So, nun wie versprochen der Abschluss des Kapitels:
Nun kümmerte man sich um die wichtigsten Baustellen: looten, plündern und filzen. Außerdem wurde die Wyrmlady erstmal in einen der Käfige gesperrt – wogegen sie zwar protestierte, aber nunmal nichts machen konnte, vae victis! – achja, und dann barg man auch den leblosen Körper des armen Kampfmönchs.
Nach einigem Palaver (und natürlich auch OOC-Beratung mit dem betroffenen Spieler) entschloss die Gruppe sich, hier den Staff of Life einzusetzen und den einen (1) Raise Dead, der in ihm enthalten war, einzusetzen. An dieser Stelle bog ich die Regeln ein wenig, denn der Teufel steckt im Detail: einen Staff of Life kann nur jemand einsetzen, der die darin enthaltenen Zauber auf seiner Klassenliste hat, und so jemanden hatte die Gruppe nicht dabei. Ich habe daher erlaubt, den Staff wie eine klassenfremde Schriftrolle mit einem Wurf auf Use Magic Device einzusetzen. Das ist so in den Regeln eigentlich nicht vorgesehen (und vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich hier kniefieselig gewesen wäre, aber dazu später mehr.)
So kehrte der Mönch ins Reich der Lebenden zurück – allerdings wie gemartert und entsprechend mitgenommen. In PF1 erleidet man als frisch wiederbelebter 2 "permanente" Negative Stufen, wobei "Negative Stufe" so ungefähr "-1 auf alle Werte und -5 max HP" bedeutet und "permanent" soviel wie "kostet pro Neg Stufe 1000GP und 1 Woche zum wegheilen". Das ist also schon eine ziemliche Hypothek, aber immerhin hatte man ja jetzt den wirklich brutalen Kampf überstanden und würde bald in das sichere Elfendorf zurückkehren. Könnte man meinen!
Während der Mönch sich von den Strapazen der Wiedererweckung erholte, interviewten Magier und Paladin die gefangene Wyrmlady. Diese stand auch recht unkompliziert Rede und Antwort - da ihr Drachenkumpel tot war, war ihr nun alles ziemlich egal. So gab sie einige Informationen preis (wie vom Abenteuer vorgesehen) - insbesondere was ihren Auftrag hier anging (Razorfiends zu züchten), welche Kräfte noch in der Nähe wären, und was es mit der Phylactery auf sich hatte. So verhandelte sie um ihr eigenes Leben. Sie versicherte glaubhaft, dass sie keinesfalls zur Horde zurückkehren würde, nun da sie die Phylactery verloren hatte - sie würde sich ab jetzt komplett aus dem Konflikt heraushalten. So sagten die Abenteurer ihr zu, sie auf freien Fuß zu setzen, wenn sie alle in Sicherheit wären.
Aber erstmal wollte man schlafen gehen. Und zwar genau hier.
Immerhin aktivierte man wenigstens ein paar Sicherungsmaßnahmen. Der Zauber "Campfire Wall" musste mangels Masse als Ersatz für die wesentlich mächtigere "Tiny Hut" herhalten. Das betreffende Lagerfeuer wurde in der Mitte des zentralen Raumes angezündet. Und man schloss die Doppeltüren zum ehemaligen Drachenzimmer. Den Käfig mit der Gefangenen stellte man hier in die Ecke, um sie im Blick zu haben. Dann ging die Rastroutine los.
Gegen Mitternach hielt ich den Zeitpunkt für gekommen: das zweite Pluton, die Garnison des bisher ignorierten Glockenturms, wollte wissen was denn da jetzt am Rathaus vor sich ginge. Also war der ganze Trupp im Anrücken. Ein Offizier, drei Nahkämpfer und vier Bogenschützen, alles Veteranen. Sie seilten sich - bis auf 2 Schützen - durch das Loch in der Decke ins Drachenzimmer ab. Da die Nahkämpfer mittelschwere Rüstung trugen, machten sie dabei etwas Lärm, was der gerade Wache haltende Mönch auch bemerkte – "schabende Geräusche, wie Metall auf Stein" war glaube ich meine Beschreibung. Nach kurzem Zögern weckte er seine Kameraden, beschränkte aber ansonsten seine Vorkehrungen darauf, einen Stuhl gegen die große Doppeltür zu verkeilen. Der Paladin hatte natürlich vorn und hinten nicht genug Zeit, seine Rüstung anzuziehen.
