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Bazaar
Jack Hawkins:
Keines der Schiffe, auf denen Jack bislang Dienst geschoben hatte, war luxuriös gewesen, geschweige denn geräumig. Für ein Handelsschiff bedeutete Frachtraum Kapital. Auf den interstellaren Handeslrouten konnte es sich ein Kapitän nicht leisten, auf die Bedürfnisse seiner Mannschaft Rücksicht zu nehmen, wenn das bedeutete, etliche Tonnen weniger Fracht aufnehmen zu können. Die Konkurrenz war hart. Treibstoff, Ersatzteile, Reparatur- der Unterhalt eines Schiffes war eine teure Angelegenheit, selbst wenn die Gilde in ihren Werften großzügige Rabatte gewährte. Dazu noch die Zölle und die Torpassagen... man musste sein Schiff schon bis oben vollstopfen, um einen satten Profit rauszuholen.
Auf einem Händler musste man sich mit der Enge anfreunden, darauf, dass man kein eigenes Bett hatte, sondern es mit dem Kumpel von der wechselnden Schicht teilte. Dass alles, was das Leben ausmachte, in ein kleines Fach in einem Spind passen mußte. Dass die Luft, egal wie oft sie durch die Klimageneratoren zirkulierten, stickig war und immer nach dem Schweiß der anderen Crewmen roch.
Ganz besonders schlimm war es auf der Hammond gewesen, aber das war auch der heruntergekommenste Seelenverkäufer, den er je gesehen hatte. Zumal er an Bord dieses Schiffes noch nicht mal mehr die (wenigen) Privilegien eines Lieutenants genoss. Nun ja. Das war Geschichte. Schiffe kamen und gingen.
Aber JacK spürte dennoch diesen Stich in seiner Brust; die Azara war ein feines Schiff. Klein, aber schön. Geräumig und komfortabel, aber nicht überladen mit dem Luxus, den man vom Adel erwarten konnte. In jedem Detail fand sich der Geist ihrer Erbauer wieder; geschwungene Linien, elegante Formen. Und die technischen Daten ließen sein Herz flattern. Heiliger Paulus, das Teil mußte verdammt schnell sein. Und wendig... er pfiff leise, als er die Daten über Beschleunigung und Reaktorleistung hörte.
Schiffe kamen und gingen, aber mit so einem konnte man dem Ruhestand gelassen entgegenblicken.
Verträumt strichen seine Finger über die Amaturen und mit jedem Detail, das er entdeckte wurde sein Lächeln breiter. Allein das semiholografische Display der Denkmaschine mußte ein Vermögen gekostet haben.
"Ob sie mir gefällt?" Jacks Augen leuchteten wie die eines kleinen Jungen, der soeben festgestellt hatte, dass das größte Geschenk im Sack des Heiligen Hombor für ihn bestimmt war.
Wenig später löcherte er Commander Lindsey mit einem nicht enden wollenden Strom von Fragen, während sein Blick immer wieder sehnsuchtsvoll zur Steuerkonsole und dem ledergepolsterten Pilotensessel wanderte.
Megan:
Megan grinste verschmitzt, als sie seine Blicke bemerkte. Sie hätte ihn gerne einmal fliegen gesehen. Er war ihr sympathisch und sie suchte ohnehin einen Piloten für den Sprung aus dem System. Hassan hatte die anderen begleitet und ihr letzter Pilot, Morey, der hier noch irgendwo auf Bazaar herumspazierte hatte ihr überhaupt nicht gefallen. Ständig hatte er gemeint, sie belehren zu müssen, wusste dies und jenes besser und akzeptierte sie nur widerwillig als Boss. Megan war sehr froh, als sie Bazaar endlich erreicht hatten. Ihr Nerven lagen blank, als sie vom Schiff gingen.
Jack schien nur zu staunen, seit sie sich begegnet waren. Im Augenblick jedoch konnte Megan nichts für ihn tun. Der Aufwand an Formalitäten für eine kleine Spritztour mit der Azara lohnte nicht. Sie hätte eine Start- und eine Landeerlaubnis beantragen müssen, und die Herren vom Dienst sahen es gar nicht gerne, wenn man sie wegen einer halben Stunde Rundflugs derart belästigte. Außerdem hätte es Aufsehen erregt und das wollte sie vermeiden. Vielleicht würden sie ja innerhalb der nächsten Tage Tethys einmal einen Besuch abstatten. Enkidi war immer dankbar, zwischendurch den Weltraum verlassen zu können. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit, die Fähigkeiten des Lieutanant genauer unter die Lupe zu nehmen.
