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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation

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Feuersänger:
Wenn du dir das obige Beispiel nochmal anschaust, wirst du feststellen, dass das imperialistische System letzten Endes so eingerichtet ist, dass der Transport letzten Endes für das Mutterland kostenlos ist, weil die Kolonie ihn bezahlen muss. Die Kolonie bekommt zwar auf dem Papier sagen wir mal 1cr/kg für das Handelsgut, muss aber effektiv das zwanzigfache drauflegen. Sie wird also ausgebeutet nach Strich und Faden. Kaschiert wird das dadurch, dass sie für Importgüter den doppelten Frachttarif aufgeschlagen bekommt.

Zum Thema Überbevölkerung: inzwischen geht man davon aus, dass die Weltbevölkerung nicht ewig weiterwachsen wird, sondern sich langfristig irgendwo zwischen 10 und 15 Milliarden einpegeln wird.
Nahrungsmittel können nicht beliebig teuer werden -- schließlich gehören immer zwei dazu; einer der es verkauft und einer, der den geforderten Preis bezahlen kann. Wer sich nicht genug leisten kann, um zu überleben, verhungert oder probt den Aufstand. Darum können Nahrungsmittel gar nicht so teuer werden, weil schon viel früher eine Bremse reinhaut, so oder so.

Für Luxuswaren ist das Problem im Prinzip das gleiche: der Markt ist zwar vorhanden, aber nicht beliebig groß. Er wird sich an eine Zielgruppe richten, die maximal 1% der Weltbevölkerung ausmacht. Nur dass es da nicht zu Aufständen kommt, wenn der centaurische Wein wieder mal teurer wird.
Immerhin können wir das tatsächliche Marktvolumen ganz gut abschätzen: gesetzt den Fall, 1% von einer Weltbevölkerung von 15 Mrd ist wirtschaftlich in der Lage, Luxusgüter von anderen Sternen zu kaufen. Das sind dann 150 Millionen Menschen. Wenn von diesen jeder im Schnitt 3 Liter centaurischen Wein im Jahr kauft, sind das 450 Mio Liter im Jahr. Wenn jeder Frachter pro Fuhre 1 Million Liter laden kann (ca. 1000 Tonnen), haben wir genügend Handelsvolumen für ca 1,25 Frachter pro Tag. Wenn ein Frachter die Strecke 6mal im Jahr schafft, kann diese Route eine Handesflotte von 75 Frachtraumern unterstützen. Das ist nicht besonders viel.

Eulenspiegel:

--- Zitat von: Feuersänger am 13.04.2013 | 08:20 ---Wenn du dir das obige Beispiel nochmal anschaust, wirst du feststellen, dass das imperialistische System letzten Endes so eingerichtet ist, dass der Transport letzten Endes für das Mutterland kostenlos ist, weil die Kolonie ihn bezahlen muss.
--- Ende Zitat ---
Die Frage ist, womit? Credits alleine sind wertlos und den Computer nicht wert, in dem sie gespeichert sind, wenn das Land nichts Sinnvolles damit anstellen kann.

Das wäre dann so etwas wie Reichsmark zu Zeiten der Inflation.

Wir sind von Agrarplaneten ausgegangen, das heißt Sie können auch keinen Treibstoff herstellen.

Das bedeutet letztendlich, die Kolonie schuldet dir Milliarden von Credits, aber das einzige, was du dir mit den Credits kaufen kannst, sind Nahrungsmittel. Den Treibstoff aber, um die Nahrungsmittel auch importieren zu können, musst du von woanders kaufen.


--- Zitat ---Die Kolonie bekommt zwar auf dem Papier sagen wir mal 1cr/kg für das Handelsgut, muss aber effektiv das zwanzigfache drauflegen. Sie wird also ausgebeutet nach Strich und Faden. Kaschiert wird das dadurch, dass sie für Importgüter den doppelten Frachttarif aufgeschlagen bekommt.
--- Ende Zitat ---
Credits sind nur ein Umrechnungsfaktor.

Letztendlich gilt:
Die Kolonie exportiert x kg Nahrungsmittel und bekommt dafür y kg Industriegüter. Und selbst, wenn du y gegen Null und x gegen unendlich laufen lässt, kommen immernoch die Transportkosten hinzu. Und die erheben unabhängige Raumfahrer, die nicht mit wertlosen Nahrungsmitteln bezahlt werden wollen.

