Autor Thema: Gesinnung - Ja, welche denn?  (Gelesen 8069 mal)

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Ein

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Gesinnung - Ja, welche denn?
« am: 25.08.2009 | 11:31 »
Gesinnung, gerade bei D&D ist vielen ein Dorn im Auge, nicht leichter wird es, weil es mehrere Interpretationen des Gesinnungssystem gibt, von denen leidergottes sogar alle über die verschiedenen Editionen von D&D als offiziell gelten.

Hier eine kleine Erläuterung meinerseits, was Gesinnung alles bedeuten kann:

Fraktionsgesinnung -
Gesinnung als Gruppenzugehörigkeit in einem epischen Konflikt


Hierbei wird Gesinnung nicht moralisch, sondern gruppendynamisch verstanden.

Wenn man Gut ist, gehört man der Guten Fraktion an, die Gute Götter verehrt und versucht Gute Werte in der Welt zu etablieren. Die Bösen ist die Fraktion, die dem entgegensteht. Während die Neutralen aus Tieren und Bystanders besteht, die sich nicht in den Konflikt einmischen können/wollen.

Innere Gesinnung -
Gesinnung als Abbildung der Überzeugungen des Charakters


Die Gesinnung gibt an, welchen Idealen der Charakter folgt. Vielleicht schafft er es nicht immer diesen treu zu bleiben, doch sein Bemühen ist auf diese Ideale ausgerichtet. Hier sind die Gesinnungen als Orientierungspunkte in einem moralischen System zu sehen.

Man ist Gut, wenn man dem Ideal folgt Gutes zu tun, auch wenn man manchmal davon abkommt. Man ist Chaotisch, wenn man dem Ideal des Wandels und der Antiauthorität folgt. Man ist Neutral, wenn man dem Ideal des Interessenausgleichs folgt.

Tatsächliche Gesinnung -
Gesinnung als die Abbildung der moralischen Interpretation der Taten des Charakters


Hier spielen nicht die Ideale des Charakters die entscheidende Rolle, sondern die wirklichen Taten des Charakters. Wenn ein Charakter nominell als *Böse* gelten würde, sei es weil er der Fraktion der *Bösen* angehört oder weil er auf *Böses* aus ist, aber trotzdem Taten vollbringt, die als *Gut* interpretiert werden müssen (Waisenkinder verpflegen etc.), dann wird seine Gesinnung mehr und mehr in die Richtung des *Guten* verschoben.


Ich hoffe ich kann mit dieser kurzen, systematischen Erläuterung einige Probleme in Bezug auf Gesinnung für zukünftige Diskussionen abmildern, in dem man sich erstmal einmal zurücklehnt und beachtet, welche Interpretation von Gesinnung in diesem Fall vom Diskussionspartner vertreten wird.

Offline Hotzenplot

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #1 am: 25.08.2009 | 13:15 »
Ich hoffe ich kann mit dieser kurzen, systematischen Erläuterung einige Probleme in Bezug auf Gesinnung für zukünftige Diskussionen abmildern, in dem man sich erstmal einmal zurücklehnt und beachtet, welche Interpretation von Gesinnung in diesem Fall vom Diskussionspartner vertreten wird.


Mir hats jedenfalls geholfen, da ich zwar D&D gelegentlich lese, aber nur früher mal gespielt habe und diese Gesinnungssachen mich hin und wieder etwas verwirren. Gerade in den letzten beiden Editionen hat sich da ja offenbar was getan.
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Offline pharyon

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #2 am: 25.08.2009 | 13:19 »
Schöner und verständlicher Beitrag.  :)

Danke, Ein.

Gruß, p^^
"Natürlich werden sie ihn foltern - es sind PRAIOS-Geweihte!" (vielen Dank, Kristin ^^)

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Eran

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #3 am: 25.08.2009 | 13:35 »
Man ist Neutral, wenn man dem Ideal des Interessenausgleichs folgt.

Oder man ist Neutral, wenn man Opportunist ist und/oder z.B. nur hinter dem Gold her. Dann kann es auch vorkommen, dass sich der Neutrale auf die Seite des Stärkeren stellt.

