Autor Thema: SL-Coaching und SL-Gehalt  (Gelesen 5332 mal)

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Offline Morvar

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SL-Coaching und SL-Gehalt
« am: 9.10.2010 | 21:40 »
hallo!

Mal ein paar Fragen die mir im Zuge der Sichtung alter Aufzeichnungen gekommen sind:

1. Hat jemand von euch schon mal für Geld/Gehalt geleitet? Mir ist das ein paar mal "passiert"--die Spieler waren sehr zufrieden, aber ich fühlte mich irgendwie...komisch?!
2. Würde jemand von den, ich sag mal "Profi"-SL, einem anderen SL gegen Geld bei der Erstellung /Schaffung/Weiterführung usw. einer Kampagne zur Seite stehen? Ihm bei der Schaffung von Handlungssträngen usw. unterstützen? Oder würdet ihr das ähnlich "seltsam" auffassen wie ich?

Gruß

Morvar

Offline Bad Horse

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #1 am: 9.10.2010 | 22:06 »
Die Frage nach "Leiten für Geld" kommt immer mal wieder auf...

1.) Nein, hab ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich das machen würde; Rollenspiel ist mein Hobby, und ich leite, weil mir das Spaß macht. Diesen Anspruch "ich will Spaß haben" müsste ich aber als Dienstleister zurückstellen - schließlich werde ich ja bezahlt, und da müssen meine Interessen vor den Interessen derjenigen, die mich bezahlen, zurücktreten.

2.) Weiß ich nicht. Fällt mir jetzt auch schwer, etwas dazu zu sagen... meine erste Idee wäre es, den Hilfesuchenden an ein Forum zu verweisen. Wobei ich auch schon mal versucht habe, einem unerfahrenen SL Schützenhilfe zu geben, aber richtig gut funktioniert hat das nicht. Das lag daran, dass ich eigentlich kein Problem habe, Dinge zu improvizieren und aus dem Bauch heraus zu ergänzen, ohne das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren - aber genau darin bestand zum Teil das Problem der anderen SL.
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Offline Pyromancer

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #2 am: 9.10.2010 | 22:13 »
1) Ich leite ab und zu Supportrunden für einen Verlag und werde dafür in Naturalien entlohnt.
Und auf Cons kriegt man als SL auch oft ein "Gehalt" in Form von Eintritt, Verzehrgutscheinen, Verlosungs-Losen etc.

2) Ich halte die Idee für absurd. Plot-Doktor spielen oder sich mit anderen SLs über laufende Kampagnen und Probleme darin auszutauschen ist nichts, wofür man Geld verlangen kann.

Offline Morvar

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #3 am: 9.10.2010 | 22:19 »
Zu 2. @Pyromancer
Dahin tendiere ich auch. Was ist allerdings wenn es z.B. um die gemeinsame Strukturierung von NSC/Gruppen in C-Webs, das klassische Schreiben von Zeitlinien, Hilfestellung bei Musikauswahl oder Hilfe bei Anwendungen bestimmter Programme geht? Also Hilfe zur Selbsthilfe nicht nur, sondern auch Übernahme von Fleißarbeiten oder Umsetzungen von Ideen?

Offline Joerg.D

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #4 am: 9.10.2010 | 23:08 »
Ich habe lange Zeit in einem örtlichen RSP Laden gegen Naturalien geleitet und 1 1/2 Jahre gegen Bezahlung für eine Gruppe geleitet.

Leiten für Geld ist immer erheblich anspruchsvoller, als zum Spaß. Wenn ich 180 Euro Pro Abend kassiere, dann muss ich das Abenteuer und die SLC perfekt vorbereitet haben. Ich muss mit Handouts arbeiten und am besten noch für alle SLC Bilder parat haben um den Spielern immer eine super Show abzuliefern. Außerdem muss ich mich nach den Forderungen der Gruppe richten, denn wer zahlt hat IMMER Recht.

