Autor Thema: [7te See by FATE] Der Kutschenstreit von Charousse - oder: Fate verstanden!  (Gelesen 331 mal)

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Offline First Orko

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30 Jahre Nordcon - und viel zu wenig freie Runden am Samstagabend! So geht das ja nicht... dachte sich Jiba und bot kurzfristig "Jetzt aber schnell!" (so der Titel) eine improvisierte Runde 7te See mit seiner eigenen TurboFate-Konvertierung. Ehrensache, dass ich da dabei sein musst! Gesetzt ware 21:15 und pünktlich zum Start trafen drei weitere, Kurzentschlossene ein, denen es ähnlich ging wie uns. Sie waren erst kürzlich angekommen und standen vor der leeren Spielrundenwand, nur ein Zettel lachte sie an.

Auf Jibas Frage "Musketiere oder Piraten?" antwortete einer mit "Ich find die Puss in Boots cool, lass ma Musketiere machen!" wurde einstimmig angenommen. Es folge eine kurze (~10 Min) Einführung der wichtigsten Regionen der Welt, ein paar Ansagen zum Setting und die Vorstellung der Figuren-Templates, wo wir uns jeweils eines auswählten.
Nach ergänzen von Werten bei Methoden und der Trouble-Aspekte stand das Bataillon auch sehr schnell:


  • die prinzipientreue Loraine LaFayette (mein SC)
  • der Charmeur Erwan Bertram, der in jeder Stadt eine Frau "kennt"
  • die sehr von sich (und ihrer Schönheit!) überzeugte Hochadelige Jolie Courtemanche de la Croix
  • der dem flüssigen Genuss sehr zugeneigten Baudiste LeClaire

Und wir starteten direkt in medias res auf dem Kutschbock einer durch Charousse (Hauptstadt von Montaigne) rasenden Kutsche! Wir begleiten Lionel Courtemanche de la Croix, Jolies Cousin bei seiner Fahrt zum Landsitz des Königs, wo dieser gerade regiert - und zwar recht unleidig, es heißt der Hauptpalast wird gerade renoviert.. es heißt aber auch, seine Mätresse weigert sich, in den Palast zu ziehen. Was auch immer stimmt, der König gebat in einem entnervten Ausbruch über die Reihenfolged der Bittsteller bei der Audienz "So möge er zuerst sprechen, wer auch zuerst auf der Schwelle steht!" - daraus folgte, was später als Der Kutschenstreit von Charousse bekannt werden sollte: Ein fulminantes Kutschenrennen durch die Stadt unter unfairsten Methoden: Von geworfenen Flaschen, gelöste Zügel bei fremder Kutschen nach halsbrecherischen Sprüngen über ein wenig pointiert eingesetzte Portmagie bis zur Ablenkung von Kutschern durch...äh.."weibliche Argumente" die viel zu weit aus der Tür heraus präsentiert wurden - die Musketiere hatten sichtlich Spass daran ihrer Aufgabe nachzukommen, so dass Lionel schlussendlich vor dem Tor des Palastet als Erster seine Aufwartung machen konnte....

... und umgehend von der Garde Lumineuse (der zwielichtigere Arm des Königs, im Gegensatz zu Musketieren eher verborgen und tendenziell auch brenzilger agierend) verhaftet Lionel wegen Konspiration und lässt ihn ins Castell sperren

Loraine hält formell Einspruch gegen die Anmaßung der Garde und bitte um eine förmliche Vorladung beim König wegen familiärer Verwicklungen zu ihrem Battailon - aber ein Blickwechsel zwischen Jaime Baudaire, dem Searganten der Garde, und Diodore de Montaigne (Vetter des Königs) macht klar: Hier werden Fäden von weiter oben gezogen!Lionel)

Diodore, soviel ist  bekannt, ist der Sklaverei durchaus zugetan, entsprechend skrupellos und ein Konkurrent von Lionel, der die moderne Ansicht über Ablehung der Sklaverei teilt.

Loraine fügt sich, Jolie dagegen nicht! Sie provoziert den Serganten der Garde, eine Jaime Baudaire, zu einem Duell und wählt Baudiste als ihren Fechter in dieser Sache.
Diese Überschreitung ihrer fängt ihr kurz danach einen Tadel von Hauptfrau LaFayette ein, die zwar die familiäre Verpflichtung von Jolie nachvollziehen kann, aber die Integrität des Bataillon höher wertet.