Bei Systemen die mit Gesinnung arbeiten weiß ich durchaus zu schätzen, dass man die Graustufen eingrenzt und zwischen gut und böse unterscheidet. So habe ich einen Anhaltspunkt zur Gesinnung der Abenteuerergruppe, den ich für meine Vorbereitung als SL brauche und das auch bei Runden die lieber rollenSPIEL als ROLLENspiel spielen. Man einigt sich darauf Helden oder doch lieber Schurken spielen zu wollen, das schränkt böse Überraschungen ein. Das macht alles schön einfach. Und an DnD schätze ich z.B. das es schön einfach ist, weshalb ich es gerne leite, aber nicht mehr spielen möchte (Ausnahmen um z.B. kurz auf nem Con in Pathfinder oder DnD4 reinzuschnuppern, bestätigen diese Regel).

Es gibt, glaube ich, auch viele Spieler die für ihre Charaktere die Gesinnung chaotisch neutral wählen, um in ihren Charakterentscheidungen nicht durch ihre Gesinnung eingeschränkt zu sein. Der eine oder andere Charakterbogen auf dem chaotisch neutral steht sollte vielleicht chaotisch böse dort stehen haben und auch ist mir schon untergekommen, dass bei ein chaotisch neutraler Halborkbarbar sich rechtschaffen gut verhalten hat.

Offline Naga

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #4 am: 25.08.2009 | 13:40 »
Bei Fraktionsgesinnung und Innerer Gesinnung würd ich dir ja zustimmen.

Man kann auch gerne schauen, wie die Taten des Charakter mit seinen Überzeugungen übereinstimmen und das als Wert für die innere Ausgeglichenheit des Chars nehmen (nichts anderes macht ja beispielsweise "Prinzipientreue" bei DSA). Man kann auch gut schauen, wie sehr das Handeln zu einer "gottähnlichen Entität" paßt. Alles differenziert und gut umsetzbar.

Nur wenn das ganze dann doch wieder nur auf eine simplistische gut-böse-Achse abgebildet wird geht halt wieder diese ganze Differenzierung verloren; dann kann man sich's auch gleich schenken und weiter willkürlich rumknauben.

Das "weltweite Gut-böse-System" bietet eben keine "einfachen" Lösungen für moralische Dilemmata. Es funktioniert letztlich nur, wenn man diese Grauzonen wegläßt. Und dann braucht man auch kein Gesinnungssystem mehr, dann ist die Sache eh "klar". Das Spielen in einer Scharz-Weiß-Welt kommt ohne ein Scharz-Weiß-Gesinnungssystem aus, aber das Scharz-Weiß-Gesinnungsspielen eben nicht ohne die Scharz-Weiß-Welt.

Offline bobibob bobsen

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #5 am: 25.08.2009 | 13:43 »
In den meisten Fällen (zumindest bei den Monstern) ist man neutral weil man zu blöd ist zwischen gut und böse oder rechtschaffen oder chaotisch zu unterscheiden.

Ein

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #6 am: 25.08.2009 | 13:54 »
@Naga
Moralische Dilemmata sind etwas, das nichts mit Grauzonen zu tun hat, sondern mit dem Problem Sachzwänge und Ideale unter einen Hut zu bringen. Dabei kommt es dann auf die Art an, wie man die Gesinnung verwendet.

Bei der Fraktionsgesinnung kann ein Charakter auch für seine Fraktion untypische Handlung durchführen, ohne seine Gesinnung zu verlieren, denn seine Gesinnung hängt allein von seiner Gruppenzugehörigkeit, nicht von irgendwelchen Idealen ab.

Bei der inneren Gesinnung hat man eben genau das moralische Dilemma, dass man zwar diese oder jene Ideale hat, aber man sich in Sachzwängen befindet, die diese Ideale unterminieren.

Bei der tatsächlichen Gesinnung wiederum werden, anders als bei der inneren Gesinnung, eben nicht die Ideale des Charakters festgehalten, sondern die aufsummierte Gesinnung, die sich durch die gewichteten Handlungen des Charakters ergibt.

Zu guter letzt können Grauzonen eh nur existieren, wenn es Extrema gibt, zwischen denen diese Grauzonen sich aufspannen können.

Offline Tudor the Traveller

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #7 am: 25.08.2009 | 13:56 »
Ich sehe nicht, warum sich die drei Definitionen nicht vertragen sollten.

