* Bernhard Hennen: Interview mit Ulrich Kiesow, ZauberZeit Nr. 12, 1988.
* (...)
* Briefe Ulrich Kiesows von 1985 an Thomas Finn. Finn hat später Auszüge aus zwei Briefen veröffentlicht, die er 1985 von Kiesow erhalten hatte; einer ist auf den 28. März 1985 datiert.
Die Briefausschnitte gibt es unter
https://www.thomas-finn.de/romanespiele/spiele/dsa/dsa_ulrich.htmlDas ZZ-Interview ist spannend, danke dafür!
Die Parallelen zum Zeit-Aus!-Interview sind spannend, aber auch die Unterschiede - und natürlich die Ungereimtheiten.
So kam es, daß ich schon lange bevor die Rollenspiele in Deutschland ihren großen Boom erlebten, intensiven Kontakt zu dieser neuen Form von Spielen hatte, und ich muß gestehen: Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. 1981/82 entwickelte ich mit Freunden das Rollenspiel »Aventuria«, weil uns keines der Systeme auf dem Markt so hundertprozentig zusagte. Ursprünglich war »Aventuria« ausschließlich für unseren privaten Gebrauch bestimmt. Ungefähr zur selben Zeit hat sich Droemer/Knaur um die Lizenz für ein amerikanisches Rollenspiel bemüht, hatte aber keinen Erfolg. In dieser Situation habe ich dem Verlag dann »Aventuria« angeboten, und es wurde angenommen.
Hattest du für den Entwurf von »Aventuria« Vorbilder? Ich glaube, wenn man sich vorher schon jahrelang mit anderen Spielen beschäftigt hat, geht man nicht ganz unvorbereitet an so eineSache heran.
Ja und nein. Natürlich kann man es nicht ganz abstreifen, wenn man schon ewig mit anderen Spielen zu tun hatte. Mindestens im Unterbewußtsein bleibt davon immer etwas hängen, aber »Aventuria« haben wu ganz bewußt in Abgrenzung zu Spielen wie D&D entworfen, weil wir etwas Neues haben wollten. Wenn man unbedingt Vorbilder suchen möchte, wären da am ehesten Tunnels and Trolls und RuneQuest zu nennen.
Die Datierung auf 1981 ist nicht mehr so fix wie in Zeit-Aus.
Das Spiel heißt hier (wie in anderen Quellen) Aventu
ria, nicht wie in Zeit-Aus Aventu
rien. (Nachvollziehbare Ungenauigkeit, aber ich finde es ganz praktisch, sich diese Ungenauigkeiten bewusst zu machen, um den Rest des Textes nicht für 100%ig korrekt zu halten.)
Droemer/Knaurs Lizenzverhandlungen mit TSR fallen angeblich "ungefähr" in dieselbe Zeit wie die Entwicklung von Aventuria (was nicht zu 1981-82 passt).
Die Entwicklung von Aventuria in Abgrenzung zu D&D und Ulrich Kiesows Aussagen dazu, "schon lange"/"schon ewig" Rollenspiele gekannt und geliebt zu haben, passt nicht zu dem Bericht vom Dänemark-Urlaub 1982, auf dem er D&D erstmals gespielt haben soll.
Vermutlich sind das alles eher "gefühlte Zeitangaben". Rekonstruieren würde ich daraus vorsichtig:
- irgendwann vor dem DK-Urlaub 1982: Ulrich Kiesow kennt als Mitinhaber des Fantastic Shops die Rollenspiele (zumindest dem Namen nach), die sie im Laden verkaufen, und spielt selbst T&T-Soloabenteuer.
- DK-Urlaub 1982 (Sommer?): Ulrich Kiesow (und Angelika, Werner Fuchs, Ina Kramer) spielen D&D
- Sommer 1983: Die Fantastic-Shop-Inhaber (Alpers/Fuchs/Kiesow) gründen Fantasy Productions und veröffentlichen das von Ulrich Kiesow übersetzte Tunnels & Trolls (Schwerter & Dämonen).
- Vermutlich zeitgleich sucht TSR nach einem Lizenznehmer in Deutschland und verhandelt mit Droemer/Knaur. FanPro (oder Fuchs & Kiesow privat?) machen Übersetzungsverträge mit TSR und übersetzen Regeln und Module.
- Die Verhandlungen zwischen TSR & Droemer/Knaur scheitern (Sommer/Herbst?), aber ASS steigt ein, gründet den FSV und veröffentlicht ab November 1983 D&D auf deutsch.
- November 1983: Droemer/Knaur & Schmidt Spiele fragen bei Alpers/Fuchs/Kiesow nach einem deutschen Rollenspiel, Kiesow fährt am Folgetag nach München und stellt Aventuria vor.
- Spielwarenmesse Nürnberg, 1984: Das Schwarze Auge wird veröffentlicht (oder war zu diesem Zeitpunkt nur die Vorstellung, die Veröffentlichung erst später im Jahr?)
Ein für den Privatbedarf entwickeltes Rollenspielsystem "Aventuria", das sich bewusst von D&D abgrenzt, würde vermutlich erst nach dem DK-Urlaub entstanden sein. Wann genau, ist offen. Fuchs vertritt den Standpunkt, das alles erst nach der Anfrage von Droemer/Knaur/Schmidt (Nov 1983) im Eiltempo entwickelt wurde, Kiesow behauptet, das sei schon früher passiert, "ungefähr zur selben Zeit" wie die Verhandlungen zwischen Droemer und TSR.
Hier ist noch eine Sekundärquelle, enthält aber auch die von mir weiter oben erinnerte Erzählung von Fuchs, dass sie in zwei Stunden den Kontinent gemalt hatten.
Das ist ein Wikipedia-Klon.
Spannend finde ich, dass in den aktuellen Erzählungen von Fuchs er immer die treibende Kraft war während in den Kiesow-Interviews dieser sich als treibende Kraft sieht. Wäre spannend zu sehen, wie das aus der Sicht von Stöhr (Schmidt) und Hildebrandt (Droemer-Knaur) war. Leider sind die schon tot.
Ja. Ich fänd es aber auch spannend, bei Werner Fuchs nachzuhaken, wie er die Ungereimtheiten sieht, auf denen wir hier herumkauen. Interessant wäre auch, ob seine Frau Angelika (Ulrich Kiesows Schwester) Erinnerungen an diese Details hat.
Wann haben Fuchs/ Kiesow von Empires of Magira, Midgard, Abenteuer in Ranabar erfahren?
Wann haben sie welche Rollenspiele gespielt? War der Dänemark-Urlaub ihre erste D&D-Spielrunde?
Wann begann die Entwicklung von Aventuria (dem Spielsystem, nicht dem Setting)?