Autor Thema: Darf ich alles Spielen unabhängig davon ob ich es verkörpern kann?  (Gelesen 1239 mal)

Gunthar, Isdariel und 6 Gäste betrachten dieses Thema.

Online nobody@home

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Andere Verbote etwas zu spielen mag es aber trozdem geben. "Wir spielen in Mittelerde, du darfst hier leider keinen Jediritter spielen"

Was dann in der Tat eine etwas andere Sache ist, zumal es ja nicht automatisch ein "Nein, du dürftest auch in einer Star-Wars-Kampagne keinen Jedi spielen, du kannst das einfach nicht" impliziert. :)

(Nebenbei: Ob man im konkreten einzelnen Kampagnenfall nicht ausnahmsweise doch mal ein Crossover erlauben möchte, sei dahingestellt. Vielleicht trägt's die Gruppe ja tatsächlich mit und alle haben Spaß...aber dann schadet es auch nicht, sich im Vorfeld schon mal abgesprochen und geeinigt zu haben.)

Offline gunware

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Der Titel des Threads enthält imo eine Fehlannahme, nämlich dass ich einen Charakter verkörpern können muss. Das halte ich für falsch; ich muss ihn nur darstellen können.

Nichtmal das.

Weder das eine noch das  andere ist Voraussetzung, um sich einen Charakter zu erstellen und den zum Tisch zu bringen.

Was in die Welt passt und entsprechende Werte als Spielercharakter besitzt, kann gespielt werden.

Für mich als SL stellt sich die Frage gar nicht. (Ausnahme: Es darf auch nicht den Vorgaben für die Runde widersprechen, aber das betrifft alle SPL, nicht nur bestimmte.)
Ich bin der letzte Schrei der Evolution, als sie mich erschaffen hatte, schrie sie: "Oh Gott, was habe ich denn gemacht?!"

Offline unicum

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Was dann in der Tat eine etwas andere Sache ist, zumal es ja nicht automatisch ein "Nein, du dürftest auch in einer Star-Wars-Kampagne keinen Jedi spielen, du kannst das einfach nicht" impliziert. :)

(Nebenbei: Ob man im konkreten einzelnen Kampagnenfall nicht ausnahmsweise doch mal ein Crossover erlauben möchte, sei dahingestellt. Vielleicht trägt's die Gruppe ja tatsächlich mit und alle haben Spaß...aber dann schadet es auch nicht, sich im Vorfeld schon mal abgesprochen und geeinigt zu haben.)

Hey ich hab das explizit geschrieben damit sich der Strang wieder in richtung EP bewegt das sich gerade NICHT um so etwa dreht. Im fraglichen Fall ist es völlig egal ob man einen Yedi gut verkörpern kann wenn man festgelegt hat: Mittelerde und im weiteren Schluss: da gibts keine Jedis und Mittelerde ist auch erstmal Mittelerde und nicht Mittelerde/SW Crossover.

Das geht in richtung des Charisma Stranges gegenüber
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,133558.0.html

Es gibt leute die können das gut verkörpern weil sie eben selbst charisma haben und solche die es nicht haben. Kampfexpertise haben die wenigsten auch leute die Kämpfer spielen. Taktische Expertise, etc pp da fehlts eben allenhalben (ich füge an: zum Glück). Charismatische Leute gibt es aber tatsächlich auch im Rollenspiel.

Ich denke deswegen kommt das Problem ja auch auf: Es gibt Leute die können das ein oder andere besser verkörpern und diejenigen die es nicht können denen es zu verbieten nur weil sie es nicht können? Naja wie sollen sie es denn lernen wenn sie es nicht mal versuchen?

Online nobody@home

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Was ein Regelwerk jeweils hergibt, kann sowieso je nach dem genau gemeinten eine potentiell massive Zahl von potentiellen Charakterkonzepten umfassen -- gerade Universalsysteme beschränken sich ja normalerweise nicht auf eine einigermaßen feste Zahl von Volk-und-Klassenkombinationen und sind rein von den Regeln her auch nicht auf nur ein Setting zugeschnitten.

Was sich dann in Sachen "Kann der Spieler das darstellen?" auch noch mal entsprechend auswirken würde, weil man da potentiell jedes einzelne ausgewählte und mehr oder weniger frei mit anderen zusammengestellte Charakterelement abklopfen müßte. ("Kannst Du jemanden mit einer Professur in altmarsianischer Geschichte wirklich überzeugend spielen?")

Offline Gondalf

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Ich denke nicht, dass das irrational ist. Denn meistens nerven diese Spieler ja vor allem deshalb, weil sie entweder alles ewig aufhalten oder alle aus der Immersion reißen.
Ich hab hier auch eine Spielerin, die meint, Face-Charaktere spielen zu können - dabei aber aufgrund mangelnder Sozialkompetenz ständig die ganze Gruppe entweder gegen sich aufbringt, oder in die Scheiße reitet.
Inzwischen hat man ihr zu verstehen gegeben, dass sie solche Chars besser nicht mehr spielen soll...

