Autor Thema: Lore ingame vermitteln  (Gelesen 1039 mal)

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Offline HEXer

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Lore ingame vermitteln
« am: 18.05.2026 | 09:28 »
Hallo liebe :T:ies,

Welche Methoden und Techniken verwendet ihr, um euren Spielern in komplexeren Settings Lore innerhalb des Spieles „actionable“ zu vermitteln? Also nicht einfach durch erzählen, sondern so, dass sie auch relevant und handlungsbezogen ist? Habt ihr vielleicht konkrete Beispiele, was ihr wie gemacht habt? Ich könnte da ein Bisschen Inspiration gebrauchen. :)

Offline Runenstahl

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #1 am: 18.05.2026 | 10:17 »
Mein Lieblingstrick ist es die Spieler für das Wissen arbeiten zu lassen. Auch wenns nur ein einfaches "Würfel mal auf deine Wissensfertigkeit" ist. Das hat zwei Vorteile: Zum einen kann man je nach Ergebnis mehr oder weniger Details (und bei schlechten Ergebnissen auch Gerüchte / Vermutungen) einstreuen was die Welt lebendiger macht, zum zweiten passen die Spieler viel besser auf wenn sie das Gefühl haben das sie sich dieses Wissen in irgendeiner Form erarbeitet haben.

Je nach dem worum es geht kann es auch eine kleine Queste sein (überzeuge den Bibliothekar euch in die Ecke mit den verbotenen Büchern zu lassen) etc.

Was ich auch mal gemacht habe und sehr gut ankam: Zu Beginn der Kampagne gab es markante Punkte auf der Karte. Jeder Character macht einen Wissenswurf und je nach Ergebnis kann jeder Spieler dann 1-3 Punkte wählen zu denen die SL etwas erzählt während der Rest erstmal unbekannt bleibt. Damit haben die Spieler dann schonmal eine Reihe potentiell interessanter Orte zu denen sie ein wenig Wissen haben und sie sind dann auch neugierig was es mit dem Rest auf sich hat.

Eine weitere Alternative: Ein NPC erklärt einem anderen NPC etwas aber die SCs haben mehr wissen und können ihn korrigieren oder Fakten einstreuen die ihm entgangen sind (entweder steckt man ihnen die Infos direkt oder läßt sie würfeln). Das Prinzip ist das dasselbe: Die Spieler fühlen sich cool dabei das sie mehr wissen als andere und bemerken vielleicht gar nicht das die ganze Szene nur ein Lore-Dump war.
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Offline Holothuroid

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #2 am: 18.05.2026 | 10:19 »
  • Text vorlesen UND austeilen. Du kannt es auch vorlesen LASSEN. Gerade, wenn es länger ist. Alter Lehrer-Trick.
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Offline Namo

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #3 am: 18.05.2026 | 10:50 »
Speziell mache ich da eigentlich nichts. Es sind die "üblichen" Arten wie die Lore eben ins Spiel findet.

Zum einen haben wir immer einer Landkarte ausliegen, so dass zumindest örtliche Eckpunkte schon klar sind. Diese halten dann Einzug wenn gespielt wird. So hatte unserer Kampagne auf der Annubad genannten, großen Weststraße, im Rahmen einer Karawane begonnen. Damals hab ich zwei Takte zur Bedeutung der Straße erläutert und dass sie eben die sicherste Handelsstraße in dieser Region ist. Als wir am Freitag gespielt haben und die Frage aufkam, wie man nun NSC sicher zu Ort XY bringen könnte, kam von den Spielern dann die Anwendung dieser Lore. "Lasst uns zur Annubad und dort einen Karawanenstützpunkt aufsuchen".

Meistens arbeite ich da mit den Hintergründen der Charaktere bzw. deren Klasse. Skillwürfe mache ich hierzu keine, sondern ich flechte das situativ ein. So ist der Kämpfer aus adligem Hause eben bewandert in die Historie der Adelshäuser und bekommt einen subjektiven Ein- oder Überblick über die Graf XY. Subjektiv insofern, als dass er die Informationen natürlich nur vom Hörensagen seines Hauses kennt. Was selten der Wahrheit entspricht.