Ich wollte für die Gruppe nicht leiten, die auf dem Nordcon bei mir gespielt hatten, weil sie aus der Nähe von Stade kamen, doch das Angebot war einfach zu gut um nein zu sagen. Trotzdem ist es etwas anders als beim normalen Leiten für Freunde und Kumpels. Es ist Arbeit und nicht nur Vergnügen.
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Offline Bad Horse

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #5 am: 9.10.2010 | 23:15 »
@2: Im Prinzip finde ich das nicht so abwegig - SLs kaufen sich ja auch Abenteuer und Quellenbände, das ist eigentlich auch nichts anderes, als Geld zu zahlen, um weniger Aufwand zu haben. Wenn das jetzt noch jemand für eine spezifische Gruppe anpasst... wäre mit Sicherheit nicht schlecht.

Leider kaufe ich aber fast keine Abenteuer, daher bin ich wahrscheinlich das falsche Publikum für so einen Service. Wobei ich gegen einen Rechercheknecht eigentlich nichts hätte... Herauszufinden, was um 1220 am Schwarzen Meer so los war, ist eine ziemlich zeitintensive Geschichte.  ;)
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Offline Joerg.D

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #6 am: 9.10.2010 | 23:20 »
Wenn man jemanden als Plotdoktor helfen soll, dann ist das auch Geld wert.

Allerdings ist es in der Regel im Tanelorn umsonst und gut genug und um fast allen Leuten zu helfen. Dich nicht jeder möchte seine Probleme in der Öffentlichkeit wälzen und manchmal bringt eine persönliche Beratung mehr als alles lesen.
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Offline Gorbag

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #7 am: 9.10.2010 | 23:34 »
Ich hab auch schon für Naturalien gemeister und Brettspiele demonstriert. Dabei kommt eben immer der Leistungsgedanke mit ins Spiel. Wer zahlt hat halt Recht und ich muss meinen Chef zufrieden stellen. Das verändert das Erlebnis Spielleiten, wäre ja auch kaum anders zu erwarten.
Skrupel habe ich aber keine deswegen oder "komische" Gefühle. Ich habe als SL über viele Jahre Kompetenzen aufgebaut und wenn mich jetzt wer bittet ihm diese zur Verfügung zu stellen, mache ich das auch, nur muss dann der Rahmen stimmen. Wer Großveranstalter ist oder wenn ich den jenigen nicht kenne muss man mir eben einen Anreiz bieten, vorallem wenn dieser dadurch selber finanzielle Vorteile hat.

Zu 2: Ich denke es gibt durchaus vereinzelt Bedarf für solche Leistungen. Die Frage ist nur wie man sie am Besten an den Kunden vermittelt bekommt und ob der Markt dafür überhaupt sooooo groß ist.

WitzeClown

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #8 am: 10.10.2010 | 03:38 »
Schade, hatte beim Thread-Titel ein bisschen in andere Richtungen gedacht.

Kurze Anmerkungen: Jede Menge Rollenspieler könnten eine solide Beratung / Weiterbildungsanleitung / professionelle aufgezogene Horizonterweiterung gut gebrauchen.

Die ganze Sache mit der Bezahlung (um die sich der Thread bisher hauptsächlich dreht) ist für mich allerdings komplett uninteressant. 

Offline Morvar

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #9 am: 10.10.2010 | 09:14 »
Nun ja, das SL Coaching bezahlt wird oder nicht nimmt der grundsätzlichen Frage, ob und wie so etwas von statten gehen soll ja nichts von ihrer Bedeutung.
Auf diversen Cons hat,  glaube ich jeder schon mal zu gesehen bei Workshop a/b /c zu Themen f/g /h.

