Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau
[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation
Feuersänger:
Der Kommunismus hat auf der Erde nicht funktioniert, weil der Mensch dazu zu schlecht ist. So ein System kann nur funktionieren, wenn jeder jeden kennt (und mag) und dadurch eine Hemmung besteht, die anderen zu bescheissen. Insofern, ja, in einer kleinen Gemeinschaft, in der alle an einem Strang ziehen, kann das System funktionieren. Aber bereits eine einzige asoziale Socke kann enormen Schaden anrichten.
Es geht ja außerdem nicht nur um das bloße Vorhandensein der Ressourcen. Diese müssen ja auch erstmal erschlossen und verarbeitet werden.
Die Wirtschaft z.B. in der DDR hat nicht funktioniert, weil mal keine Bleche da waren und mal keine Schrauben. Und warum waren keine Schrauben da? Weil die Arbeiter in der Schraubenfabrik gegen Ende des Fünfjahresplans, wenn sie gemerkt haben dass ihnen noch soundsoviele Tonnen fehlen, immer größere Schrauben hergestellt haben, denn das ging schneller. Und wenn kurz vor Quotenschluss noch eine Tonne gefehlt hat, hat man halt in einen massiven Stahlzylinder ein Gewinde geschnitten und nen Kopf drangeschweisst - war auch ne Schraube.
(Disclaimer: diese Anekdote wurde mir von jemandem erzählt, dessen Onkel in einer DDR-Schraubenfabrik gearbeitet hat. Für die Richtigkeit dieser Anekdote wird keine Haftung übernommen. Ich selbst war zu deren Lebzeiten nie in der DDR.)
Dass diese Monsterschraube zu nichts nutze war und nur Ressourcen vergeudet hat, und dadurch woanders die Produktion stillstehen musste, dürfte den Arbeitern klar gewesen sein. Es war ihnen nur scheissegal, weil sie ja nicht unmittelbar betroffen waren. Später konnte man dann meckern, wenn es keine Radios und keine Fernseher zu kaufen gab.
Merlin Emrys:
--- Zitat von: Feuersänger am 12.08.2011 | 17:44 ---Die Wirtschaft z.B. in der DDR hat nicht funktioniert, weil mal keine Bleche da waren und mal keine Schrauben. Und warum waren keine Schrauben da?
--- Ende Zitat ---
Weil jemand geglaubt hat, Kontrolle wäre gut. Denselben Stuß, den es in der DDR gab, hätte es in jedem beliebigen anderen System auch geben können. Weder schützt irgendein politisches System vor sowas, noch bedingt es es je zwingend.
Nicht jeder muß zudem jeden kennen, aber jeder muß die Regeln kennen und innerhalb bestimmter Parameter auch einhalten. Das klappt im Kapitalismus auch hinten und vorne nicht, sondern jeder weiß, daß es Betrüger gibt und man Vorsicht walten lassen sollte. (Und wir haben ja derzeit eine Demokratie ohne Wahlgesetz - viel mehr kann einer Demokratie wohl kaum fehlen, oder? Und wir leben, bei Licht betrachtet, einfach so weiter.) Das wäre mit einem herangereiften Kommunismus nicht anders - theoretisch total instabil, praktisch ausreichend stabil, um darin zu leben. Wenn dann noch dazukommt, daß der Eindruck von Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit gewahrt bleibt, dürften die Menschen ausreichend an ihrer Arbeit interessiert sein, um sie passabel zu machen.
Demzufolge halte ich es für ausgesprochen nebensächlich, ob die Kolonie ein Königtum, eine Triarchie, eine Plutokratie, eine Demokatie, ein kommunistisches System oder was auch immer ist. Nur eine kontrollwütige Diktatur geht eben nicht auf. Und was die Herrschenden machen müssen, sagen ihnen eh "die Wirtschaftsleute".
Thot:
--- Zitat von: Feuersänger am 12.08.2011 | 17:44 ---Der Kommunismus hat auf der Erde nicht funktioniert, weil der Mensch dazu zu schlecht ist[...]
--- Ende Zitat ---
Nö. Sondern weil es keine Opposition gab, die die notwendige Kritik üben konnte, weil die Fähigkeiten als Manager weniger wichtig waren als die Loyalität zur Partei und weil gravierende Fehler nicht bestraft wurden. Dazu kam, dass der Osten 1945 mit weniger Wohlstand anfing als der Westen, aber die Bürger sich (neben Freiheit eben auch) Wohlstand wünschten. Das verleitete die Führung dazu, zu wenig zu investieren und zu viel zu konsumieren, und das haben sie nicht gemerkt, wegen siehe oben.
Eine demokratische und intelligent organisierte Planwirtschaft, die Fehler bestraft und aufdeckt, hätte genau so gut funktioniert wie jeder gut geführte Mischkonzern. Manche glauben, dass mit Verfügbarkeit leistungsstarker Computer eine Planwirtschaft im Prinzip sogar überlegen ist.
Feuersänger:
Das erinnert mich: was ist eigentlich das Regierungssystem der Menschheit in Star Trek? Von Wahlen ist da nie Rede. Gut, die Wirtschaft ist post-scarcity wegen magischer Replikatoren, und Geld gibt es angeblich (seit TNG) keins mehr. Wichtige Entscheidungen scheinen aber vor allem von Admirälen getätigt zu werden, und in diversen Folgen sieht man auch uniformierte Offiziere auf Richterstühlen sitzen. Eine kommunistische Militärdiktatur?
Tudor the Traveller:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Menschen brauchen einen Anreiz, um Leistung zu bringen. Und sie neigen dazu, für große Leistung auch einen großen Anreiz zu wollen. Das ist mE in einer Planwirtschaft das grundsätzliche Problem. Aber wie man das sieht, hängt auch am eigenen Menschenbild. Meines ist nicht sehr rosig. Da halte ich es mit Thomas Hobbes.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln