Autor Thema: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?  (Gelesen 3455 mal)

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Offline Issi

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #100 am: 21.06.2026 | 18:49 »
Wenn man jetzt nur die Spielmechnik betrachtet:
Warum sowas wie Schicksalspunkte &Co?

Es ist nicht das gemeinsame Ziel, Spieler unnötig zu frustrieren. Und allein deshalb schon machen zweite Chancen mehr Sinn als "learning by dying."


Als ingame Begründung könnte man etwas hernehmen, was nicht direkt an eine bestimmte Figur gebunden ist, sondern die Mission als ganzes im Sinn hat. Beispiel (Die höheren Mächte schenken jenen Glück, die sich an Mission X wagen, also so ne Art "Abenteuer Segen'")

PS. Mit jeder Figur jemand besonderen spielen zu müssen, der sich durch falsches Verhalten die Gunst seiner mächtigen Gönner, (und damit quasi auch seine Spiel mechanischen Lollis) verspielt, legt mMn den Spielern ein zu starkes Korsett an.


« Letzte Änderung: 21.06.2026 | 18:59 von Issi »

Offline nobody@home

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #101 am: 21.06.2026 | 19:33 »
Wenn ich einfach nur darüber nachsinne, wie sich ein "Auserwähltenstatus" spielmechanisch niederschlagen könnte, dann gibt's in der Tat reichlich Möglichkeiten. Beispielsweise "Ihr seid alle von den Göttern auserkoren, eine wichtige Mission zu erfüllen...eure Charaktere starten automatisch auf Stufe 6 und kriegen +2 auf alle Attribute." :)

Ob die Götter ihre Geschenke dann so ohne weiteres zurücknehmen können, wenn sich die SC entscheiden, Unfug zu machen, oder ihre Auftraggeber sogar gründlichst zu verraten...das ist im Zweifel auch noch mal so 'ne Frage, und es gibt ja genügend mythologische Vorbilder, nach denen das so einfach eben doch nicht ist. Im schlimmsten Fall mag es ihnen sogar an der nötigen Macht mangeln, ihre Auserwählten überhaupt irgendwie zu bestrafen, weil es ihnen aus irgendwelchen Gründen selbst nicht gut geht und sie tatsächlich schon ihre letzten verfügbaren Kräfte in genau diese investiert haben -- dann wird die Missionstreue endgültig zur Gewissensfrage.

Offline Maarzan

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #102 am: 21.06.2026 | 20:40 »
Nein, die Frage ist, ob es sinnvoll ist zu sagen, dass ein SC nur durch die Führung der Figur durch den Spieler etwas Besonderes sein sollte, statt auf regelmechanische Vorteile zurückzugreifen.

Und da besonders im Fantasybereich nahezu jedes Regelwerk durch regelmechanische Optionen die SC im direkten Vergleich mit allen NSCs und Monstern "besser" macht und auch immer "besser" werden lässt, halte ich die Aussage für bestenfalls fragwürdig, im schlimmsten für reine Selbsttäuschung.

Der besagte "Goldene Löffel im Po" für SC fängt nicht erst bei irgendwelchen "Götterpunkten" an.

Viele Spiele machen die SC zu Überkreaturen, ohne das "Chosen" Trope überhaupt anzufassen. Inwieweit sich jetzt ein SC mit drölf rein mechanischen Kampffeats von einem SC unterscheidet, der vom Regelwerk mit "Götterfunken" ausgestattet wurde, weil alle SC von den Göttern erwählt wurden und dann damit exakt das Gleiche macht wie der Excel-Sheet-Hero, bedarf anscheinend noch einer Klärung.

Wieso sollten SC überhaupt etwas herausgehoben besonderes in der Spielwelt sein?
In unserer Welt haben sie den Spielerfokus, aber sonst noch zusätzlich?

Und wo macht nahezu jedes Regelwerk die SCs im Vergleich zu allen NSCs besser? Und besser werden sie durch lernen, bekommen selbst ganz ohne Fantasy die meisten irdischen Personen im RL  hin, wenn vielleicht auch etwas langsamer.

Und klar muss an "Scs sind mechanisch besser" keine Götterpunkte hängen. Aber dieses mechanisch besser wäre dann das dann zumindest von mir kritisch gesehene. Das IG Label "Auserwählter" ist da dann nur noch das Sahnehäubchen, aber ohne Mechanikunterstützung auch nur eine Einstellungssache.

Solange andere Figuren (bz. NSCs)  in ähnlicher IG-Position Zugang zu solchen  Feats haben sehe ich da kein Problem. Du bist Absolvent der Meisterschwingerakademie? - schön, genau wie das andere halbe Dutzend Absolventen jedes Jahr  und weitere ähnliche Dutzend von Konkurrenzschulen. Und nächstes Jahr wird der nächste Jahrgang kommen.

Erst wenn das ein übersichtlicher "Privatclub" wird, der abseits von der normalen Spielweltphysik wirkt, bekomme ich ein Problem.
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Offline unicum

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #103 am: 21.06.2026 | 20:47 »
Die meisten Regelwerke kommen mit dem goldenen Löffel, sie sagen das nur nicht explizit.

Spätestens, wenn ein einzelner Angriff mit einer Pistole oder einem Schwert keine Chance mehr hat, deinen ausgeruhten Charakter umzubringen, steckt der Löffel schon in deinem Boppes.

Ich sehe den unterschied eher darin wenn zwischen SC und NSC ein regeltechnischer unterschied ist, ganz krass wenn es im Regelwerk für NSC sowas wie "Goons" gibt oder "Mobs",... die ein SC reihenweise ummähen kann.
Also in deinem Fall, wenn meine Figuren auch keine Chance haben einen ausgeruhten vergleichbaren NSC umzubringen ist alles gut.

Aber es gibt sehr wohl systeme wo man sich das Kämpfen sehr wohl überlegen sollte.
« Letzte Änderung: 21.06.2026 | 23:29 von unicum »

Offline Issi

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #104 am: 21.06.2026 | 21:44 »
Problem ist auch: Wenn die Götter irgendeine Gunst (in Form von Lollis) nehmen oder geben können, kann das letztlich die Spielleitung.
Und niemand hängt gerne zu stark von irgendeiner Spielleiter Gunst ab.

Ja, ich weiß, man muss seiner SL vertrauen können aber die Chance auf Konflikte ist trotzdem hoch.
A la : "Das was deine Figur getan  oder nicht hat, hat die Götter erzürnt. "- Also Tschüss Lollis

Edit.
Ich als SL möchte zugegeben auch nur sehr ungern  bewerten müssen, ob sich jede Figur noch auf dem richtigen Kurs befindet oder nicht.
Und dann noch per Regel belohnen oder bestrafen.
Bin schließlich weder Richter noch Oberlehrer sondern Mitspieler .
« Letzte Änderung: 21.06.2026 | 21:52 von Issi »

Offline Jiba

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #105 am: 22.06.2026 | 07:03 »
Okay... Seite 5. Habe jetzt nicht alles gelesen, sondern nur überflogen.

Aber ich finde äußerst auffällig, wie viele eigentlich unabhängig voneinander zu betrachtende Sachverhalte miteinander vermischt werden. Also ich weiß nach der Lektüre vieler Beiträge nicht mehr, was die Leute hier unter "Auserwähltsein" überhaupt verstehen. Wahlweise firmiert darunter:

  • Ein Charakter, der eine bestimmte Prophezeiung/ein Schicksal zu erfüllen hat und dieses dann auch deterministisch erfüllt – es gibt keinen Weg daran vorbei
  • Ein Charakter, der von einem Gott auserwählt wurde und Kräfte erhielt – ja, so spezifisch, es ist immer von "Göttern" in der Mehrzahl die Rede
  • Ein Charakter, der sich (häufig) sichtbar in seiner Rolle von gewöhnlichen Menschen unterscheidet und Zugang zu Kräften hat, die Nicht-Auserwählten verwehrt bleiben
  • Ein Charakter, der regeltechnisch anders abgehandelt wird, als ein vergleichbarer NSC – und dabei meist gegenüber bestimmten NSCs bestimmte regeltechnische Vorteile genießt
  • Ein Charakter, der durch seine Existenz als "etwas Besonderes" der Spielweltphysik und -gestaltung trotzt und als Fremdkörper in ihr agiert

Meist ist es eine Kombination aus diesen Punkten.