Was mich häufig störte (als ich anfing vor allem)war, dass ein paar Dinge für mich so weit weg waren und mir zu dem damaligen Zeitpunkt so viele Grundlagen nur intuitiv "zur Verfügung" standen. Es gab Situationen wo ich durchaus mein hart verdientes Geld aus meinem RPG lädchen wieder an Leute abgegeben hätte, die mir (genau wie meine Coaches beim Impro/Gesprächsführungsseminar) einen Weg aufzeigeten/Möglichkeiten geboten oder sogar mit mir eine KAmpagne strukturiert hätten. (<-- schlimmes deutsch--kaum geschlafen)

Und @Witzeclown, da ich auf Cons geleitet habe/gegen Geld geleitet habe und auch seit JAhren mit verschiedenen Menschen immer mal wieder spiele, kann ich meine Fähigkeiten diesbezüglich gut einschätzen.
Ich bin KEIN Anfänger und leite so, dass meine Gruppen bisher ganz zufrieden waren. Aber natürlich hast du Recht, jeder sollte/kann sich verbessern und das ist hier auch einer meiner Hintergedanken bei diesem Thread.
Leitfäden/Bücher und ähnliches habe ich gelesen bis zum "Erbrechen" ;-) und aus vielen sehr viel mitnehmen können. So mag ich Laws/Jörgs Gedanken, aber auch die vielen guten Tipps von Zornhau. Ich finde mich in vielen Dingen wieder. Aber ich würde einiges dafür geben, einmal meine Kampagne in einer anderen Art und Weise zu strukturieren um meine Art des leitens zu verbessern/verändern bzw. mir die Lust daran zu erhalten.

Seit JAhren habe ich diverse Ordner mit Unterlagen ..Zeitliniene, NSC Werte, Hauspläne, Gedichte, Prophezeihungen...tausende Abenteuer zusammengesucht um mir daraus Inspirationen zu holen. Meine Bibliothek ist (RocknRolla hat es gesehen) auf über 2000 Bücher angewachsen...Ich habe nen eigenen Keller mit knapp 10 Meter Regal für RPG/Sci-Fi Bücher/Rollenspielen/Würfeln usw...

Und Trotz all dem fehlt mir meiner Ansicht immer noch der "strukturierende" Faktor. Ich bin der Typ der eine Kampagne einfach anfängt mit ner Idee...diese wird riesig groß und wächst "organisch" und am Schluß muss ich versuchen meine eigenen Ideen/GEdanken wieder mühselig zu ordnen....

Hierbei jemanden zu haben der sich 4-24 Stunden zu einem sitzt und klar sagt..pass mal auf..für diese Problem gibt es
A) diese Technik..dieses Programm...diese Art der Strukturierung
B) diese Methode...


fände ich hilfreich.

Was die Bezahlung für so einen Dienst angeht....Ich kenne es aus dem Coaching bereich nur so, dass es einfach teuer ist. Als ich Work-life balance seminare für Lufthansa/MB gemacht habe war ich der reichste Student der Welt..;-)

Gruß

Morvar

Offline ArneBab

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #10 am: 10.10.2010 | 11:33 »
Ich finde Leiten gegen Geld eigentlich etwas positives. Die SL hat viel Zeit damit zugebracht, Fertigkeiten zu lernen und zu schulen. Warum soll eine SL dann für die Fertigkeiten nur in nicht mit dem Haupthobby verbundenen Sachen bezahlt werden?

Wir haben gerade hier in Deutschland die sehr problematische Tendenz, Hobby und Geldverdienen stark zu trennen. Das Ergebnis ist, dass wir sehr wenige starke Strukturen haben, die die Hobbies fördern, denn von der Verbreitung von Rollenspielen profitieren direkt nur die Verlage, und Rollenspiel braucht sehr wenig Material.

Wenn eine aus seiner wöchentlichen Rollenspielrunde Kraft zieht, warum soll sie dann ihrer SL nicht etwas dafür geben? Meinem Lieblingsmusiker gebe ich ja auch Geld, und der spielt nichtmal direkt für mich.

