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Kapitel 5 1/2 alte Rechnungen

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Joerg.D:
"Es stimmt, das beim jungen Grafen von Thurau zu Veränderungen kommt, er hat bald die Söldner da draußen unter seinem Banner und wird wohl in irgend einen sinnlosen Krieg gehen."

"Aber woher weißt Du das?"

Dann funkelt Sie Juan zornig an:
"Und von Renardo lässt Du bitte die Finger, sonst hast Du bald den nächsten Ärger. Es gibt eigendlich niemanden, der Ihn nicht mag und das hat zur Folge, dass Du schon wieder unangenehm auffallen würdest.
Ganz zu schweigen davon das ich Dir das Leben zur Hölle machen würde, wenn Du Ihm etwas antust."

"Wegen des Geldes, bist Du so naiv, oder tust Du nur so?
Ein Pirat bringt auf dem Sklavenmarkt so um die 200 Gulden, was bei 600 Überlebenden Piraten werden das um die 120000 Gulden sein. Selbst wenn Fortunato vestini noch die Hälfte für Sein Linienschiff und die Söldner beantragt reicht es für eine Menge schöner Sachen."

8t88:
Raphael entfernt sich geschickt von der Szene, und da kommt auch schon Amy um die Ecke, gemütlichen Schrittes auf Ihn zu.

"Na Kleines, was hast Du heraus gefunden?!"

Preacher:
Als Juan hört, daß Hagen und seine Mannen bald in den Sold von Anselms Rivalen treten werden, wird er hellhörig. Das sollte Anselm erfahren - möglicherweise kann er gegensteuern.

"Ich wollte ihm nichts antun, sondern ihn nur höflich darauf hinweisen, was er für ein GLück hat, daß Du dich für ihn interessiert. Und daß er dich gefälligst respektvoll behandeln soll. Aber wenn Du das nicht wünschst, dann werde ich es unterlassen. Es gibt aber eventuell noch andere Möglichkeiten - ein gespielter Überfall durch Senor Sorel auf Euch in Renardos Anwesenheit - das sollte den Ritter in ihm wecken. Und wenn er dann nicht in Liebe entbrennt, dann ist ihm nicht zu helfen."

Als Juan sieht wie sich der Blick seiner Schwester verfinstert lacht er und nimmt sie in den Arm.

"Ach Carminya, nihct böse sein - ich will doch nur helfen - und die Idee könnte tatsächlich funktionieren." Dann wird sein Gesicht schlagartig ernst. "Aber das könnt Ihr ja miteinander besprechen - ansonsten lasse ich mir später etwas einfallen. Jetzt werde ich zuerst einmal Giacomo ausnüchtern und mit Pablo sprechen."

Joerg.D:
Amy sieht Raphael an und flüstert:

"Da vorne ist ein Pferd, das Fleisch isst.

Und wenn man es streichelt, dann wackelt es mit dem Schwanz."

"Juan, versuch nicht alles auf einmal zu klären. Du kannst nicht erwarten, Jahrelang weg zu sein und allle Probleme auf einmal zu lösen. Die späte Fürsorge um uns ist zu spät und es regelt sich vieles wieder von alleine."

Es klang Bitterkeit mit in diesen Worten. Die Bitterkeit einer stolzen Frau, die viel mit hatte ansehen müssen und der Ihr geliebter Halbbruder bei allem gefehlt hatte.

Preacher:
Diese Worte schmerzen Juan mehr, als er zugeben willl.

Bislang sind doch auch alle ohne mich ausgekommen - und ich bin auch nicht das einzige Familienmitglied, das hätte Fürsorgen leisten können oder müssen. Aber sie hat recht  - ich war nicht da.

Er eingt sich ein schmerzliches Lächeln ab. "Aber irgendwo muss man doch anfangen. Und warum es dann nicht gleich richtig machen?"

Damit dreht er sich um und begibt sich zum "Klabautermann".