Ich muss aber auch feststellen: Die Zahl der Rollenspiele, die all diese Kriterien erfüllt, ist verschwindend gering. Sie dürfte zumindest verschwindend gering sein.
Zumindest der erste Punkt, der im Eröffnungspost ja noch eine zentrale Rolle spielt, fällt in der Diskussion völlig hinten runter. Und das ist auch nicht weiter verwunderlich: Eine Handlung im Rollenspiel, bei der es heißt "Dein Charakter erfüllt jetzt diese Prophezeiung, so!" gibt es schlicht und ergreifend so gut wie gar nicht (mehr?)

Ich würde sogar sagen: Das ist die Domäne von Abenteuern und nicht von Regelwerken. Ich kenne Abenteuer, in denen die Spielfiguren in irgendeiner Weise auserwählt sind und ein spezifisches Schicksal erfüllen werden (naja... ich kenne EIN Abenteuer: "Die Sieben Gezeichneten"). Aber ganze Regelwerke, die den mit ihnen erstellten SCs eintreffende Schicksale vorschreiben? Gibt es außerhalb von deterministischen Spielen, bei denen das Ende im groben Rahmen feststeht und nur ausgestaltet wird (gibt einige Storygames in diese Richtung), gar nicht (oder?).

Sicher, es existieren Spiele, die einige der Kriterien erfüllen können. Jedes Superhelden-Rollenspiel muss sich den Schuh anziehen, aber doch scheinen Superhelden hier nicht gemeint zu sein, wenn wir von "vom Schicksal Erwählten" reden.

In Scion oder City of Mist ist das Superheldenthema etwas verfremdet. Man spielt hier das leibliche Kind eines antiken Gottes bzw. den Avatar eines mythischen oder fiktionalen Metatopos ("Ich bin der Auserwählte von Robin Hood – allerdings nicht der Edgelord-Version von Hugh Jackman.") Die Frage ist da natürlich, ob da wirklich jemand, oder etwas "wählt" oder sich die Umstände des "Besserseins als alle anderen" aus der spezifischen Gestaltung der Core Story der Spielwelt so ergeben. Götter sind Götter, also sind ihre Kinder auch potenziell gottähnlich. Und wie und warum ein Mythos bei CoM seinen Träger aussucht, dazu schweigt das Setting sich aus – er manifestiert sich eben über ihn in der Welt. Determiniert im Sinne von "großes Schicksal" ist das aber auch nicht. Bei "Scion" vielleicht ein bisschen insofern, dass es Fatebinding gibt, bei dem während des Spiels sich spielmechanisch bestimmte Menschen an den Charakter binden und die großen Ereignisse immer dort stattfinden, wo der Scion gerade ist. Das ist aber letztlich einfach nur eine spielweltinhärente Erklärung für das Main-Character-Phänomen, das an den meisten Spieltischen sowieso gilt (niemand sagt doch "Tja, ich wollte mit euch heute ein Abenteuer mit euch spielen, aber eure SCs sind gerade zufällig nicht dort, wo ich das Abenteuer angesiedelt hätte, also spielen wir stattdessen heute eine Runde Kniffel.")

Und wo wir eben schon von "Avatar" sprachen: Beim Avatar – der Herr der Elemente-Rollenspiel gibt es Bändiger und Nicht-Bändiger. Zählt das schon als "auserwählt sein"? Dasselbe könnte man für sämtliche magischen Professionen in Fantasyrollenspielen fragen, die gewisse Motive mit Auserwählten-Geschichten teilen. Dass Menschen zum Beispiel eine inhärente Begabung für Magie haben müssen, sie dafür entweder verehrt (Magierkönige, anyone?) oder gefürchtet werden (Aberglaube, Hexenverbrennung – Hexen galten ja gewissermaßen in der frühen Neuzeit auch als vom Teufel "auserwählt)", etc., rückt dann gefährlich nahe ans "Auserwählte der Götter"-Thema, wenn dem direkten Eingreifen von Göttern sonst auch alles Mögliche zugesprochen wird. Splittermond fällt gewiss auch hier rein.

Und was ist mit Kung-Fu- oder Mantel-und-Degen- oder Action-Helden-Geschichten? Hier trifft nur der Punkt zu, dass die SCs den einfachen Wald- und Wiesenschergen auch schon regeltechnisch überlegen sind und in einer ganz anderen Liga spielen. Aber reicht das, um ein Auserwählter des Schicksals zu sein? Was dort betrieben wird, ist Genre-Emulation. Das würde ich bei dieser Diskussion völlig außen vor lassen.

