Im "Frauenquote"-Thread ist mir etwas aufgefallen, was imo ein eigenes Thema wert wäre.
Viele sagen "Ich habe bei meinen Runden keine Frauen in wichtigen Positionen, weil...", obwohl der Threadersteller nichts davon geschrieben hat, dass diese auch einen hohen Status innerhalb der Spielwelt haben müssten. Irgendwie schwingt da überall mit "Wenn der NSC keine große gesellschaftliche Stellung hat, dann brauche ich den nicht näher zu beschreiben" und das erscheint mir etwas seltsam.
In meinen Runden ist es eher umgekehrt: statt den König (vor seinem versammelten Thronsaal) über die Machenschaften des Barons Igzorn in Kenntnis zu setzen, wird erstmal der Page oder die Kammerzofe bemüht, um herauszufinden wer am Hofe denn etwas zu sagen hat, ob es schon Beschwerden über den Baron gab (und wer diese ernst nimmt, und wer nicht) und wie häufig der Baron überhaupt bei Hofe anwesend ist (damit man eine Anklage entsprechend timen kann). Diese Vorbereitung macht das Ganze deutlich realistischer, weil nicht irgendwelche Knallchargen ohne Informationen irgendwo reinbrettern, sich aufblustern, und viel Staub aufwirbeln.
Ebenso in modernen Settings: da spricht man idR nicht direkt mit dem Gangleader oder Mafiapaten (der möglicherweise sowieso unter Beobachtung durch die Strafvollzugsbehörden steht, und daher nicht frei sprechen kann), sondern man wendet sich an seine Dealer*innen oder Enforcerlys, welche sich darum kümmern (oder das Anliegen zu einem passenden Zeitpunkt an den Boss herantragen).
Die Interaktion mit NSCs von niedrigem Status (die das Thema dann hochkicken, wenn es über ihrer Gehaltsklasse ist) hat den zusätzlichen Vorteil, dass Fehler bei der sozialen Interaktion nicht ganz so schlimm sind. Wenn man unwissentlich den König oder Mafiapaten beleidigt, dann kann das für den Rest der Kampagne recht unangenehm für die Charaktere werden, ein faux-pas bei deren Untergebenen hat da idR deutlich weniger Konsequenzen (im Zweifel muss man sich halt jemand anderes suchen, um die Sache voran zu bringen - aber man hat keinen Feind fürs Leben, bzw. nur einen mit sehr begrenzten Mitteln).
Die unrealistische Fetischisierung von "Entscheidungsträgern" kenne ich sonst nur aus ein paar Vampire-Runden an denen ich während der 90er mal teilgenommen habe: da war das ganze Spiel dann auf die uralten Vampire fokussiert und sogar frisch erschaffene Vampirdingens ("Küken" oder wie auch immer die im Slang genannt wurden - die Runden sind schon länger her) waren total auf diese fokussiert und sind um die herumscharwenzelt, komplett alle gleichaltrigen Vampire ignorierend (ganz zu schweigen von den Menschen - dabei sollte das Spiel eigentlich die Interaktion mit Menschen zum Inhalt haben, denn welchen Sinn hätte sonst das "wir tun so, als wären wir Menschen", wenn man sowieso 90% der Zeit mit anderen Vampiren abhängt).
Wenn der Status der NSC mit denen die Spieler interagieren egal ist, dann stellt sich auch schlicht das Problem mit "gibt es da ausreichend Frauen" nicht (sofern beide Geschlechter in der Spielweltt so verteilt sind, wie in unserer realen Welt) - wenn es gesellschaftliche Hürden gibt, die Frauen von bestimmten Berufen oder Ämtern ausschließen, dann sind eben mehr von denen in anderen Bereichen der Spielwelt vertreten (denn irgendwo müssen sie ja sein) - diese Bereiche auch zu zeigen macht die Spielwelt lebendig und nachvollziehbarer, als wenn sich alles nur auf wenige Bereiche konzentriert.
Wie ist das bei euch?
Habt ihr eher NSC von hohem Status im Spiel, von niedrigen Status, oder ist es bei euch gleichmäßig verteilt?