Alle Wild Cards müssen natürlich einen Terror-Wurf machen, als ihnen klar wird, dass sie hier mit der Toten höchstpersönlich am Stehtisch stehen und plaudern! Frank schafft als einziger seinen
Spirit-Wurf nicht, um dem Terror zu widerstehen (aufgrund seines
Yellow-Abzugs, was ihm gleich mal einen Benny einbringt für den Nachteil). Sein W20-Ergebnis für die Furcht-Tabelle ist daraufhin auch gleich mal eine 17, also wird er panisch, und rennt kreischend weg! Er kommt jedoch nicht weit, nur bis zu der nächsten Gruppe Stehtische im Haupteingang, prallt dagegen, und packt sich ab, unter umstürzenden Tischen und schwarzen Tischtüchern und kleinen, geschmackvollen Blumengestecken! Immer noch kreischend und fuchtelnd und um sich schlagend, kurz klingt es wie ein Wimmern oder hysterisches Lachen!
Mrs. Flora Burke ist längst nicht so tot wie alle dachten, aber ein Gespenst ist sie auch nichtDie Untote rügt, „Schreien Sie nicht so herum, meine Herren! Das hier ist immerhin ein Begräbnisinstitut! Denken Sie an Ihre Manieren, bitteschön. … So. Ich blase jetzt diese ganze Sache hier ab. Es reicht mir! Ich gehe wieder heimwärts. So ist das alles nicht akzeptabel. Ganz zu schweigen von der andächtigen Stimmung, zumindestens ein Quäntchen davon wäre wohl
angemessen gewesen! Die ist jetzt ohnehin
gründlich im Eimer. … Sie haben doch einen fahrbaren Untersatz, Gentlemen? Ich ersuche Sie höflichst, mich heim zu fahren!“
Die beiden Geisterjäger gucken aus tellergroßen Augen Mrs. Flora Burke an.
„Schauen Sie jetzt nicht so bestusst, meine Herren! Das war eine ganz normale, höfliche Bitte. Sie müssen ja nicht zustimmen.“
Ray stottert, „Also, also na ja, äh, natürlich! Also …“
Jas sagt überdreht, „Wir
beraten uns mal, nur ein Sekündchen bitte, werte Mrs. Burke! Wenn's nur um
uns ginge! Wir haben aber heute ja noch so viele Folge-Termine, müssen Sie wissen!“
Die beiden eilen hastig Frank hinterher, und helfen ihm wieder auf die Beine, ziehen ihn ein Stück außer Hörweite, und stecken die Köpfe zusammen. Ungläubig sehen die drei sich in die Augen.
„Das ist alles ein wenig
unerwartet!“, sagt Jas.
„Das is' eine
Tote! Und sie
spricht mit uns!“, keucht Frank.
„Was machen wir denn jetzt mit der? Normalerweise sind ruhelose Gespenster viel agitierter!“, sagt Ray, „Und wir hatten ja noch nicht mal das Kunden-Briefing! Na, bevor die Sippschaft uns nicht dazu aufgefordert hat, können wir die Olle ja wohl kaum wegpusten!“
„Ich bin ehrlich gesagt etwas unvorbereitet für solche Sachverhalte“, nickt Jas.
„Das is' eine
Tote! Die is'
tot! Und sie
spricht mit uns!“, keucht Frank.
Jas hebt den Zeigefinger, und entgegnet, „
Dieser Aspekt, mein lieber Frank, ist tatsächlich noch der am
wenigsten unerwartete Teil bei dem Ganzen! Zumindest, was unseren Berufszweig anbelangt, Champ!“
Ray sagt zerknirscht, „Und was passiert überhaupt, wenn wir sie protonisieren? Fährt dann ihr Gespenst aus ihrem untoten Körper, und können wir das dann in einer Geisterfalle fangen? Das ist ja völlig unerprobt!“
„Wie der Besitzergreifer-Geist bei einem Werhuhn!“, nickt Jas interessiert.
„Genau!“, sagt Ray aufgeregt, „Aber vielleicht auch nicht! Und der Leichnam? Wenn wir den verbrutzeln, ist das Leichenschändung! Jas, hast Du grade mal die rechtlichen Implikationen dabei drauf …? Kriege das jetzt nicht zusammen … Müssten wir erstmal nachschlagen!“
„Die Tote da, die
redet mit uns!“, sagt Frank, und verliert dabei wieder die Kontrolle über seine Sprechlautstärke. Fahrig deutet er zum Stehtisch, mit sehr zackiger Geste. Dann zieht er schnell wieder den Kopf ein und duckt sich tiefer, „Scheiße, sie guckt her!“
„Oder wir machen einfach erstmal, wie geheißen!“, schlägt Jas leise vor, „Immerhin ist sie gewissermaßen eine von der Familie unserer Kunden!“
„Ja …“, sagt Ray ratlos, „Oder wir tun erstmal, wie geheißen …“
„Was?!“, quiekt Frank.