Das Spiel, was die meisten der oben angegebenen Punkte in sich vereint, ist wahrscheinlich Exalted. Und mit "die Meisten" meine ich: 3. Denn Punkt 1 und Punkt 5 erfüllt es nämlich nicht. Bei Exalted sind die SCs Menschen, die durch besondere Taten (oder besondere Ahnenlinien... das ist aber quasi angeboren und daher hier nicht relevant) die Aufmerksamkeit einer der mächtigsten Gottheiten der Spielwelt (in der es Millionen bis Abermillionen Gottheiten gibt, die alle in einer riesigen Bürokratie organisiert sind) auf sich ziehen und deswegen mit besonderen Kräften ausgestattet werden um... ja, was eigentlich?

Da bricht nämlich das Prinzip des Auserwähltseins schon. Die Götter verleihen Kräfte, aber weder können sie sie dem Erwählten wieder wegnehmen, noch sind sie sonderlich dran interessiert, was er mit ihnen anfängt. Auf keinen Fall "überwachen" sie seine Taten... sie sind viel zu sehr damit beschäftigt EVE Online Die Göttlichen Spiele zu spielen. Die Götter geben ihren Auserwählten lediglich ein Potenzial, aber dahinter steckt keine Zielsetzung... obwohl einige ihnen schon etwas mitgeben wie "Tue dies oder das für mich". Ob das dann auch getan wird, bleibt dem Spieler überlassen. Und sonst halten die Götter sich weitestgehend raus.

Mehr noch: Im Setting stehen die Auserwählten dem Schicksal sogar diametral gegenüber. Bei Exalted gibt es so etwas wie ein 100% eintretendes Schicksal nämlich nicht... weil es Auserwählte gibt, die sich gegen die Wege der Welt mittels ihrer Kräfte wehren können. Prophezeiungen sind hier eher so etwas wie Absichtserklärungen: Das Schicksal strengt sich ganz ganz doll an, um etwas eintreten zu lassen (durchaus auch über Agenten aus der Himmlischen Stadt, die natürlich auch besiegt werden können). Bemühung ist aber eben keine Garantie, sodass das Setting alles andere als deterministisch für die SC ist. Für die Normalsterblichen hingegen in viel stärkerem Maße, weil sie nicht dieselbe Power haben, um dem Schicksal zu trotzen.

Die Auserwählten sind hier (häufig sogar sichtbar) etwas Besonderes und sie erfüllten einst wohl auch einmal einen kosmischen Zweck, machen jetzt aber weitgehend ihr eigenes Ding. Und all das ist in die Spielweltphysik eingebunden und Teil der Spielweltphysik. Es ist, wie die Welt funktioniert und sogar ziemlich ausgeklügelt. Auserwählte sind halt einfach auch nur irgendwelche Leute... mit krassen Kräfte. Aber schon halt Leute.

Unterm Strich also:
Rollenspiele spielen häufig nicht die typischen Geschichten von "Vom Schicksal erwählten" Heroen ab. Wäre für ihren Spielmechanismus auch ziemlich unsinnig, wenn man allzu starre Schienen vermeiden möchte. Viele Elemente, die wir diesem Topos hier beifügen, existieren eigentlich außerhalb von ihm und sind eigene Spielweltbausteine, die je nach Geschmack gut oder schlecht umgesetzt werden können.

Mich schert es jedenfalls nicht, wenn ich in einem Rollenspiel eine Figur spiele, die regelseitig mehr drauf hat als der Rest oder die irgendeine besondere Rolle in der Welt zu erfüllen hat, ob nun göttlich gestiftet oder nicht. Ich finde einfach die Ausgestaltung dieses Topos kann so unterschiedlich ausfallen, dass ein Pauschalurteil dazu gar nicht zielführend ist. Ich kann mir sogar Auserwählten-OSR vorstellen – warum denn nicht? Ich muss lediglich darauf achten, dass das System tödlich genug bleibt und ich den Spielern Präparierungs- und Knobelaufgaben und wandernde Monster und modellierte Hexfelder und viele Zufallstabellen (Liste nicht erschöpfend) gebe. Alles andere ist Settinganstrich.

Ich wundere mich halt über die vehemente Ablehnung von "auserwählten" Charakteren, wo das doch ein wahnsinnig breites Spektrum ist, in der ganz unterschiedliche Geschichten Platz finden können.
« Letzte Änderung: 22.06.2026 | 07:18 von Jiba »
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Offline Sphinx

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #106 am: 22.06.2026 | 08:46 »
Ich bin etwas spät bei der Show und hab nicht mehr alles gelesen deshalb geht das ehr an den Anfangspost.