(Umrechnung in Credits bringt hier wenig, da du dir mit den Credits von der Kolonie sowieso nur Nahrungsmittel kaufen kannst - Oder du freust dich, dass die Kolonie dir Milliarden von Credits schuldet, die sie dir nie bezahlen kann.)

Sagen wir, du hast der Kolonie einen Traktor verkauft, der dich selber (incl. Transport) 100 000 cr gekostet hat. Die Kolonie wurde gezwungen, dir den Traktor für 1 Mio cr. abzukaufen. Dann hast du dennoch 100 000 cr Verlust gemacht, weil du deine Credits nie wiedersehen wirst: Die Kolonie hat keine Mio cr. Alles, was die Kolonie hat, sind Nahrungsmittel. Die Kolonie kann dir nun anbieten: Entweder sie schreiben dir einen Schuldschein über 1 Mio credits aus oder sie packen deinen Frachter bis oben voll mit Nahrungsmitteln. Das Angebot bringt dir aber wenig, da die Transportkosten für die Nahrungsmittel teurer sind, als das, was du auf der Erde dafür bekommst. (Und die Kolonie kann dir zwar Nahrungsmittel und Schuldscheine anbieten. Aber irgendetwas, womit sich die Raumfahrer und der Treibstoff bezahlen lassen, haben sie nicht.)


--- Zitat ---Zum Thema Überbevölkerung: inzwischen geht man davon aus, dass die Weltbevölkerung nicht ewig weiterwachsen wird, sondern sich langfristig irgendwo zwischen 10 und 15 Milliarden einpegeln wird.
--- Ende Zitat ---
Es wird sich bei 15 Milliarden einpendeln, weil dann nicht mehr genügend Lebensmittel zur Verfügung stehen und die Mehrbevölkerung dann verhungern wird.

Das Nahrungsangebot ist der einzige Faktor, der eine Vermehrung verhindert. (Bzw. hier in Europa haben wir auch zusätzlich noch die Lust der meisten Menschen, Kinder zu kriegen. Aber in Amerika, Asien und Afrika sieht es anders aus. Hier wird der Bevölkerungswachstum nur durch die Nahrungsversorgung aufgehalten.)

Feuersänger:
Einmal: Credits sind genauso nur ein Umrechnungsfaktor wie Dollar, Euro oder jede andere Fiatwährung.
Problematisch sind Fiatgelder in STL-Settings, wo zwischen den einzelnen Stationen oft jahrelange Etappen liegen, und während dieser Zeit das Geld im Schiffstresor der Inflation unterworfen ist, ohne Zinsen zu bringen. Da sollte man am besten überhaupt kein Geld zurückbehalten, sondern immer sein ganzes Vermögen in Handelsware investieren.

Zweitens; Treibstoff ist pillepalle, da nimmt man für gewöhnlich Wasser, das gibt es überall und es muss auch nichts groß "hergestellt" werden. Jedenfalls in einem Setting, das nukleare Antriebe erlaubt.


--- Zitat ---Sagen wir, du hast der Kolonie einen Traktor verkauft, der dich selber (incl. Transport) 100 000 cr gekostet hat. Die Kolonie wurde gezwungen, dir den Traktor für 1 Mio cr. abzukaufen. Dann hast du dennoch 100 000 cr Verlust gemacht, weil du deine Credits nie wiedersehen wirst: Die Kolonie hat keine Mio cr. Alles, was die Kolonie hat, sind Nahrungsmittel. Die Kolonie kann dir nun anbieten: Entweder sie schreiben dir einen Schuldschein über 1 Mio credits aus oder sie packen deinen Frachter bis oben voll mit Nahrungsmitteln. Das Angebot bringt dir aber wenig, da die Transportkosten für die Nahrungsmittel teurer sind, als das, was du auf der Erde dafür bekommst.
--- Ende Zitat ---

Das siehst du falsch. Wahr ist, die Kolonie hat keine Mio Credits, sondern tauscht den Traktor gegen z.B. Getreide. Aber das Getreide verschwindet ja dann nicht im Nirwana. Das bringst du zurück zu Erde und verkaufst es da zu marktüblichen Preisen. Und damit _realisierst_ du den Gewinn, den du eigentlich schon vorher durch den Verkauf des Traktors gemacht hast.

Also nochmal langsam zum mitschreiben:
Traktor inkl. Transport zur Kolonie, Selbstkosten 100.000cr.
Du tauschst ihn gegen Getreide, sagen wir: 1000 Tonnen, die auf der Erde 1 Million cr wert sind. (1cr/kg)
Lass den Rücktransport des Getreides zur Erde meinetwegen nochmal 100.000cr kosten.
Dort verkaufst du das Getreide für die genannte Million.