Trotzdem ist es Ehrensache, dass ihr Bataillon sich der Sache annimmt, nachdem man eine Aufforderung per diskreten Zettel erhalten hat (ich weiß nicht mehr von wem), die Versteigerung von Lionels Anteile mit allen Mitteln zu verhindern.

Baudiste und Bertram stürzen sich direkt in die "Ermittlungen" in einer Kneipe mit gewissen Ruf, wo auch Wachen des Königshauses verkehren - und eine alte Flamme von Baudiste, die bereit ist, sich für ihn umzuhören und brenzlige Informationen über Diodore herauszufinden (Spieler hatte Erfolg mit Haken, also wollte sie dafür auch was.. aber ich weiß nicht mehr was).

Währenddessen begaben sich Loraine und Jolie zum Auktionshaus, wo sich von Hut und Uniformjacke berfreite, das Hemd aufknöpft und Jolie zu deren Freude bat, sie etwas aufzuhübschen da "Zwei schöne Frauen unter der Gesellschaft von gut betuchten Herren mehr Ablenkung erzeugen würden als eine Dame und eine Musketierin"

Demensprechend warf sich Loraine ganz außerhalb ihres üblichen Metiers dem schmierigen Bieter für die Ländereien des derzeit in Ungnade befindlichen Lionel an den Hals (durchaus mit ahnsehnlichen Erfolg! Der arme wusste kaum wie ihm geschah) während Jolie sich im Bieterstreit um Kopf und Kragen bot - und kurz bevor der Hammer viel, von einer Kugel getroffen wurde! Nachdem sie erste Hilfe für ihre angeschossene Kameradin geleistet hatte, lief so schnellstmöglich zum Balkon wo der Attentäter den Schuss abfeuerte - und fand einen höchst verdächtigen Brief mit königlichen Siegel!

Diesen angenommen ging es mit der zwischenzeitlich versorgten Jolie zum Ort des Duells, einer Fechtschule. Dort duellierten sich Baudiste mit Baudaire. Letzter focht behände, fähig und elegant... und sah sich der Naturgewalt eines mit gutem Wein gestärkten und unter Missachtung sämtlicher Fechtetikette kämpfenden, tretenden und mit Flaschen werfenden Baudiste dann doch hilflos gegenüber. Er unterlag dann auch bald, aber es war klar, dass die eigentliche Gefahr vom Attentäter ausging... und so stürmten Jolie und LaFayette den Saal, wo sich auf Diodore als Gast des Spektakels aufhielt und hielten den Brief hoch, dessen Inhalt man mit vorsichtigen Fingern und Tricks zwischenzeitlich entziffert hatte, ohne dass man es dem Siegel anmerken würde. Diodore sollte sich bekennen und die falschen Anschuldigungen fallen lassen - ansonsten würde man den Inhalt dieses Briefs öffentlich machen!

Und da bei Bekanntwerden über die Einmischung der Krone in derart fingierte Geschäfte Diodore gesellschaftliche Existenz vernichtet werden würde (wie auch die der Musketiere selbst), musste er seine Niederlage eingestehen.

Denn aus dem Brief ging hervor, das Diodore durch das Königshaus gezwungen wurde, Lionel einsperren zu lassen - erst dann wurde man Diodores Schwester aus dem Verlies entlassen.


(Soweit meine lückenhafte Erinnerung gepaart mit schwer lesbaren Notizen  :P Es sind noch ein paar Details, die ich nicht mehr richtig zusammenbekomme)

Nach ~3.5 fulminanten Stunden war dann die angepeilte Spielzeit mehr als erreicht, der Plot gelöst und alle konnten glücklich und zufrieden nach Hause.
Das Bemerkenswerte an dieser Runde: Die drei Spieler kannten weder Fate noch das Setting, sind spielerisch direkt mit kreativen Ideen und Charaterspiel all in gegangen dass es eine Freude war!  ^-^  :headbang: Die zu Anfang optionalen Trouble Aspekte wurden direkt erstellt und im Spiel sogar genutzt, es gab konstruktiv ausgespielte Konkurrenz zwischen Lafayette als Chefin und Jolie, die ihr per Status höher gestellt, in der Hierachie aber untergordnet war, Flirten und Liebleien zwischen SC und NSC, filmreife Stunts und und und... mit einer der stärksten Spieler war einer, der dann am Ende meinte, es wäre seine zweite Runde Rollenspiel gewesen - überhaupt!  :o

Warum hat das nun so gut funktioniert?