Ich spiele unter anderem damit am Ende einer Kampagne eine Unterhaltsamme interessante Geschichte rauskommt. Dafür muss eben was passieren. Mag sein das simuliertes Brot backen auch jemand spaß machen kann, für mich muss es schon mehr sein.

Ich hatte schon das Gespräch mit einem Spieler über "Es ist doch doof wenn immer was interessantes passiert, genau wenn die Charaktere auftauchen". Wieso kommen wir genau um die Ecke wenn die Monster die flüchtende Familie fast eingeholt haben?
Mein Kommentar war das wenn sie getrödelt hätten die Familie vielleicht schon tot gewesen wäre. Sie als Spieler aber gar nicht wissen können das es einen versteckten Timer gibt, weshalb es immer so aussehen muss das sie zufällig am Rechten Ort sind. Die 50 anderen Ecken um die sie gekommen sein müssen, bei denen nichts passiert ist, um diese Spezielle zu erreichen haben wir halt nicht ausgespielt.

Für mich können die Charaktere auch Normalos sein die immer in irgendwas rein schlittern. Aber dann muss auch die Frage erlaubt sein: Schlittert jeder Charakter/NPC in der Welt regelmäßig in die wildesten Abenteuer? Oder ist doch was besonders am PC? Schicksal ist eine sehr einfache Erklärung dafür.
Soren Johnson: Given the opportunity, players will optimize the fun out of a game |"Haben die Spieler die Möglichkeit, Optimieren sie den Spaß aus dem Spiel."

Offline nobody@home

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #107 am: 22.06.2026 | 09:05 »
Ich wundere mich halt über die vehemente Ablehnung von "auserwählten" Charakteren, wo das doch ein wahnsinnig breites Spektrum ist, in der ganz unterschiedliche Geschichten Platz finden können.

Mag sein, daß die Ablehnung primär aus der "Rollenspiel bedeutet, klein anzufangen und sich alles hart und ehrlich zu verdienen!"-Ecke kommt. Da beißt sich dann ja allein schon der Spielansatz mit dem Konzept, und D&D & Co. (also exakt der Bereich, in dem sich Old-Skool-Spieler schon ewig über die "Versuperheldisierung" im Lauf der Editionen aufregen) sind ja auch nach wie vor populär.

Andererseits gibt's natürlich schon seit Jahrzehnten Alternativen, und selbst in einem klassischen Aufstiegssystem kann man im Prinzip einfach setzen, daß die Spielercharakter nicht zwingend auf Stufe 1 anfangen oder mit "6x 3W6 in Folge" ausgewürfelt werden müssen. Spätestens in einem ausgesprochenen Superheldensetting wird dann "Ich bin auserwählt!" sowieso nur noch zu einer weiteren Erklärung unter vielen dafür, woher diese bestimmte Figur ihre Superkräfte überhaupt hat. :)

Offline Namo

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #108 am: 22.06.2026 | 09:27 »
Ich lese auch heraus, dass hier unterschiedliche Sachverhalte als eins diskutiert werden. Der Tenor im Thread scheint ja zu sein, dass der Auserwählte als solcher auf die Welt kommt und jeder in der Spielwelt weiß, dass er oder sie für irgendetwas auserwählt ist. Und dass damit gleichzeitig besondere Kräfte einher gehen. Und dass der/die Auserwählte eigentlich dadurch auch nur einen Pfad beschreiten kann. Das ganze soll dann auch noch so verregelt sein mit Sonderfähigkeiten und oder Gummipunkten.

Das erscheint mir so eindimensional wie Superman. Und ist für mich jetzt auch nicht das, was ich als Auserwähltenspiel definiere oder haben möchte. Ich mag daran alleine das Storyvehikel. Wobei ich mir noch nie um alle möglichen Facetten die auch gehen Gedanken gemacht habe. Auserwählt zu sein bedeutet für mich zunächst einmal, dass eine höhere Macht existiert die auserwählt. Schon hier kann man Abbiegungen nehmen. Entweder Gottheiten oder "das Schicksal". Letzteres mag dann in Form einer alten Prophezeiung daher kommen wie z.B. das Orakel bei Matrix oder eben irgendwer bezüglich Anakin Skywalker.