Wieviel Gewinn hast du also gemacht?
Einnahmen: 1 Million Credits durch Getreideverkauf
Ausgaben: 1x Traktor, Transportkosten, insg. 200.000cr
Gewinn: 800.000 credits!

Der _komplette Gewinn_ kommt im Endeffekt nur über die Wucherpreise zustande, die du den Kolonisten aufbürdest. Auf dem Papier verlierst du mit dem Rücktransport Geld, aber das hast du dir bereits im voraus von den Kolonisten wiedergeholt. Du _realisierst_ den Gewinn erst daheim auf der Erde, aber gemacht hast du ihn schon vorher.

Das Problem an der Sache ist wie gesagt eher, dass auf die Weise der Hinweg beinahe leer ausfällt, was die Transportkosten pro Kilogramm enorm erhöht. Da kommt man im Prinzip nicht drum herum, wenn man teure Güter gegen sehr billige eintauscht. Und das ist der eigentliche Grund, warum sich Getreideexporte nicht rechnen.

Beispielsweise bei dem Kostenmodell, das ich für Redshift erstellt habe, sähe eine solche Reise mit einer Etappenlänge von jeweils 1AU finanziell so aus (die Herleitung spar ich mir mal; ist etwa an die Betriebskosten heutiger Flugzeuge angelehnt):
von Erde zu Kolonie, Fracht 10 Tonnen; Kosten pro Fahrt 1,2M cr.
von Kolonie zu Erde, Fracht 1000 Tonnen; Kosten pro Fahrt 2,6M cr.
nehmen wir nun noch an, dass die 10 Tonnen Fracht 200.000cr im Einkauf kostet.
Die Kolonisten tauschen diese 10t gegen 1000t ihrer Erzeugnisse, was eine volle Schiffsladung darstellt.

Und hier beisst sich nun die Katze in den Schwanz: die Selbstkosten sind 4 Mio cr. Also 4cr/kg. Wenn der Händler moderate 20% Gewinn anstrebt, muss er also auf der Erde 5cr/kg für seine Ladung erhalten. Das wäre für Fleisch denkbar, aber nicht für Getreide.

Grey (away):

--- Zitat von: Eulenspiegel am 13.04.2013 | 14:18 ---Das Nahrungsangebot ist der einzige Faktor, der eine Vermehrung verhindert. (Bzw. hier in Europa haben wir auch zusätzlich noch die Lust der meisten Menschen, Kinder zu kriegen. Aber in Amerika, Asien und Afrika sieht es anders aus. Hier wird der Bevölkerungswachstum nur durch die Nahrungsversorgung aufgehalten.)

--- Ende Zitat ---
Bleibt die Frage, ob es ewig so bleiben wird. Schließlich waren auch in Europa noch vor 100 Jahren Großfamilien die Norm. Außerdem bin ich nicht sicher, ob die ungebremste Vermehrung nicht auch in Amerika, Afrika und Asien eher ein Phänomen der ländlichen Gebiete ist. Ich erinnere mich da vage an eine Fernsehreportage, derzufolge inzwischen z.B. auch in den afrikanischen Metropolregionen eine städtische Mittelschicht existiert, die Lebensstandard höher bewertet als eine möglichst große Familie.

Sprich, möglicherweise stabilisiert sich bei der Entwicklung hin zu einer globalen Kultur, die zu interstellarer Raumfahrt fähig ist, ganz von allein die Bevölkerungszahl in einem Rahmen deutlich unterhalb des tragbaren Maximums.

Chaos:

--- Zitat von: Feuersänger am  8.04.2013 | 22:03 ---Andererseits kann es ja auch noch weiteren technischen Fortschritt geben, sodass ein neu gebautes Schiff meinetwegen 10% schneller ist als ein 10 Jahre altes -- das hab ich jetzt alles nicht eingerechnet, wär mir jetzt zu kompliziert. ;)
--- Ende Zitat ---

Ein älteres Schiff dürfte ceteris paribus wartungsintensiver sein als ein neueres Schiff. Das ist zwar an sich kein technischer Fortschritt, der die Geschwindigkeit neuerer Schiffe erhöht, dürfte aber mit längeren Wartungsphasen und kürzeren Wartungsintervallen auf Dauer denselben Effekt haben. Außerdem gehe ich davon aus, dass Ersatzteile für ältere Schiffe schwerer zu beschaffen sind, im Extremfall nur noch aus verschrotteten baugleichen Schiffen.

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