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[Burning Empires] Werkschau
oliof:
@Thomas Wanderer: Ich hab dich nicht vergessen. Die langsame Entwicklung der Charaktere ist kaum ein Instrument, um Einfluss auf das Grosse und Ganze zu nehmen.
Der Abschnitt den ich meine ist "Forces beyond our control" auf Seite 427. Dr geht ca. bis Mitte S.428
Humpty Dumpty:
Hm, danke für die Analyse. Find ich klasse, dass Du Dir die Arbeit machst!
Du fasst da vieles von dem zusammen, was ich auch vage doof fand. Bin bei der Lektüre leider nie sonderlich weit gekommen, weil ich den Stil von Crane ganz grauenhaft finde. Die Comics haben mir gefallen, aber ich konnte mich nie überwinden, mich durch den Ziegelstein von Regelwerk zu wühlen. Habe ansonsten zwei Proberunden von MouseGuard gespielt und da ist der Funke ebenfalls nie übergesprungen, obwohl ich das Setting tierisch cool finde.
Übrigens: meine Tochter ist auch großer Fan von Mouseguard. Und nicht nur sie. Der erste Band der Comics wird im Kindergarten seit Wochen kollektiv mit Begeisterung gelesen und zerfleddert :D Leider bringens die Rollenspiele nicht. Ich finde viele Ideen in Burning Wheel ausgesprochen innovativ. Letztendlich funktioniert das aber wohl leider nicht. Kommt vor.
oliof:
Ganz so absolut würde ich das nicht sehen. Meiner Meinung nach sind die Mechanismen teils schlecht beschrieben, teils scheint mir ein Teil der Agenda zu sein, dass man beim Spielen selbst rausfinden soll was da so läuft und das kann dann entweder frustrierend sein wenn es nicht klickt oder grossartig, wenn es klickt.
Und das färbt meiner Meinung nach auch den Diskurs um die Spiele; weil die Leute die (vorgeben) es (zu) raffen eben das Geheimnis nicht zwingend lüften oder sich in Allgemeinplätzen ergehen, dass das Spiel dann eben nix für dich sei, aber trotzdem die beste Erfindung seit Gary Gygax der erste W20 in die Schüssel fiel[☨].
Der Crane'sche Stil ist auch nicht mein Lieblingsstil, aber immerhin sind seine Spiele mit einer einheitlichen Stimme vorgetragen, was ich vorher in solcher Klarheit nur bei Dogs in the Vineyard erlebt habe.
Vielleicht solltest Du Deiner Tochter mal das MouseGuard Rollenspiel in die Hand drücken und schauen was passiert … wobei ich nicht weiss, wie weit es im Kindergarten mit den Englischkenntnissen ist.
[☨] Viel schlimmer als bei den Crane Games ist das zum Beispiel bei Sorcerer et.al., aber das nur am Rande.
Humpty Dumpty:
--- Zitat von: oliof am 20.03.2011 | 11:18 ---Und das färbt meiner Meinung nach auch den Diskurs um die Spiele; weil die Leute die (vorgeben) es (zu) raffen eben das Geheimnis nicht zwingend lüften oder sich in Allgemeinplätzen ergehen, dass das Spiel dann eben nix für dich sei, aber trotzdem die beste Erfindung seit Gary Gygax der erste W20 in die Schüssel fiel[☨].
--- Ende Zitat ---
Ja, das ist nach meiner Ansicht ein ziemlich generelles Problem vieler Leute aus dem Dunstkreis oder unter dem Einfluss der Forge: der Unwille oder die Unfähigkeit zum klaren Ausdruck. Gibts in Deutschland auch. Vermi ist eine große Ausnahme, aber viele der selbsternannten, hiesigen Rollenspieltheoretiker verstehe ich oftmals nicht - selbst bei Themen, die ich detailliert druchdrungen zu haben glaube. Ich finde das komisch, ein bisschen unsympathisch und auch ein Stück verdächtig aus zwei Gründen:
Erstens entsteht bei mir der Eindruck, es würden absichtlich Hürden aufgebaut, um den Zutritt zu einem Clübchen der Wissenden zu erschweren. Das kollidiert ein bisschen mit meinen Vorstellungen, aber auch mit dem selbstformulierten Anspruch der Forge, systematiserte Erkenntnisse um Rollenspiele an die Spieltische zu tragen.
Zweitens, und da sind wir dann wieder relativ nah an Burning Empires, erscheint es mir so, als ob mich Luke Crane zu einem ganz bestimmten Spielgefühl zwingen will und mir aufnötigt, mich seinen Vorstellungen zunächst einmal zu unterwerfen und erst im Nachgang die Erfahrung kritisch abzuwägen. Da wird mehr Selbstbestimmung entzogen, als mir lieb ist. Das ist übrigens einer der Punkte der Forgekritik, die ich nachvollziehen kann, denn dahinter mag auch ein ausgeprägtes Macht- und Dominanzmotiv stecken, dessen Ausleben in dieser Form ich bei Rollenspiel ausgesprochen bedenklich finde.
Der Wray:
In allen Medien gibt es anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle Werke. Warum sollte das bei Rollenspielen anders sein? Ein gewisser Elitarismus scheint nicht unangebracht. Und wie bei jeder Kunst scheiden sich bei der Beurteilung die Geister. Mir persönlich liegen Künstler mit starker "Attitude", ich fühle mich auch nicht gleich in meiner Ehre gekränkt, wenn ich ein Buch lese, in dem mir der Künstler sein Werk erklärt.
Manche Menschen können über gewisse Themen auf sehr hohem Niveau diskutieren, und nur weil man dann als ungeschulter nichts versteht, heisst das nicht, dass hier absichtlich irgendwelche Hürden aufgebaut werden. Manchmal ist man viellecht tatsächlich nicht schlau, geschult oder aufnahmefähig genug. Ich zumindest bin stets willens, neues zu lernen und meinen Horizont zu erweitern, und will nicht jedem in den Hintern treten, weil er vorgibt, etwas besser zu wissen als ich. Vielleicht hat er nämlich recht und wenn ich mich darauf einlasse, gehe ich am Ende als Gewinner aus der Sache raus. Nur mal so als Anregung. Spielt die Spiele einfach mal, genau so wie sie angedacht sind. Vielleicht werdet ihr verblüfft sein. Und wenn nicht, gibt's immer noch ebay..
Cheers,
Wray
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