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Bazaar
Jack Hawkins:
Jack rappelte sich auf, zum zweiten Mal seit seiner Ankunft, und ordnete die Situation. Die Kippe war hin, aber beunruhigender war die dunkelhaarige Lady, seitlich blutend, daneben junger Asiate -shit, Li Halan-, dicht gefolgt von Stationssicherheit und -der guten Dinge drei- Renton Coats, Gewerkschaft.
Jack fuhr sich übers Gesicht, dann durch die Haare, blickte einen Augenblick verdutzt zu der Frau und dem jungen Asiaten, der sich irgendwie vor sie schob, als wolle er sie beschützen; was in anbetracht der Tatsache, dass er eine Kopf kürzer war, reichlich lächerlich wirkte, aber offenbar ernst gemeint war. Der zweite Blick galt der Stationssicherheit, die inzwischen herangekommen war und es nicht mehr so eilig zu haben schien. Dahinter baute sich die Gestalt von Coats auf, dessen Miene sich bei seinem Anblick verzog, als hätte er eine Zitrone verschluckt.
Der Mann von der Sicherheit kam ihm vage bekannt vor, aber er hatte den Namen nicht parat; wußte nur, das er sich ab und an im Liberty rumtrieb und nicht besonders viel Glück beim Roulette hatte.
"Lieutenant Hawkins. Schön Sie mal wieder zu sehen." Jack erwiederte das freundliche Grinsen des Wachmanns und hielt es nicht für ratsam, zu erwähnen dass seit dem Zwischenfall auf Tethys der korrekte Rang 'Ensign' gewesen wäre.
"Ähm... ja..." Coats hielt sich im Hintergrund und seine kleinen Augen wanderten unstet zwischen ihm und der Frau. Für jemanden, der den Schlepper nicht kannte, sah es bestimmt so aus, als würde sich hinter seiner flachen Stirn ein wie auch immer gearteter Plan entwickeln, aber Jack wußte, daß dort nur eine Metallplatte und eine Menge ungenutzer Raum waren. Trotzdem gefiehl ihm etwas an diesem Blick nicht.
"Gibt es irgendwelche Probleme?" Angesichts des Blutes sowohl an der Fremden als auch an Coats eine dumme Frage, die der Wachmann auch mit einem entsprechenden Gesichtsausdruck quittierte.
"Wir waren gerade dabei, das herauszufinden, Lieutenant." Er drehte sich zu der Frau und dem jungen Asiaten um.
"Man sagte uns, es gab eine Messerstecherei im Zodiac... und diese beiden hätten zudem ihre Zeche geprellt. Haben Sie dazu etwas zu sagen?" Offensichtlich unschlüssig, ob er die Frage an die Frau oder den Li Halan richten sollte, blieb sie im Raum schweben.
Megan:
Itaru straffte sich, setzte den typisch undurchdringlichen Li Halan-Ausdruck auf und machte einen entschlossenen Schritt auf die Wache zu.
"Und ob es Probleme gibt! Solch ungehobeltes Pack sollte eingesperrt werden, Wachmann! Dieser Mann ist eine Gefahr für die gesamte Station!" Anklagend deutete er auf Coats und warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Er hatte einen weltmännischen Ton angeschlagen. Zunehmend wurde er sich seiner Position bewußt, die in Gegenwart der Menschen mit denen er reiste bisweilen etwas unterging.
"Zunächst hat er uns belästigt, dann beleidigt und schließlich versuchte er Commander Lindsey zu entführen indem er sie mit einem Messer bedrohte!" Empörung schlug dem Wachmann entgegen - der junge Li Halan war in Fahrt gekommen, und Lieutenant Stubblefields gesamte Haltung deutete daraufhin, dass er sich auf eine größere Standpauke gefasst machte.
Die Anklage verstummte jäh. Jedes weitere Wort wäre ein Eigentor für Itaru gewesen. Zum einen hatte er keine Ahnung, was der Ausdruck "Zeche prellen" bedeuteten mochte, doch das zuzugeben wäre Rufmord gewesen, zum anderen hätte er erklären müssen, warum er, ein junger Adeliger mit bester Kampfausbildung erstens nicht in der Lage gewesen war, die Pilotin zu beschützen und zweitens, dann auch noch in die klägliche Position des Flüchtenden gerutscht war.
Die selbstbewusste Maske entglitt ihm zunehmend, und er warf einen fast hilfesuchenden Blick zu Megan. "Ich denke, Commander Lindsey kann die Angelegenheit besser wiedergeben.. Commander, wenn Sie so freundlich wären."
Megan nickte Itaru zu, und schob sich an ihm vorbei. "Nun, Wachmann, die Situation trug sich genau so zu, wie es Sir Itaru beschrieben hat. Natürlich war es nicht in unserem Sinne, die Zeche zu prellen, doch der tätliche Übergriff ließ uns nur an Flucht denken" - sie ignorierte den anklagenden Blick des Knappen. "Natürlich werde ich sobald die Angelegenheit geklärt ist die Schulden begleichen." Sie zwang sich zu einem verbindlichen Lächeln.
Stubblefield schien seine Zweifel zu haben. Pflichtbewusst hatte er sich Notitzen gemacht und starrte nun nachdenklich auf die Kritzeleien. "Coats, was sagst Du dazu? Stimmt das, was die Sternfahrerin sagt? Hast Du Sir Itaru und Commander Lindsey belästigt und angegriffen?"
"Das ist doch Schwachsinn! Ich wollte nur ein wenig plaudern, und plötzlich stürzt sich dieses verrückte Weib auf mich. Was hätte ich denn machen sollen, als mich zu verteidigen? Man wird sich ja wohl noch verteidigen dürfen!" Coats Selbstsicherheit hing am seidenen Faden und mit allen Mitteln bemühte er sich, glimpflich aus der Affaire zu kommen.