Die Frage ist dann auch zu was der Charakter überhaupt auserwählt sein soll? Die Rettung der Welt? Den Untergang der Welt? Gleichgewicht bringen? Das Wort Gottes den Menschen überbringen? Letzteres könnte dann auch einfach nur ein "besserer" Kleriker/Priester sein. Der nix an besonderen Fähigkeiten außer seinen Glauben hat. Klar, er kann dann noch behaupten der Sohn Gottes zu sein und Wunder vollbringen zu können. Kann man alles mit normalen Regeln abbilden.

Im letzten Beispiel weiß nach und nach die ganze Welt vom Status. Was so auch gewollt ist. Im Falle von Neo/Anakin wissen es eigentlich nur wenige. Die normale "Bevölkerung" weiß darum nichts. Das ist eher etwas intimes zwischen Protagonisten und wenn es doof für sie läuft eben auch die Antagonisten. Hier käme auch wieder mein Vergleich mit Frodo. Gerade weil Sauron nicht glaubt, dass ein Hobbit "auserwählt" sein könnte, lässt er sich von Aragorn ablenken. Okay, der wiederum war auserwählt Elessar zu werden - ein Schicksal dass er wiederum erfüllt hat. Auch hier waren zunächst eher wenige um ihn die darum wussten.  Bis er offen nach außen trat und sich zeigte. Und auch hier war er eher ein "normaler" Abenteuer ohne Superduper göttliche Fähigkeiten.

Das sind für mich eigentlich die tropes die ich mit der chosen one Thematik verbinde. Da dürfen im Verlauf vielleicht noch Fähigkeiten hinzu kommen. Müssen aber nicht. Denn der Weg ist das Ziel und letzten Endes werden die Charaktere dadurch etwas besonderes, weil sie eben aufleveln und aus der Masse heraus treten bzw. die besten ihrer Art werden. Wenn sie dem Weg denn folgen wollen. Ich finde das Spiel kann hier so vielfältig werden, wie man es nur möchte - ohne dass es von Anfang an in diffuses Railroading Superheldenspiel mündet, wie es mir hier in der Diskussion erscheint.


Offline Swanosaurus

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #109 am: 22.06.2026 | 10:41 »
Ich lese auch heraus, dass hier unterschiedliche Sachverhalte als eins diskutiert werden. Der Tenor im Thread scheint ja zu sein, dass der Auserwählte als solcher auf die Welt kommt und jeder in der Spielwelt weiß, dass er oder sie für irgendetwas auserwählt ist. Und dass damit gleichzeitig besondere Kräfte einher gehen. Und dass der/die Auserwählte eigentlich dadurch auch nur einen Pfad beschreiten kann. Das ganze soll dann auch noch so verregelt sein mit Sonderfähigkeiten und oder Gummipunkten.


Mein Ausgangs-Beef ist noch ein bisschen ein anderer (und ich bin selbst noch dabei, das auszuklamüsern ...).

Worum es mir dort nicht geht, sind folgende Dinge:

Powerlevel - m.E. eine ganz andere Frage. Welche Kräfte die SC haben, kann von allen möglichen Faktoren und natürlich auch vom "Auserwähltsein" herrühren, aber es muss da weder in die eine noch in die andere Richtung eine direkte Verbindung geben.

Eine diegetisch existente Wesenheit mischt sich in die Existenze der Charaktere ein: Wenn es reale Götter im Setting gibt, sind das im Prinzip NSC; wenn die einen SC mit Fähigkeiten ausstatten, haben sie ihn vielleicht "auserwählt" - das ist es aber nicht, was ich unter vom Schicksal auserwählt verstehe.

Schnittstelle davon: Diegetische Wesenheit stattet SC mit Kräften aus, damit SC eine ihm zugedachte Aufgabe erfüllt. Meistens nicht so mein Ding, aber immer noch kein grundsätzlicher Beef.


Eigentlich werde ich erst dort grundsätzlich unwillig, wo es weniger um die Regel- und Storypraxis geht und mehr um die Begründung dahinter:

Wenn die Regeln mir sagen, dass die Charaktere von vorneherein das besondere Etwas haben, das sie - sei es vielleicht auch nur subtil - aus der Masse heraushebt und sie zu großem bestimmt, stört mich das tendenziell. Noch mehr, wenn das dann z.B. als Begründung für Meta-Ressourden herhält und damit zusätzlich objektiviert wird (aber gleichzeitig in der Fiktion diffus bleibt).

