Ich fand das Schnellstarter-Abenteuer enttäuschend trivial.
Der MacGuffin ist weg. Du kannst ihn dort finden. Und falls nicht, auch egal. Ach, und zufällig und unabhängig davon passiert etwas Weltbewegendes, aber wenn du willst, glaube an einen Zusammenhang. Aber eigentlich will ich dir nur meinen coolen Text vorlesen.
Die Umstürmten hat mir wesentlich besser gefallen.
Auch lässt mich nach wie vor das Setting fragend zurück.
Der Mond war weg. Vor Urzeiten. Wie genau beeinflusst uns heute noch, was sich die Ägypter zur Zeit des Pyramidenbaus für Geschichten erzählt haben? Eben, gar nicht.
Und in den 1000 Jahren, wo es Nachts echt dunkel war (das wäre die einzige wirklich spürbare Auswirkung auf einen erdgroßen Planet außer, dass die Gezeiten etwas schwächer werden und in dem Moment, wo er wegploppt, ein kleiner Tzunami entstehen könnte) sind wage schlimme Dinge passiert. Warum? Am Mond kann's ja nicht gelegen haben. Woran also? Wird nicht gesagt.
Was genau ist der süße Tod? Die Pest? Warum süß? Komm, wenigstens einen Satz dazu!
Einen 150m hohen Turm nicht zu sehen ist schon schwer. Das also als Entdeckung zu feiern… ich weiß nicht. Doch dann eher das Tor darin. Wo ist das? An der Spitze? Dann gäbe es zumindest einen Grund für den Turm. Irgendwer hat in die Höhe gebaut, um das Tor zu erreichen. Aber wer? Kein Wort dazu. Ist das nicht die spannendere Frage?
Außer, dass man den Mond nutzen kann, um seinen eigenen Glauben zu testen (würde man nicht glauben, sähe man ja nicht die vom Glauben erklärte Form) und das mit Hilfe von Wahrheitszaubern auch für andere überprüfbar zu machen, was genau macht den Glauben aus? Was sind denn die Grundsätze? Woran verdammt noch mal glauben die Leute denn, außer, dass der Mond wie ein rotes Dreieck aussieht? Oder eben nicht. Was ist der Sinn der Religion? Normalerweise dienen die doch dazu, die Welt zu erklären. Schöpfung, Sinn, warum es jetzt echt scheiße ist aber später besser wird. Kein Wort dazu.
Ich verstehe schon, dass Midgard eine Utopie sein soll und Alternative zum Grimdarken-Einerlei, aber die Regierungsform von Inbulon finde ich mutig. Ein Rat wählt jemand, der dann einfach so lange unumstrittener Herrscher ist, wie er will. Und der kann jeder Zeit sagen "bockt nicht, tschüss". Was für ein Rat übrigens? Hat der sonst noch eine Aufgabe außer die Diktatorwahl? Oder sind die von den Bestechungsgeldern alle so reich, dass sie nichts weiter arbeiten müssen?
Ich verstehe ja, dass man keine irdischen Vorbilder will, aber den gewählten Diktator könnte man Cäsar nennen (ist doch die selbe Idee, das Amt jetzt nach dem Namen des ersten Ausübenden zu bennen), irgendwie hat die Stadt Mekka Vibes, wird aber mitteleuropäisch auf dem einen Bild gezeichnet. Dann gibt offenbar eine Stadtverwaltung inkl. Stadtwache, was nicht mittelalterlich ist, insbesondere wo es offenbar auch sowas wie Scottland Yard gibt, also hat das Vibes von viktorianischem London. Von der Größe der Stadt würde es auch passen, wenn man nicht Rom denkt, was zu Cäsar passen würde. Wie wird eigentlich eine Stadt dieser Größe versorgt?
Warum pilgern die Leute in die Stadt? Erhoffen sie sich Heilung? Von was? Grasiert der süße Tod noch? Oder ist das, was den besiegt hat, ein universelles Heilmittel? Haben die quasi den schweren Heiltrank entdeckt? Schaut man sich das riesige Gebiet von Nuhatim an, das eher an BASF denn ein Alchimistenlabor erinnert: Wie viel Material können die denn da in einer Nacht durch das Tor schleppen, auf das man auf so einer Fläche davon ein Jahr lang Heilmittel herstellen kann? Und würde man Heilung nicht eher zum Höchstpreis verkaufen als an Pilger zu verteilen? Ich vergaß, utopischer Erzählraum. Muss alles keinen Sinn machen.