Auch das Thema Magierakademie bzw. Ausbildung des Magiers wird gerne genutzt. Aber da man eben selbst noch kein Meister ist, besteht nur grundsätzliches Wissen zu manchen Themen, aber man kennt ja Meister XY der sicher mehr Rat weiß.

Ansonsten droppe ich world lore meistens beiläufig in Szenen wenn es sich anbietet. "Ihr seht das Gebirge XY und müsst an die Legenden und Gerüchte denken die sich darum ranken. Als Kind hatte euch immer die Geschichte vom feurespeienden Drachen mit einer goldenen Schuppe an der Stelle seines Herzens besonders fasziniert!". Der Drache kommt dann üblicherweise zig Abenteuer später natürlich auch mal vor. So dass Legenden Wirklichkeit werden, was die Welt wieder lebendiger erscheinen lässt.

Aber so bewusst ins Spiel integriert habe ich da eigentlich keine Kniffe.

Offline Mr. Ohnesorge

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #4 am: 18.05.2026 | 10:56 »
  • Loveletters adressiert an einzelne Spielys zwischen den Sessions. Aber es ist nicht einfach Information, da ist eine Entscheidung und/oder ein Würfelwurf drin.

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Das ist ja cool! Aus welchem System kommen die?
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Offline Holothuroid

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #5 am: 18.05.2026 | 11:12 »
Das ist ja cool! Aus welchem System kommen die?

Die Idee stammt ursprünglich aus Apocalypse World, ist also in der Pbta-Familie verbreitet. Den obigen habe ich damals für eine Kampagne Masks: A New Generation geschrieben.
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Offline Mr. Ohnesorge

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #6 am: 18.05.2026 | 11:15 »
Merci
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Offline Arkam

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #7 am: 26.05.2026 | 16:48 »
Hallo zusammen,

Medien: Ich fertige gerne entsprechende Handouts an mit denen der Hintergrund dann als Artikel oder auch Fernsehlaufschriften vermittelt werden.

Ereignisse: Die Siegesparade die gerade die Verfolgung des NPCs schwierig macht. Ein Journalist der einen SC befragt oder ein NPC der seine Sicht der Dinge erläutert.

Materialien: Organisationen, im Moment bei mir zwei Religionsgemeinschaften, präsentiere ich gerne über ihre Schriften.

Gerüchte: Man kann eigentlich immer ein paar aufschnappen, Das reicht von "Wie läuft eigentlich der Krieg?" über "Wer wird in nächster Zeeit zu Gunsten von Wem abgesägt." bis zu "Welche Ereignisse werden demnächst wichtig?"

Orte und Missionen: Im Moment spielt eine Mission in einem Nachtclub der oberen 10.000. Da kann man sowohl Missionen der Parteien denen die SC angehören als auch kleine Szenen im Club hberfvorragend nutzen.

Gruß Jochen
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Online tartex

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #8 am: 26.05.2026 | 16:52 »
Mit NSCs interagieren lassen, die die Lore darstellen/leben, anstatt Lore vorzulesen oder vorlesen/vortragen zu lassen.

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Offline bolverk

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #9 am: 26.05.2026 | 17:18 »
Neben dem guten, alten Wissenswurf haben wir einen Lore-Kanal auf unserem Discord. Ich weiß nicht ob das als Ingame gilt, aber dort posten ich Handouts zwischen den Spielrunden, z. B. Nachrichtenschipsel über Dinge, die die Spieler während der Runde angerichtet haben. Sowas reicher ich gerne mit jeweils einer unbekannten Information und, wenn nötig, der entsprechenden Erläuterung an.

Beispiel aus meiner Shadowrun-Runde: Die Charaktere sind in eine Falle gelockt worden und liefern sich eine wilde Schießerei mit einem SWAT-Team. Sie entkommen und können später einen Bericht über die Auseinandersetzung im Trideo verfolgen. Dabei erwähne ich, dass es sich um ein Knight Errant HTR Team gehandelt hat und gebe noch eine kurze Info dazu, was Knight Errant ist und wie die Arbeiten. Manchmal verpackte ich das als eine Reihe von kurzen Userbeiträgen aus der Kommentarsektion unter dem entsprechenden Artikel.