„Na ja, öh … Wir brauchen sowieso Zeit, um das zu durchdenken“, fügt Ray hinzu, „Und eins steht fest: Hier an diesem öffentlichen Ort kann die olle Burke nicht bleiben! Da hinten sind schon zwei Leutchen mit Nervenzusammenbruch zusammengeklappt! Das kommt hier noch zur Eskalation, wenn wir da nicht mal pronto etwas Ruhe reinbringen!“
„Okay“, sagt Jas und richtet sich wieder auf, „Vielleicht ist das das Beste — erstmal jedenfalls!“, und er grinst manisch zu der Alten rüber, und winkt schalkhaft, „Wir können dann gleich, Ma'am!“, sagt er, Unbeschwertheit vorspielend.
Sie haben Mrs. Flora Burke eine Rettungsdecke um die Schultern gelegt, damit man sie auf dem Weg zum Auto nicht so wiedererkennt, und helfen ihr hinten einzusteigen. Jas hat sein PKE-Gerät in der Hand, und wirft im Gehen sehr besorgte, gehetzte Blicke darauf.
„Du bleibst bei der alten Schabracke, Frank!“, flüstert Jas dem Neuen zu, „Hast Dich doch im Griff, mein Junge …?“
„Was, ich??“, entfährt es Frank, aber dann sagt er sofort, leiser, „Klar! Klar hab' ich mich im Griff!“
„Sauber. Ray muss fahren, und ich muss erstmal weiter messen! Das sieht hier grade nämlich gar nicht gut aus, mit unserem lieben, hochgeschätzten New Yorker Ionen-Flux, gar nicht gut!“
„Los, beeilt Euch!“, sagt Ray, als er die Protonenpacks von sich und Jas hinten drin verstaut hat, und sich auf den Fahrersitz wirft.
Frank Stantz hat sein Pack nicht abgesetzt, und den Strahler an den Karabiner an seinem Gürtel eingeklinkt. Nur für den Fall! Er ist käseweiß im Gesicht, und seine (sowieso ständig verwuschelten) Haare stehen richtiggehend zu Berge. So sitzt er auf der Rückbank, rechts von ihm die untote Dame in ihrem Blümchenkleid und ihrer Rettungsdecke. Frank versucht, nicht zu starren! Nur immer schön im Blick behalten, unauffällig, aus dem Augenwinkel! Schweiß läuft ihm über die Stirn!
„Was für eine hundsdämliche Parksituation!“, schimpft Ray beim Rangieren, „Als hätten wir hier gerade nicht schon genug Probleme!“ dann rumpelt das Auto endlich vom vollgestellten Vorplatz zurück auf die Straße.
„Ray, drück' mal ein bisschen drauf …“, murmelt Jas beunruhigt, „Vom angrenzenden Grundstück nähern sich weitere PKE-Signale … alter Verwalter, irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht!“
„Glaubst Du nicht, dass die … dass
unser Fahrgast Deine Ablesung stört?“, zischt Ray, als er im Beschleunigen um die Kurve zieht. Die Sirene des Ectomobils plärrt lautstark.
„Ich bin sogar sicher, dass das so ist!“, bringt sein Beifahrer hervor, „Habe ich weitgehend raus kalibriert! Ich habe trotzdem Signalstärke … einen Mords-Batzen Signalstärke, Mann!“
Frank hört ein Knistern der Rettungsdecke, und wendet zusammenzuckend den Kopf der alten Burke zu, so heftig, dass seine abstehenden Haare fliegen!
Sie hat aber nur die leicht beschlagende Scheibe frei gewischt, um weiter rauszugucken.
„Was ist
das denn?“, entfährt es Ray, und er bremst.
„Was zum …?!“, schreit Frank, und guckt gehetzt wieder nach vorne.
Ein paar der Beerdigungsgäste haben in Panik die Lokalität verlassen, unvorsichtiger Weise ein Paar von ihnen per Auto, und einer hat auch direkt einen Unfall gebaut. Die Autos quälen sich nun einzeln an der abgesperrten Stelle vorbei, halb auf dem Standstreifen.
„Ah, das ist doch der Albert!“, sagt Mrs. Burke, „War schon immer ein lausiger Autofahrer, und hatte auch schon immer diese schwachen Nerven. Das kommt davon. Der schöne Buick! Der ganze Kühler im Eimer, und der ganze Lack! Das hat er nun also davon!“
Frank wendet sich ihr wieder zu, erneut mit fliegendem Haarschopf. Er hat mittlerweile Schnappatmung.
„Aha! Dort kommt das Signal her!“, ruft Jas, er hat sich halb aus dem Fenster gehängt, und den Arm mit dem PKE-Gerät nach hinten ausgereckt, „Und siehe da, Kollegen: Wir werden verfolgt!“
Ray sieht in den Rückspiegel, und entdeckt eine Gruppe von Leuten, die ihnen zu Fuß folgen. Das sind keine der Trauergäste. Ihre Klamotten sind zwar dunkel, aber scheinen schlabberig, und voller Erde. Ihre Bewegungen wirken auch komisch — rasant, aber fahrig …
„Ach Du Schande …!“, keucht Ray.