Irgendwie kann ich die Stadt nicht greifen. Sie ist supergenerisch, oberflächlich, nichts, wo ich sagen würde, oh spannend, da entspringt in meinem Kopf eine Idee. Mag aber an mir liegen oder meiner inzwischen negativen Haltung. Your Inbulon may varry würde Chaosium sagen.
Vielleicht ist deswegen auch das Abenteuer so, wie es ist. Ein bis dato völlig egaler Gegenstand ist weg und wenn der nicht wiederkommt, hat irgendwer, zu dem man bis eben keine Beziehung hat, vielleicht Ärger. Wenigstens ein Satz wie "die werfen mich aus dem Orden oder ins Gefängnis" hätte man doch gegen totale Beliebigkeit schreiben können. Noch besser wäre natürlich eine intrinsische Motivation der Charaktere.
Und das Fest, dass als Backdrop super-interessant sein könnte, wir mit keinem Wort näher beschrieben. Wäre eine Zufallstabelle mit 1W6 Begegnungen, die die Ermittlungen bzw. Verfolgungsjagd stören zu viel Arbeit gewesen? Andererseits: Was für eine Ermittlungsarbeit?
Vielleicht hat der "Wie die Einbrecher vorgegangen sind, ist egal" Satz mich zu diesem ganzen Rant bewegt. Den ich lese daraus, dass eigentlich das ganze Abenteuer egal ist. Eigentlich will man nur den Mondflimmern Vorlesetext zum besten geben. Uh, oh, mehr wage Andeutungen.
Ich würde ja sagen, man kauft auf dem Trödelmarkt einen neuen Krug und stellt ihn ins Archiv. Wenn der verlorene seit tausenden Jahren nicht wichtig war, wird's auch die nächsten Tausend Jahre nicht auffallen. Problem gelöst. Weiterfeiern.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die SCs (ja, ja, Spielfiguren) jemals die Motivation des Antagonisten erfahren werden, wenn sie nicht großzügig den Showdown-Monolog abwarten oder den "man kann doch über alles reden" Ansatz verfolgen, "gib den ollen Krug einfach wieder her und wir vergessen die Sache". Hey, ich würde als SC sogar erlauben, dass sie ihr Ritual einfach durchzieht und danach den Krug zurück gibt. Sei ihr doch die Selbsterkenntnis gegönnt. IMHO können die Spielenden keine Gefahr wahrnehmen, außer die des Holzhammers, der die ganze Zeit über dem Abenteuer schwebt.
Hätte man nicht sowas schreiben können wie "Als der Mond verschwand, verschwand auch die Magie der Priester. Die Erde brach auf und als dann die Dämonen in den finsteren Nächsten kamen, gab es keinen Schutz. Die Armeen der Königreiche wurde in ungleichem Kampf aufgerieben. Die Überlebenden zogen sich hastig errichtete Festungen zurück. Beteten dort um die Rückkehr des Lichts. Suchen nach dem Grund, warum die Götter ihnen den Mond genommen hatten. Und mit dem Mond die Magie. Man fand und bestrafte Schuldige. Und Unschuldige. Irgendwann war das egal und jeder hatte Schuld auf sich geladen, einfach weil er überlebt hatte während die anderen nun tot waren. Doch nichts half. Was tagsüber zurückgewonnen wurde, wurde nachts wieder verloren. Die Götter hatten die Menschheit aufgegeben. Nur die Festungen waren sicher … bis die Dämonen lernten, die Gestalt von Menschen anzunehmen. Doch Qala, die Göttin des verlorenen Monds, hatte schließlich nach fast 1000 Jahren ein einsehen und gewährte die Mondsicht, die Fähigkeit, den Mond dort zu sehen, wo er hätte sein sollte, und damit auch die Fähigkeit, die Dämonen zu erkennen, die da nicht sein sollten. Ewig würde man zum Himmel blicken, sich ewig erinnern und niemals vergessen, dass Quala, die verschwand als der Mond wiederkehrte, der Grund war, warum die Dämonen besiegt und die Welt wieder aufgebaut würde. Und so wenden ihre Priester, fast vergessen von der Welt, auch heute noch niemals den Blick vom Mond, ihn zu bewahren und am Himmel zu halten und zu gedenken, dass Qala ihre Existenz für das Wohl Damatus gegeben hat."
Dann könnte man doch eher sagen, mag übertrieben sein, vielleicht auch nur eine Geschichte, aber diese Zeit ohne Mond war schon echt doof, lass mal schauen, dass das nicht wieder kommt.