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Tut sich noch etwas Innovatives im Indiebereich?
Bombshell:
Hallo,
--- Zitat von: Dirk Remmecke am 2.05.2009 | 17:19 ---OG von Robin D. Laws?
Wenn das auf dem gleichnamigen Spiel von Aldo Ghiozzi/Wingnut Games von 1994 beruht, würde ich das nicht gerade neu oder innovativ nennen...
--- Ende Zitat ---
Die Neuauflage von OG ist von RDL für Firefly Games überarbeitet worden und basiert auf dem gleichnamigen Spiel von Wignut Games.
MfG
Stefan
Jed Clayton:
Tja, also ich finde zum Beispiel "Faery's Tale" (von Firefly Games/Green Ronin) ganz hervorragend. Es zählt mit Sicherheit auch als ungewöhnliches, und wahrscheinlich als "indie" Spiel. Ich habe zwei verschiedene Editionen davon hier stehen -- die kleine und die große, erweiterte Green Ronin-Ausgabe.
Das Besondere an Faery's Tale ist, dass es vermehrt auf das Prinzip "Eltern spielen mit ihren Kindern" oder "ältere Geschwister spielen mit ihren jüngeren Geschwistern" setzt. Die Regeln sind wunderbar einfach und übersichtlich, die Illustrationen sehr, sehr schön. :)
Daneben muss ich natürlich ein weiteres Mal auf ein Spiel hinweisen, an dem ich selbst playtesting-mäßig mitgearbeitet habe: Cartoon Action Hour: Season 2 ist erst seit dem 31. Oktober 2008 erhältlich, damit noch wesentlich jünger als Faery's Tale. Was ist so ungewöhnlich an CAH: Season 2? - Zum Beispiel Regeln für Werbeblöcke, durch die die aktuell laufende Folge des Cartoons unterbrochen wird: "We'll be right back after these messages..."
In den Werbeblöcken können auch die einzelnen Werbespots ausgespielt werden oder man würfelt auf zwei sehr praktischen Tabellen mit 1W12. Die Ergebnisse können sein, dass entweder die Guten oder die Bösen in der Serie Würfelboni durch ihre günstige Werbung bekommen oder dass für andere bekannte Produkte geworben wird, die rückwirkend auch wieder den Inhalt des Cartoons verändern (können). Gibt es in dem Werbeblock beispielsweise einen Spot für Cornflakes, kann der Spielercharakter einen kleinen Bonus auf athletische oder sportliche Aktionen in der nächsten Szene haben (weil Cornflakes "fit" machen).
Einen anderen großen und entscheidenden Vorteil sehe ich gerade in den völlig überarbeiteten Oomph-Regeln, wobei die Punkte in Oomph in diesem System die universellen Gummipunkte oder Schicksalspunkte, Heldenpunkte, etc. sind. Und nein, das zählt jetzt nicht als Schleichwerbung, da diese Regeln für Oomph nicht von mir selber stammen.
Auch das gerade vor 1 Monat (April 2009) veröffentlichte Slasher Flick ist ein völlig neuartiges Spiel: Alles darin ist daraufhin ausgerichtet, dass die Spielercharaktere das Abenteurer nicht überleben oder allenfalls 1 oder 2 der startenden Charaktere überleben. Auch ist der psychopathische Killer in diesem Spiel nicht einfach ein NPC mit sehr starken Stats, sondern der Killer wird gesteuert wie eine halbabstrakte "Naturgewalt", die man nicht mit "Schadenspunkten" und anderen konventionellen Aktionen aufhalten kann. Diese Art von Killer kann ein PC ebenso wenig stoppen wie ein Mensch einen Vulkan, einen Tsunami oder ein Erdbeben aufhalten kann. Der Killer ist daher aus dem Stat-System für Charaktere gänzlich ausgeklinkt und besitzt seine eigenen Regeln.
Dirk Remmecke:
--- Zitat von: Gaukelmeister am 2.05.2009 | 17:28 ---Ansonsten scheint ja hier mein Eindruck weitgehend geteilt zu werden, dass es gerade nichts groß Neues gibt. Schade eigentlich, ich hatte insgeheim gehofft, dass man mich auf einige Perlen aufmerksam macht, die kürzlich erschienen sind.