Ich habe dazu vor ein paar Monaten einen kleinen Artikel geschrieben, wenn auch stärker auf Verlage als auf die einzelne SL gemünzt: „Der will ja nur Geld machen…“

Coaching kann ich mir eher als Workshops vorstellen, die auf Cons gegen Geld angeboten werden. Da können dann ja auch die Spieler ihrer SL den Workshop schenken :)

Eine Schwierigkeit gibt es mit Geld verdienen als SL: Da das dann kommerziell ist, muss man für alle Materialen kommerzielle Verwertungsrechte haben. Das gilt auch für die Musik…
« Letzte Änderung: 10.10.2010 | 11:35 von ArneBab »
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Offline Joerg.D

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #11 am: 10.10.2010 | 12:09 »
@ Movar

Dir ist aber schon klar das deine Probleme bloß aus einer schlechten Organisation deiner Arbeit kommen und mit dem Rollenspiel selber nichts zu tun haben?
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Offline carthinius

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #12 am: 10.10.2010 | 12:24 »
Ich denk, das ist ihm klar, er vermutet aber, dass teilweise die Organisation für das Leiten anders läuft als die Ordnung seiner Geschäftsunterlagen. Und darum geht es ihm - wenn ihm das jemand personalisiert auf seine Situation erklären würde, wär ihm das sogar Geld wert (und damit sind allgemeine "how to be a GM"-Ratgeber auch schon aus dem Spiel).

Ich selbst hab noch nie gegen Geld gelitten oder einem SL Geld dafür gegeben, muss aber zugeben, dass es eine interessante Idee ist. Leider auch mit den üblichen Risiken: Einen Film muss ich auch bezahlen, bevor ich ihn gesehen und für Mist befunden habe, das wäre bei einem SL und seinem Abenteuer vermutlich genauso.
Wenn ich wüsste, dass ich so Teile meines Lebens finanzieren könnte, wär das natürlich geil, aber ich denke, da greift eben wirklich das von arnebab angesprochene Problem, dass speziell in unserem Hobby das Geldverdienen mit dem Hobby verschrien ist (egal, wie sinnig oder unsinnig das prinzipiell ist).

Das hier auch angesprochene Problem der kommerziellen Vermarktungsrechte betreffend: Ist das nicht ein bisschen hochgegriffen? Muss ich nach einer bezahlten Rollenspielrunde einen GEMA-Antrag für Musiknutzung ausfüllen und bezahlen? Brauch ich eine geschäftsfähige Lizenz für meine Office- und Layoutprodukte? Muss ich ein Gewerbe anmelden, weil ich einmal im Monat bezahlte Runden anbiete? Oder denkt man da nicht viel zu deutsch?
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Offline Khouni

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #13 am: 10.10.2010 | 12:45 »
Mir fällt jetzt kein logischer Grund ein, warum Spielleiten nicht mindestens ebenso kommerzialisierbar sein sollte wie Theaterwochenenden, Ausflugsleitungen oder Coachen von Sportlern. Der kann auch nur nebenher rennen, so ein Coach, oder mit dem Fahrrad mitfahren, und bekommt Geld ohne Ende. Auch hier leistet der Zahlende viel Eigenarbeit und wird nur angeleitet. Passt doch.
Utopisch gesehen könnte das sogar zu einem Wettkampf unter Spielleitern führen und somit insgesamt die Spielqualität erhöhen. Natürlich wäre dies nur der Fall, sollte die Zahl der Spieler wie auch der Leitenden erheblich zunehmen.

Ideologie sollte man sich hier sparen, finde ich. Tatsache ist doch, wenn jemand bereit ist, für etwas zu bezahlen, dann hat das seine Richtigkeit.
Ich würde übrigens einem Spielleiter auch Geld geben, sofern es sich in einem vertretbarem Rahmen hält.

Offline Morvar

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #14 am: 10.10.2010 | 12:48 »
@Jörg

Natürlich kenne ich meine persönlichen Schwächen sehr gut...Nur so bin ich in der Lage meine Seminare durch zu ziehen und meine Arbeit zu machen. Für die professionelle Seite meines Lebens brauche ich auch keinen Coach ...jedenfalls nicht mehr als viele andere Menschen auch. Selbst wenn man direkt aus diesem Segment kommt (Personalentwicklung und Diplom Pädagoge).

