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Autor Thema: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln  (Gelesen 2707 mal)

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[Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« am: 25.05.2012 | 19:03 »
Mir als erfahrenem und leidenschaftlichem Sprachenbastler ist kürzlich die Idee gekommen, man könne ja mal ein paar aventurische Sprachen konkret ausarbeiten.  Dazu müsste man zunächst mal das vorhandene Material zusammentragen und ausgehend von diesem dann eine Sprache mit Wortschatz und Grammatik basteln.

Anfangen würde ich mit dem Altgüldenländischen, aus dem man dann das Bosparano und aus diesem das Garethi entwickeln kann.  Meine Idee zum Altgüldenländischen ist, dass es eine Sprache mit einer reichhaltigen, komplexen Morphologie ist, vielleicht ähnlich dem Altgriechischen, wobei man freilich einige "exotische" Elemente (z. B. Ergativität, Possessivsuffixe am Nomen oder anderes) einbauen könnte.  Von dort ausgehend könnte eine Entwicklung ähnlich der vom Lateinischen zu den romanischen Sprachen über das Bosparano zum Garethi geführt haben.

Auch die Phonologie des AG könnte komplex sein.  Die Imperialen Zeichen umfassen 57 Buchstaben.  Also hat das AG wohl auch 57 Phoneme, es sei denn, das Alphabet umfasst auch Zeichen für häufig vorkommende Lautkombinationen.  57 Phoneme sind sehr viel, aber es gibt z. B. im Kaukasus Sprachen, die an diese Marke herankommen oder sie gar überbieten.  Das Bosparano hat 31 Phoneme (die Kusliker Zeichen umfassen 31 Buchstaben), also eine starke Vereinfachung gegenüber dem AG; Garethi hat vielleicht noch ein paar Phoneme verloren.

Eure Ideen und Anregungen?
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Offline Auribiel

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #1 am: 25.05.2012 | 19:12 »
Hadmar von Wieser hatte auf seiner CD (die damals auf der RatCon angeboten und deren Vertrieb ihm dann wegen mangelnder Absprache vorher mit FanPro untersagt wurde) einige ausgearbeitete Aventurische Sprachen, soweit ich weiß mohisch und elfisch. Mir wurde gesagt, auf seiner "entaventurisierten" CD wären auch eine Dschungelsprache und eine Elfensprache enthalten (also die selbe, nur ohne Anspruch offiziell für Aventurien zu sein).

Vielleicht hast du eine Möglichkeit, dir die CD irgendwo zu organisieren, dann könntest du mal schauen, ob nicht noch andere Sprachen enthalten sind...
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #2 am: 25.05.2012 | 19:15 »
Ehrlich: Theoretisch müsste man beim Garethi ja beim Deutschen rauskommen (Städtenamen und Ingame-Texte weisen das ja klar aus)... da gibt es dann auch mehrere Sprachstufen (die als alt markierten Texte im Ingame-DSA lesen sich wie ein verkapptes frühneuhochdeutsch). So sehe ich das zumindest. Vielleicht kann man ja in die Richtung Altgriechisch -> Gotisch -> Althochdeutsch -> Mittelhochdeutsch was machen (wobei ich diese Linie gerade erfunden habe, weil die gab es natürlich in unserer Sprachentwicklung nicht). :)
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #3 am: 25.05.2012 | 19:32 »
Dachte das ist mehr oder weniger offiziell, das Altgüldenländisch = Griechisch, Bosparano = Lateinisch und Mittelreichisch = Deutsch ist?
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #4 am: 25.05.2012 | 19:34 »
Dann kriegt man aber die Sprachentwicklungslinie einfach nicht hin. Es sei denn das Mittelreichische besteht zu zirka 80% aus Hjaldingisch oder einer anderen "germanischen" Sprache.  8]
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #5 am: 25.05.2012 | 19:37 »
Ehrlich: Theoretisch müsste man beim Garethi ja beim Deutschen rauskommen (Städtenamen und Ingame-Texte weisen das ja klar aus)... da gibt es dann auch mehrere Sprachstufen (die als alt markierten Texte im Ingame-DSA lesen sich wie ein verkapptes frühneuhochdeutsch). So sehe ich das zumindest. Vielleicht kann man ja in die Richtung Altgriechisch -> Gotisch -> Althochdeutsch -> Mittelhochdeutsch was machen (wobei ich diese Linie gerade erfunden habe, weil die gab es natürlich in unserer Sprachentwicklung nicht). :)

Die Idee ist, dass Garethi im Spiel als Deutsch dargestellt wird, aber eigentlich eine andere Sprache ist, so wie Tolkien Westron im Herrn der Ringe als Englisch dargestellt hat um dem Leser jenes Gefühl der Vertrautheit zu vermitteln, das die Hobbits mit der Sprache hatten, die Sprache aber "in Wahrheit" eine ganz andere Struktur hat.  