An der Tür wurde gerüttelt. Noch eine Runde Gnadenfrist. Man wartete ab. BÄM flog die Doppeltür auf - und immerhin, die "Lagerfeuerwand" breitete sich nun auf ihren vollen Radius aus und verursachte bei den von ihr erfassten Gegnern jeweils… 1d6 Feuerschaden. Hui. Jetzt ging es aber los. Die Bogenschützen feuerten, und einer erwischte den Monk schwer. Die Hobbo-Nahkämpfer rückten in geschlossener Phalanx vor. Einer der Helden stieß ins frisch erbeutete Nebelhorn, und in den damit hervorgerufenen 2x2 Feldern Nebel verbargen sich jetzt drei der vier Helden. Für den Vierten - nämlich den Mönch - hatte es leider nicht gereicht.
Das Problem an der ganzen Sache: die taktische Situation stellte sich nun ungefähr so dar:
S= Schütze, A= Anführer, V=Veteran, M=Monk, W=Wizard, P=Paladin, R=Ranger, G=Gefangene
Der Monk mit jetzt wieder nur noch 1HP. Der Wizard mit fast keinen Zaubern übrig. Der Paladin nur mit leichtem Kettenhemd, aber dafür schwerer Stangenwaffe. Der Ranger nur mit Bogen ohne Nahkampfoption.
Und bei ungefähr diesem Lagebild blieb es auch. W, P und R (sowie das freie Feld in der Ecke) waren eingenebelt. Der Paladin stocherte von hinten mit seiner Stangenwaffe auf einen der Veteranen und dachte ja nicht im TRAUM daran, auf eine Nahbereichswaffe zu wechseln und/oder mit zB dem Magier Platz zu tauschen.
In der zweiten Runde forderte der feindliche Anführer die Helden auf, sich zu ergeben, und die Schützen machten jeweils eine Aktion bereit, um aggressive Aktionen mit Pfeilbeschuss zu beantworten. Und was macht der Monk? "Hm, da komm ich nicht weg, auch mit Withdraw würde ich eine AoO ziehen… na dann mach ich nen vollen Angriff auf den vor mir."
Der erste Angriff war auch erfolgreich und schickte den Veteranen mittels Beinfeger zu Boden. Dieser Angriff löste aber auch die Ready Action der Schützen aus.
"Naja", dachte ich mir noch, "die machen 1d8+2 Schaden, dann knockt es ihn halt nochmal aus aber er überlebt."
Und dann der Angriffswurf: NATURAL TWENTY!
und die Crit Confirmation NEUNUNDFUCKINGZWANZIG!
Und der Schaden ACHTUNDFUCKINGZWANZIG!
RIP
Dann ging das so weiter. Wieder mal waren wir in einer Situation, wo die Szene stramm runtergespielt in einem TPK enden würde. Die Bogenschützen könnten mit Miss Chance in die Nebelwolke reinfeuern und dann wäre es ziemlich bald Übungsende. Der Magier wehrte sich verzweifelt, erst mit einem magischen Schrei (Sonic Damage) und dann mit Shocking Grasp, mit dem er auch den Anführer rausgenommen bekam. Der Paladin blieb stur und hartnäckig in seinem hintersten Feld und nutzte den Magier (AC15) als Deckung. Der Ranger feuerte im direkten Nahkampf gegen einen anrückenden Veteranen, nahm dabei etwas Schaden aber setzte sich schließlich durch. So - und indem ich die Schützen weitgehend nur "bereithalten" ließ - überstand der restliche Trupp diese Prüfung noch an einem Stück, bis der letzte verbliebene Bogenschütze sich nach hinten absetzte und wieder aufs Dach kletterte.