Aber es lässt sich bei mir halt nicht so einfach auf mein Hobby übertragen. Und ich behaupte einfach mal, dass ich in meinem Beruf sehr viel mehr Wissen und Know how besitze als in meinem Hobby. DAs gilt so für MICH.
Ich bin ein Mensch, der gerne Tipps/Ratschläge/Sichtweisen anderer hört und verarbeitet...Und ich glaube, dass ein SL Coach mir z.B. durchaus (wenn er eine Qualität/Erfahrung hat die der meinen gleicht, bzw. völlig andere Ansätze hat) etwas neben der ORGA beibringen kann. Aber auch spezielle Tipps eben genau dazu!

Und das ist doch etwas wert?

Offline ArneBab

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #15 am: 10.10.2010 | 21:48 »
Das hier auch angesprochene Problem der kommerziellen Vermarktungsrechte betreffend: Ist das nicht ein bisschen hochgegriffen? Muss ich nach einer bezahlten Rollenspielrunde einen GEMA-Antrag für Musiknutzung ausfüllen und bezahlen? Brauch ich eine geschäftsfähige Lizenz für meine Office- und Layoutprodukte? Muss ich ein Gewerbe anmelden, weil ich einmal im Monat bezahlte Runden anbiete? Oder denkt man da nicht viel zu deutsch?

Ich bezweifle es (leider).

Ich musste für die 3xx€ für die Übersetzung von Robins Laws ein Gewerbe anmelden (und gleich dazusagen: „Reicht aber nicht für Umsatzsteuer“). Ich bin sicher, es gibt eine Grenze, wie viel du im Monat/Jahr verdienen darfst, ohne ein Gewerbe anzumelden. Das entbindet dich aber nicht von der Pflicht, die kommerziellen Nutzungsrechte deiner geschäftsmäßig genutzten Utensilien zu haben.

Das gilt erst Recht für Charakterbögen (bei denen wir nur private Kopier-Rechte haben, wer auch immer sich den Unsinn ausgedacht hat – da kann man allerdings zur Not einfach den Spielern sagen „kopiert euch bitte die Bögen“ – mit Kopierer daneben :) ).

Daher: Nur freie Software, nur frei lizensierte Medien (mindestens cc-sharealike, niemals noncommercial). Falls du irgendwann mal die Chance haben solltest, einen Teil deines Lebensunterhaltes mit Rollenspielen verdienen zu können, wirst du froh sein, keine x-tausend € an Zusatzgebühren zahlen (oder alles neu lernen) zu müssen.

Und da es sich gerade anbietet: Am besten mit frei lizensiertem Rollenspiel, wie dem 1w6-System, damit ihr euren Spielern einfach das Regelwerk geben und eure Hausregeln direkt in das Hauptregelwerk einpflegen könnt.  ;D
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Offline ArneBab

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #16 am: 10.10.2010 | 22:01 »
Mir fällt jetzt kein logischer Grund ein, warum Spielleiten nicht mindestens ebenso kommerzialisierbar sein sollte wie Theaterwochenenden, Ausflugsleitungen oder Coachen von Sportlern.

Die Schwierigkeit ist die kleine Zahl an Spielern, denke ich. 2-7 Leute pro Abend können einfach viel weniger Geld stemmen als 20-30.

Nehmen wir an, eine SL leitet 5 Tage die Woche. Das sind bei durchschnittlich 4-5 Spielern etwa 23 Leute.¹

Bei 6 Stunden Spielzeit + 4 Stunden Vorbereitung sind das dann schon 10 Stunden pro Tag, 50 Stunden die Woche. Viel mehr dürfte nicht drin sein, um nicht auszubrennen.

Diese 23 Leute müssen nun den Lebensunterhalt der SL decken. Nehmen wir an, dass die SL 2,300 Brutto braucht (weil ich faul bin, und die Zahl so schön ist – später können wir noch mit 2/3 davon rechnen). Das macht dann pro Spieler 100 Euro im Monat, 25 Euro pro Treffen.