Mein Problem ist da tatsächlich wohl eher ein im weitesten Sinne ideologisches: Ich mag grundsätzlich die Idee nicht, dass manche Personen von vorneherein für "Großes" bestimmt sind und hänge viel eher der Vorstellung an, dass so etwas immer nur eine nachträgliche Zuschreibung ist. Entsprechend ist mir z.B. bei Schicksalspunkten auch die strikte Trennung wichtig: Sie existieren in der Spielweltwirklichkeit für mich nicht. Sie sind auch keine Eigenschaft der Charaktere. Sie sind lediglich ein Werkzeug auf Regelebene, um Geschichten mit Kontinuität zu erzählen, in denen die Figuren trotz großer Risiken immer wieder überleben. Auf der diegetischen Ebene ist das aber Zufall und bedarf keiner Erklärung. Vielmehr spielen wir diese Protagonisten, weil sie im Rückblick diejenigen gewesen sind, die trotz großer Widrigkeiten mit Glück und Findigkeit überlebt haben.

Das kann man jetzt als extreme Spitzfindigkeit betrachten, aber ich schrieb im Eingangspost ja auch von einem Abtörner - also einem Detail, das mir tendenziell die Lust nimmt, mich weiter mit einem Rollenspiel zu beschäftigen.
Ehemals Rumpel/Achamanian

Meine Veröffentlichungen:
Season of the Snail für Troika!: https://www.drivethrurpg.com/de/product/524068/season-of-the-snail
Lover's Gaze für Cloud Empress: https://www.drivethrurpg.com/de/product/515643/lover-s-gaze-for-cloud-empress
Hidden Depths für Ashen Stars: https://www.drivethrurpg.com/de/product/300541/hidden-depths

Offline nobody@home

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #110 am: 22.06.2026 | 10:53 »
Mein Problem ist da tatsächlich wohl eher ein im weitesten Sinne ideologisches: Ich mag grundsätzlich die Idee nicht, dass manche Personen von vorneherein für "Großes" bestimmt sind und hänge viel eher der Vorstellung an, dass so etwas immer nur eine nachträgliche Zuschreibung ist. Entsprechend ist mir z.B. bei Schicksalspunkten auch die strikte Trennung wichtig: Sie existieren in der Spielweltwirklichkeit für mich nicht. Sie sind auch keine Eigenschaft der Charaktere. Sie sind lediglich ein Werkzeug auf Regelebene, um Geschichten mit Kontinuität zu erzählen, in denen die Figuren trotz großer Risiken immer wieder überleben. Auf der diegetischen Ebene ist das aber Zufall und bedarf keiner Erklärung. Vielmehr spielen wir diese Protagonisten, weil sie im Rückblick diejenigen gewesen sind, die trotz großer Widrigkeiten mit Glück und Findigkeit überlebt haben.

Ich denke, das kann ich zumindest intellektuell nachvollziehen. Persönlich bin ich da eher schmerzbefreit, d.h., ich kann sowohl mit "Mein Charakter ist eigentlich 'ganz normal' und wir betrachten ihn nur durch die erzählerische Linse als Hauptperson" als auch mit "Mein Charakter ist tatsächlich spielweltobjektiv 'etwas Besseres'(*) als andere" gut leben.

(*) Oder alternativ auch ruhig etwas Schlechteres oder vielleicht auch einfach nur Fremdartiges -- daß nicht jede Art von "Auswahl" unbedingt zum Vorteil des Betroffenen sein muß, dürften die meisten Metzger bestätigen können. ;)

Offline Abd al Rahman

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Re: Vom Schicksal erwählt - Top oder Flop?
« Antwort #111 am: 23.06.2026 | 19:19 »
Aus meiner Sicht ist es Flop.
Ich mag schon Computerspiele nicht, bei denen der Charakter so etwas wie "Der Auserwählte" ist.
Bei Superhelden ist es ähnlich, wenn sie schon so geboren sind.

Ich mag Charaktere, die normale Leute sind, die in eine außergewöhnliche Situation kommen und damit umgehen und dabei über sich selbst hinauswachsen müssen.
Find ich persönlich langweilig. Ich bin ne Niete in RL, da darf mein Charakter schon was besonderes sein :D