Unsere Helden leckten jetzt abermals ihre Wunden, verteilten die Reste des letzten Heilstabs unter sich auf, und (die Spieler) wirkten ziemlich ratlos, was sie nun tun sollten. Um die traurige Prozedur abzukürzen: schließlich verließ man mit der Wyrmlady als Geisel das Gebäude, diese rief den mittlerweile im Hinterhalt lauernden Schützen zu, sie sollten sich zurückziehen und nicht angreifen. So machten unsere wackeren Helden den
Brave Sir Robin, und weil ich an dieser Stelle schon wieder irgendwie zermürbt war, ließ ich alles einfach so geschehen. So segelten und paddelten die Abenteurer nebst Geisel zurück Richtung Elfendorf. Immerhin hielten sie sich dann doch noch an die Vereinbarung und setzten die Dame auf freien Fuß.
Als die Abenteurer wieder ins Elfendorf zurückkehrte, fiel es natürlich sofort auf dass sie einen 25%igen Transportschwund erlitten hatten. So war das Debriefing mit den Anführern entsprechend durchwachsener Stimmung. Große Bewunderung ernteten die Überlebenden immerhin dafür, den Drachen erlegt zu haben. Die Leiche des erschlagenen Monks hatte man natürlich eingepackt (Nimmervoller Beutel ftw), aber was nun damit tun? Ein neuerlicher Ress würde nochmals zwei Neg Level draufsatteln, also insgesamt derer 4 – da bräuchte man dann schon einen Greater Restore um diese im Rahmen der Abenteuer-Deadline wegzubekommen. Somit zog nun der betroffene Spieler einen Strich drunter und ließ seinen wackeren Halbork in die ewigen Jagdgründe eintreten.
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Nachklapp:
Somit haben wir nun den Salat: der erste Permadeath, und zu allem Überfluss erwies sich die Anwendung des Staff of Life auch noch als sinnlos verpulvert.
Ich muss ja gestehen, ich bin ein großer Softie-SL, und hasse es SCs zu killen, aber hier wusste ich halt auch nicht mehr, wie ich das hätte abwenden können. Hier hatten sich aber auch wirklich so viele fragwürdige Entscheidungen angehäuft, dass es wirklich völlig unglaubwürdig gewesen wäre, hier "mit Gewalt" den SC-Tod abzuwenden.
- Die Party _wusste_, dass in der Gegend noch feindliche Einheiten aktiv waren, und entschied sich trotzdem dort zu campieren (es wäre ja trivial gewesen, nach dem Bosskampf wieder aufs Festland überzusetzen und am nächsten Tag wiederzukommen, um die letzten Nester wegzumachen)
- sie versuchten zwar, ihr Lager zu sichern, aber die Sicherungsmethoden waren einfach minderwertig und teilweise kontraproduktiv
- die gewährte Vorwarnzeit ließen absolut Alle ungenutzt verstreichen
- die gewählte Kampfaufstellung (Magier vorne, Paladin hinten) war wirklich die Dümmstmögliche
- auf die Kapitulationsaufforderung wurde nichtmal zum Schein eingegangen um Zeit zu gewinnen, stattdessen mit 1HP nochmal angegriffen während mehrere Bogenschützen als "schussbereit" beschrieben wurden
…also kurz, da weiss ich halt auch nicht mehr. Aber die größte Verantwortung sehe ich tatsächlich nichtmal beim Monk- sondern beim Paladinspieler. Dabei habe ich auch den Verdacht, dass dieser sich auch noch durch das Ergebnis validiert fühlt, schließlich ist sein SC nicht draufgegangen.
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Programmhinweis:
Völlig unabhängig von diesem Charaktertod wird diese Kampagne jetzt eh wieder eine Weile pausiert. Mit dem Abschluss dieses Kapitels rotieren wir wieder planmäßig den SL-Posten und spielen ab nächster Woche Runelords weiter. Das hat insofern für den Monk-Spieler den Vorteil, dass er jetzt umso länger Zeit hat, sich einen neuen SC auszudenken. Ich an seiner Stelle wäre ja jetzt soweit, einen bockelharten Zwerg zu bauen an dem alles einfach abprallt. Aber wir werden sehen.
Fragen und Anmerkungen willkommen.