Das macht die Geschichte doch erst richtig unterhaltsam..  ~;D
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Offline Dr. Beckenstein

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Leute, letzten Endes heißt es R O L L E N S P I E L.

Jeder spielt jemanden, der er in Wirklichkeit nicht ist oder sein kann - es gibt keine echten Magier, und es gibt in einer Spielrunde auch niemanden, der z.B. überzeugend den ultracoolen, eleganten Agenten ihrer Majestät spielen kann.

Deshalb kannst du spielen, was du willst. Wenn deine Gruppe damit nicht klar kommt, rede mit ihr darüber. Wenn das nichts bringt, such dir eine neue. 

Oder machen wir jetzt in Runde 0 immer Eignungstests, ob man das Face / den Magier / die Kämpferin spiele darf?
„Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.“ - Jacques Yves Cousteau

Online nobody@home

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Leute, letzten Endes heißt es R O L L E N S P I E L.

Jeder spielt jemanden, der er in Wirklichkeit nicht ist oder sein kann - es gibt keine echten Magier, und es gibt in einer Spielrunde auch niemanden, der z.B. überzeugend den ultracoolen, eleganten Agenten ihrer Majestät spielen kann.

Deshalb kannst du spielen, was du willst. Wenn deine Gruppe damit nicht klar kommt, rede mit ihr darüber. Wenn das nichts bringt, such dir eine neue. 

Oder machen wir jetzt in Runde 0 immer Eignungstests, ob man das Face / den Magier / die Kämpferin spiele darf?

Mal ganz abgesehen von der armen Spielleitung, die ja alle möglichen und unmöglichen Arten von NSC spielen soll...wenn wir schon mit den Spielern so streng sein wollten, wie sollte die das alles dann jemals schaffen? ;D

Offline manbehind

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Ich denke nicht, dass das irrational ist. Denn meistens nerven diese Spieler ja vor allem deshalb, weil sie entweder alles ewig aufhalten oder alle aus der Immersion reißen.
Ich hab hier auch eine Spielerin, die meint, Face-Charaktere spielen zu können - dabei aber aufgrund mangelnder Sozialkompetenz ständig die ganze Gruppe entweder gegen sich aufbringt, oder in die Scheiße reitet.
Inzwischen hat man ihr zu verstehen gegeben, dass sie solche Chars besser nicht mehr spielen soll...

Vielleicht könnte sie ja einfach einen Charakter spielen, der glaubt, ein guter "Face-Charakter" zu sein (und vielleicht zu erkennen beginnt, dass er das nicht ist)...?

Offline bolverk

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Mal ganz abgesehen von der armen Spielleitung, die ja alle möglichen und unmöglichen Arten von NSC spielen soll...wenn wir schon mit den Spielern so streng sein wollten, wie sollte die das alles dann jemals schaffen? ;D

Oh ja, guter Punkt. Wenn man von seinen Spielern verlangt, gefälligst nur solche Rollen zu spielen, die sie wenigstens leidlich darstellen können, sollte man dann nicht den selben Maßstab auch beim Spielleiter anlegen?
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Offline Zouan81

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Um auf die Frage des TE zu antworten:

Ja, Du darfst alles spielen, was das Setting an Auswahl hergibt.

Ob Du es dann auch authentisch verkörpern kannst, steht auf einem anderen Blatt.

Man darf sich fragen, ob ein Anfänger schon einen Magier spielen sollte, da es ja auch zusätzliche Regelkenntnisse zu den Zaubern erfordert.
Dürfen tut er das aber auf jeden Fall.

Gespielte Regelsysteme:

D&D, DSA, RdW, Saga, Earthdawn


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Offline Tudor the Traveller

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Wenn man im Bereich des Hobbysports schaut, ist man da oft klar und sehr selbstverständlich von den eigenen Fähigkeiten limitiert:
Ich darf beim Fussball nicht von Anfang an auflaufen, wenn ich nicht zu den besten Elf gehöre. Und wenn es nur für die zweite Mannschaft reicht, dann obligt es einem selbst, damit klarzukommen.

Nun kann man Sagen: "So einen Sport- / Wettbewerbsgedanken will ich in meinem Rollenspielhobby nicht haben!"
Da kann man wenig dagegen einwenden, aber es gibt auch andere Runden, bei denen ein anderer, regelseitiger Leistungsgedanke sehr präsent ist: Da gibt es im "Combat as Sport" knackige Encounter und von Spielerseite wird durchaus erwartet, dass man mit einem einigermaßen optimierten "Build" daher kommt.
Liefert jemand nicht, so lese ich hier oft heraus, bekommt derjenige das durchaus zu spüren und es kann darin münden, dass der Spieler als nicht Gruppenkompatibel aussortiert wird.

