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[VtM] Euer Spielverständnis?

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Koenn:

--- Zitat von: TanjaT am  1.08.2011 | 18:40 ---Du hälst es also auch für unabdingbar, bei Vampire im Vorfeld oder möglichst frühzeitig sehr klare Definitionen, Grenzen etc. festzulegen und als "Rundengebote" (oder meinetwegen Hausregeln  ;)) festzunageln?

Und findest du, dass V:tM das nötiger hat als andere Systeme?
--- Ende Zitat ---

Zur ersten Frage: Ich selbst mag es als Spieler so, dass ich zwar meinen SL frage, was passt in deine Runde, was nicht, was darf ich, was nicht. Da ich Nachkorrekturen ungemein lästig finde, weil sie das Charakterkonzept verschieben können, kläre ich das am Anfang ab und habe dann innerhalb der Restriktionen meine Freiheiten, mit denen ich mir dann meinen Char baue. Darauf aufbauend verfahre ich als SL so mit meinen Spielern, damit sie ihre notwendige Freiheiten haben, den Charakter nach ihrem Wunsch zu bauen, ohne dass ich ständig Kommentare abgeben muss. Klare Definitionen, Grenzen, Hausregeln finde ich durchaus wichtig, damit Dinge nicht ausufern - aber die Freiheit innerhalb dieser Grenzen alles zu dürfen ist genauso wichtig. Ohne diese Grenzen plöppen dann wieder diese lästigen Charakteren auf, die sich über extremes hi-lowing definieren.

Deine zweite Frage, ja, Vampire hat es spontan gesagt nötiger als andere Systeme (ich nehm jetzt nur die großen und bekannten Systeme als Vergleich). Mir ist kein anderes System bekannt, das einen derart starken Fokus auf die inneren Werte eines Charakters legen. Bei Vampire gibt es Wesen, Verhalten, Tugenden, Menschlichkeit oder einen Weg, mit einem dazugehörigen Wert, Willenskraft, Geistesstörungen, Vor- und Nachteile (und damit ist der Charakter immernoch nicht definiert). Gerade jüngere oder unerfahrene Spieler haben damit ihre Mühen. Auf Cons fiel mir immer wieder auf, dass gerade die Zeilen für Wesen und Verhalten leer sind, beim Wegwert irgendwas niedriges stand, damit der Char ja auch alles grausame ohne Konsequenzen tun darf und dass Vor- und Nachteile sehr ungeschickt oder nach Schema F gewählt werden (Zeugungsunfähig ... narf!). Im Grunde war die Idee für dieses Rollenspiel toll, allerdings setzt sie ein gutes Maß an menschlicher Reife der Spieler (und Leiter) voraus.

Ich habe jetzt nur Beispiele genannt für Hausregeln, es gibt da noch ein paar mehr bei mir (z. B. Diablerieregeln, die auch deutlich Nachteile mit sich bringen können in Form von Geistesstörungen, permanente Streifen in der Aura oder sogar Veränderung einiger Gesichtszüge). Nach so vielen Jahren Vampire kennt man die Punkte des Spiels, an denen sich die Geister scheiden. Zu heftige Disziplinen bekommen Abschwächungen, zu einfache Nachteile geben weniger Punkte.

Ein Tipp, falls du Leute für Vampire suchst: wenn du die Möglichkeit hast, nimm nicht jeden Spieler ins Boot. Lieber nur 2 Spieler und 1 SL, die alle drei dasselbe Verständnis für das Spiel haben, als 4 Spieler und 2 davon, die nur Egotrips und Moschen suchen. Für meine aktuellen Runden habe ich zum Teil über ein Jahr nach den richtigen Leuten gesucht.

El God:

--- Zitat von: Samael am  1.08.2011 | 19:48 ---Naja.

Das klingt eher nach: Vampire spielen verursacht Hirnschäden.

--- Ende Zitat ---

Und das spricht jetzt eher für VtM?  ;D

Samael:

--- Zitat von: Dolge am  1.08.2011 | 20:04 ---Und das spricht jetzt eher für VtM?  ;D

--- Ende Zitat ---

Ne, aber gegen Ron Edwards.

Seth:

--- Zitat von: youth nabbed as sniper am  1.08.2011 | 18:11 ---Da haben wir wohl beide ähnliche Forumserfahrungen gemacht, wenn auch von unterschiedlichen Seiten. Sorry, ich wollte dir kein blindwütiges Fanboytum unterstellen, aber das habe ich leider sehr ungeschickt formuliert.

--- Ende Zitat ---

Siehst du - und da sind wir beide am gleichen Punkt: völlig unnötige und willkürliche Zuordnung des Anderen in ein Lager, dass wir aufgrund unserer Forenerfahrung erfunden haben ;)

Ich würde mich eher als "kritischen (immernoch) Spieler" des Systems betrachten, da mir die meisten Schwächen durchaus bewusst sind, sie in meiner Erfahrung aber nicht ausreichen um das Spiel als Solches zu disqualifizieren. Was wieder von anderen sicher als Anachronismus ausgelegt wird - wayne.


--- Zitat ---Trotzdem freut es mich für dich, wenn du selten Leuten begegnet bist, die V:tM als ein besonders tolles Rollenspiel ansehen, oder selten mit Spielleitern gespielt hast, die das Spiel nur als Ventil für ihre schriftstellerischen Leidenschaften und Bühne für ihre NSCs angesehen haben, und deine Vampires-Actionszenen (und Kämpfe) eher selten zu spielzeitfressenden Würfelorgien wurden. Aber meine subjektive Erfahrungswelt ist eine andere, und lustigerweise ähnelt meine subjektive Erfahrung zu weiten Teilen der anderer V:tM-Spieler.

