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Star Wars hat 85% seines Publikums verloren...
Alter Weißer Pottwal:
Dann bist du halt bei den 15%. Ist ja nichts schlimmes dabei ;)
Swanosaurus:
Ganz ehrlich: Wenn ein Franchise 85% seines Publikums verliert, weil es spannende neue Dinge wagt, dann freue ich mich. Wenn ein Franchise 200% zulegt, weil das Wiederkäuen immer noch zieht, dann ist es mir egal.
Ich hab Star Wars in letzter Zeit nicht groß verfolgt (habe Acolyte und Andor gesehen und fand beide gut bis hervorragend, der Rest hat mich nicht gereizt), aber ich finde es schon erstaunlich, dass meistens von denselben Personen zugleich der "Verrat" an den "True Fans" beklagt und der Niedergang der Zuschauer*innenzahlen als Versagen der Macher*innen skandalisiert wird. Warum sich überhaupt mit der Publikumsmasse identifizieren?
Ich würde mich freuen, wenn Star Wars einfach Nische sein dürfte, ein bisschen wie Star Trek es zwischenzeitlich war. Kleine bis mittlere Budgets, Einfallsreichtum gefragt, Raum für junge Köpfe mit neuen Ideen, Experimente, die auch mal floppen dürfen ... All das ist es doch, was Franchises im besten Sinne ausmacht.
Oder ihr kriegt halt Late-Stage-Marvel-Cinematic-Universe und Transformers. Viel Spaß.
Namo:
Die Zahlenspiele finde ich aber auch etwas irritierend. Star Wars hat mich persönlich nicht verloren. Aber die Emotionen die ich damit verbinde. Es ist eben nichts besonderes mehr. Und der Grund ist eben offensichtlich: Die Disney+ Strategie lässt die IP eben zu einer x beliebigen SciFi IP werden. Warum ins Kino gehen, wenn es ohnehin kurzfristig im Stream ist? Wie sehr das so gewollt und geplant ist, kann ich nicht abschätzen. Ich denke, dass es Disney schon klar war, dass die Zuschauerzahlen im Kino durch die Ausschlachtung über Disney+ sinken werden. Aber wie wichtig ist Kino Disney überhaupt noch.
Ich denke umgekehrt aber, dass sie mit einem solchen Absturz nicht unbedingt gerechnet hatten. Aber nochmal - Zahlen wie früher kann man ja im Kino ohnehin nur noch in Ausnahmefällen erwarten. Wie wichtig ist das wirtschaftlich? Wenn jemand Disney+ extra für ne Serie (oder nen Film) für nen Monat subscribed (oder das Abo bestehen lässt), sind das bei schätzungsweise 130 Mio Abos weltweit mal eben 910 Millionen Euro - im Werbestandardabo. Klar ohne MwSt etc. Aber das ist schon eine ganz andere Größenordnung. Ich kann das wie gesagt kaum blicken, was am Ende wirklich hängen bleibt beim Streaming und wie da die Strategien sind, aber Geld kommt da schon zusammen. Und es braucht eben auch viele Subscriber um die hohen Kosten gedeckt zu bekommen und in Gewinn um zu münzen.
Für mich als älterer Herr bleibt für mich SW irgendwie zweigeteilt - als wären es zwei unterschiedliche IPs. Alles ab der Disneyzeit ist für mich ein anderes Star Wars. Ich werde die Magie der ersten drei Filme immer im Herzen tragen, da ich damals Kind/Jugendlicher war als ich sie gesehen habe. So wird es sicher auch der Generation nach mir mit Episode I-III gehen. Auch wenn die Disney Zeit ein paar gute Schnipsel hervor gebracht hat (Andor, Rogue One) bleibt das irgendwie einfach nur ein Produkt für mich. Das sehe ich mir an, aber ich bringe es nicht wirklich in Verbindung mit den alten Filmen. Selbst die letzte Trilogie ist in meiner Welt kein SW mehr.
