Pen & Paper - Spielsysteme > World of Darkness
[VtM] Euer Spielverständnis?
Scimi:
Es gibt überall solche und solche. Aber verschiedene Themen ziehen natürlich auch verschiedene Leute an und Vampire von seiner Ausrichtung und seiner Optik her hatte immer eine gewisse Anhängerschaft von Leuten aus der Gothic-Ecke, denen es nie im Leben einfallen würde, als Zwerg durch Mittelerde zu ziehen. Gerade aus der Goth-Ecke sind mir aber schon viele Leute über den Weg gelaufen, die es sehr darauf anlegten, anders, besonders und irgendwie krass zu sein, die es darauf anlegten, dass Leute sie seltsam, verrückt oder unmöglich fanden.
V:tM hat das damals ziemlich unterstützt: Ein Spiel für Erwachsene, wo man die Monster darstellt, die in der Nahrungskette über den dummen normalen Menschen stehen. Und dann heißt es erst, dass der Sabbat so böse ist, dass man ihn nicht spielen kann, und dann kommt das Buch mit Alterswarnung raus und zwar unter dem "bösen" Black Dog-Label, wo White Wolf die Bücher rausbringt, die für noch erwachsenere Spieler gedacht sind.
Wow, klar spiele ich einen von denen und ergehe mich in Folter und Blutgier, denn dann bin ich unter den Krassen einer der Allerkrassesten. Dazu noch die Eigenheit des Systems, im Prinzip ein Superheldenrollenspiel zu sein, wo mit jedem Buch neue Kräfte eingeführt werden, die meist irgendwie besser oder interessanter waren als die aus dem Grundbuch, die ja jeder haben konnte...
Auf meiner ersten Rollenspielcon hatte ich den Eindruck, dass Vampire etwas für Bekloppte ist, die sich da in irgendetwas hineinsteigern. Andererseits hatte ich auch den Eindruck, dass AD&D ein Spielplatz für extreme Regelfetischisten ist und dass die Leute, die Shadowrun gespielt haben, das Schlimmste beider Gruppen in sich vereinten.
Man muss sich allerdings auch vor Augen halten, dass Rollenspiel damals (Mitte der 90er) auch über die Grenzen der heutigen Stammklientel verbreitet war und viele Gruppen aus Leuten bestanden, die mit World of Warcraft wahrscheinlich deutlich mehr Spaß gehabt hätten.
Heute weiß ich, dass es viele Rollenspieler gibt, mit denen ich auf Dauer nicht klarkommen würde und genug, mit denen ich klarkomme, ganz egal, welcher Hintergrund und welches System gespielt werden. Das sind die, mit denen ich spiele.
--- Zitat von: Teylen am 1.08.2011 | 00:34 ---Nimmt man Blade wird das ganze nicht unblutiger.
--- Ende Zitat ---
Ulkigerweise würde ich sagen, dass Blade von den aufgezählten Beispielen noch am ehesten eine klassische Intrige enthält - zwar nur als böser Plan der Antagonisten und Blade löst das auch einfach mit "dann bringe ich eben alle um, wie ich es sowieso vorhatte", aber immerhin...
Ich würde noch "Underworld", "Lost Boys", "Cirque du Freak", "30 Days of Night" und "Der kleine Vampir" anführen und dir hinsichtlich der Intrigenarmut Recht geben.
Gut, dass es da "Kindred: The Embraced" (dt. "Clan der Vampire") gab, die Serie reißt es mit den Intrigen wieder raus... ;D
Bad Horse:
Ich habe so den Eindruck, dass VtM in der ersten Edition ein Spiel sein sollte, bei dem es sich darum dreht, ein Monster unter anderen Monstern zu sein - und doch noch einen menschlichen Kern zu haben, wie die anderen Monster (vielleicht) auch.
Und darum sollte man eben ringen: Was macht mich zum Menschen? Wie weit kann ich, wie weit muss ich gehen, um zu überleben, und kann ich trotzdem noch ich selbst bleiben? Kann ich noch in den Spiegel sehen, wenn ich in einer Gesellschaft von Monstern leben und überleben will?
Das ist nun ein schönes Thema für ein Indie-Rollenspiel, wo man einen oder zwei Abende lang genau diese Thematik beharkt und sich mit den Tiefen der menschlichen Psyche auseinandersetzt.
Aber nicht mit den Regeln, die WW dafür herausgebracht hat. Die legten nämlich zwei Spielstile viel näher: a) krasse Moscher und b) Emo-Intriganten. Außerdem gab es dann noch die Superhelden-mit-Fangzähnen-Spieler.