Die innere Gesinnung ist die eigentliche Gesinnung. Daraus ergeben sich die Taten, die der inneren Einstellung folgend, meist dieser entsprechen, aber nicht im Einzelfall entsprechen müssen. Schließlich setzen sich die Individuen zu Fraktionen gleicher Gesinnung zusammen, die gleiche Interessen verfolgen.
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Offline Dr.Boomslang

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #8 am: 25.08.2009 | 14:16 »
Ich entfalte mal was mir dazu in Bezug auf das eigentliche Spielgeschehen einfällt:
Die tatsächliche Gesinnung ist eine direktes Urteil der Spieler (oder eines Spielers, oder des SL) über das Verhalten eines Charakters. Das ist ein großer Unterschied zu den beiden anderen Kategorien die eine Beurteilung einer Ingame-Situation darstellen. Letzteres ist mehr eine Frage von Fakten (der Spielwelt) als nur eine Frage eines Urteils oder einer Ansicht (der Spieler).
Wobei man die beiden Spielwelt-Kategorien wieder in Charakter und Umwelt unterscheiden kann, also nach der Zuständigkeit in Spieler und SL. Was sein SC fühlt wird der Spieler am besten beurteilen können, ob eine Gruppe ihn als zugehörig betrachtet und akzeptiert eher der SL.

Offline Thalamus Grondak

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #9 am: 25.08.2009 | 14:34 »
Guter Einführungs-Beitrag.
Zu der Neutralen Gensinnung: NEutral ist beim AD&D/D&D3.x System nicht so stringend wie die andeen Gesinnungen. Neutral kann sowohl aktives verfolgen des Asugleichs sein, als auch die Gesinnungslosigkeit wie bei Tieren oder Menschen die sich da nciht Entscheiden können (Die meisten sind dann allerdings Chaotisch Neutral)
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Offline Naga

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #10 am: 25.08.2009 | 14:36 »
Bei der Fraktionsgesinnung kann ein Charakter auch für seine Fraktion untypische Handlung durchführen, ohne seine Gesinnung zu verlieren, denn seine Gesinnung hängt allein von seiner Gruppenzugehörigkeit, nicht von irgendwelchen Idealen ab.

Tja, ich hätte es jetzt eher im Hobbes'schen Sinne gesehen: Meine Machtgruppe gegen deine Machtgruppe. Und da wird eben schnell klar, welche Fraktionen miteinander können, und welche eben nicht. Ein menschliches Reich hat von den Orks außer Versklavung nichts zu erwarten, und umgekehrt ist es genauso. Von daher braucht epische Fantasy imho auch keine Gut-Böse-Achse.

Gleichzeitig kriegt man dann eben auch Probleme mit dem "Aufaddieren": Zu was zählt man Naturnähe, Stammesdenken, Ablehnung des Staats und Fremdenfeindlichkeit zusammen? (Oder anders gefragt: Ist "Aventurischer Elf" eine Gesinnung? ;) )

Ganz davon ab wird auch hier wieder von den "gewichteten Handlungen" gesprochen. Ich würd mich da ja über ein paar Beispiele freuen, auch wenn ich sie vermutlich nicht für tauglich halten werde...

Offline Edwin

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #11 am: 25.08.2009 | 14:38 »
Zitat
Ich sehe nicht, warum sich die drei Definitionen nicht vertragen sollten.
Ich glaube es geht weniger um "können" als mehr um ein unbedingtes "müssen", oder?

Zitat
Die innere Gesinnung ist die eigentliche Gesinnung. Daraus ergeben sich die Taten, die der inneren Einstellung folgend, meist dieser entsprechen, aber nicht im Einzelfall entsprechen müssen
Hm, ob der Gesinnung die Taten folgen ist wohl phosophisch umstritten, um es gemäßigt zu sagen.
Die Sache ist halt dass ein unbedingt gutherziger, aber feiger Mensch der jemandem nicht hilft bei der einen Ansicht trotzdem gut und bei der anderen schlecht ist.
Feigheit/Mut ist für mich eine Achse die nix mit Gesinnungen zu tun hat.

Guten Tag! Ja, ich bin ein sprechendes Pferd mit einer Kerze auf dem Kopf, aber kommunizieren Sie doch bitte mit mir so unbefangen wie mit bipedalen vernunftsbegabten Lebewesen auch!