Westron stammt vom Adûnaischen ab, das keine auch nur noch so geringe Ähnlichkeit mit dem Germanischen hat (es erinnert eher an semitische Sprachen).  Hätte Tolkien die ganzen Westron-Namen "unübersetzt" gelassen, hätte dem Leser der Kopf geschworren vor exotischen Namen, und der Westron-Name Bruchtals, Karningul, hätte genauso fremd geklungen wie das elbische Imladris, wogegen Rivendell ein Name ist, den es so auch in England geben könnte.  (Tatsächlich ist Adûnaisch, und damit wohl auch Westron, strukturell weiter von den westeuropäischen Sprachen entfernt als die Elbensprachen!)

Genau so stelle ich mir vor, dass zum Beispiel Weiden in Aventurien gar nicht wirklich Weiden heißt, sondern dass das nur die sinngemäße Übersetzung des "wahren" Garethi-Namens ins Deutsche ist, damit das den Spielern ein Gefühl von sprachlicher Vertrautheit erhält.

Natürlich hat das Ganze keine spielpraktische Anwendung, sondern ist eigentlich nur eine Spielerei für Leute, die nichts Besseres zu tun haben ;)
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #6 am: 25.05.2012 | 19:41 »
Zitat
Auch die Phonologie des AG könnte komplex sein.  Die Imperialen Zeichen umfassen 57 Buchstaben.

Sicher, dass das keine Silbenschrift ist?

Wie groß ist denn das deutsche oder englische Phoneminventar zum Vergleich?

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #7 am: 25.05.2012 | 19:47 »
Sicher, dass das keine Silbenschrift ist?

Nein.  Es kann durchaus eine Silbenschrift sein.

Zitat
Wie groß ist denn das deutsche oder englische Phoneminventar zum Vergleich?

Deutsch: so um die 30; English: ein bisschen mehr.
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Offline 1of3

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #8 am: 25.05.2012 | 19:51 »
OK. Weil Wikipedia gibt für Deutsch 41 an. Ist ja immer so ein bisschen die Frage, wie man die Dinger zählt (sowohl was man als Variation des gleichen Phonems betrachtet, als auch die je nach betrachteter Varietät).

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #9 am: 25.05.2012 | 20:02 »
OK. Weil Wikipedia gibt für Deutsch 41 an. Ist ja immer so ein bisschen die Frage, wie man die Dinger zählt (sowohl was man als Variation des gleichen Phonems betrachtet, als auch die je nach betrachteter Varietät).
Für Deutsch passen die 41 eher, Englisch ist auch so etwa bei 35 oder 36. Je nachdem, wo wann und wi man fragt, sieht das alles auch wieder ganz anders aus...

Zu Tulamydia gibt es auch irgendwo im Netz schon eine Sammlung der Worte und ein bisschen was zur Grammatik...
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Offline Auribiel

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #10 am: 25.05.2012 | 21:10 »
Für Deutsch passen die 41 eher, Englisch ist auch so etwa bei 35 oder 36. Je nachdem, wo wann und wi man fragt, sieht das alles auch wieder ganz anders aus...

Die Phoneme der Dialekte dazugerechnet kommt man bei Deutsch auch über 41... da könnte man schon gut an 50+ rankommen!
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #11 am: 26.05.2012 | 21:17 »
Die Phoneme der Dialekte dazugerechnet kommt man bei Deutsch auch über 41... da könnte man schon gut an 50+ rankommen!

Ja.  Mit Langvokalen, Diphthongen und ähnlichem kann man leicht auf 20 Vokalphoneme kommen.  Und 30-40 Konsonanten sind auch kein Problem, wie man im Kaukasus sieht.  (Das vor wenigen Jahren ausgestorbene Ubychische hatte 80 Konsonanten!)  Wenn man die Möglichkeit einbezieht, dass einige häufig vorkommende Kombinationen (wie z. B. nd oder st) eigene Buchstaben im imperialen Alphabet hatten, braucht man gar nicht einmal exzessiv viele Phoneme im Altgüldenländischen, um auf die 57 Imperialen Zeichen zu kommen.
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #12 am: 26.05.2012 | 21:29 »
Wenn man bedenkt, dass es knapp 6 bis 7 Varianten des "R"s gibt im deutschen ^^

Und hier gibt es eine nette Anleitung wie man sich Sprachen basteln kann.

Allgemein ist dieses Thema sehr ausufernt und man kann da eine Menge Mist bauen wenn man will.

(Wobei ich als Allgemeiner und Vergleichender Linguist mich mehr um (ehemals) existierende Sprachen kümmere, ist das Feld der Plansprache für mich immer faszinierend gewesen ;) )
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #13 am: 26.05.2012 | 21:57 »
Wenn man bedenkt, dass es knapp 6 bis 7 Varianten des "R"s gibt im deutschen ^^

Und hier gibt es eine nette Anleitung wie man sich Sprachen basteln kann.

