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[SF: Redshift] Schiffsdesign und Technologie

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Feuersänger:
Hm, mal überlegen. Also erstmal kann das nur funktionieren, wenn die Kontrahenten sich nicht im Orbit um einen Planeten befinden, denn die Orbitalmechanik würde einem da gleich einen Strich durch die Rechnung machen. Da beide Schiffe und die hypothetische Wolke auf einer Kreisbahn mit der gleichen Bahngeschwindigkeit wären, aber die Geschosse viel schneller sind, würde man quasi "innen vorbei" schießen. Um da die Kapsel in die richtige Position zu schießen, müsste diese mit eigenen Motoren ausgestattet sein, um den passenden Orbit einnehmen zu können. Und dann könnte der Angreifer wiederum einfach (und mit wenig delta-V-Kosten) unter dieser Bahn durchtauchen.

Wenn hingegen beide Schiffe im Deep Space sind, also entweder auf die Sonne zufallend oder im weiten Orbit um die Sonne, dann könnte das funktionieren -- zumindest könnte man den Angreifer zwingen, seine Position so weit zu verändern, dass er an der Wolke vorbeischießen kann.
_Wenn_ die Wolke überhaupt den gewünschten Effekt hat, heisst das. Wenn so eine Coilgun 100 Schuss pro Sekunde raushaut (das ist auch etwa die Kadenz einer M61 Vulcan, jedoch kann die Coilgun viel mehr Munition mitführen), würden bestimmt nicht alle Geschosse so zuverlässig abgelenkt.
Ebenso sehe ich keinen Vorteil in Nanothermit: statt 100 cryogenen Geschossen im Gesamtwert von 80MJ habe ich dann womöglich ebensoviele glühende Lanzen aus geschmolzenem Metall auf mich zurasen -- klingt mir nicht grad nach einer Verbesserung der Situation.
Wenn die Benutzung desselben überhaupt einen Unterschied macht. Wie gesagt ist schon die kinetische Energie der Teilchen beim Zusammenstoß mit ~15km/s um ein vielfaches höher als die Energiedichte jedes konventionellen Sprengstoffs.

SeelenJägerTee:

--- Zitat von: Feuersänger am 27.03.2013 | 03:11 ---@SJT:
[...]
Oder er befindet sich in einem Orbit relativ nahe um die Sonne. Dabei ist es unwichtig, ob er währenddessen entdeckt wird oder nicht -- du kannst auch den ganzen Tag vor der Sparkasse stehen, wenn's dir Spaß macht, ohne dass die Polizei eine Handhabe hätte, selbst wenn sie vermuten dass du einen Banküberfall planst. Erst recht nicht, wenn die Polizei einen Anfahrtweg von 2 bis 4 Wochen hätte. Wenn ein ankommender Frachter in Richtung eines besiedelten Planeten beschleunigt, setzt der Pirat zur Verfolgung an und stellt den Frachter irgendwo im tiefen Raum.
[...]

--- Ende Zitat ---
Das kann ich heute auf der Erde. Aber ich sehe keinen Grund wieso es in einem System nicht für illegal erklärt werden sollte so etwas zu tun. Der solare Orbit wird zur militärischen Sperrzone erklärt, in der sich nur Militär, Polizei und die Stadtgärtnerei aufhalten dürfen.

Da sich der Punkt wie von dir genannt gut für Piraten eignet um einen Händler abzugreifen würde er sich auch gut für die Systembewacher eignen um feindliche Eindringlinge oder Schmuggler abzugreifen. Das heißt es wäre eh logisch dort ein Militärschiff zu parken.


--- Zitat ---[...]
Die Kolonialmächte versuchen, die Kolonien dadurch unter der Fuchtel zu halten, dass diese keine Hightech (wie Raumschiffe) selber bauen können. Aber wenn die Kolonien sich diese Fähigkeit irgendwann dennoch aneignen, werden die Karten neu gemischt.
Wie gesagt, gibt es eine Obergrenze für die Schiffsmasse bei Raumsprüngen. Deswegen kann die Erde kein 10.000-Tonnen-Schlachtschiff schicken, das mal eben aufräumt. Die Kolonien können jedoch versuchen, so große Schiffe zur Systemverteidigung zu bauen -- wenn sie's von den Ressourcen her gestemmt kriegen.
[...]