[...]

Wie seht ihr das?

Ich sehe das so, dass ich jede Art von Leistungsgedanken im Rollenspiel ablehne. Da geht es doch um nichts außer Spaß.

Klar, ich suche mir Leute, die mit meinen Vorlieben möglichst kompatibel sind. Das kann bedeuten, dass man gerne taktisch / darstellerisch / dramaturgisch... anspruchsvoll spielen möchte. Aber ich käme nicht auf die Idee, da jemandem etwas zu verbieten. Wenn jemand die Gruppe nervt, gilt Regel 0. Das war es dann aber auch schon.
NOT EVIL - JUST GENIUS

This town isn’t big enough for two supervillains!
Oh, you’re a villain all right, just not a super one!
Yeah? What’s the difference?
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Offline Jiba

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Ja.

Uh, okay. Das challenge ich jetzt aber.

Stell dir nur einmal vor, besagter Spiely kann wirklich:
- ums Verrecken nicht Taktieren... spielt dann den Taktiker der Gruppe qua Werten, aber seine Pläne gehen immer schief. Nachdem er damit seine Gefährten dadurch öfters an den Rand des TPK gebracht hat, aber darauf besteht, den doch immer wieder zu spielen... wie reagiert ihr da?
- oder sagen wir, der Spieler spielt seine Charaktere eher unvorbereitet, locker-flockig, die hören nicht so genau zu – aber er will nun einmal den Dieb spielen. Und tötet ständig die anderen Charaktere, weil er beim Fallen-Entschärfen nicht so genau aufpasst
- oder er kann sich halt überhaupt nicht dazu durchringen, den eigenen Charakter mutig und bestimmt agieren zu lassen. Der spielt seine Charaktere gerne schreckhaft, will aber derjenige sein, der in der Gruppe vorgeht.

Nein, ich glaube schon, dass es auch im herausforderungsorientieren Rollenspiel Spieler-Charakter-Konstellationen gibt, die einfach nicht in eure Runden passen, weil Betroffene die nicht der Gruppenerwartung angemessen ausspielen.
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Offline gunware

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Stell dir nur einmal vor, besagter Spiely kann wirklich:
.....
Ich weiß nicht, aber da würde ich eher sagen, dass sich die Gruppe nicht das optimale System ausgesucht hat, als dass der Spieler/Charakter nicht in die Gruppe passt.

Beispiele:
Taktik - nicht wie man sich positionieren soll, sondern Boni im Kampf anderen Charakteren geben, schon funktioniert das taktische Spiel
unaufmerksamer Spieler, Charakter mit guten Werten schafft die Probe und löst die Falle nicht aus
schreckhafter Spieler versus mutiger Charakter? Oder wie soll ich mir das vorstellen? Hohe Ini, dann kann er ruhig die erste Runde auf sich sammeln verwenden und Boni generieren oder was ähnliches. Falls ich es ansatzweise verstanden habe.

Klar, in einer fremden Runde klappt es nicht, aber je besser man sich kennt, desto einfacher ist es, die Spieler mit einem passenden System spielen zu lassen, was und wie sie möchten.
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Offline Galatea

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Stell dir nur einmal vor, besagter Spiely kann wirklich:
- ums Verrecken nicht Taktieren... spielt dann den Taktiker der Gruppe qua Werten, aber seine Pläne gehen immer schief. Nachdem er damit seine Gefährten dadurch öfters an den Rand des TPK gebracht hat, aber darauf besteht, den doch immer wieder zu spielen... wie reagiert ihr da?
Also wenn die Werte ihren Sinn nicht in irgendeiner Form von selbst ins Spiel einbringen können, wozu gibt es dann überhaupt diese Werte?

Wenn es eine Fertigkeit Taktik gibt, dann sollte die entweder allen in der Szene einen allgemeinen Bonus geben (bei regelleichten Erzählspielen) oder spezifische mechanische Vorteile liefern (bei tabletoppigen Spielen ala D&D), z.B. indem man leichter die Schwachstellen von Gegnern trifft. Das hat dann zwar nicht unbedingt was mit der Szenarienplanung zu tun, aber mir wäre ohnehin neu, dass ein Spieler im Alleingang die Encounterstrategie der Gruppe plant.


- oder sagen wir, der Spieler spielt seine Charaktere eher unvorbereitet, locker-flockig, die hören nicht so genau zu – aber er will nun einmal den Dieb spielen. Und tötet ständig die anderen Charaktere, weil er beim Fallen-Entschärfen nicht so genau aufpasst
Wie kann man denn bei Fallen-Entschärfen "nicht so genau aufpassen"? Das ist ein Würfelwurf.