WeepingElf:
Ich verstehe die Aufregung nicht. Nur weil es da zentnerweise Gedöns zu einer Franchise gibt, muss man sich das nicht alles antun, sondern kann immer noch die Kernpublikationen (in diesem Fall die Originaltrilogie) schätzen und den Rest einfach ignorieren. Das ist so ähnlich wie mit Tolkiens Welt: die Bücher sind genial, die Herr-der-Ringe-Filme einigermaßen gut adaptiert, aber die Hobbit-Filme sind schon krass aufgeblasen (das kleine Buch hätte eben nur einen Film ohne Überlänge hergegeben), und die TV-Serie tut der Lore ziemliche Gewalt an - die habe ich mir nur angesehen, weil die vor ein paar Monaten zufällig im Free-TV (auf ZDFneo) lief, und ich als alter Tolkien-Fan (der mittlerweile aber einige Aspekte nicht mehr unkritisch sieht) schon etwas neugierig war (und sie sieht schon schick aus, das muss ich eingestehen - aber wird der Vorlage eben nicht gerecht). Das kann ich alles ignorieren, und mich auf das beschränken, was Tolkien selbst geschrieben hat - und genau so gehe ich auch mit Star Wars um.
Jiba:
--- Zitat von: Inquisitor_Majoris am 26.06.2026 | 08:53 ---Das Kalkül war man nehme eine weltbekannte etablierte Marke und mixt sie mit Zutaten basierend aus den Ergebnissen von Umfragen was dem modernem Zielpublikum wichtig scheint und glaubt fest daran einen Erfolg einzufahren weil ja Zahlen, Daten und Fakten genau das suggerieren. Was man jedoch nicht bedacht hat, ist, dass vielbekannte Sprichwort "viele Köche verderben den Brei". Durch Berücksichtigung so vieler Wünsche, Vorgaben, Quoten, uvm. hat sich die DNA des Franchises dann derart geändert, dass die meisten bisherigen Fans abgesprungen sind und man auch nicht wirklich neue Fans im gleichen Ausmaß hinzugewonnen hat.
--- Ende Zitat ---
Okay, ich werde mich jetzt hier wahrscheinlich ein bisschen unbeliebt machen...
Eigentlich sagen wir damit doch "Ja, hätte Disney doch lieber auf MICH gehört, denn ICH bin der Fan mit dem guten Geschmack."
Dabei sind doch Franchises im Medienbereich schon per definition "Ein Brei für viele, viele Köche". Dass niemand heute ein Star Wars machen kann, das so gut ist, wie das aus den 70ern, ist doch klar: In den 70ern war Star Wars nämlich neu und aufregend. Heute ist Star Wars einfach nur "one of the franchises". Ein vertrauter Platzhirsch. Ein kleinster, gemeinsamer Nenner. Wird der von Disney gemolken, um möglichst viel Gewinn abzuschöpfen? Klar.
Aber: Die Fans sind doch selbst mit dran Schuld. Die pfeifen sich doch auch noch den größten Mist rein, nur weil da "Star Wars" draufsteht und man aus Nerd-Credibility-Gründen ja bitte nichts verpassen darf. Disney hat diese Formel mit ständig neuem Star Wars-Blödsinn halt auch deshalb gemacht, weil es einen Markt dafür gab. Weil die Nerds den Kram angeschaut, durchgespielt und in die Wohnung gestellt haben. Zugleich kann man es dem modernen Fandom von egal was heute auch nur noch schwerlich Recht machen. Die relative Einigkeit von Fanbewegungen bis zur Erfindung der sozialen Medien, wo Austausch auf wenige Informationsquellen oder obskure Foren beschränkt ist, ist einer Flut von Meinungscontents auf den sozialen Medien gewichen, die aufmerksamkeitsheischend noch jeden winzigen Lapsus in einem Film zum Untergang der Star-Wars-Brand hochjazzen. Oder ihn aus kulturkämpferischem Sentiment schon vor Ausstrahlung verreißen, das es kein Halten mehr gibt.