--- Ende Zitat ---
Aber wie lange braucht es so ein Schiff zu bauen?
Ich mein das passiert ja nicht über Nacht und die Mutterwelt dürfte ja anfangen was zu riechen wenn da über Monate oder Jahre im Orbit das Ding zusammengeschraubt wird.


--- Zitat ---Das Szenario mit der Atomcrew ist eher unwahrscheinlich; entweder die Silos wären komplett isoliert, dann kann man sie mit falschen Informationen füttern, oder sie sind es nicht, dann kann man die Crew in einer Kommandoaktion Hops nehmen und hat als Bonuspreis auch noch einen Schwung Kernwaffen zum zukünftigen Einsatz gegen das Mutterland gewonnen. Wenn eine Kolonialmacht dieses Risiko einginge, wäre sie schön blöd. Davon abgesehen können die Kolonialmächte auch kein Interesse daran haben, ihre kompletten Investitionen zu vernichten.
[...]

--- Ende Zitat ---
Ich sehe das jetzt nicht so problematisch. Du kannst ja das eigentliche Silo isoliert haben und die Botschaft macht das was Botschaften überall tun: spionieren - die haben die ganzen Antennen ja nicht auf dem Dach für den besseren Radioempfang.
So eine Kommandoaktion um den Bunker zu übernehmen stelle ich mir auch eher nicht so trivial vor, wenn um das Silo 50 km Sperrzone sind. Wenn das Silo mitbekommt das es angegriffen wird drücken die ja potentiell schon den Knopf.
Das Problem, das ich eher sehe dürfte die Frage sein, ob die Besatzung im Ernstfall moralisch bereit wäre den Knopf zu drücken und so abgebrüht die Welt zu verstrahlen auf der sie gerade festsitzen.
Andererseits würde das wohl eh nicht so ablaufen, dass du gleich die ganze Welt nukest.
Ich stelle mir da eher folgendes Szenario vor.
Kolonie erklärt sich für unabhängig. Mutterland schickt einen Transporter mit 100 Soldaten und sendet die Nachricht, dass man das nicht akzeptieren könne. Man bringe 100 Mann zur Sicherung der Lage, sollten die Angegriffen werden versteht man das als Kriegserklärung. Die Kolonie schießt den Transporter ab. Das Atomarsilo feuert daraufhin auf ein kleines Dorf.
Nächsten Monat schickt die Mutterwelt 1000 Mann. Der Kolonie wird mitgeteilt, dass man diesmal 1000 Mann hat, bei deren Verlust die Hauptstadt fällig ist und die Kolonie mit dem Unsinn aufhören soll. Wenn die Kolonie jetzt einen Rückzieher macht wird sich die Heimatwelt mit einem Rücktritt der politischen Führung zufriedengeben und bietet ihnen ein Exil auf einer schönen Südseeinsel an.
Als Kolonie versuchst du diese Eskalation tunlichst zu vermeiden und empfängst den ersten Landungstrupp mit Belegten Brötchen und Tee und machst ihnen klar, dass du sie hättest umnieten können, wenn du wölltest. Das will man ja aber gar nicht, da einem ja an guten Handelsbeziehungen gelegen ist.

Ich denke nicht, dass die Frage ist OB die Heimatwelt die Kolonie halten KANN sondern eher ob sie bereit ist die KOSTEN (finanziell, moralisch, gesellschaftlich) zu tragen. Hier hat das Atomsilo gegenüber einem Haufen Soldaten den Vorteil, dass man es gleich unter Asteoridenabwehr verbuchen kann (u.U. ist das auch primär Asteroidenabwehr und wird halt nur im Ernstfall missbraucht um die Kolonie zurück in Linie zu pressen - wobei es dann natürlich für die Kolonie einfacher sein dürfte den Laden zu übernehmen).

Das Argument mit der Investition ist mMn nur begrenzt gewichtig, da es für das Mutterland egal ist, ob es seine Investition verliert, weil die ihnen weg rebelliert oder ob es sie verliert, weil es sie in die Luft jagt. Zweites hat den Vorteil, dass du allen deinen anderen Kolonien zeigst wo der Hammer hängt, hat aber den Nachteil innenpolitisch wahrscheinlich unendlich unpopulär zu sein.
Da stellt sich jetzt die Frage nach der Gesellschaftsform des Mutterlandes.
Wenn es eine fiese Diktatur Marke Stalinstan ist, dann ist dieser Effekt u.U. erwünscht, der Diktator kann nicht abgewählt werden und er zeigt der Bevölkerung zu was er bereit ist.
Wenn du eine menschenfreundliche Vorzeigedemokratie hast erübrigt sich das Problem eh, weil die der Kolonie ihre Unabhängigkeit geben würde wenn dort ein Referendum sagt, dass sie die Unabhängigkeit haben wollen.
Wenn der schnöde Mammon regiert ist die Frage einfach nur ob es sich mehr lohnt die Kosten für einen Krieg auszugeben und die Kolonie zu behalten, oder ob es sich mehr lohnt die Kolonie freundschaftlich zu entlassen und von guten Handelsbeziehungen zu profitieren.