"Wollt Ihr einmal Platz nehmen," wandte sie sich statt dessen an die Baronin und deutete auf den Pilotensessel. Es wäre unhöflich gewesen Hawkins zuerst zu fragen.
Megan wanderte zu dem grünen, einzig aktiven Monitor und drückte wieder einige Knöpfe. Fünf Spotlichter richteten sich auf den anatomisch geformten Sessel im Zentrum der Brücke, und mit einem leisen Surren glitt er in aufrechte Position, während die Armlehnen nach unten wanderten. Er passte sich der in ihm sitzenden Person exakt an.
Zufrieden beobachtete sie die Bestätigung ihrer Neueinstellungen auf dem Monitor. Sie hatte das Programm selbst geschrieben. Es protokollierte Veränderungen auf der Brücke in minutiöser Form. Anfangs war es nur eine Spielerei gewesen, doch im Laufe der Zeit hatte sich ein einigermaßen komplexes System daraus entwickelt, an welchem sie noch immer feilte, wenn sie wieder langweilige Stunden im tiefen Raum zwischen den Sprungtoren verbrachten. Denkmaschinen waren ihre geheime Leidenschaft, seit sie einen Datenkristall der Ingenieursgilde in die Finger bekommen hatte. Nur noch zur Tarnung ließ sie Glenda gelegentlich die Systeme der Azara checken, was sie problemlos selbst geschafft hätte.
Sie wandte sich gerade wieder um, als ihr Blick an einer Codezeile hängen blieb, die gerade im Begriff war, aus dem Bild zu wandern. Schnell hielt sie den fortlaufenden Prozess an und prüfte die Zeile genauer. Sie zeigte das Datum des Vortages und verwies auf die Beleuchtung der Brücke, sowie anderer Teile des Schiffes, unter anderem ihrer Kajüte, sowie der Glendas und Enkidis. Verwundert schüttelte sie den Kopf, doch dann fiel ihr ein, dass Glenda wahrscheinlich an Bord gewesen war. Natürlich, sie verließ ohnehin so selten wie möglich das Schiff.
Ingenieure eben. Merkwürdige Personen.....
The_Kossack:
Der erste Treffer entscheidet den Kampf, meistens. Wenn Ras in der Schlachtreihe steht, reicht ihm ein Treffer. Die meisten können vor Schmerzen nicht mehr handeln, sind keine Gefahr, und er überläßt es geringeren Kämpfern, die Verwundeten zu töten. Er ist der Löwe - die Schakale reisen in seinem Gefolge.
Duelle aber haben andere Regeln, und Ras spürt, wie die Erinnerung da ist, neben ihm steht wie ein lästiger Torenson, der darauf achtet, daß er die richtige Gabel in die Hand nimmt. Was für ein Unsinn, denkt der Kossacke, während den Adligen ein seltsames Gefühl beschleicht.
Sie haben nicht ausgemacht, wann der Kampf enden soll. Erstes Blut, das wäre jetzt. Kampfunfähigkeit - später. Tod - ja. Nein. Die Entscheidung liegt nicht an. Adlige tun das nicht, nicht in einem Kampf unter "Freunden". Eigenartig, daß er Enkidi nicht als Bedrohung wahrnimmt, vielleicht ist doch mehr dran an der Aussage Andreis, Enkidi erinnere ihn an seinen Sohn.
Das Eingeständnis des Treffers läßt den Geist eines Lächelns über Ras' fast ausdrucksloses Gesicht zucken. Er hat keine gute Antwort darauf, für einen Schlagabtqausch mit Worten ist er bereits zu sehr im Kampf gefangen. Er tritt dennoch zurück, der Kampf pausiert für einige Momente, in denen er wieder Auftellung nimmt.
Und dann - geschieht etwas. Enkidis Gesicht verändert sich - eine subtile Veränderung aber umso machtvoller.
Was geht hier vor, denkt Ras und hebt den Säbel, die Augen werden schmal.
Enkidi Li Halan (N.A.):
Der Raum mit seinen Konturen, seinem Licht und den Geräuschen von zwei anderen Kämpfenden verwischt zu einem dunklen Schleier.
Mühelos treibt Enkidi Ras mit einer schnellen Serie von Hieben durch den Raum. Der Klang des Stahls ist aggresiver, schwingt schrill von den stumpfen Klingen, die nicht fürs Töten gedacht sind, aber tödlich werden, steckt genug Kraft hinter einem Schlag.