Der Wachmann zuckte die Schultern. "Hier steht ganz klar Aussage gegen Aussage. Wir können das auch in der Zentrale klären und bei dieser Gelegenheit gleich mal die Personalien aufnehmen..." die mitschwingende Drohung war deutlich herauszuhören: Wer sich auf Bazaar nicht anständig benimmt fliegt - egal ob Adeliger, Sternfahrer oder Gewerkschafter.
Megan stieß genervt die Luft aus. Wenn es bisher schwierig gewesen war, das Geschehene Enkidi zu verheimlichen, so wurde es in diesem Moment praktisch unmöglich.
Jack Hawkins:
"Aber das wird doch nicht nötig sein", mischte Jack sich ein. Er hatte schnell begriffen, dass keiner der beiden Parteien daran gelegen war, Ärger mit der Sicherheit zu riskieren.
Er trat auf den Wachmann zu, suchte noch immer fieberhaft nach dem Namen, gab es dann aber auf. "Es ist niemand zu Schaden gekommen, Officer. Nichts, was sich nicht mit einem Medpac klären ließe. Und Sir... Li Halan hier und der Commander werden ihre Zeche sicherlich zu aller Zufriedenheit begleichen." Der Wachmann warf einen Blick auf seinen Notizblock und zögerte. Jack verstand, schüttelte die Hand des Mannes und ließ zur Unterstreichung des Gesagten ein paar Münzen hineingleiten. Der Notizblock verschwand.
"Wenn's hier nochmal Ärger gibt kommen wir gerne auf Sie zurück, Lieutenant Hawkins." Der Officer grinste, während Coats Miene sich verfinsterte.
"Das war alles nur ein Mißverständnis, nicht wahr, Coats?" Jack lächelte überzeugende Freundlichkeit, trat aber gleichzeitig nah an Coats heran. "Das Geld hol ich mir zurück, Coats", zischte er. "Und jetzt verzieh dich, Mann, du bist mir was schuldig." Coats Augen wurden noch kleiner und er bleckte seine widerlichen gelben Zähnen zu einem abfälligen Grinsen.
"Sieht so aus", knurrte er in Richtung der Sternfahrerin und ihres Begleiters.
"Wir sehen uns dann später, Jack..." Er drehte sich um und verschwand im Korridor.
Der Wachmann nickte in die Runde. "Begleichen Sie ihre Zeche, Commander. Schönen Tag noch. Ach, und Mr. Hawkins" -Der Officer lächelte im Gehen- "sagen Sie ihrem Bruder, er soll sich mal wieder bei uns blicken lassen." Jack nickte, grinste schief und deutete mit zwei Fingern ein Salutieren an. Ja, klar, immer doch.
Dann wandte er sich den Verbliebenen zu.
Elisabeth Hawkwood:
"Bisher hatte ich noch nicht die Zeit an etwas Bestimmtes zu denken, aber Paulus klingt eigentlich sehr gut, das passt am besten. Da gibt es doch so eine Stelle, in der auch ein Kampf vorkommt, es muesste irgendwo im siebten Kapitel sein, wenn ich mich recht erinnere, in der zweiten Hälfte, das finde ich sehr passend. Besonders weil Paulus dann auch ein wenig allgemeiner ausholt und sehr viel zur Reise des Lebens schreibt.
Zu Schuetze Waters gibt es nicht so viel zu sagen, er war noch nicht so lange bei mir und ein eher unauffälliger, ruhiger Mann, der sich dadurch auszeichnete, dass er immer da war, wenn gerade eine helfende Hand gebraucht wurde. Er war generell hilfsbereit, deshalb war er bei der Mannschaft beliebt. Lieutenant Rahmhorst dient mir seit neun Jahren. Eigentlich hat mein Bruder ihn eingestellt, doch er wollte lieber mit mir Barbaren jagen", bei diesen Worten verzieht die Baronin leicht gequält das Gesicht, "als auf dem Planeten bleiben. Er fand das spannender... . Er hat sich zum Leiter der Kampftruppe hochgearbeitet und war/ist als solcher eigentlich unersetzlich. Die Mannschaft hat ihn sehr geliebt, er hat nie den Vorgesetzten herausgekehrt, war aber trotzdem immer fähig Disziplin zu halten, auch wenn es mir noch immer ein Rätsel ist, wie er das geschaffthat. Er war eine Art Phänomen. Das ist das, was ich so in wenigen Worten zu beiden sagen kann. Das liesse sich aber natuerlich ausfuehren, an Bord eines Raumschiffes kennt man sich recht gut kennen..., möchtet Ihr etwas Bestimmtes wissen, oder soll ich einfach noch ein bisschen erzählen, oder reicht Euch dies bereits?"
Managarmr:
"Nun Baronin, dann werden wir eventuell Auszuege aus Paulus verwenden. Gerade die Reise des Lebens ist doch sehr passend, wenn auch natuerlich sehr.... philosophisch, vielleicht zu philsosophisch fuer Marines?
Der Lieutenant klingt nach einer interessanten Persönlichkeit, allerdings auch nach einer gewissen Art von Jagdeífer, vielleicht sogar Jagdfieber?"
Wie sehr ist sie selbst Jägerin? Nicht allzu selten, diese Blutlust unter Adligen. Erland musste kurz an einige nicht sehr amuesante Jagdausfluege bei frueheren "Klienten", er konnte nicht umhin, die heuchelnden Adligen, die den Beichtvater nur der Konformität wegen hielten, diesen Ausdruck zu verleihen, zurueckdenken...
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