Offline Naga

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #12 am: 25.08.2009 | 14:58 »
Ein anderer Punkt ist ja auch schlicht die Motivation:

Jemand der Waisen aufzieht ist gut?
Jemand der Waisen aufzieht um aus ihnen eine Arme zu bilden, die ein vielfaches an Leuten umbringt ist böse?
Jemand der Waisen aufzieht um aus ihnen eine Arme zu bilden, die ein vielfaches an Leuten auf der von ihm als böse wahrgenommenen Seite umbringt ist gut?

Das funktioniert halt nicht. Von daher läuft's doch wieder mal auf "Wenn's die Charakterschweine machen ist's böse", und "Wenn's deren Gegner machen ist's gut" hinaus. Und als Spielwelt funktioniert das wiederum nur in einer Welt, in der die Charakterschweine alle auf der "bösen" Seite sind. Drow und Orks sind Charakterschweine, die Elfen und Lichtfaschos eben nicht. Für solche Tautologien braucht's dann aber auch kein Gesinnungs-System. Da kann man dann auch einfach sagen: "Der ist ein Arsch, der darf plattgemacht werden." ;)

Offline Thalamus Grondak

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #13 am: 25.08.2009 | 15:01 »
Ein anderer Punkt ist ja auch schlicht die Motivation:

Jemand der Waisen aufzieht ist gut?
Jemand der Waisen aufzieht um aus ihnen eine Arme zu bilden, die ein vielfaches an Leuten umbringt ist böse?
Jemand der Waisen aufzieht um aus ihnen eine Arme zu bilden, die ein vielfaches an Leuten auf der von ihm als böse wahrgenommenen Seite umbringt ist gut?
Nein, die Gesinnung ergibt sich nicht aus jeder Einzelnen Handlung, sondern die Handlungen ergeben sich aus der Gesinnung. Ein Charakterschwein kann durchaus Rechtschaffen Gut sein.

Nachtrag: Ein Böser Magier, der Jahrhudnerte allein inseinem Turm lebt,und überhaupt nicht die Gelegenheit hat Böses zu tun, bleibt Böse, auch wenn er immer ganz Lieb zu seinen Katzen ist.
« Letzte Änderung: 25.08.2009 | 15:02 von Thalamus Grondak »
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Offline Naga

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #14 am: 25.08.2009 | 15:11 »
Aber warum?

Der kriegsversehrte Ork, der sich um die Erziehung von Gnoll-Welpen kümmert wird nicht gut sondern bleibt böse, weil Orks eben böse sind?
Das Charakterschwein, das einen lichten Kirchenorden führt und ständig Orks plättet ist gut, weil der Kirchenorden gut ist?

Läuft dass dann nicht auf "Jeder hat die 'Gesinnung' seiner Fraktion, und solange er nichts gegen seine Fraktion unternimmt behält er diese 'Gesinnung'" hinaus?

Offline Thalamus Grondak

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #15 am: 25.08.2009 | 15:20 »
Aber warum?
Nein, nicht jeder hat die Gesinnung seiner Fraktion, die Wahrscheinlichkeit ist nur hoch.
Der Magier bleibt Böse, weil das es ist, was ihn antreibt. Wenn er in die Situation kommt, wo er seine Macht zum eigenen Vorteil auf Kosten anderer einsetzen kann, dann wird er das tun, weil er Böse ist.

Der Ork wäre Gut.
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Offline Tudor the Traveller

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #16 am: 25.08.2009 | 15:24 »
Naga, deine Beispiele funktionieren einfach nicht, weil sie überhaupt nicht auf die Gesinnung eingehen. Da lässt sich wenig dran festmachen.

Der Ork, der sich um die Welpen kümmert, ist erstmal gar nichts, da das allein keinen Rückschluss zulässt. Sich um etwas kümmern zeigt keine Gesinnung, allenfalls ein Interesse, aus dem man in einem Gesamtbild mit anderen handlungen auf die Gesinnung rückschließen könnte.