Der Kossacke mag stark sein, doch dieser Vorteil zerrinnt von einem Augenblick auf den anderen.
Enkidi taucht unter seinem Schwert weg, das sich plözlich ganz langsam bewegt, träge, so wie jede Bewegung des Kossacken träge wirkt. Wie schmelzendes Glas.
Mit einem Fauchen fährt die Klinge durch die Luft und durchbricht die Deckung des Gegners. Trifft die rechte Hüfte, knapp über dem Becken. Die schwarze Rüstung ächtzt unter dem Schlag. Das Schwert springt zurück, hinterlässt nur eine Schramme von seiner kurzen Berührung.
Man muss ihn erst aus seinem Panzer schälen, flimmert ein Gedanke durch seinen Kopf. Aber das ist nicht nötig. Seine Kehle liegt frei. Kein Helm.
wie unvorsichtig.
Enkidi nutzt den Schwung des Angriffs, bewegt sich seitlich an seinem Gegner vorbei und rammt ihm den Knauf des Schwertes in die Nieren. Ein triumphierendes Schnauben, doch als sich der Kossacke zu ihm umdreht, blitzt wieder dieses Grinsen auf seinem Gesicht.
Dieses Gesicht....Hohe Wangenknochen...ein markantes Kinn. Der Kopf kahl geschoren. Schwarzen Augen die unter den geschwungenen Brauen lauernd in ihren Höhlen liegen, wie eine Spinne in ihem Bau. Und schmale, blutleere Lippen von denen Worte tropfen, wie Gift.
Vladimir.
Er lächelt eisig, und winkt ihn mit dem Schwert zu sich.
Der Haß brennt so heftig und plötzlich in Enkidi hoch, dass er fast taumelt.
Seine Kehle liegt frei.
Das ist unmöglich. Der Gedanke schwimmt ölig am Rande seines Bewußtseins.
Kalt. Ihm ist kalt.
Enkidis Blick springt von seinem Schwert zu dem Gesicht, das ihn anstarrt. Ras?
Vladimir.
Nein, du bist nicht hier.
Er verharrt, mit bebenden Lippen, während Schweiß von seiner Stirn rinnt. Jeder Muskel seines Körpers ist zum Zerreißen gespannt. Bereit zuzuschlagen.
The_Kossack:
Die Geschwindigkeit ist unfaßbar, unfaßbar - bei einem Li Halan Frömmler. Derwische kämpfen so, oder Cybersoldaten der Kette, aber kein Li Halan. Der Hieb über der Hüfte ist spürbar, obwohl der Panzer das meiste absorbiert.
Trotzdem. Schnell. Hart. Vielleicht kein kampfentscheidender Treffer, Ras hat bereits mehr eingesteckt und weitergekämpft. Bevor er zuschlagen kann, ist er wieder getroffen, die Geschwindigkeit sein Feind, Feuer gegen Erde oder Stein, oder Wasser, das einfach durch die Verteidigung dringt und nach ihm schlägt. Der zweite Hieb ist wieder hart, hart genug, um die Umrisse der Panzerplatten auf dem Fleisch sichtbar zu machen. Ein Keuchen dringt aus seinem Mund, Überraschung, auch Schmerz, aber er hat gelernt, den Schmerz zu unterdrücken.
Erstes Blut. Ja. Kampfunfähig. Nein.
Aber wie gegen Wasser kämpfen, gegen Wind?
Ras weicht zurück, bereit, rein defensiv zu handeln, und ein überraschtes Murmeln erklingt unter den Kossacken, die ihren Offizier taumeln sehen unter den Hieben. Nicht genug, ihn zu fällen, aber Ras so zu sehen, das sind sie nicht gewöhnt.
Und es ist dieses Murmeln, das endlich den Damm bricht. Offizier. Der Kossacken. Ras Chandra, Hauptmann der Kossacken, nicht einfach nur ein Adliger, nicht einfach nur ein Soldat. Mehr als das.
Wut kommt hoch, heiße Wut, er fletscht die Zähne, die gleichmütige Maske zerbrochen unter den beiden Treffern. Er hat vergessen, sie anzuerkennen, aber das Knallen gegen den Panzer war laut genug. Keine Zeit für Formalien.
Ras stürzt sich in den Kampf wie ein tollwütiger Hund, der von der Kette gelassen ist - der Säbel zielt auf den Waffenarm, der Hieb ist mit genug Kraft geführt, um den Knochen zu zerschlagen.
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