Damit füttere ich den Spielern Lore-Häppchen, kann mich zwischen den Runden mit dem Spiel beschäftigen und die Spieler haben den Eindruck, dass die Welt auf ihre Aktionen reagiert. Das klappt natürlich bei einem modernen oder SciFi Szenario besser, als bei Fantasy.
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Offline Torsten (Donnerhaus)

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #10 am: 27.05.2026 | 09:55 »
Was Tartex sagte. Show, don't tell.

Niemand will einen Frontalvortrag über irgendwelchen Krempel der angeblich interessant ist. Wenn das Lore tatsächlich interessant ist, braucht man es nur anzuteasern. Die Spieler holen es sich dann von ganz allein über die NSC und über Handouts ab. Eine spannende oder liebenswerte Person, die einen winzigen Ausschnitt von etwas größerem in einem Nebensatz erwähnt, wird von den meisten Spielern schnell über die Details ausgehorcht.

Wichtig ist dabei auch, dass man die Saat früh genug aussäht und sie klein anfangen lässt. Spieler reagieren manchmal regelrecht allergisch darauf, wenn sie merken, dass man ihnen jetzt irgendwelche bestimmten Informationen aufzwingen will. Am wichtigsten ist immer, dass es sich natürlich anfühlt und die Motivation aus den Spielern heraus kommt.

Offline First Orko

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #11 am: 27.05.2026 | 10:08 »
These: 70-90% des Lores eines sehr detailliert beschrieben Settings dient in erster Linie dazu, der SL ein Gefühl für die Spielwelt zu vermitteln, in zweiter Linie als Inspiration für Spielelemente (Plots, Personen, Orte, Gegenstände) und erst in dritter Linie als Material für Spielende... wenn überhaupt.

Den Versuch, Lore an Spielende über Text zu vermitteln kann man imho vergessen, wenn diese schon nicht die Motivation haben, in ein dickeres GRW den Settingteil zu lesen.

Die Herausforderung als SL ist dann, entscheidende, für das Spielweltgefühl essentielle Teile des Hintergrundes so ins Spiel zu integrieren, dass die Gruppe es instinktiv annimmt. Ein gutes Beispiel ist für mich da tatsächlich das mittlerweile leidige und fast totgetretene "Den Zwölfen zum Gruße" - in dem kurzen Satz gibt es gleich drei Informationen: Es gibt Götter. Diese sind essentiell in der Kultur verankert. Der Fäntelaltersprech deutet auch auf eine ungefähre Einordnung hin. Rückblickend eigentlich brilliant!

Ich bin eh der Meinung, das man über innerweltliche Settingbegriffe schon viel machen kann, wenn diese gut gemacht sind. So Wörter wie "Beamen" oder "Feurball" haben ja nicht umsonst starke Konnotationen und sind Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Bei eigenen Settings versuche ich daher immer, ein gutes Dutzend umgangssprachliche Begriffe zu finden, die entsprechend aufgeladen sind. Ich bin kein Tolkien, daher ist das gar keine leichte Aufgabe - aber wenn es gelingt, kann es wirklich machtvoll sein! Dasselbe gilt für Namen, die zumindest grob für die unterschiedlichen Kulturen im Setting zuordnenbar sein sollten, ob nun Namen für Personen oder Orte.

Je nach Spielstil und System sind natürlich auch Gerüchtetabellen und co. DAS Werkzeug um Lore zu vermitteln!
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Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.

Offline Holothuroid

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #12 am: 27.05.2026 | 10:56 »
@tartex: Magst du mal ein Beispiel geben, wo das bei dir gut funktioniert hat?

Ich bin eh der Meinung, das man über innerweltliche Settingbegriffe schon viel machen kann, wenn diese gut gemacht sind. So Wörter wie "Beamen" oder "Feurball" haben ja nicht umsonst starke Konnotationen und sind Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs. Bei eigenen Settings versuche ich daher immer, ein gutes Dutzend umgangssprachliche Begriffe zu finden, die entsprechend aufgeladen sind.