Das geht eigentlich ⇒ ich nehme die Aussage zurück :)
Für meinen Gesangsunterricht habe ich mehr gezahlt (gut das doppelte für ein drittel der Zeit).

25€ für eine Runde könnte ich mir problemlos vorstellen. Wie sieht es bei euch aus?

Ein Verein, der die SL bezahlt und versucht, möglichst viele Vollzeit-SLs zu haben, könnte das organisieren.

Das einzige Problem, das damit bleibt, ist die Organisation: Das Wochenende (wo viele Zeit haben) hat nur 2 nutzbare Abende und zusätzlich den Sonntag Mittag. Ansonsten gibt es nur Runden unter der Woche, und da haben die Leute vermutlich weniger Zeit, wollen also auch weniger zahlen.

Der Vorteil gegenüber Sportlern: Rollenspielen braucht fast keine Resourcen.

¹: Mit 2-wöchentlichen Runden würden sich die monatlichen Kosten halbieren, dafür müssten deutlich mehr Spieler in der näheren Umgebung sein.
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Humpty Dumpty

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #17 am: 10.10.2010 | 22:54 »
Unsere Gruppe hat tatsächlich und ernsthaft in Erwägung gezogen, einen SL fürs virtuelle D&D4-Spiel anzustellen. Niemand von uns hat jemals vorher virtuell gespielt, niemand kennt Fantasy Grounds bzw. MapTool und noch weniger kann sich jemand von uns einarbeiten. Da ist doch nen kommerzieller Deal mit nem fitten SL eine gute Lösung. Hätte ich überhaupt kein Problem mit. Auch für einen echt guten Erzählonkel-SL würde ich gerne und sofort Geld ausgeben. Warum nicht?

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #18 am: 10.10.2010 | 23:28 »
@ArneBab: Ich bin mir nicht sicher, ob deine Rechnung mit 2.300 € brutto für einen Selbständigen auch aufgeht.  ;) Der muss ja schließlich noch Steuern, Krankenversicherung etc. zahlen.



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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #19 am: 11.10.2010 | 01:02 »
Die Faustregel sagt, dass man als Selbständiger um 1000 Euro netto zu haben, 2500 Euro verdienen muss. Da sind dann Versicherungen, Rentenrücklagen und normale Rücklagen mit drinne.
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Offline ArneBab

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #20 am: 11.10.2010 | 09:49 »
Die Faustregel sagt, dass man als Selbständiger um 1000 Euro netto zu haben, 2500 Euro verdienen muss. Da sind dann Versicherungen, Rentenrücklagen und normale Rücklagen mit drinne.

Autsch. Damit würden die 2300€ kaum für die Wohnung hier reichen… 3000€/Monat sollten es also wohl sein.

Also sollten wir den realistischen Preis pro Spielrunde und Spieler auf 35-40€ korrigieren. Nochmal kurz genauer:

  • Montag bis Donnerstag, 3 Runden, je 4 Stunden, 4 Spieler. Mit Vorbereitung je 6 Stunden Arbeit. Vielleicht 30€ pro Spieler (kürzere Runde) ⇒ 360€/Woche, 18 Stunden Arbeit.
  • Freitag und Samstag, 2 Runden, je 8 Stunden, 4 Spieler. Mit Vorbereitung je 12 Stunden Arbeit. Vielleicht 50€ pro Spieler ⇒ 400€/Woche, 24 Stunden Arbeit.


Kommt auf etwa 3040€ pro Monat (+ ein bisschen was, weil ein Monat länger als 4 Wochen ist) bei 42 Stunden Arbeit.
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Offline Merlin Emrys

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #21 am: 11.10.2010 | 10:07 »
Ich denke, einer der zentralen Aspekte an der Sache ist heutzutage: Zeit.