Wenn dir der Gewaltlevel in einer Vampire-Kampagne nicht passt, Tanja, dann solltest du das von Anfang an absprechen. Vampire sind als Thema nun mal nicht unbedingt allzu... blutarm. Gerade nicht in einer Sabbat-Kampagne. Da erscheint es mir nicht ungewöhnlich, dass ein Mitspieler von exzessiver Gewalt ausgeht. Wenn du nicht so viel oder nicht so graphische Gewalt haben willst, dann sag das Mitspielern und SL gleich, damit ihr das absprechen könnt - und du auch weißt, ob du dich überhaupt auf die Runde einlassen willst oder lieber doch nicht.
Törtchenwampe:
Mir ist es, als ich noch VtM gespielt habe, eher schwer gefallen einen wirklich vampirischen/„bösen“ Charakter zu spielen. Bei mir wird das Gefühl von Horror und Spannung (etwas, dass ich in VtM regelmäßig vermisst habe, aber schon gern gehabt hätte) vor allem dadurch erzeugt, dass man einen Charakter spielt, der immer noch bestimmte Hoffnungen, Wünsche und ... Ängste hat, ein Charakter eben, der wenigstens mit einem Minimum an Tiefe ausgestattet ist und sich in einem Setting befindet, das wenigstens ein Quäntchen Mystik aufweist. Daher waren die Präludien für mich immer das aufregendste am ganzen Vampire-RPG. ^^ Wenn der Chara dann einmal (un)tot ist, flacht sich das Horror-Erlebnis schnell aus, finde ich.
Clawdeen:
Teylen, mir ging es bei den Medien nicht allein um das Intrigante. Ich schrieb ja:
--- Zitat ---Und wenn ich mir mal Horrorfilme anschaue, in denen Vampire vorkommen … dann kenne ich nicht einen einzigen, der derart stillos und billig durch die Gegend mosht. Vampire und Splatter schließen sich fast gegenseitig aus irgendwie, da stehen Tragik und Dramen zumeist im Vordergrund – wohlgemerkt schreibe ich hier von den Filmen, in denen Vampire Protagonisten sind, nicht die Antagonisten.
--- Ende Zitat ---
Und wenn Interview mit einem Vampir nicht dramatisch und tragisch ist, dann weiß ich nicht? Natürlich gibt es da auch eine Form der Brutalität/Monstrosität, aber das hat eine andere Ebene, finde ich, und ist keineswegs stillos und billig.
Mir geht es da quasi um diese Action-Geschichten, bei denen man "mal eben so", also grund- und motivationslos ein Dorf auslöscht oder solche Spielchen bringt, wie sie im Sabbat-Handbuch beschrieben werden (aus Spaß an der Freude ein Haus verrammeln und anzünden, wenn noch die Bewohner drin sind, durch die Gegend fahren und einfach mal rumballern und schauen, wie viele Menschen man trifft oder wie viele wieder aufstehen, wie viele Vampire man also erwischt hat etc.).
Wenn jemand eine bestimmte Motivation hat (alle des Clans Y vernichten, alle die vernichten, die XYZ gemacht haben), die irgendwie noch persönlich ist, mag das sinnvoll einzubringen sein ... einmalig oder schrittweise, hin und wieder.
Aber einfach nur sinnlos töten, weil man es kann?
Das mit den Protagonisten/Antagonisten hatte ich gerade in Bezug auf "Blade" und "From Dusk till Dawn" geschrieben. Klar, als Antagonisten machen solche sinnlos agierenden Moshmaschinen was her irgendwie, gerade in Actionfilmen. Aber selbst "Underworld" bietet neben Action noch einen Mehrwert in Bezug auf Motivationen.
"Wir sind die Nacht" habe ich noch gar nicht gesehen (leider), die Twilight-Filme sind abseits von Geglitzer und Hab-dich-so-lieb eigentlich gar nicht sooo mies, finde ich (zumindest ein paar coole Szenen gibt es da durchaus!). "Nochnoi Dozor" hat auch mehr Handlung als nur dummes Rumgekille, wenn ich den mal dazu zähle (sozusagen als X-Over), Bram Stoker's "Dracula" lebt eher von den dramatischen Elementen als von blutrünstigen. Ansonsten dachte ich auch an ältere Filme wie "Near Dark" oder "Fright Night - Die rabenschwarze Nacht" ... die "Embraced"-Serie lassen wir vielleicht insgesamt besser aus *g*. Dann noch eher "Moonlight".
Naja, "Der kleine Vampir" würde ich zu großen Teilen dann auch eher aus der Diskussion raus lassen. ;)
Comics sind nicht so meins und Vampirbücher hab ich auch kaum gelesen. Aber das Musical "Tanz der Vampire" habe ich gesehen - und auch, wenn auch das Musical als Komödie verkauft wird, sehe ich persönlich das nicht sonderlich als solche, sondern finde das Musical durchaus auch tragisch und stellenweise ziemlich bösartig (in einem "positiven Sinn" gemeint).