Ja, jetzt wo du's sagst: In meiner Superhelden-Welt sind Superhelden farbkodiert für Konvenienz.

City corner cape of blue,
gold cape has the quickest shoe.
Red cape when Godzilla rears,
black cape knows your blackest fears.

Das spielt sich also auch so durch. Es gibt einen Ort namens "Camp Red", Titel wie "THE_BLACK_CAT" und "GOLD_LEADER".
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Offline unicum

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #13 am: 27.05.2026 | 11:17 »
Ich hatte mal, Session -1 gespielt. nachdem alle interesse gezeigt hatten trafen wir uns, ich teilte vorgefertigfte Spielfiguren aus und wir hatten ein paar Stunden sehr stringentes (ich möchte nicht sagen das es Railroading war aber mir war schon klar das es schwer gewesen wäre aus dem Plot auszubrechen) "Abenteuer" gespielt: Spielfiguren sind Teil eines Armeetrosses der einen "bösen Fintermagier" angeht und dessen Turm belagert. Tja leider gibts keine Halblinge welche Ringe in Vulkane werfen und Baumhirten zum Turm führen,...

Ende der Geschichte: Der Turm versetz sich, zusammen mit einem Teil der "Gegend" und dem verbliebenden Teil der Angreifer auf einen Gletscher im Hochgebirge. Die verbliebenen Angreifer ziehen sich in das Tal darunter zurück das an einem Gletschersee endet und von dem es keinen Ausgang zu geben scheint,... Ende der Geschichte,... Wir machen Charactere die 500 Jahre später die Nachkommen dieser Angreiferarmee sind.

Da wurde von mir sehr viel Lore vermittelt - aber auch gesagt warum in anderer Hinsicht die Lore welche die SPf haben 500 jahre alt ist wenn sie wieder (was natürklich passiert) zurück in die "Zivilisation" kommen. Der Finstermagier hat natürlich überlebt irgendwie (war aber auch 500 jahre anderweitig,... die "verehrten" Kommandanten der Angriffsarmee sind verschwunden oder haben ein unrühmliches Ende gefunden.)

Offline nobody@home

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #14 am: 27.05.2026 | 11:36 »
Es muß auch gar nicht unbedingt alles an "Lore" einbahnstraßenmäßig direkt von der SL kommen -- je nach Gelegenheit können auch die Spieler ihren Teil beitragen, insbesondere, wenn's eh um ihren eigenen Charakter und dessen Hintergrund geht. "Erzähl doch mal, Michael, was halten eigentlich die Zwerge von Dustbins Clan so von Elfen?"

Offline Zed

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #15 am: 27.05.2026 | 11:40 »
Mit NSCs interagieren lassen, die die Lore darstellen/leben, anstatt Lore vorzulesen oder vorlesen/vortragen zu lassen.

Wie heißt es schön im Schreiberling-Grundkurs: "Show, don't tell!"

Das ist der Weg.

HEXer, mach eine Challenge draus: Nenne uns eine Lore, die Du der Gruppe näherbringen möchtest, und Tanelornys, die Lust haben, schlagen Dir vor, welche "Show" oder "Action" sie sich ausdenken, um die SCs zu dem Thema "zu informieren" oder besser: zu involvieren.

Ich fange mal an

Lore ingame vermitteln: Beispiel "Kriegsverlauf im "fernen" Nachbarstaat"
Die Gruppe wird von einem schmächtigen 15 Jährigen, Lapan, überholt, der ziemlich "hyper" ist. Er findet die Waffen der Gruppe ganz toll, fragt, wieviele Gegner die Gruppe schon getötet hat, und wo sie das Kämpfen erlernt hat, ob sie gefürchtet sind. Er möchte ihnen eine selbstausgedachte Schwerhiebfolge vorführen, die er "Lapans Finte" nennt. Diese Hiebfolge ist gar nichts. Er nervt. Er hält sich bedeckt, wo er hin möchte, aber klar ist: Er ist ein Waffennarr und träumt davon, ein gefürchteter Held zu werden. Er zieht weiter, Richtung Stadt.