--- Ende Zitat ---

Da gehen wir von unterschiedlichen Ursachen aus. Du suchst die Schuld beim System, ich bei den Spielern - wenn man überhaupt eine direkte "Schuld" zuordnen kann.


--- Zitat ---Ob dus glaubst oder nicht, aber ich meine, dass meine Ansicht kein Forenkonsens ist, und das sie selbst im Tanelorn eine eher randständige Position ist. Ich glaube sogar, die meisten Leute hier mögen V:tM.

--- Ende Zitat ---

Kann selektive Wahrnehmung meinerseits sein, aber ich hatte in den letzten Monaten / im letzten Jahr beim Lesen zahlreicher Beiträge bezüglich des Themas immer wieder das Gefühl, dass sich der Glaube an "wir haben ja bereits bewiesen, dass Vampire objektiv schlecht ist" (ohne dir das jetzt nochmal unterstellen zu wollen) sehr viel weiter verbreitet und durchgesetzt hat, als "die Gegenseite" im Stande wäre, zu kontern. Deshalb sprach ich von Forenkonsens aber da sind wir beide dem gleichen Teufel "Voreingenommenheit" und "Beißreflex" erlegen.


--- Zitat ---Interessanter Punkt. Schiebst du das alles auf persönliches Pech, oder könnte nicht vielleicht doch etwas an diesem System liegen?

--- Ende Zitat ---

Wenn ich sage "die Meisten", dann sehe ich das relativ und es bezieht sich generell auf frühere Runden vor ein paar Jahren. In den letzten Jahren hatte ich keine einzige schlechte Vampirerunde, weder als Spieler, noch als Spielleiter (und es wurde viel Vampire gespielt, auch in verschiedenen Runden, mit Freunden und mit Fremden). Aber ich kann die Kritik an den Spielern und Runden verstehen, da ich so gut wie jede Negativerfahrung so oder so ähnlich selbst erlebt habe, auch in der Frequenz.

Deswegen bestreite ich ja gar nicht, dass das System eine Mitschuld trägt, oder dass es vor Allem in der Vergangenheit gewisse Spielertypen angezogen hat, ich habe mich - wie gesagt - eher gegen den Pauschalvorwurf gewandt, der mich, als Spieler des Systems, als gehirnamptutierten Konservativen tituliert, der nur noch nicht begreifen will, dass der Gong geschlagen hat.


--- Zitat ---Und an der Stelle sehe ich eben bei Vampires ein viel ausgeprägteres Defensivverhalten der Spieler gegen Kritik, als in anderen Rollenspielen. Ich wette, mit einem Earthdawn oder d20 Spieler, selbst einem W:tA-Spieler, komm ich leichter auf einen Nenner was Kritik an seinem Lieblingssystem angeht, als mit einem Vampire-Spieler. Subjektive Erfahrung? Ja, ohne Zweifel. Aber die Wagenburgmentalität ist nunmal bei einigen Spielen ausgeprägter als bei anderen (und Teylen hat da, was SW angeht, nach meinem Eindruck sogar teilweise recht, da gibts auch manchmal zu schnell Stress, aber das ist eine andere Baustelle).

--- Ende Zitat ---

Joa macht Sinn, meiner Meinung nach. Das Thema wird und wurde mit so harten Bandagen (Allgemeingültigkeit) "diskutiert", dass der Beißreflex fast schon naturgegen höher ist. So wie bei jedem Hype.

Oberkampf:

--- Zitat von: Sol Invictus am  1.08.2011 | 22:01 ---Deswegen bestreite ich ja gar nicht, dass das System eine Mitschuld trägt, oder dass es vor Allem in der Vergangenheit gewisse Spielertypen angezogen hat, ich habe mich - wie gesagt - eher gegen den Pauschalvorwurf gewandt, der mich, als Spieler des Systems, als gehirnamptutierten Konservativen tituliert, der nur noch nicht begreifen will, dass der Gong geschlagen hat.

--- Ende Zitat ---

Ich glaube, in den meisten Sachen kann ich dir zustimmen, und vielleicht hast du sogar recht, dass ich ein wenig zu viel Eifer darin zeige, schnell und z.T. zu Unrecht V:tM als System die ganze Verantwortung für verhunzte Spielrunden anzulasten. Mit dem Konservatismus möchte ich aber noch schnell eine Sache erklären: Systemkonservatismus ist für mich nicht prinzipiell doof oder gehirnamputiert, sondern unter vielen Gesichtspunkten verständlich. Wenn man ein System so halbwegs durchdrungen und vielleicht auf seine Spielbedürfnisse angepasst hat, und keinen Spaß daran findet (oder die Zeit fehlt), neue Regeln auszuprobieren und auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen, dann ist konservatives Spielverhalten völlig vernünftig.

Nochwas zum Thema Gewaltdarstellung in V:tM: Ich halte den Sabbat für eine äußerst unappetitliche Gruppierung, die so ziemlich der letzte Verein ist, in den ich eintreten wollte. Wenn man Sabbat fluffkonform spielt, würde ich wahrscheinlich wenig Spaß dran haben, und wir haben Sabbat damals eher als "etwas bösere Camarilla" gespielt. Montreal by night empfand ich auch als ziemlich abstoßend, aber ich spiel ja sowieso lieber Paladine als Serienmörder. Kein anderes System aus der oWoD hebt meiner Meinung nach so auf das "böses Monster spielen" ab wie V:tM, und da sind Sabbatchroniken nochmal besonders "böse" (und Tzimisce nochmal eine Portion Extraböse). Zwar finde ich es generell wichtig, dass man bei jedem längerfristigen Rollenspiel seine persönlichen Tabus in der Gruppe abklärt, aber bei V:tM (oder anderen Monster-Horror-Spielen) halte ich das nochmal für besonders wichtig.

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