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Spieldesign (Weibliche Charaktere, Umgang mit Minderheiten / Rassismus)

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Yerho:
Sind wir uns also einig, dass es daran liegt, wer welche Charaktere für welche Zielgruppe entwirft?

Dann müssen wir ja nur noch klären, ob von der Zielgruppe tatsächlich sexistische Konzepte erwartet werden oder ob Entwickler lediglich denken, sie müssten eine Erwartungshaltung erfüllen. Ich vermute mal ganz stark, dass es irgendwo dazwischen liegt, denn auch Entwickler sind Spieler und waren vermutlich auch schon als Kinder welche. Das Henne-/Ei-Problem ist für diesen spezifischen Bereich keines, weil Videospiele immer noch eines der jüngsten Medien sind, sexistische Initialzündungen also mit ziemlicher Sicherheit durch andere Medien, also von außen kamen.

Das älteste Topos dürfte wohl der Klassiker der zu rettenden Prinzessin sein, selbstverständlich zu retten vom männlichen Prinzen. Die Prinzessin ist schwach und schutzbedürftig, der Prinz ist stark und opferbereit - mutig konnten/durften schon immer beide sein, allerdings auf jeweils sehr geschlechtsrollenspezifische Art. Dann kamen auch die agierenden weiblichen Gestalten und alles war gut ... Bis die Grafik gut genug wurde, das Ganze mit eye candy für die nach wie vor überwiegend männliche Spielerschaft aufzuladen.

Und schon sind wir wieder im Kreisverkehr: Wird es so gemacht, weil es gewünscht wird oder wird es so gewünscht, weil's schon immer so war? Und egal wie, wo ist die Ausfahrt?

Bluerps:

--- Zitat von: 6 am 10.12.2013 | 12:54 ---Wobei die Erweiterung der männlichen Bandbreiten momentan schwieriger sein dürfte, als bei den Frauen. Ich sehe nicht, dass es Spiele geben wird, bei dem man einen schwulen Hauptcharakter in einem "ernsten" Spiel spielen soll. Genausowenig kann ich mir vorstellen, dass z.B. bei Call of Duty ein ernstzunehmender Waffenmann mit seinem Teddy im Gepäck rumläuft.

Das nur als begleitende Anmerkung zu Deinem Text, der meiner Meinung nach das Thema relativ gut zusammenfasst.

--- Ende Zitat ---
Ah, aber ein guter Punkt: Schwuler Hauptcharakter. Die Situation die ich gerne haben will, die ich für richtig halte (d.h. Behandlung mit dem gleichen Respekt), gilt im Wesentlichen genauso für homosexuelle, transsexuelle, schwarze und allgemein alle Menschen die nicht heterosexuell, weiß und männlich sind.

(Wobei zumindest Bioware schon gute Fortschritte bei homosexuellen Figuren gemacht hat - man kann zumindest den Hauptcharakter homosexuell spielen wenn man mag, und ME3 hat einen schwulen Nebencharkter der sehr gut geschrieben ist)


Bluerps

Slayn:
@Sahael:

SH2 ist nur ein Beispiel. Heavy Rain ist eben so gut. Indigo Prophecy fügt sich da ebenfalls ein ...

@Fantomas:

Wie ich vorhin schon mal Teylen versucht habe klar zu machen, scheint es eine eindeutige Verknüpfung von Klischees zur Handlung zu geben, die halt schon sehr lange etabliert ist.
Ich denke nicht dass die Spielerschaft aktiv da etwas fordert, ich nehme eher an, die Spielerschaft steht einfach nur ratlos da, wenn sie etwas vorgesetzt bekommt, was nicht der gängigen Erwartungshaltung entspricht. Dem will man entgehen, da es einfacher ist "Ja und Amen" zu sagen, als Gefahr zu laufen sich mit der Kundschaft anzulegen.
Der Kreisverkehr besteht also darin, gar nicht erst schauen zu wollen wo die Abfahrt ist. Entwicklerstudios, die das tatsächlich machen, etwa Bioware mit Mass Effekt und Dragon Age, stehen dafür umso besser da.

Bluerps:

--- Zitat von: Fantomas am 10.12.2013 | 13:11 ---Sind wir uns also einig, dass es daran liegt, wer welche Charaktere für welche Zielgruppe entwirft?
--- Ende Zitat ---
Ich denke das ist prinzipiell richtig aber ein wenig vereinfachend. Es ist legitim zu sagen, das Computerspiele ein Produkt sind das sich verkaufen muss, aber das heißt nicht das sie frei von jeglicher moralischer Dimension sind. Wenn es nur möglich wäre mit Computerspielen zuverlässig Gewinn zu machen, wenn man den aktuell vorherrschenden Sexismus beibehalten würde, dann würde das nicht allein durch diesen Gewinn legitimiert. Computerspiele sind ein Medium geworden das die ganze (erste) Welt erreicht, und müssen daher auch als solches behandelt werden, und dazu gehört Sexismus als falsch zu kritisieren.

Ansonsten stimme ich dir zu, ja: Es muss viel weniger Spiele geben, die mit einem etwas dummen, männlichen Teenager im Hinterkopf designt sind, und mehr Spiele die auf erwachsene Menschen zielen. Entsprechend müssen die auch vermarktet werden.

Was dein Henne-Ei-Problem angeht: Da hab ich neulich einen wunderbaren Artikel gelesen, der das gut erklärt. Die Kurzfassung geht so, das man nach dem video game crash in den 80ern versucht hat, neue Wege zu finden Spiele zu vermarkten. Die Idee war, auf eine möglichst gut definierte Zielgruppe zu zielen. Man hat festgestellt, das damals etwas mehr Jungs als Mädchen Videospiele gespielt haben, also hat man beschlossen sich auf Jungs zu konzentrieren.


Bluerps

Teylen:
"Fun" Fact zu Dragon Age.
Die Autorin die bis dahin wohl die Geschichte geschrieben hat und sich wohl auch für eine etwas stärkere Gleichberechtigung einsetzte wurde wohl unter anderem mit Sprüchen wie "I'm going to murder your children" derart stark angegangen bis sie letztendlich das Handtuch geworfen hat.

Unabhängig davon fordern Teile der Spielerschaft durchaus eine stärkere Gleichberechtigung oder auch nur eine Analyse.
Setzen sich damit jedoch, abhängig davon wie öffentlich sie es wagen, der Gefahr von entsprechenden Hetze bis Hetzkampagnen aus.

Hinsichtlich der Damsel in Distress finde ich in der Videoreihe von Anita schlüssig dargelegt wieso es sich bei der Prinzessin in der Regel um keine Geschlechterrolle im eigentlichen Sinn handelt, sondern ein Objekt.

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