Leute, die nicht genau zuhören, das hatte ich schon. Ein Spiely in einer unserer Runden hatte hart ADS oder was in die Richtung (wusste 10 Sekunden nach der Besprechung nicht mehr was der Plan war, obwohl aktiv dabei und gute Ideen beigesteuert) und das war dazu noch eine Gruppe, die primär Heist und Undercoversachen gemacht hat. Dieselbe Runde hatte zudem noch einen Charakter der sich am besten mit "erst zuschlagen, dann Fragen stellen" beschreiben lässt. Nach dem zweiten Mal wussten alle Anderen worauf sie sich einlassen und die Pläne/Aufgaben wurden entsprechend angepasst. Es war turbulent und manchmal echt anstrengend, hat aber irgendwie funktioniert und sehr viel Spaß gemacht.


- oder er kann sich halt überhaupt nicht dazu durchringen, den eigenen Charakter mutig und bestimmt agieren zu lassen. Der spielt seine Charaktere gerne schreckhaft, will aber derjenige sein, der in der Gruppe vorgeht.
Das ist schon eher ein Problem, weil es die Handlungen des Charakters als Gesamtes betrifft und eine regelseitige Hilfestellung/Lösung praktisch unmöglich ist (das einzige, was mir da ansatzweise in den Sinn käme, wären die Waghalse aus dem Ratten-RPG, die einen ziemlich deftigen Bonus bekommen, wenn sie eine besonders waghalsige/riskante/abgefahrene Aktion machen - aber auch das kann die Persönlichkeit des Spielers auch nicht ändern).


Nein, ich glaube schon, dass es auch im herausforderungsorientieren Rollenspiel Spieler-Charakter-Konstellationen gibt, die einfach nicht in eure Runden passen, weil Betroffene die nicht der Gruppenerwartung angemessen ausspielen.
Rollenspiel ist halt immer ein Gemeinschaftsprojekt. Es kann nicht auf Kosten der Gruppe komplett einen Spieler bedienen.
We should respect all forms of consciousness. The body is just a vessel, a mere hull.

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Ich weiß nicht, aber da würde ich eher sagen, dass sich die Gruppe nicht das optimale System ausgesucht hat, als dass der Spieler/Charakter nicht in die Gruppe passt.

Da mag was dran sein. Ich meine, wenn mir ein bestimmter Spielaspekt wichtig ist, dann hätte ich doch ganz gerne auch Regeln, die den angemessen unterstützen, damit ich nicht einfach bloß handwedelnderweise in mehr oder weniger dichtem Nebel herumimprovisieren und mich auf das ähnlich fragwürdige Urteil von jemand anderem über die Qualität dieser Übung verlassen muß. (Dabei müssen diese Regeln nicht zwingend furchtbar ins Detail gehen oder auch nur ein eigenes vorspezialisiertes Untersystem bilden -- nur halt existieren und für meine Zwecke einigermaßen brauchbar sein, das sollten sie schon.)

Soweit's das Fadenthema betrifft, wäre also die Frage, inwieweit das jeweils verwendete System die Erschaffung eines Charakters mit den gewünschten Eigenschaften auch mechanisch geeignet unterstützt. Kann ich auch als taktisch nicht besonders ausgewiesenes Genie einen gewieften Taktiker wenigstens bauen, oder muß ich mich da schlicht auf meine Fluffbehauptung und mein eigenes be...scheidenes Können zurückziehen? Wie sieht's aus, wenn ich zu Naßforschheit oder gelegentlicher geistiger Abwesenheit neige, mein Charakterkonzept aber Disziplin und die Fähigkeit zur Konzentration erfordert -- was, wenn überhaupt, gibt's da so an Charakterelementen, die ich sinnvollerweise nehmen sollte? Und wenn ich eigentlich ein kleiner Feigling bin, aber doch gerne mal einen wirklich wagemutigen Helden spielen möchte (muß ja nicht gleich Leroy Jenkins sein), wie gut oder schlecht greift mir das System dabei unter die Arme?

Es gibt genügend Spiele, die auf keine dieser Fragen eine belastbare Antwort bereithalten, gleichzeitig aber ziemlich wenige, die vom Spieler wenigstens praktische HEMA-Kenntnisse oder eine Grundausbildung beim Bund verlangen, bevor sein Charakter halbwegs professionell eine Waffe in die Hand nehmen darf. Denn Kampfregeln, die einem auf zumindest diesem Gebiet eine reine Freistil-Impro-Abwicklung ersparen sollen, bringt ja aus welchem merkwürdigen Grund auch immer so ziemlich jedes System schon mit...