Für diejenigen, die Geld haben, ist die typischerweise knappste Ressource Zeit. (Für die, die Zeit haben, ist die knappste Ressource dafür Geld. Und es gibt dann noch unglücklichere Wesen, die weder Zeit noch Geld haben...) Und es scheint ja doch so, daß Spieler zu sein beliebter ist, als Spielleiter zu sein. D.h., für diejenigen, die Geld haben (aber keine Zeit), ist ein "anmietbarer" Spielleiter bestimmt keine absurde Idee.
Dasselbe trifft auf das "Coaching" zu: Es dauert, alle Ideen selbst aus seinem Hirn oder der eigenen Bücherwand zu pressen. Zwei Gehirne sind an der Stelle gern schon mal effektiver als eins, und wenn eins davon sich "hauptamtlich" mit der Materie auskennt, kann das zweite viel Zeit sparen. Gegen Geld, eben, aber Geld kann u.U. durchaus genug für das Hobby zur Verfügung stehen.

Was Charakterbögen usw. angeht, sollte es kein großes Problem sein, schnell während der "Heimarbeitszeit" selbst welche zu entwerfen - ich glaube, das kann einem nicht verboten werden, oder?

(Ach, es ist ein Jammer, daß ich so ein Feigling bin... sonst würde ich es glatt mal ausprobieren wollen, Spielleiten zum Beruf zu machen... :-o )

Offline Morvar

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #22 am: 11.10.2010 | 10:19 »
@Merlin

Mach doch einfach ein Nebengewerbe auf...Ich habe das im Moment auch. Hauptamtlich beim ABW Bethel für suchtkranke und psychisch kranke Menschen und als Honorartätigkeit alles was in den Bereich Bildung und Coaching geht. Funzt super. Habe 2-3 mal die Woche abends zusätzlich Arbeit und so wenigstens das Geld unsere Kosten zu decken....*seufz*..eigentlich müsste das mit einem Job gehen...


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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #23 am: 13.10.2010 | 12:42 »
Mmmh. Gibt es hier tatsächlich welche, die 42 hrs Stunden die Woche Vorbereiten / Leiten können? Vorbereiten bekäm ich ja noch auf die Reihe, aber mehr als 1, max. 2 Sessions (die dann aber bitte nicht länger als 6 hrs) traue ich mir z.B. nicht zu, in gebotener Qualität darzubieten. Nach einer richtig guten Session bin ich den Folgetag vollkommen erschöpft, meine Spieler i.d.R. auf (sind dann aber auch zumeist 14+ hrs).

Als "Vollzeitjob" würde mir Leiten zudem nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr machen.

(Außerdem: Wieso wird hier nur von SL-Coaching gesprochen? Viele Spieler hättens nötiger.)
I'm not nice. I'm on medication.

Butt-Kicker 75% / Tactician 75% / Method Actor 67% / Specialist 67% / Power Gamer 67% / Storyteller 58% / Casual 0% (Schubladen)

Zitat von: korknadel
Rollenspiele sollen bei Dir im besten Fall eine gewisse Schwermut, Resignation und Melancholie hervorrufen.

Zitat von: Dolge
Auf Diskussionen, was im Rollenspiel realistisch ist und was nicht, sollte man sich nie unter gar keinen Umständen absolut gar überhaupt vollständig nicht einlassen.

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Re: SL-Coaching und SL-Gehalt
« Antwort #24 am: 13.10.2010 | 12:49 »
Mich würde es sehr schnell ausbrennen, wenn die Runden wirklich alle so frei sind, wie ich es mir wünsche...
Aber man macht als SL eh immer Fehler. Ich freue mich schon darauf irgendwann mal wieder eine Kampsgne leiten zu können und dann keine Fehler mehr zu machen. ;)

Auf jeden Fall würde es mich noch mehr ärgern, wenn mich jemand bezahlt und ich nachher feststelle, dass ich jemandem sein Spotlight kaputt gemacht habe.

Andererseits kann es interessant sein, bestimmte Kampagnen anzubieten, also quasi ein Setting einen PLot/Handlungsmaschuine zu beherrschen und die immer anders auszuspielen. Da kann es sein, dass es spannend bleibt und wenig Vorbereitung bedarf, wenn man sie erstmal kann.