Ergebnis ist klar: No one can agree on anything. Ich fand, "The Last Jedi" hatte zum Teil die richtigen Ideen bei suboptimaler Umsetzung, während Episode 7 ein schläfriges Nostalgiefest ist, das mich im Kino gelangweilt hat. Und "Andor", das ist das beste "Star Wars" seit geschnitten Brot. Ist aber auch klar, dass niemand sich einigen kann – das eigentliche Problem bei "Star Wars" ist nämlich ein anderes: Es. Gibt. Einfach. Zu. Viel. Star. Wars.
Es ist zu viel Stuff. Das ist auch schon im MCU der Fall. Oder bei Jurassic Park. Oder bei Transformers. Oder bei Star Trek. Oder oder oder...
Kein Wunder, dass das Publikum da irgendwann von der Fahne geht. Der verlinkte Artikel fragt ja auch gar nicht, wer die Leute sind, die für "Star Wars" nicht mehr ins Kino gehen. Für einen Serien-SpinOff, wohlgemerkt... das mit "Rogue One" zu vergleichen, das KEINE Vorbedingungen braucht außer die alte Trilogie und das vor einer Pandemie und einer Ölkrise und einer sich verschärfenden Inflation rauskam, ist doch unterkomplex. Es wird einfach angenommen, diejenigen, die abgesprungen sind, seien "die alten Fans"... aber vielleicht sind es auch einfach Menschen, die keinen großartigen Bezug zu "Star Wars" haben. Und die WAS im Kino sehen wollen??? Richtig: Neuen Kram! (Der Artikel ist in dieser Hinsicht wirklich vollkommen hanebüchen und mischt munter Zahlen zusammen, die nichts miteinander zu tun haben.)
Insofern ist es sogar rational, dass Disney auf PG-13 abzielt: Damit Star Wars nämlich eine Marke bleibt, braucht man neue Fans. Man braucht Menschen, die damit aufgewachsen sind. Sich nur auf die zu fokussieren, die "Star Wars" früher mal cool fanden und jetzt aber ein gritty universe voller Tod und Action und Antihelden wollen, ist doch auch keine Lösung für das Problem.
Falls es überhaupt ein Problem ist. Eigentlich ist es nur eine Bestätigung dessen, was ich schon seit der Hochphase des MCU sage: Es gibt keine unendliche Formel zum Gelddrucken für Kreativunternehmen. Gibt es nicht. Wird mit der Franchisisierung von allem immer wieder versucht, aber irgendwann ist das Publikum dessen auch überdrüssig. Dann müssen neue Stoffe her oder man wartet zwei Jahrzehnte oder so und versucht es dann nochmal.
Ein Franchise nur daran auszurichten, was irgendwelche Alt-Fans wollen, kann genauso ins Desaster führen. Siehe LEGO. Oder DSA.
Heißt nicht, dass "Star Wars" nicht bessere Werke produzieren könnte, um die Zielgruppen bei Laune zu halten, das nicht. Aber es ist auch einfach eine Art "Naturgesetz" aller fiktionalen Inhalte, dass das Vertraute nur so lange am Besten schmeckt, bis man rapide etwas Neues will. Und die meisten Leute schauen halt in ihrer knapp bemessenen Freizeit im Kino lieber was ganz Neues. Wenn sie überhaupt ins Kino gehen.
Im Zweifel halte ich es da wie der Friendly Space Ninja: Let. It. Die!
Und damit meine ich nicht nur die Studios sollen ihre Franchises auch mal sterben lassen, sondern auch die Fans. Wenn ich einen 5-Jährigen mit einem "Arielle die Meerjungfrau"-T-Shirt sehe, dann bricht mir das das Herz. Ich hätte mit 5 nämlich vielleicht dasselbe T-Shirt getragen. Ich will keine gerontischen Franchises mehr, die sich über Generationen ins Jetzt retten. Und wenn, dann sollen die bitte zu etwas völlig Anderem mutiert sein, das ich als alter Knochen nicht mehr verstehe.
Wenn "Star Wars" jetzt den Weg allen Fleisches geht, dann sage ich: Ja, alles hat seine Zeit. Und vielleicht kommt ja ein cooles, neues Science-Fantasy-Epos nach... solange es nicht "Rebel Moon" ist.
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