Es hat einen Grund, warum ich provokant "Fate verstanden!" in den Titel geschrieben habe. Es gab ja lange Zeit diverse Diskussionen darüber, warum (a) Fate nicht spielbar sei, für Anfänger besonders geeignet und/oder ungeeignet, wie man Fate nicht verstehen kann usw. Wer es mitbekommen hat weiß, wovon ich schreibe. Die Spieler waren meinem Eindruck nach alle nicht besonders erfahren Rollenspieler und relativ jung (schätze so knapp unter 30), einer hatte ja sogar gesagt er hätte das zweite Mal überhaupt gespielt.
Umso erstaunter war ich, wie gut das System von Allen am Tisch direkt angenommen und ins Spiel umgesetzt wurde und genau das gemacht hat, wofür es gedacht ist: Dramatisch interessante Siutationen schnell erzeugen und auflösen und daraus weiteres Momentum generieren!

Ich meine im Nachhinein folgende entscheidende Punkte identifiziert zu haben:

  • Ein guter SL, der für das Setting brennt!
    7te See ist Jibas Lieblingssetting und das merkt man ihm an, wenn er darüber erzählt und wenn er es leitet. Da stimmen die Namen, die Bilder, die Klischees, die Atmosphäre - da ist nix unklar. Man weiß direkt, woran man ist und wie die Welt funktioniert. Dazu hilft natürlich:
  • Starke Klischees
    Mantel & Degen ist stark durch entsprechende Filme (und Literatur) vorbelastet, so dass man sehr schnell Anknüpfpunkte hat und weiß, worum es geht. Und so purzelten die Klischees auch fröhlich, wurden aber gespickt mit frischen Ideen und neuen Auslegungen, so dass es sich nicht wie ein Abklatsch oder Nachspielen von Irgendwas anfühlte sondern halt originär.
  • Vorbereitung
    Auch wenn es eine Impro-Runde war: Ich kenne niemanden, der SO GUT auf Improvisation vorbereitet ist! Jiba hat eine ganze Erste-Hilfe-Notfall-SL-Mappe mit Zufallstabellen, Karten, Namenslisten und laminierten Charakterbögen, wo Charakteraspekte und Stunts perfekt aufeinander abgestimmt sind und die für Stunts notwendigen Methoden auch mit den entsprechend hohen Werten versehen, um gut zu funktionieren. Die wenigen Leerstellen waren genau richtig, um die Figuren zu personalisieren aber sich nicht mit stundenlangen Zahlenschieben aufzuhalten.
  • SL-Spieler-Gespann
    Ich habe schon öfter mit Jiba gespielt, wir funktionieren sehr gut zusammen und so konnte ich auch direkt die Kernmechaniken (wie zBsp Trouble selbst reizen für Fatepunkt) demonstrieren. Das wurde dann auch direkt aufgegriffen und kopiert und meine ungezwungene Art der Charakterdarstellung hat merklich die Hemmungen etwas gesengt.

Wird eine Runde automatisch wieder so gut ablaufen, wenn man alles beherzigt? Nein, nicht zu 100%. Aber die Startbedingungen waren eigentlich nicht gut: Spontane Runde, später Startzeit,  zumindest eine halb zufällig Gruppe (wenn ich das richtig verstanden habe, kannten sich zwei der Spieler untereinander auch) und drei von vier kannten weder Setting noch System - und ging es ab und waren alle noch bis zum Ende konzentriert dabei. Aber irgendwie haben die obigen Maßnahmen das wieder aufgefangen und zu einer wirklich extrem spaßigen Runde geführt!



« Letzte Änderung: 22.06.2026 | 14:33 von First Orko »
It's repetitive.
And redundant.

Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.

Offline Vash the stampede

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Schöner Bericht und Danke fürs Teilen. Gerockt hat es zudem! :headbang:
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