Natürlich gibt es in so ziemlich jedem Vampirfilm ein bestimmtes Gewaltlevel, mal mehr, mal weniger, aber die Frage ist eher, ob sich dies durch die Entwicklung der Handlung oder eben Grundmotivationen der Protagonisten (Vampire) erklärt und in welcher Form.
Ich sehe das durchaus auch so - ohne die erste Edition zu kennen -, dass bei Vampire vieles dadurch ausgemacht wird (oder ausgemacht werden sollte), dass man eben einmal Mensch war und nun nicht mehr ist, dass es da innere Konflikte gibt, genauso wie es äußere gibt. Dass man da mal "durchdreht", keine Frage, dass man sich im Verlauf einer beispielsweise x Jahre andauernden Kampagne je nach deren Verlauf auch in etwas primär Monströses verwandeln kann, auch keine Frage.
Aber wieso ist der Standard-Vampire-Spieler offenbar nicht in der Lage, auch den Konflikt, Emotionen, eine Wandlung an sich (denn eine solche hat ja immer einen Ausgangspunkt irgendwo) zu thematisieren, sondern setzt den Fokus auf exzessive Gewalt, die dann irgendwie "cool" ist, auch abseits einen pubertären Alters?
Ich denke einfach nicht, dass Rollenspiel das Nonplusultra für imaginäre Grenzerfahrungen ist und ich denke auch nicht, dass es das sein sollte. Da kenne ich superviele Leute, die diese Meinung teilen ... komischerweise spielen die alle nicht Vampire und die, die es spielen, haben wenig Sinn für diese Aussage.
--- Zitat von: Bad Horse am 1.08.2011 | 01:07 ---Wenn dir der Gewaltlevel in einer Vampire-Kampagne nicht passt, Tanja, dann solltest du das von Anfang an absprechen. Vampire sind als Thema nun mal nicht unbedingt allzu... blutarm. Gerade nicht in einer Sabbat-Kampagne. Da erscheint es mir nicht ungewöhnlich, dass ein Mitspieler von exzessiver Gewalt ausgeht. Wenn du nicht so viel oder nicht so graphische Gewalt haben willst, dann sag das Mitspielern und SL gleich, damit ihr das absprechen könnt - und du auch weißt, ob du dich überhaupt auf die Runde einlassen willst oder lieber doch nicht.
--- Ende Zitat ---
Hm, nein, mir geht es nicht um das Gewalt- oder Blutlevel an sich. Würde uns plotbedingt jemand übelst den Hintern aufreißen, uns vernichten wollen oder sonstwie ernsthaft bedrohen beispielsweise, meinem Charakter wegnehmen, woran er - wie auch immer, warum auch immer - sehr hängt oder irgendwie sonst eine Motivation bestehen, strecke ich da auch nicht mehr die Hand aus und führe inplay problemorientierte Gespräche oder so. Irgendwann ist mal Schluss mit lustig.
Aber einfach motivationslos daher zu existieren und eine Gruppe Menschen mal eben so dahin zu fetzen, die nichts weiter tun, als da zu leben, oder beim Anblick eines anderen Vampirs direkt in das Entzücken zu verfallen, dessen Blut zwecks Disziplinen trinken oder ihn am besten gleich irgendwie diablerieren zu können, entbehrt für mich schlichtweg jeden Stils. Ich finde das primitiv ... ist das tatsächlich eine Einzelmeinung?
--- Zitat von: Azuho am 1.08.2011 | 04:24 ---Bei mir wird das Gefühl von Horror und Spannung (etwas, dass ich in VtM regelmäßig vermisst habe, aber schon gern gehabt hätte) vor allem dadurch erzeugt, dass man einen Charakter spielt, der immer noch bestimmte Hoffnungen, Wünsche und ... Ängste hat, ein Charakter eben, der wenigstens mit einem Minimum an Tiefe ausgestattet ist und sich in einem Setting befindet, das wenigstens ein Quäntchen Mystik aufweist.
--- Ende Zitat ---
Ich glaube, das ist auch für mich ein wichtiger Punkt. Wenn ich keine Tiefe in die Charaktere bekomme, indem ich selbst welche hinein setze, indem andere dies ebenfalls tun und indem die SL das vielleicht noch forciert, verkommt das alles doch irgendwie zu einem B-Movie, oder?
Über den Rest muss ich auch noch mal nachdenken, gerade über deinen Beitrag, Scimi.
Teylen:
Kurzer Einwurf, da ich's noch vor'm längerem Beitrag los werden will.
Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich finde den Tonfall gegenüber denen, die nun nicht einen bestimmten Spielstil pflegen, beziehungsweise bestimmte Elemente in ihrem haben, schon ziemlich aggressiv beziehungsweise herablassend.
Woher kommt das? Ist das Absicht? Muss das sein? Was soll es erreichen?
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