--- Ende Zitat ---
Na ja, im Moment sind ja alle irgendwie dabei, gegenseitig Hacks ihrer Systeme zu schreiben ... Mouse Guard ist ein Hack von Burning Wheel, und selbst Mouse Guard wird schon gehackt. In diesem Thread auf Story Games ist die Rede von ganz aktuell in der Mache befindlichen InSpectres-Hacks, von Poison'd-Hacks. FUDGE --> FATE --> Spirit of the Century --> Spirit of the [Hack].
Lady Blackbird ist ein Hack aus so vielen Story Games, dass ich aufgehört habe zu zählen.
Damit ist die Indie-Szene dort angekommen, wo die "Mainstream"-Szene schon immer war. DSA als Basic D&D/Tunnels & Trolls-Hack, Midgard als Empire of the Petal Throne-Hack, Palladium als AD&D-Hack, Vampire als Shadowrun-Hack, Nephilim als WoD-Hack (via Basic Roleplaying), Fireborn als Nephilim-Hack (via Stupid Dice Trick), Arcane Codex als Hack jedes Fantasy Rollenspiels Evar... usw. usf.
Ich will das gar nicht despektierlich verstanden wissen; die Inspiration durch die D&D-Grundidee hat uns schließlich auch Rêve de Dragon, Ars Magica, Traveller oder Meikyuu Kingdom gebracht. Die wirklich neuen Ideen sind ja auch im Mainstream eher rar gesät und beileibe nicht immer erfolgreich (Everway, [Edit: Dragon Bones] Throwing Stones, Dragon Storm, Marvel Universe).
Das letzte Innovative, was ich aus der Indie-Ecke wahrgenommen habe, ist Spione gewesen, aber das ist ja so weit von Rollenspiel entfernt, dass Ron Edwards es ja selbst nicht so nennt und auch gar nicht an die üblichen Verdächtigen (die Forgianer und Story Gamer) vermarktet. Ein anderes Nicht-Rollenspiel war How to host a Dungeon. Und aktuell eben Lady Blackbird, das einen wunden Punkt getroffen zu haben scheint.
Statt der vielen Hacks hätte ich mir aber gewünscht, dass John Harper mal sein Stranger Things fertig stellt*.
Stranger Things Homepage
Tony Dowlers Stranger Things Map Tiles
Und aus "der anderen Indie-Ecke" (der ohne "Forge Seal of Approval") kommt in diesem Jahr endlich One Horse Towns Stone Horizons, das "Ghormenghast-meets-Book-of-the-New-Sun-as-imagined-by-China-Mieville"-RPG.
Stone Horizons Design Thread (Warnung: 30 Seiten = 291 Posts of Pure And Utter Awesomeness)
Stone Horizons Announcement Thread
Stone Horizons Artwork Thread
Der einzige Schönheitsfehler, den dieses Spiel haben wird, ist der Verlag: Flying Mice Games wird die Bücher so kaputtlayouten, dass Jon Hodgsons Gemälde gegen "ich habe 50 tolle Schriften auf dem Rechner, zu irgendwas müssen die doch gut sein" ankämpfen müssen.
* ... das, wie ich mich gerade erinnert habe, ja auch ein Trollbabe-Hack ist; und selbst Stranger Things wurde schon vor Fertigstellung gebootlegt!
[Edit: Titel von Throwing Stones korrigiert]
oliof:
Plus ça change, plus c'est la même chose.
Oder, um es mit den Worten des Hofrats zu sagen: „Noch etwa 5 Jahre, und die Forgianer haben so etwas wie ein Rollenspiel.“
Gaukelmeister:
Dank an alle, special thanks to Dirk und Jed :d Ich merke doch immer wieder, wie wenig Überblick ich über das habe, was sich im Rollenspiel so tut und wo die interessanten Diskussionen geführt werden. Naja, deswegen frage ich ja hier auch nach :)
Das PDF von Lady Blackbird habe ich mir dann gerade einmal runtergeladen. (Mein erster Eindruck ist, dass es irgendwie von TSOY ausgeht, oder? Ich meine, diese Geschichte mit den Keys hat doch TSOY prominent gemacht, korrekt?)
Wollen wir mal hoffen, dass die Fortschritte, Weiterentwicklungen und Befreiungen, die die Forge fürs Rollenspiel erabeitet hat, nicht wieder einkassiert werden und das Rollenspielverständnis erneut in den Würgegriff von 70er-Jahre Westernfans genommen wird.
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