Der gute Ork kümmert sich liebevoll um die Welpen. Der böse Ork kümmert sich um die Welpen als lästige Pflicht und weil es ihm seine Instinkte oder seine Kultur so diktieren. Die Handlung selbst, also das Kümmern, mag tendenziell gut sein, aber sie wird durch die Art und Weise, die Umstände und die Motivation erst genauer eingefärbt.

Jemadn, der Waisen aufzieht, um sie auszunutzen ist weder gut noch böse. Die eigentlich gute Handlung, das Aufziehen, wird durch die Zweckverbundenheit der Tat entwertet. Die Tat ist aber nicht weiter bösartig geprägt. Hier kommt auch etwas hinein, was m.E. ein falsches Bild der Gesinnungen mitbedingt. Nach meiner Auffasung ist Egoismus nicht böse, sondern neutral. Wer egoistisch ein Ziel verfolgt, schert sich nicht um andere, das macht ihn nicht-gut, aber solange er dabei nicht skrupellos vorgeht, ist er auch nicht-böse, ergo neutral.
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Offline Dr.Boomslang

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #17 am: 25.08.2009 | 15:28 »
Bei Fraktionsgesinnung geht es um Zugehörigkeit und die ist von Autorität und Anerkennung abhängig, nicht unbedingt von konkretem Verhalten (nur indirekt).
Ultimativ sind vermutlich die (guten und bösen) Götter die Autorität bei der Zugehörigkeit. D.h. wen du ein Paladin bist den der gute Obergott raus geschmissen hat, bist du eben nicht mehr gut. Ein ausgestoßener Ork ist auch nicht mehr böse, allerdings könnte ein Ork der gutes tut trotzdem noch böse sein, wenn die bösen Autoritäten ihn dafür nicht ausstoßen.

Dieses Konzept ist einfach zu spielen, da der "Gesinnungswechsel" (der dann eigentlich wenig mit Gesinnung zu tun hat, aber Alignment bedeutet eben auch was anderes) immer an einem konkreten Ereignis im Spiel fest gemacht werden kann. Es ist aber vermutlich recht weit von dem entfernt was die meisten sich unter Gesinnung vorstellen (gerade auch durch die deutsche Übersetzung von Alignment).

Offline Naga

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #18 am: 25.08.2009 | 15:46 »
Der Ork wäre Gut.

Auch noch, wenn er die Gnoll-Welpen zu starken und gesunden Menschenhassern aufpäppelt?


Zitat
Naga, deine Beispiele funktionieren einfach nicht, weil sie überhaupt nicht auf die Gesinnung eingehen. Da lässt sich wenig dran festmachen.

Dass sich nix dran festmachen läßt ist doch das Problem. ;)
Für eine Tautologie der Sorte "Wer eine böse Gesinnung hat, der hat eine böse Gesinnung" braucht's kein System. Warum schafft es niemand zu sagen "XYZ bildet auf eine böse Gesinnung ab, und ABC auf eine gute Gesinnung"?
« Letzte Änderung: 25.08.2009 | 15:54 von Naga »

Offline Thalamus Grondak

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #19 am: 25.08.2009 | 15:55 »
Auch noch, wenn er die Gnoll-Welpen zu starken und gesunden Menschenhassern aufpäppelt?
Das kommt ganz auf seine Motivation an.
Der "Fehler" liegt IMHO in der Betrachtungsweise.
In der Fantasy hat jedes Wesen seien Platz im großen ganzen. Daran misst sich die Gesinnung. An der Gesinnung messen sich dann die Handlungen. Du versuchst das Pferd von hinten aufzuzäumen.
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Offline Naga

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #20 am: 25.08.2009 | 16:09 »
Das kommt ganz auf seine Motivation an.

Und wenn die "Es ist gut für die Orks" ist? Dann ist es böse, weil die Orks böse sind (Platz im System und so)? Und wenn Neutrale das tun ist es neutral, und wenn Gute das tun ist es gut? Damit wär man dann wieder bei der Gruppengesinnung, wie sie Dr. Boomslang beschrieben hat.

