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[Erzählt mir von] L5R und Qin
Ein:
Man sollte bedenken, dass das Zeitalter der Streitenden Reiche jetzt gute 2500 Jahre zurückliegt und damit ein Großteil der *Erzählungen* über diese Epoche als rein literarisch anzusehen sind. Zu dem die ostasiatischen Völker bis heute einer Geschichtsschreibung frönen, die wenig der Wahrheit verhaftet ist.
Damit kann ich nicht sehen, wo da anhand dieses Umstands größere Authenzität bei Qin liegen soll.
Abgesehen davon ging es aber um die Aussage, dass L5R nicht düster genug wäre um Samuraigeschichten zu spielen. Da halte ich an den Haaren herbeigezogen. Einerseits weil man dafür kein düsteres Setting braucht (die meisten japanische Samuraigeschichten spielen während der Edo-Zeit, einer der ruhigsten Zeiten Japans) und andererseits bietet Rokugan mehr als genug Düsternis (nicht nur durch die Shadowlands, sonder gerade durch den Taint) und Politik um jedes beliebige Maß von Thriller aufzubauen.
Im Übrigen gibt es gerade in der chinesischen Geschichtsschreibung immer wunderbare Zuordnungen, wer die Guten und die Bösen waren. Die Qin werden dabei immer als die Bösen angesehen, auch wenn sie das Reich geeint haben. Grund hierfür ist schlicht ihre Eroberungsmethode: Massenhinrichtungen und Massaker.
Nocturama:
--- Zitat ---Die Qin werden dabei immer als die Bösen angesehen, auch wenn sie das Reich geeint haben. Grund hierfür ist schlicht ihre Eroberungsmethode: Massenhinrichtungen und Massaker.
--- Ende Zitat ---
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ist heute nicht mehr unbedingt so (siehe "Hero"). Die negative Sichtweise des Qin-Reiches und des ersten Kaisers liegt wohl eher daran, dass Legalismus eingeführt und der Konfuzianismus bekämpft wurde. Und wer hat die meisten Geschichtswerke verfasst? Konfuzianer.
Humpty Dumpty:
Sorry für OT, aber ich habe eine kurze Frage: Warum gelten konfuzianistisch geprägte Regionen und Kulturen als besonders langzeitorientiert? Inwiefern haben die einen stärker zukunftsorientierten Fokus als beispielsweise Mitteleuropäer? Wisst Ihr das?
Terrorbeagle:
--- Zitat ---Man sollte bedenken, dass das Zeitalter der Streitenden Reiche jetzt gute 2500 Jahre zurückliegt und damit ein Großteil der *Erzählungen* über diese Epoche als rein literarisch anzusehen sind. Zu dem die ostasiatischen Völker bis heute einer Geschichtsschreibung frönen, die wenig der Wahrheit verhaftet ist.
--- Ende Zitat ---
Es ist ja nicht nur eine Frage der Geschichte und der historischen Entwicklungen sondern eben auch von Gebräuchen, Denkschulen, und dergleichen, und auch auf der Ebene kann man eigentlich immer getrost davon ausgehen, dass eine real gewachsene Struktur eigentlich von vorneherein komplexer ist als eine künstliche.
TAFKAKB's Zwischenfrage wäre da ein gutes Beispiel für diese Art von Mehrschichtigkeit
Und klar kann man Qin auch ohne eine Berücksichtigung des eigentlichen Hintergrunds spielen. Man kann auch rohe Putenbrust kauen. In beidem Fällen handelt es sich um eine Übung in Potentialverschwendung.
der.hobbit:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Danke Nocturama, du hast mir mal wieder das Wort aus dem Munde genommen :)
In diesem Zusammenhang weise ich auch immer gerne auf die Bücherverbrennungen der konfuzianischen Klassiker hin, die von den Qin durchgeführt wurden und ach so schrecklich! alle Bücher verbrannt haben. Was ein Glück das genau ein Werk, eingemauert in die Wand der Ex-Wohnung von Konfuzius, überlebt hat.
Es ist gar nicht möglich, dass die Qin die Klassiker alle verbrannt haben, die Jungens waren mal 20 Jahre an der Macht - und haben erst aufgrund von Palastintrigen den Konfuzianern auf die Finger gehauen. Weiß nicht mehr genau, wann das war, aber nicht ganz am Anfang.
Aber wie praktisch für die konfuzianischen Han, dass man hier seine eigene, reine Lehre verbreiten konnte, weil die bösen Qin ja alle Bücher verbrannt hatten. Wie du hast noch eins? Kopf ab!
Und noch eins: Die Legisten wurden oft als überdimensioniert brutal dargestellt, weil auf geringe Vergehen harte Strafen folgten (Apfel gestohlen = Hand ab oder so ähnlich). Dazu muss man auch bedenken, dass sie aus einer über Jahrhunderte währenden Kriegsperiode stammten, in der die Strafen der lokalen Warlords oftmals deutlich drastischer waren. Das ist 2000 Jahre her, da gab's noch keine Menschenrechte. Da hat man die Leute bei lebendigem Leibe gekocht und ihnen den Tod der 1000 Schnitte angedeihen lassen. Die Kodizes der Qin können auch als ein "das ist die Strafe. Nicht mehr und nicht weniger" gelesen werden.
@TAFKAKB: Der Konfuzianismus ist eine Bewahrung des Alten. Konfuzius selbst sagt: Ich bringe nichts Neues, sondern bin nur ein Übermittler der alten Weisheit. Darum die Langzeitorientierung, aber eher nach Hinten als nach Vorne. Neue Gedanken wie im Neo-Konfuzianismus waren nie eigenständig, sondern immer als Neuinterpretation der Klassiker versteckt.
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