Pyromancer:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ich hab in meiner Jugend eine Romantrilogie (?) gelesen, mit ungefähr folgendem Inhalt:
Typ (mit Dissidenten sympathisierender Ingenieur?) wird auf eine Agrarkolonie deportiert. (Dort geht es dann hauptsächlich um einen Konvoi, weil die Kolonie wegen Jahreszeitenwechsel von der Nord- auf die Südhalbkugel umziehen muss). Später schließt sich die Kolonie den Rebellen/Unabhängigkeitskämpfern an, und der Protagonist hilft, die zivilen Raumschiffe mit Waffen auszustatten. Da kriegt er erst einmal einen Science-Fiction-Film mit Laserstrahlen und Raumschiffen, die sich in Asteroiden-Feldern verstecken, gezeigt, damit er weiß, wie es nicht geht. Hinterher bauen sie dann Coil-Guns und blasen die Verteidigungsstreitkräfte der Erde vom Himmel, in dem sie 17 Millionen Tonnen Metallprojektile pro Sekunde (oder so ähnlich) abfeuern, und die Erdstreitkräfte nur ein paar hundert Lenkwaffen haben.
Ich gehe davon aus, Feuersänger kann mir Titel und Autor nennen?

Yerho:

--- Zitat von: Feuersänger am 26.03.2013 | 22:50 ---Ein Grund für die leichte Bewaffnung ist natürlich, dass die Schiffe sich selbst finanzieren müssen, und jede Tonne mehr an Waffen oder Panzerung eine Tonne weniger Nutzlast bedeutet.
--- Ende Zitat ---

Ich habe ein wenig aus den Augen verloren, dass alles etwas improvisiert bleiben soll. Gerade in punkto Nutzlastoptimierung würde ich dann sogar so weit gehen, dass normale Frachter tatsächlich nur über einen Meteoritenlaser verfügen sollten. Dessen Wert in Gefechtssituationen würde bereits dadurch begrenzt, dass die Reaktoren von Frachtern auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt sind; mehr als zwei bis drei Schuss pro Minute mit max-P wären gar nicht möglich. Außerdem ist die Zielerfassung nicht auf Kämpfe ausgelegt und auch die spezifische Leistung des Lasers dürfte eher geeignet sein, Meteoriten zu verdampfen/verschlacken, die schlimmstenfalls aus kompakten Eisen bestehen - je nachdem, was Piraten in ihre Hüllenbeschichtung investiert haben, könnten sie das womöglich in aller Ruhe aussitzen.


--- Zitat ---Selbst Piraten (so es sie gibt) werden nicht so immens stärker bewaffnet sein, wenn ihr Plan vorsieht, nach vollbrachter Untat mit ihrer Beute in ein anderes System zu springen. Außer freilich, sie arbeiten im Gespann, und haben ein schwerer bewaffnetes Kampfschiff und einen Frachter für die Beute... ja das klingt eigentlich sinnvoll.
--- Ende Zitat ---

Sollte es nicht das primäre Ziel sein, die Prise komplett zu übernehmen? Die Fracht umzuladen kostet - je nach Art der Ladung - schließlich Zeit, in der Hilfe für die Überfallenen auftauchen könnte. Außerdem stellt auch das aufgebrachte Schiff selbst einen beträchtlichen Wert dar, man kann es verkaufen, ausschlachten oder bei der Reederei Lösegeld fordern. Dasselbe gilt auch für die Besatzung, vom Ausschlachten mal abgesehen. Obwohl, man weiß ja nie ... ;)


--- Zitat ---Bleibt aber wie gesagt der Umstand, dass b.a.w. keine wirklich schweren Waffen hergestellt werden. Die ersten Lenkraketen im I-War werden selbstgebastelt sein müssen. ;)
--- Ende Zitat ---

Jain. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass Lenkwaffen (im Sinne von Luft-Luft-Raketen) zumindest den Ordnungskräften, erfolgreichen Piraten und eventuell auch den Frachtern etablierter Reedereien zur Verfügung stehen sollten.

