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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation
Eulenspiegel:
Man könnte evtl. ein Gesetz erlassen, das es verbietet, Zinsen zu reinvestieren. Das heißt, du darfst die Zinsen nur zum Konsum benutzen.
Wobei sich dann die Frage stellt, was alles als Zinsen und was als "ehrlicher Gewinn" zählt. (Was ist zum Beispiel mit Aktiendividenden: Darf man diese investieren?)
Gasbow:
Vielleicht ist das hier ja was brauchbares.
Auf jeden Fall ist es unterhaltsam :)
http://www.standupeconomist.com/pdf/misc/interstellar.pdf
Paul Krugman empfiehlt Neptune's Brood als Buch welches interstellare Finanzmärkte betrachte, kennt das hier jemand?
Quelle:
http://krugman.blogs.nytimes.com/2013/05/20/the-theory-of-interstellar-finance/
Feuersänger:
--- Zitat von: Gasbow am 23.05.2013 | 10:37 ---http://www.standupeconomist.com/pdf/misc/interstellar.pdf
--- Ende Zitat ---
Das hab ich schon vor geraumer Zeit mal gezogen, aber ich hab's nur überflogen. Witzig fand ich den Satz aus der Einleitung,
"It should be noted that, while the subject of the paper is silly, the analysis actually does make sense. This, then, is a serious analysis of a ridiculous subject, which is of course the opposite of what is usual in economics."
xD
Allerdings geht er natürlich nur von STL aus, mit Reisezeiten von mehreren Jahrzehnten (allgemeiner Rahmen).
Im Endeffekt kommt er auf zwei "Fundamentals" raus:
1. Dividenden und Zinsraten müssen sich nach der Zeit im Allgemeinen Rahmen richten, nicht nach der Bordzeit der relativistischen Raumschiffe. Will heissen, es ist egal ob das Schiff so schnell fliegt dass für die Besatzung nur 1 Jahr vergeht; wenn auf der Erde inzwischen 40 Jahre vergangen sind, muss sich der zu erwirtschaftende Gewinn an diesen 40 Jahren messen lassen.
2. Die Zinsen auf den einzelnen Welten gleichen sich an, wenn es Personen (Menschen/Aliens) gestattet ist, auf jeder dieser Welten Aktivposten zu besitzen.
Eulenspiegel:
--- Zitat von: Feuersänger am 23.05.2013 | 10:56 ---2. Die Zinsen auf den einzelnen Welten gleichen sich an, wenn es Personen (Menschen/Aliens) gestattet ist, auf jeder dieser Welten Aktivposten zu besitzen.
--- Ende Zitat ---
Hmm, das ist nichtmal hier auf der Erde der Fall, wo die Zinsraten zwischen einzelnen Staaten (so sie nicht über eine Gemeinschaftswährung verfügen) stark schwanken.
Feuersänger:
*raise*
Da wir im SF-Währungsthread ein bißchen vom Thema abgekommen sind, verlagere ich den Exkurs mal hier rüber. Ich habe eben beim drüberschauen festgestellt, dass wir die meisten Teilaspekte in der Tat schon in diesem Thread angesprochen haben. Aber jetzt (ca 2,5 Jahre später) sind wir ja vielleicht alle nochmal ein wenig klüger geworden. ;)
Zunächst möchte ich nochmal die Rechnung hochholen, in welchem Zeitraum wieviele Kolonisten umgesiedelt werden können.
Annahme wie gehabt: jede Nation, die eine extrasolare Kolonie aufzieht, investiert in eine gewisse Transportkapazität. Wenn ein Staat es wirklich ernst meint mit der Rolle als Kolonialmacht, sollte eine Anschaffung von 50 Schiffen pro Jahr (mit sagen wir 1000 Plätzen pro Schiff) machbar sein. Ferner nehme ich an, dass jedes Schiff 2 volle Wege (hin und zurück) schafft, und einen Lebenszyklus von 30 Jahren hat. Hinzu kommt noch eine kleinere Menge Lifter für den Betrieb zwischen der jeweiligen Oberfläche und dem Orbit.