Offline Thalamus Grondak

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #21 am: 25.08.2009 | 16:36 »
Und wenn die "Es ist gut für die Orks" ist? Dann ist es böse, weil die Orks böse sind (Platz im System und so)? Und wenn Neutrale das tun ist es neutral, und wenn Gute das tun ist es gut? Damit wär man dann wieder bei der Gruppengesinnung, wie sie Dr. Boomslang beschrieben hat.
Nein. Wenn ein Samariter eine Bösen heilt, ist das nicht Böse.
Die Fraktionsgesinnung hat kaum Einfluß auf die Gesinnung der Handlungen von einzelnen. Die Fraktionsgesinnung dient eher der Übersicht.
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Offline Dr.Boomslang

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #22 am: 25.08.2009 | 16:45 »
Redet ihr davon was Ein hier innere Gesinnung genannt hat, oder von tatsächlicher Gesinnung? Oder wovon?

Offline Tudor the Traveller

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #23 am: 25.08.2009 | 17:38 »
Ich finde Eins Unterteilung eher verwirrend, denn hilfreich. Die Unterteilung mag sich aus den Verschiedenen Editionen so auf den ersten Blick ergeben, aber ich sehe da eher den Unterschied in der Schwerpunkt-Setzung.

Ich würde eher sagen:

Fraktionsgesinnung: grobe, statistische Zuweisung einer Gesinnung zu einer Gruppe, die sich aus der Summe der Einzelgesinnungen der führenden Mitglieder ergibt.
Innere Gesinnung: Die Einstellung des Individuums.
Äußere Gesinnung: Die Gesinnung, die sich in den Taten widerspiegelt.

Die innere Gesinnung wäre demnach die eigentliche Gesinnung. Diese äußert sich in den Ansichten und Handlungen des Individuums, wobei weder Handlung noch Ansicht zwingend durch die Gesinnung geprägt sein muss. Die meisten Handlungen sind in ihrer Natur erstmal neutral, können aber je nach Art und Weise, Ziel oder Zweck der Handlung Rückschluss auf die innere Gesinnung zulassen. Eine Gruppierung bedingt meist gemeinsame Interessen. Je nach dem gemeinsamen Interesse kann die Gesinnung eine Rolle spielen mit der Folge, dass sich nur Individuen gleicher oder harmonierender Gesinnung zusammentun.

Beispiele:
Ein böser Mesch trinkt einen Kaffee. Das ist eine gesinnungsfreie Tat; man kann keinen Rückschluss auf die Gesinnung ziehen. Genauso verhält es sich mit beinahe allen Taten. Erst durch weitere Umstände kommt die Gesinnung zum Tragen und färbt damit die Tat ein; gleichzeitig sind bestimmte - wenige - Taten in sich einer Gesinnung zuzuordnen. Eine Tat, die zwingend Leid erzeugt, ist böse; eine Tat, die in sich  altruistisch ist, ist gut. Harmoniert eine solche Tat nicht mit der Gesinnung des Handelnden, kommt es zu einem inneren Konflikt, der mitunter die Ausführung der Tat direkt vereitelt. Liegen Umstände vor, die die Tat nahelegen, kann dies den Konflikt zu Gunsten der Tat entscheiden; der Handelnde fühlt sich dabei aber unwohl und wird die Tat in ihrem Gesinnungsaspekt minimieren. D.h. dass ein gutes Individuum eine böse Tat nur unter zwingenden Umständen ausführt und dabei möglichst wenig Leid erzeugt und ein böses Individuum eine altruistische Tat so wenig selbstlos ausführt, wie machbar. Das unterliegt nicht dem Willen des Individuums sondern entspringt seinem inneren Wesen - es ist wie ein Trieb.
Eine neutrale Tat wird mit der Gesinnung eingefärbt, wenn sie einen entsprechenden Antrieb deutlich macht. Der gute Mensch trinkt Kaffee und teilt ihn ohne Gegenleistung mit einem anderen - nicht vorsätzlich, sondern weil er den inneren Trieb dazu hat, begründet durch seine Gesinnung. Der Böse Mensch nimmt einem anderen den Kaffee weg, um ihn selbst zu trinken, wieder wegen des ineren Triebes; er denkt nicht groß darüber nach, ob er dem anderen damit Leid / Verlust zufügt und es ist ihm auch gleich.

Ich hoffe, das war nicht zu kompliziert und macht mein Verständnis der Gesinnung deutlicher.