Hier würde dann statt hochkomplexer Zielerfassungs- und Störstrategien aber eher das Modell "Pfefferbüchse" greifen: Gleich ein Dutzend katapultbeschleunigter Raketen wird auf einmal gestartet und überbrückt die gewollte Kampfentfernung von 100 Km in fünf Minuten. Das sind fünf Minuten, in denen mindestens ein Teil der Geschütze des Gegners mit der Abwehr beschäftigt ist, in denen zivile Frachter einen Vorsprung zur Flucht gewinnen können. Die Raketen, die zum Ziel durchkommen (vermutlich nur eine, bestenfalls zwei aus der ganzen Salve) wären aufgrund der kleinen Gefechtsköpfe nicht zwingend kampfentscheidend und schon gar kein One-Hit-Kill.

Sobald es vollwertige militärische Auseinandersetzungen gibt, werden die Konfliktparteien gemäß ihrer Möglichkeiten aufrüsten.
Zuerst wird man vermutlich verbessern, was man hat, also hauptsächlich die Ortungs- und Zielerfassungssysteme verbessern, mehr Redundanz bei den vitalen Schiffssystemen schaffen und die Schiffshülle punktuell verstärken.
Dadurch bewirken Treffer mit den gleichen Waffen nicht mehr so viel Schaden wie vorher und man wird die Waffen verstärken: Zusätzliche Reaktoren für Laser, um die Reflektionsfähigkeit und die Absorptionskapazität der gegnerischen Hülle zu überlasten und Raketen, die stärkere Gefechtsköpfe tragen können.
Erst wenn der Konflikt lange genug währt, wird es das geben, worüber wir zuletzt diskutiert haben, also spezialisierte Waffen, Ortungstechniken, Störtechniken, spezialisierte Schiffe, Sensornetze, orbitale und planetare Verteidungsanlagen etc. - alles Dinge, für die es zum Zeitpunkt 0 noch gar keinen Anlass gab, die also erst entwickelt und dann aufgebaut werden müssen.


--- Zitat ---Noch sinnloser wäre eine Atombombe: die explodiert nichtmal sympathetisch, wenn sie getroffen wird, sondern ist einfach kaputt.
--- Ende Zitat ---

Nun ja, mit 4mm Geschossdurchmesser wird ein Lenkflugkörper weder geschreddert noch gebremst. Er wird vermutlich stark genug beschädigt, um nicht mehr manövrieren zu können, aber seine Geschwindigkeit und Flugrichtung behält er bei und dass auch ausgerechnet der Zünder des Gefechtskopfs beschädigt wird, wäre schon Glückssache. Das Ding bleibt dann einfach durchlöchert auf Kurs und zündet in geringstmöglicher Nähe zum Ziel.


--- Zitat ---Kommt drauf an, mit welchen Waffen man da zu kämpfen gedenkt. Wir haben ja erstmal den Punkt mit der Orbitalmechanik: wer neu im System ankommt, befindet sich in keiner Umlaufbahn, sondern fällt erstmal auf die Sonne zu. (Allein die Sonneneinstrahlung auf die Schiffe am Sprungpunkt hat schon wieder eigene Implikationen; Wärmemanagement und so.) Von dieser Position aus auf größere Distanz anrückende Verteidiger zu beschießen, kann man mit chemischen Raketen schonmal vergessen, weil die nicht die notwendige delta-V dafür aufbringen können. Und fusionsgetriebene Raketen wären wieder ein bißchen teuer in der Anschaffung.
--- Ende Zitat ---

Es würde grundsätzlich mit Katapultstarts und/oder Boostern gearbeitet werden. Die Raketen müssen nicht langwierig beschleunigen, die beginnen ihren Marsch schon mit einer ordentlichen delta-V und können diese durch Zündung von chemischen Brennstufen operativ erhöhen. Da würde im Angriffsfall der Nachteil zum Vorteil, da man quasi aus der Sonne kommt und bereits aus einem hübschen natürlichen Hintergrundrauschen heraus angreift, welches die Ortung erschwert.

Feuersänger:
So, jetzt wie angedroht ein Exkurs in Sachen Transfer zwischen Planeten.