Frank sieht sich ruckartig ebenfalls um, durch die Rückscheibe des Ecto-1.
„Nur die Ruhe, Jungchen!“, krächzt die Burke neben ihm, „Meine Güte, die jungen Leute heute kriegen alle so leicht Nervenflattern …!“
Gehetzt guckt Frank sie an. Ihre Blicke begegnen sich, und kurz scheinen ihre Augen verändert, irgendwie
unpassend hämisch? Dann schaut sie aber einfach abwartend weiter zum Fenster raus.
„Hey, Ma'am!“, platzt Frank heraus, „Was führen Sie im Schilde?“, und er schnappt sich seinen Protonenstrahler mit beiden Händen.
„Ich hätte nichts dagegen, noch eine zu schmöken“, murmelt diese, „Darf man in Ihrem Fahrzeug schmöken? Haben Sie grade mal noch eine?“
Der Verkehr wird noch langsamer! Ray flucht enerviert, und haut aufs Lenkrad. Jas rettet sich wieder ins Wageninnere, und beginnt hektisch, die Scheibe wieder hoch zu kurbeln.
Einer der Verfolger erreicht rennend das Ecto-1. Durch die beschlagende Scheibe sieht man ihn für den Moment nur als Silhouette.
Frank schreit auf. Dann hört er die Rettungsdecke knistern, und fährt wieder herum zu Mrs. Flora Burke. Sie hat sich ihm zugewendet, und grinst ihn an. Vielleicht soll es sogar aufmunternd wirken, aber ihre dunkel umschatteten Augen haben etwas äußerst Garstiges, findet er.
Der Verfolger haut von außen mit der Faust dumpf gegen Rays Fahrerscheibe, dann mehrmals mit der flachen Hand. Dann fällt er zurück, und die Hand klatscht mehrmals gegen Franks Rücksitzscheibe: Grobmotorisch, wie übermüdet. Friedhofsmatsch und Hautfetzen lösen sich dabei von den Handknochen!
Frank schreit abermals schrill auf.
Da müssen die Wild Cards einen weiteren Terror-Wurf machen, diesmal gegen diese Zombie-Kreaturen, es sind Grave Fiends (aus 'Ghostbusters: The Video Game'). Ray schafft es nur dank
Brave-Vorteil, Frank scheitert abermals, wieder wegen seinem
Yellow-Nachteil. Diesmal macht der Geisterschreck-Effekt ihn
Vulnerable.„Wollen die vielleicht zu
Ihnen, Mrs. Burke?!“, ruft Jas, immer noch an der Scheibe kurbelnd.
„Zu mir?! Junger Mann, ich würde sagen, die wollen zu
Ihnen! Ich kenne diese Leute ja gar nicht!“
„Warum sollte denn eine ganze Horde von …“
„Vielleicht sind's ja Fans von Ihrem Unternehmen! Sind Sie nicht irgendwie renommiert? Wie heißen Sie noch gleich …? Sehen Sie bloss zu, dass Sie mich hier raus bringen! Das hat Albert uns alles eingebrockt …“
Zombies rütteln im Rennen an Autotüren und Rückspiegeln der Fahrzeugschlange, hinter ihnen. Mal gibt dabei ein Rückspiegel nach, mal die morsche Zombie-Hand! Mehrere der Autos geraten ins Schlingern, als Panik auch deren Fahrer ergreift.
„Guter Gott im Himmel!“, brüllt Frank in seiner Holzfäller-Stimme.
„Uns bleibt glaube ich wenig übrig als einen spontanen Feldtest zu machen, Raymond, mein Lieber!“, ruft Jas, und nach hinten ruft er, „Versucht mal, mir eins der Protonenpäckchen nach vorne durchzureichen, Leute! Kriegt Ihr das aus der Halterung geruckelt? Schön vorsichtig damit, die sind sauschwer!“
Frank guckt Flora Burke an. Die grinst ihn wieder an, man sieht viel Zahnfleisch. Gräulich und trocken ist es, und ihre Zähne wirken noch gelblicher; ist ihm bisher kaum aufgefallen, wie gelb die Dinger sind, und
lang wirken die, wegen dem zurückgegangenen Zahnfleisch.
„Fahrt mal ran!“, bringt Frank hervor.
Ray sagt, „Vielleicht hat er Recht, Jas! Gleich sind wir an der Unfallstelle vorbei, da beschleunige ich, wir bringen etwas Abstand zwischen uns und die! Dann halte ich, wir setzen die Päckchen auf, und dann geben wir denen Saures!“
In dem Moment hat sich ein dürrer Zombiearm durch den letzten Spalt im Beifahrerfenster gesteckt, bedeckt von Erde und den Fetzen eines Jacketts, und krallt nach drinnen, tastend!
Jas schreit, „Alles, nur nicht anhalten!“, während er abermals weiter kurbelt, und gleichzeitig hektisch mit dem Straßenaltlas auf die knöcherige Hand eindrischt!