Die Gruppe wird einige Stunden später erneut überholt. Die Frau, Garent, ist aufgelöst, ob sie ihren Sohn gesehen haben, Lapan. Lapan ist ein Träumerle, und letztens hat er seiner Mutter eröffnet, dass er Söldner werden will, reich, berühmt und er immer Geld schicken würde, damit seine Mutter sich Knechte und Mägde leisten könne - ohne die die Hofarbeit einfach nicht zu schaffen sei. "Dabei kann Lapan nicht einmal ein Huhn schlachten, ohne dass ihm wegen des Blute schwarz vor Augen wird." Die Gruppe wird sich (hoffentlich) bereit erklären, noch mal mit Lapan zu sprechen.

In der Stadt haben sich ein Dutzend Menschen versammelt, Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben - denn die Menschen mit Potential und Chancen scheinen nicht mehr hier zu leben. Lapan ist unter der Gruppe. Die anderen sind müde und verzweifelt, aber Lapan ist noch immer "hyper". Ein Gespräch ist gerade nicht möglich, weil schlechte Musiker:innen einen Auftritt inszenieren, den die Gruppe nur als peinlich einschätzen kann, der aber auf die Leute doch Eindruck zu machen scheint: Ehrenheld Maximer tritt auf und hält eine Rede! Dass er den höchst erfolgreichen Kriegszug von Königin Kirna gegen die feigen Doradiner extra unterbrochen hat, um hier in dieser Stadt von den ruhmreichen Schlachten zu berichten und Interessierten die Chance zu geben, noch kurz vor dem endgültigen Sieg von Königin Kirna zu ihrer Armee dazuzustoßen.

Maximer verspricht den Leuten den Himmel auf Erden, die Aussicht auf Ruhm, Ehre, Beute und Sold. Es gibt nichts, was er nicht verspricht.

Hier wäre zu hoffen, dass die Gruppe Maximer öffentlich ins Schlingern bringt und auf offensichtliche Widersprüche aufmerksam macht. Wenn die Gruppe hier nicht eingreift, kann sich Mutter Garent sich zu Wort melden und fragen, warum sie von ihrem Mann und ältesten Sohn noch nichts gehört hat, sie hatten versprochen, jede Woche Nachricht zu senden, als sie rekrutiert wurden. Maximer behauptet Dinge wie, es gehe ihnen sicher gut, sie hätten sicher zuviel damit zu tun, das Beutegold zusammen zu tragen. Er kenne die beiden nicht persönlich nicht, weil die Armeen der Königin mit Hundertausenden Held:innen zu groß seien.

Die Herausforderung hier wird sein, Maximer den Kriegsverlauf maximal gefärbt von Königinnen-Propaganda darzustellen, und insbesondere hier herauszuarbeiten, wie schlecht es in Wirklichkeit für die Königin läuft. Je mehr Details von Maximers Behauptungen und Versprechen die Gruppe in Frage stellt, desto wankelmütiger wird Lapan - bis er sich schließlich doch nicht freiwillig meldet.

Als Nachklapp könnte Maximer Lapan und noch ein paar Enttäuschte zu kidnappen versuchen. Oder Maximer könnte Mutter Garent und / oder die Gruppe zu ermorden versuchen, weil sie mit ihren Fragen Zweifel säen - Volkszersetzung nannte man das wohl früher.

Im Kampf um, ja: das Leben Lapans erwirbt sich die Gruppe mal eben so Expertise in Ursache und Verlauf des Krieges gegen die Doradiner, um Maximer zu demaskieren.

Offline manbehind

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #16 am: 27.05.2026 | 11:54 »
Hallo liebe :T:ies,

Welche Methoden und Techniken verwendet ihr, um euren Spielern in komplexeren Settings Lore innerhalb des Spieles „actionable“ zu vermitteln? Also nicht einfach durch erzählen, sondern so, dass sie auch relevant und handlungsbezogen ist? Habt ihr vielleicht konkrete Beispiele, was ihr wie gemacht habt? Ich könnte da ein Bisschen Inspiration gebrauchen. :)

Hast du denn Beispiele dafür, was genau du in welchem/was für einem Setting vermitteln möchtest?