Diese Annahmen laufen darauf hinaus, dass - wenn die Anschaffungsrate unverändert bleibt - sich die Flottengröße nach 30 Jahren bei 1500 Schiffen einpegelt. Diese können pro Jahr 3 Millionen Kolonisten umsiedeln. Das sind vier Schiffe pro Tag.
Also in den ersten 30 Jahren (Aufbauphase): ca 45 Millionen
Dann in den nächsten 30 Jahren: 90 Millionen
In insgesamt 100 Jahren: 255 Millionen
-- _wenn_ die Kolonialmacht wirklich die ganze Zeit im gleichen Tempo durchpowert. Und gäbe es z.B. 4 solcher Kolonialmächte dieses Maßstabs, wären nach 100 Jahren schon über eine Milliarde Erdenbüger umgesiedelt.
UND dabei sind 50 Schiffe pro Nation und Jahr jetzt auch nicht so wahnsinnig viel. Zum Vergleich, Boeing und Airbus produzieren zusammen aktuell ca 1400 Verkehrsflugzeuge pro Jahr. Mal grob angenommen, dass ein Auswandererschiff vom Aufwand her etwa 5 durchschnittlichen Jets entspricht, dürfte das immer noch kein Problem darstellen.
Da stellt sich dann halt die Frage: welches Ziel verfolgt die Kolonialmacht, und wer soll überhaupt umgesiedelt werden?
A) die "Hartzer" der eigenen Nation; Menschen für die es auf der Erde einfach keine Arbeit mehr gibt?
B) oder umgekehrt die eigenen Eliten, während der Rest auf der Erde versauern darf?
C) oder womöglich die _komplette_ eigene Bevölkerung? Der letzte macht das Licht aus?
D) oder ganz anders, man wirbt arme Leute aus anderen Teilen der Welt an, um sie nach allen Regeln der kolonialen Kunst auszubeuten?
Denkbar wäre auch eine Kombination von A und D; bzw eigentlich sogar zwingend, denn so viele "Hartzer" werden die meisten Nationen, dass sich dafür die Anschaffung einer riesigen Auswandererflotte rentieren würde. Natürlich kann auch jede Nation ein anderes Ziel verfolgen.
(Ich gehe mal davon aus, dass die Blöcke der heutigen westlichen Nationen weiterhin ungefähr stagnierende Bevölkerung haben, während Indien und China noch eine Weile weiter wachsen ehe auch sie sich einpegeln.)
Was mich beim Durchrechnen selber überrascht hat war, dass sogar für die mittelgroßen Blöcke mit je 150-300 Mio Einwohnern eine eine komplette Umsiedlung der eigenen Bevölkerung im Bereich des Möglichen läge. Würde halt plusminus 100 Jahre dauern. Aber damit hätten diese Nationen immerhin eine Exit-Strategie, falls auf der Erde irgendwas total in die Binsen geht und man hier keine Zukunft mehr sieht.
Die richtig großen Blöcke China und Indien werden sich das nicht leisten können. Hier wäre es vielleicht eher denkbar, dass man sich zunächst eine schicke Kolonie aufbaut, in die sich dann die Eliten absetzen können, während die armen Schlucker daheim einfach sich selbst überlassen werden.
Für den Norden wäre eine Umsiedlung großer Teile seiner Bevölkerung denkbar, da der ganze Block sowieso nur ca 30 Millionen beheimatet. Da braucht man natürlich keine 50 Schiffe Zuwachs im Jahr, sondern wäre schon mit einem Zehntel dieser Flottengröße gut bedient.
Ergo: wenn nicht gerade (C) die gewünschte Option ist (was wie gesagt bedingen würde, dass die Erde total im Arsch ist), wären 50 Schiffe pro Nation und Jahr sogar schon überlaboriert. Die Kisten wollen ja schließlich auch bezahlt werden.
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