Als er die Schenke betritt, schlägt ihm zunächst stickige, heiße Luft entgegen und es dauert einige Sekunden, bis die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Die Sonne ist inzwischen schon seit geraumer Zeit untergegangen - und der Schankraum ist brechend voll. Die Menschen sind betrunken und laut. Es wird gewürfelt, mit Pfeilen geworfen, und aus einer dunklen Ecke sind zwei streitende Männer zu hören - die Art von Streit, die nach der scheinbaren Beilegung weiterschwelt und nur zu leicht mit einem Messer im Bauch enden kann.

Juan schiebt sich zwischen den Menschen hindurch, durch den Schankraum und läßt seinen Blick umherschweifen, auf der Suche nach seinem Bruder. Als er ihn schließlich bemerkt, bleibt er wie vom Donner gerührt stehen - es ist, als sähe er sich in einem Spiegel. Nein, es ist mehr: Es ist wie der Blick durch ein Tor in der Zeit, der BLick auf sein vergangenes Selbst. Es ist nicht so sehr die äußere Ähnlichkeit (die zwar unverkennbar, aber nicht frappierend ist). Vielmehr ist es die Haltung Giacomos, wie er lässig auf einem Stuhl lümmelt, einen Weinpokal vor sich stehen, die Rechte nonchalant auf Schenkel eines leichten Mädchens plaziert hat und mit der linken in Begriff ist, den Würfel zu werfen. In der Mitte des Tisches liegt eine horrende Summe und die Worte die Giacomo ausspricht, kann er nach den ersten Silben mitsprechen, so oft kamen sie schon über seine eigenen Lippen: "Nun geht es um's ganze, Senor. Alles oder nichts."

Juan ist kurz versucht einzugreifen - aber entscheidet sich dagegen. Heute nacht wird er mit dem betrunkenen Giacomo ohnehin nicht mehr vernünftig reden können, und ein Spiel zu unterbrechen würden ihm sowohl Giacomo als auch dessen Mitspieler übelnehmen.
Nein, es ist besser abzuwarten, ein Auge auf Giacomo zu haben, ihn vor Betrügern, Räubern und sich selbst ein wenig zu schützen und den kameradschaftlichen Bruder zu mimen. Letzteres wäre noch nicht einmal eine Lüge - Juan freut sich ehrlich Giacomo wiederzusehen.

Giacomos augen sind geschlossen, er schickt stumm ein kurzes Stoßgebet zu Theus und schüttelt die Würfel scheinbar endlos lange in seiner Hand. Lange genug, um Juan zu ermöglichen, sich schräg hinter seinem letzten verbliebenen Mitspieler in Stellung zu bringen. Einem rauhbeinig aussehenden Seemann, offenkundig vendelscher Abstammung.

Giacomo wirft, immer noch ohne die Augen zu öffnen - und sein Gegner stößt einen Fluch aus: Die Würfel zweigen 12 Augen, Giacomo gewinnt. Der Vendel starrt ungläubig auf die Würfel, während Giacomo den Haufen Geld zu sich zieht und macht Anstalten, sich zu erheben.
"IHR..."
Nun hält Juan den Augenblick zum einschreiten für gekommen. und legt dem Vendel die Hand scheinbar sanft auf die Schulter, übt jdoch so geschickt Druck aus, daß der Verlierer sich wieder setzen muss.
"...habt wirklich großes Glück und ehrenhaft gewonnen. Das wolltet Ihr doch sagen, nicht wahr?"

Der Vendel windet sich in Juans Griff und Giacomo starrt seinen Bruder ungläubig an.

"Der junge Caballero hat einen ausgezeichneten Leumund in dieser Gegend und ich bin gerne bereit, für ihn zu bürgen. Dieser Mann ist sicher kein Betüger. Verstehen wir uns?" fragt Juan lächelnd.
Oberflächlich betrachtet sind sowohl das Lächeln als auch der Tonfall seiner Stimme überaus höflich und freundlich. Aber unter der Oberfläche des Lächelns sind Rasierklingen verborgen, und der Samt der Stimme ist nur eine dünne Schicht auf gehärtetem Stahl. In seiner Zeit bei Hofe hat Juan gelernt, nicht mit Worten sondern mit dem Tonfall einzuschüchtern, ohne dabei nur im mindesten unhöflcih zu wirken.
Eine Lektion, die er in den vergangenen acht Jahren gründlich gelernt hat.

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