Um im Sonnensystem von A nach B zu kommen, gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten:
a) tangentiale elliptische Transferorbits
b) retrograd hyperboloide Orbits

Bzw beliebig viele Abstufungen zwischen den beiden Extremen "Hohmann-Transfer" (ein Sonderfall von a) und "brachistochroner Orbit" (Sonderfall von b). Der Hohmann-Transfer kostet am wenigsten Energie aber am meisten Zeit, beim brachistochronen Orbit ist es genau umgekehrt. Dazwischen liegt z.B. noch der prograde nicht-tangentiale elliptische Orbit.

Die meisten Schiffe in Redshift fliegen retrograd-hyperboloide Orbits, was im Wesentlichen Sir Isaac Newtons Ausdrucksweise für "zielen und gasgeben" ist. Man beschleunigt in fast gerader Linie auf den Punkt zu, an dem man den Zielplaneten abfangen wird, und kreuzt den Zielorbit ungefähr im 90°-Winkel. Die ausgegebene delta-V beträgt ein vielfaches des Solar Escape (42km/s).
Aus Gründen der Triebwerksleistung und Brennstoffkosten wird man dennoch nicht die ganze Zeit beschleunigen oder abbremsen, sondern in den meisten Flügen mehr oder weniger lange Driftphasen eingebaut haben. Ist die Driftphase 0, spricht man von einem brachistochronen Orbit.
An dieser Stelle kommt ein wenig Wirtschaftssimulation ins Spiel: man muss die Kosten von Brenn- und Treibstoff gegen die Kosten der Schiffsabschreibung und anderer laufender Kosten abwägen, um auf die geringsten Betriebskosten pro kg Nutzlast zu kommen. Wie im richtigen Leben gilt meist "je langsamer, desto billiger", aber manche Güter wollen möglichst schnell zum Abnehmer gebracht werden, wofür höhere Frachtraten bezahl werden müssen.

Beispiel: ein moderner Frachter würde die Strecke Erde-Saturn (im Schnitt 9AU) in ca. 4 Monaten schaffen. Die Frachtkosten betragen ca. 6cr/kg. Mit weniger Nutzlast und mehr Treibstoff könnte er die Strecke in 3 Monaten bewältigen, aber das würde die Frachtkosten auf 11cr/kg aufblähen. Umgekehrt kann er mit noch so viel Fracht noch so ökonomisch fliegen - weil ihm die Abschreibung im Nacken sitzt, sinkt die Frachtrate nie unter ca. 3cr/kg (der Flug dauert dann ca. 200 Tage). Man hat also in beiden Richtungen "diminishing returns".
Der Rückweg vom Saturn weg wäre übrigens billiger, da der Treibstoff dort quasi umsonst ist - man kann sich selbst an den Eisringen bedienen, wenn man will.

Wenn Zeit hingegen keine Rolle spielt - weil unverderbliche, billige Massengüter geladen werden - ist ein elliptischer Transfer am günstigsten.
Das sieht prinzipiell so aus:


Wenn man von innen nach außen reisen will, beschleunigt man in der Richtung seines aktuellen Orbits; dadurch trägt es das Schiff nach außen. Man muss den Transfer so timen, dass man am Ende genau dann auf dem Orbit des Zielplaneten ankommt, wenn dieser gerade an derselben Stelle ist. Dann fährt man ein Capture-Manöver und ist im Orbit des Zielplaneten.
Will man von außen nach innen reisen, zündet man im Gegenteil seine Triebwerke _entgegengesetzt_ zum aktuellen Orbit, dadurch sinkt die Bahngeschwindigkeit und man fällt nach innen.

Da man in der Regel im Orbit eines Planeten startet, kann man die Bahngeschwindigkeit um denselben "mitnehmen"; das berechnet man am besten mit der kinetischen und potentiellen Energie des Raumschiffs, da bin ich aber noch dabei mir das herzuleiten.
Der Energieaufwand ist übrigens in beide Richtungen identisch.

Der Sonderfall Hohmann-Transfer ist energetisch am günstigsten, dauert aber wie gesagt auch am längsten. Da hierzu Start- und Zielplanet auf exakt entgegengesetzten Seiten der Sonne stehen müssen (Konjunktion), muss man auch oft jahrelang auf ein Startfenster warten. In Redshift gehört diese Notwendigkeit der Vergangenheit an, und Hohmanntransfers werden nur noch von der Sorte exzentrischer Nostalgiker geflogen, die heutzutage mit Vorkriegsautomobilen Weltreisen unternehmen würden.

