bürokratie und einem freundlich mißtrauischem "Freund Computer" auch Elemente bei denen man ohne Hemmungen lachen und Spaß haben kann.

Gruß Jochen "Paranoia mehr Spaß als sie ertragen können." Von der Rückseite der ersten deutschen Paranoia Fassung vom Welt der Spiele Verlag
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