Okay, ich habe ein wenig nachgedacht und möchte die folgenden Gedanken – einige von euch werden die vielleicht bis wahrscheinlich nicht mögen – vor allem mit HEXer teilen:
Weißt du was? Monetarisiere alles was nur geht. Mache dir eine Liste vom gesamten Rollenspielprozess und schau wofür man Geld verlangen könnte? Beratung bei der Charaktererschaffung? Kostet! Spezielle Wünsche? „Aber ich wollte doch den dämonischen Halbgott der achten Ordnung spielen.“ Klar geht das, kostet aber, weil die Kampagne darauf ausgelegt werden muss usw. VTT-Nutzung, fancy Battlemaps, NSC-Bilder etc. Kostet. Kostet. Kostet. Außerhalb der Spielzeit Fragen stellen? Genau: Kostet. Und natürlich muss man es schön verpacken.
Na gut, warum bin ich nun so „bösartig“? Das liegt daran: Warum sollte man Mitleid mit der Zielgruppe haben? Ich denke nämlich, die gehören gar nicht zu uns.
Was will denn diese Zielgruppe überhaupt? Die möchte sich nicht die Mühe machen ein Abenteuer, geschweige denn eine Kampagne vorzubereiten. Wahrscheinlich wollen sich die wenigsten mit der Hintergrundwelt und einem GRW auseinandersetzen. Aber … jedes Hobby hat im Kern die tiefe Beschäftigung mit der Materie. Genau das möchte die Zielgruppe jedoch nicht, sonst wäre sie nicht bereit jemanden dafür zu bezahlen, es für sie zu übernehmen. „Wir“ sind also nicht dieselbe Gruppe, wie diese Leute. So wie Videospiele spielen und Let’s Plays gucken unterschiedliche Hobbies sind, oder Fußball spielen und Fußball gucken. Und genauso wie die Leute irgendwelchen Influencern Geld schenken, können diese Leute dann auch ruhig für Spielleitung zahlen. Das ist dann nicht mehr unser Hobby, sondern eben ein Geschäft. Aber so greift auch eine andere Ethik. Beim Hobby will man das Bestmögliche geben, da geht es um Gleichgesinnte, die man anders respektiert, beim Geschäft bekommt man nur das für das man bezahlt hat, da geht es um Kundschaft.
Was uns zu der Frage des Honorars im Verhältnis zur Vorbereitung führt. Das Problem ist dass die meiste Arbeit in der Vorbereitung liegt. Was wäre da ein sinnvoller Stundenlohn? Nicht der Mindestlohn, das wäre Selbstausbeutung. Ich glaube auch nicht, dass der Vergleich zum Kinoticket welches jeder Spieler kauft ausreicht. Dann schon eher zum Konzertticket. Man muss bedenken, man konsumiert kein Produkt von der Stange, sondern kann absolut individuell eingreifen. Das ist wesentlich mehr wert, als ein "statisches" Konsumprodukt.
Es wäre wohl auch sinnvoll für Planungssicherheit zu sorgen und zwar klar zu den eigenen Gunsten. Beispielsweise könnte man ein Abomodell einführen. Nach den ersten zwei oder drei Sitzungen, die einzeln bezahlt werden, müssten die Spieler ein 6-Monate-Abo buchen. Schließlich commitet der Spielleiter in eine Kampagne. Der hat das größere Risiko. Wie oft man im Monat dann spielt, müsste man festlegen. Mehrere Sitzungen bedeutet auch mehr Geld, denn das Abomodell ist nur als Ausfallschutz für den SL gedacht. Dieses sagt nur aus, wie viel Geld auf jeden Fall reinkommt. Ausfälle die dann die Spieler zu verantworten haben, werden trotzdem bezahlt. Ausfälle an denen die Spielleitung Schuld ist, würden natürlich kostenlos nachgeholt werden.
Da ist natürlich noch mehr denk- und machbar. Also, wenn man bezahltes Spielleiten schon macht, dann sollte man sich bewusst sein, dass es Geschäft, kein Hobby, ist. Das sollte man klar trennen. Und man sollte sich nicht selbst ausbeuten oder ausbeuten lassen.