Grundsätzlich bin ich auch ein Fan von "Show, don't tell!" D. h. geschildert werden wahrnehmbare Fakten, aber nicht ihre Interpretation.

D. h. eine Schilderung der ersten 30 Sekunden von "Star Wars" würde sich auf das beschränken, was gesehen und gehört wird. Der Begriff "Verfolgung" dürfte hier nicht fallen, denn das ist die abstrakte Bedeutung der Informationen, die "Story", die hier erzählt wird und genau die Leistung, die die Gehirne der Zuschauer erbringen sollen.

Leider geht das nicht immer; das Praios der Sonnengott und auch der höchste Gott Aventuriens ist, lässt sich in einer Alltagssituation nicht (oder zumindest nicht ohne Aufwand) durch "Bilder" darstellen.

In Filmen oder Romanen wird das dialogisch gelöst, d. h. eine sprechende Figur lässt gewünschte Informationen bei passender Gelegenheit in ein oder zwei Nebensätzen einfließen. ("Aber wie ihr wisst, wird Praios, Gott der Sonne und der Ordnung und der höchste der 12 niemals zulassen, dass...")
« Letzte Änderung: 27.05.2026 | 12:14 von manbehind »

Offline First Orko

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #17 am: 27.05.2026 | 12:29 »
Ich habe tatsächlich einmal Lore per Ingame-News zwischen den Sitzungen verteilt in der Messengergruppe der Runde! Das kam auch ziemlich gut an, wurde aber leider kaum aufgegriffen - im Endeffekt waren es mögliche Plotaufhänger, wo man hätte nachforschen können aber die Gruppe war genug beschäftigt mit anderen Dingen. Manchmal habe ich auch Ereignisse aufgegriffen, an denen die Gruppe beteiligt war.
Setting war eine selbst ausgedachte Cyberpunk-Stadt.  [Markierte] Schlagwörter konnte man nachfragen für mehr Infos  8)
Als SL natürlich ein gewisser Aufwand... Hier ein paar Beispiele:

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« Letzte Änderung: 27.05.2026 | 12:34 von First Orko »
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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #18 am: 27.05.2026 | 13:08 »
Nebenbei ist mir gerade rein zufällig ein Dice-auf-Eis-Video über den Weg gelaufen, in dem es in erster Linie um Weltenbau geht, aber auch die Vermittlung der Informationen mit angesprochen wird (sind ja auch zwei sehr nahe verwandte Themen). Deutsch, ca. zwölf Minuten Laufzeit, mMn recht eingängig und unterhaltsam, findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=MizKvxsYvMI

Online tartex

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Re: Lore ingame vermitteln
« Antwort #19 am: 27.05.2026 | 14:00 »
Leider geht das nicht immer; das Praios der Sonnengott und auch der höchste Gott Aventuriens ist, lässt sich in einer Alltagssituation nicht (oder zumindest nicht ohne Aufwand) durch "Bilder" darstellen.

In Filmen oder Romanen wird das dialogisch gelöst, d. h. eine sprechende Figur lässt gewünschte Informationen bei passender Gelegenheit in ein oder zwei Nebensätzen einfließen. ("Aber wie ihr wisst, wird Praios, Gott der Sonne und der Ordnung und der höchste der 12 niemals zulassen, dass...")

Also das Beispiel weiter oben von "Den Zwölfen zum Gruße!" ist doch super.

Wenn ich Praios' Position vermitteln will, lasse ich einfach einen entsprechenden Geweihten vorbeiziehen. Vor ihm eine kleinere Prozession Messdiener oder so, die alle zur Seite scheuchen, die im Weg stehen.  Ein Teil des Pöbels wirft sich vor der Prozession auf die Knie, irgendwer ruft "Götterfürst, Herr der Ordnung, strafe die Gesetzesbrecher!" und eine zwielichtige Gestalt flüstert den Helden zu: "Diese arroganten Praois-Geweihten, ob ein Inquistor auch in der Nähe ist?"

Ich empfinde das schon sehr bildlich.
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