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Re: Gesinnung - Ja, welche denn?
« Antwort #24 am: 25.08.2009 | 20:00 »
Zitat
Gleichzeitig kriegt man dann eben auch Probleme mit dem "Aufaddieren": Zu was zählt man Naturnähe, Stammesdenken, Ablehnung des Staats und Fremdenfeindlichkeit zusammen?
Das kann nur jede Gruppe für sich entscheiden. Wobei es z.B. bei AD&D2 umfangreiche Hinweise dazugibt, welche Handlung wie zu bewerten ist. Ich persönlich würde es als N, L, C, N bewerten, womit die aventurischen Elfen passenderweise irgendwo bei N wären.

(Da gilt: Man kann auch aus allem ein Problem machen, wenn man nur will.)

Zitat
[Waisen a b c] Das funktioniert halt nicht.
Du machst den Fehler die Gesinnung singulär zu erfassen.

Nach der FG ergibt sich die Gesinnung des Waisenfreundes durch seine Gruppenzugehörigkeit im kosmischen Gefüge. (Alignment heisst eigentlich Ausrichtung)

Nach der IG ergibt sich die Gesinnung nach den Idealen des Waisenfreundes. Nur Fall c lässt eine Aussage über die Gesinnung zu. Hier könnte es sich wirklich um einen Guten handeln, denn Kriegsführung ist in Fantasy an sich nichts böse. (Denn sonst wäre jeder Fantasyheld böse)

Nach der TG ergibt sich die Gesinnung aus der Summe alle Taten, die der Waisenfreund so durchführt. Und durch findet sich dabei schon eine gewisse Gewichtung. Wobei ich aus persönlicher Erfahrung weiß, dass die TG sehr viele Charaktere im neutralen Bereich hervorbringt. (Wie im wirklichen Leben halt.)

Zitat
Der kriegsversehrte Ork, der sich um die Erziehung von Gnoll-Welpen kümmert wird nicht gut sondern bleibt böse, weil Orks eben böse sind?
FG: Siehe Dr. Boomslang, der Punkt sehr gut erläutert hat. Wie gesagt Ausrichtung (auf das Gute, das Böse oder nichts [neutral]).
IG: Hier kann keine Aussage getroffen werden, denn die Ideale des Orks sind unbekannt.
TG: Hier kann ebenfalls keine Aussage getroffen werden, denn was bedeutet schon Ausbildung. Aber jetzt sagen wir mal der Ork kümmert sich liebevoll um die Gnolle etc. dann wäre das eine gute Tat und würde ihn näher Richtung Gut schieben.

Zitat
Das Charakterschwein, das einen lichten Kirchenorden führt und ständig Orks plättet ist gut, weil der Kirchenorden gut ist?

FG: Definitiv ja.

IG:
Pazifismus ist primär N zugeteilt, daher ist die Kriegsführung irrelevant in Sachen Gesinnung. Und dann stellt sich die Frage mit dem Charakterschwein, das ist eine viel zu vage Angelegenheit, als dass man sie so einfach auf eine Gesinnung schließen kann. Wichtiger ist ja auch vor allem, warum er das macht, was ist sein Ideal?

Das Gute schützen? -> Gut
Orkanthrophie? -> Neutral
Weil er insgeheim seinen Einfluss erhöhen will, um später die Macht zu übernehmen? -> Böse

TG:
Auch hier ist wieder keine Aussage möglich. Aber sicherlich kommt er pendelt er sich irgendwo bei neutral ein, wenn wirklich ein großes Arschloch ist, aber trotzdem die Guten immer wieder vor dem Untergang rettet.

Und ich hoffe, dass damit klar ist, was mein Grund für diesen Thread ist. Alle deine Gesinnungsfragen machen keinen Sinn, solange nicht klar ist, in Hinblick auf welches Gesinnungssystem die Fragen zu bewerten sind.

@Tudor
Ich habe die Abgrenzung ganz genau deswegen so vorgenommen, weil (a) sie genau so in Fantasy-Rollenspielen nachzulesen ist und (b) sich die Kriterien für die Gesinnungsarten eben nicht überlappen.

Auch die tatsächliche Gesinnung ist mit Bedacht zu benannt, denn sie ist eben keine externe Gesinnung, sondern spiegelt wieder wie die Gesinnung anhand der tatsächlichen Handlung zu bewerten ist.
« Letzte Änderung: 25.08.2009 | 20:03 von Ein »