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Meine große Hauptstadt ...

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Feuersänger:
Habe das mal eben ins Weltenbau-Forum verschoben.
Okay ich gehe mal das Video durch. Ich kann nach 1 Minute schon sehen dass wir einiges zu diskutieren haben.

These: "80-95% der Bevölkerung müssen Bauern sein" Er versteigt sich sogar zu der Aussage, das sei "nicht verhandelbar".

Ähm. Es geht doch um eine FANTASY Stadt? Ich kann auch eine Fantasywelt haben, in der jeder ein Töpfchen-Koch daheim hat, dann brauche ich überhaupt keine  Bauern. Er aber geht offenbar von "realistischen mittelalterlichen" Verhältnissen aus, was dem Titel des Videos widerspricht. [mal davon ab dass es schon einen gewissen Fortschritt in den 1000 Jahren zwischen Anfang-Früh- und Ende-Spätmittelalter gab]

Wenn wir aber die Torpfosten in Richtung "Mittelalter-Setting" verschieben, ja, dann scheint der Rest soweit recht fundiert zu sein. ZB auch das Einzugsgebiet und so. Ich habe ja auch schonmal ähnliche Kalkulationen angestellt.
Ich bin dann grob auf das Ergebnis gekommen, dass bei gemischter Landschaft (Felder, Wald, Weiden etc) eine Stadt aus ihrem primären Einzugsbereich, mit Dreifelderwirtschaft und relativ günstigen aber immer noch mittelalterlichen Bedingungen (zB Pferde- statt Ochsenpflüge), ca 45-60.000 Einwohner versorgen kann.

Der Typ hingegen kommt mit seiner Rechnung (Einzugsbereich 15 Meilen Radius) auf eine maximale Stadtgröße von... 3800 Einwohnern.
Da sollte es eigentlich klingeln dass da was nicht stimmen kann. Es gab auch im europäischen Mittelalter durchaus größere Städte, ohne dass diese jetzt "imperiale Hauptstädte, die alle anderen aussaugen" sein mussten. Beispielsweise Nürnberg war um 1350 grob 10-20k Ew stark. Das 100km entfernte Würzburg vielleicht 4-8k, und nochmal 100km weiter Frankfurt grob 8-10k. Ganz genaue Zahlen haben wir freilich nicht.

--> diese Behauptung ("3800 max") ist einfach kompletter Kappes.

--

Edit:
Ah moment: er setzt wohl Zweifelderwirtschaft und einen Ertrag von 4:1 an. Dann mögen seine Zahlen hinkommen. Das ist aber dann wirklich Antike oder _sehr_ frühes Mittelalter, grob vor 800. Das ist aber normalerweise nicht der Techlevel, der in gängigen Fantasysettings emuliert wird.

Holothuroid:
Mich würde mal die Rechnung mit anderen Grundnahrungsmitteln interessieren. Sagen wir: Kartoffeln.

Sashael:
Wie funktionierte dann Rom, das angeblich 1 Mio Einwohner hatte?

Maarzan:

--- Zitat von: Holothuroid am 17.06.2026 | 15:14 ---Mich würde mal die Rechnung mit anderen Grundnahrungsmitteln interessieren. Sagen wir: Kartoffeln.

--- Ende Zitat ---

Nicht nur die Roherträge, sondern auch auch Lager- und Transportverluste wären dann aber zu betrachten.

KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Ähem, hab das Video bisher nur überflogen - aber trennt er tatsächlich eine rein nichtagrarische Stadtbevölkerung von nahrungsproduzierenden Bauern im Umland?

Weil nämlich Stadtbewohner sehr wohl auch eigene Nahrung mitproduziert haben, in Gärten und Feldern innerhalb der Stadt (Städte im Mittelalter sind bis ins Spätmittelalter nicht mit Bebauung vollgepflastert), als auch in den Gärten und Feldern direkt vor der Stadtmauer (die bei den meisten Fantasystädten einfach nicht existieren).

Wer das Thema mal gerne vom Fachmann erläutert bekommen will, ich kann das hier nur empfehlen:

https://acoup.blog/category/collections/lonely-cities/


Und generell wie die Mehrheit der Bevölkerung in der Vormoderne lebt und wirtschaftet (und worauf sich der ganze Rest der Gesellschaft dann aufbaut):

https://acoup.blog/category/collections/the-peasant/

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