Um aufs vorherige Beispiel zurückzukommen: ein echter Hohmann-Transfer von der Erde zum Saturn oder umgekehrt würde 6 _Jahre_ dauern, und es gäbe nur genau ein Startfenster im Jahr. Dafür würde der Spaß nur etwa 18km/s kosten. Für alle anderen Termine müsste muss man zunehmend mehr delta-v aufbringen - aber dafür dauern sie auch nicht so lange.

Natürlich gäbe auch noch die Möglichkeit, Transfers mit Gravity Assists zu planen, aber das wird wirklich langsam unübersichtlich, und wir haben ja das Techlevel, um das ignorieren zu können. So kann man vielleicht auf der Strecke Saturn-Erde noch den Jupiter mitnehmen, wenn er grad in der Nähe ist, aber man ist nicht davon abhängig.

Im Gegenteil spart man eine Menge Zeit durch nichttangentiale Orbits. Also Orbits die, obwohl sie elliptisch sind (solange die delta-V unter dem solaren Escape liegt), mit ihrem Scheitelpunkt nicht den Zielorbit berühren, sondern darüber hinausschießen. Man kreuzt also ebenfalls den Zielorbit ungefähr im 90°-Winkel, und muss die Schwerkraft des Zielplaneten ausnutzen, um den Ellipsenflug abzubrechen und in eine planetare Umlaufbahn einzuschwenken.

Nun also wieder bzw endlich zu der Sache mit dem Wassertransport.
Wie gesagt muss das Wasser möglichst billig vom Saturn (oder dem Jupitermond Europa) ins Innere System gebracht werden. Und wie gesagt geht das nicht, solange die ganze Zeit eine Betriebskostenuhr mittickt, während ein Schiff monatelang unterwegs ist. Darum die Idee, die Eisblöcke lediglich mit einem "Schubser" auf die Reise zu den Inneren Planeten (inkl Mars) zu schicken. Wobei Schubser jetzt harmloser klingt als es gemeint ist. Ein Schlepper beschleunigt seine Last erst 1-2 Tage, dann klinkt er sie aus und fliegt selbst wieder zum Saturn zurück. Wenn der Eiswürfel den Erdorbit erreicht, muss er von einem weiteren Schlepper abgefangen werden. Um nicht gleich wieder die Hälfte des gelieferten Treibstoffs für seinen eigenen Capture zu verbraten, muss man wieder ein wenig in die Trickkiste greifen. Ideal ist die Situation, wenn der Trajekt die Ladung prograd tangential zum Erdorbit eintrudeln lässt - das sind dann gleich 30km/s weniger, die man rausheizen muss. Nun hat man aber diese Situation nur wenige Monate im Jahr -- den Rest der Zeit ist die Erde schlicht nicht da, wo der Eisklotz idealerweise ankommen müsste.
Also wäre wohl zu überlegen, den Würfel so um die Sonne herumzuschießen, dass er quasi die Erde von hinten einholt. Ob der Eumel jetzt 9 oder 12 AU weit unterwegs ist, macht das Kraut auch nicht mehr so fett. Es mag aber vorkommen, dass dann mal wochenlang gar keine Lieferung eintrudelt, und dann gleich ein ganzer Haufen gleichzeitig, weil ja jede Fuhre eine etwas andere Bahn hatte.

Ziel der Übung ist jedenfalls, dass auch der empfangende Schlepper nur etwa 3 Tage mit einer Lieferung beschäftigt ist. Somit mag die Ladung zwar irgendwas zwischen 1 und 6 Jahren unterwegs gewesen sein, aber verschlingt in der ganzen Zeit dennoch nur 6 Betriebstage.

Nach meinem vorläufigen Rechenmodell könnte es dann darauf hinauslaufen, dass am Ende 4000 Tonnen Wassereis im Erdorbit ankommen, und die Kosten für die 6 Tage Schlepperbetrieb würden sich auf ungefähr 1,2 Millionen Credits betragen. Macht also umgerechnet 0,30cr pro kg im Erdorbit. Da die Treibstofflieferanten ja auch ihren Gewinn haben wollen, kann man vielleicht einen Marktpreis von 0,4-0,5cr/kg an der Pumpe erwarten. Was durchaus zu meinem restlichen Regime passt.

Natürlich kann sich der Wasserpreis von System zu System unterscheiden, je nachdem, wo man das Eis hernimmt.

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