Allgemein ist dieses Thema sehr ausufernt und man kann da eine Menge Mist bauen wenn man will.

(Wobei ich als Allgemeiner und Vergleichender Linguist mich mehr um (ehemals) existierende Sprachen kümmere, ist das Feld der Plansprache für mich immer faszinierend gewesen ;) )

Ja, mit dem Erfinden von Sprachen kann man sehr viel Zeit vertrödeln.  Ich selbst bastele seit 12 Jahren an einer solchen fiktionalen Sprache, dem Altalbischen.  Tolkien war ja Sprachwissenschaftler, und die Sprachen Mittelerdes waren ein Hauptinteresse von ihm, er pflegte sogar zu sagen, dass er Mittelerde erfunden habe, damit die Sprachen einen Ort hätten, wo sie gesprochen werden könnten!  Und wenn man bedenkt, dass ohne Mittelerde das Rollenspiel, wie wir es kennen, wohl nie erfunden worden wäre, haben wir seinen Sprachphantasien doch einiges zu verdanken ;)

Der von Dir verlinkte Sprachbaukasten ist sehr zu empfehlen und kann als Pflichtlektüre für Sprachenbastler gelten.  Carsten Becker, den Übersetzer, kenne ich persönlich; wir haben mal in derselben Stadt gewohnt und uns einmal getroffen.  Er hat selbst eine sehr schöne Sprache gebastelt: Ayeri, was von austronesischen Sprachen inspiriert ist.  Mark Rosenfelder, der Originalautor, hat auch eine sehr schöne Fantasywelt mit vielen liebevoll ausgearbeiteten Sprachen entwickelt.  Der weiß also sehr genau, was er da tut.
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #14 am: 26.05.2012 | 22:59 »
Joah, aber nimmt einen sehr wissenschaftlichen Weg, den manch einer verschrecken kann, wenn man nicht in der Materie sitzt.

"Holly Lisle - Create A Language Clinic" geht einen ähnlichen Weg, aber irgendwie bodenständiger. Dafür aber mit einer typischen amerikanischen Weltsicht (imho), den Englisch ist die Basis woran man sich dann langhangelt und die einzelnen Stationen bereist. Angefangen von Eigennamen, über erste Stammaffixe wie Männlich, Weiblich, um sich dann später Gedanken um Zeitformen und Relationen zu machen.

Ich habs vor langer Zeit gelesen, ich glaube solche Späße wie Deixis um Höflichkeit/Gesicht/Raum-Zeit kommen nicht vor.
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #15 am: 27.05.2012 | 22:09 »
Man kann sich die Arbeit in der Tat unnötig schwer machen, indem man haufenweise exotische Features reinhaut.  Das müssen wir natürlich nicht tun.  Die Sprachen, die wir bauen wollen, sollen ja bestimmten europäischen Sprachen ähnlich sein, schließlich haben ja auch die Kulturen, in denen sie gesprochen werden, Ähnlichkeiten mit europäischen Kulturen.  Also Altgüldenländisch ähnlich dem Altgriechischen, Bosprano ähnlich dem Lateinischen, Garethi ähnlich dem Deutschen.  Natürlich stammt Latein nicht vom Altgriechischen und Deutsch nicht vom Lateinischen ab, aber hier geht es ganz einfach um Sprachtypen, also welche und wie viele Kasus, Tempora etc. gibt es.

Mein Vorschlag für den Plan sieht so aus:

Altgüldenländisch

Phonologie: viele Phoneme (müssen nicht wirklich 57 sein, wenn man Buchstaben für häufig vorkommende Phonemkombinationen hinzunimmt, aber das Avestische kommt dem schon nahe).

Nomina: 6-8 Kasus, 3 Numeri (Singular, Dual, Plural), 3-4 Genera.  Keine Artikel.

(Das Altgriechische hat weniger Kasus, und einen Artikel.  Ich habe hier eher an Sanskrit und Avestisch gedacht.)

Adjektive: die gleichen Kasus, Numeri und Genera wie Nomina, sowie Komparativ und Superlativ.

Verben: 8 Tempora (Präsens, Imperfekt, Aorist, Futur, Konditional, Perfekt, Plusquamperfekt, Futurum exactum), 4 Modi (Indikativ, Konjunktiv, Optativ, Imperativ), 3 Genera verbi (Aktiv, Medium, Passiv), viele Partizipien

Syntax: Wortstellung sehr frei, aber SOV Normalfall

Bosparano

Phonologie: 31 Phoneme, viele alte Phoneme fallen mit anderen zusammen

Nomina: 5-6 Kasus, 2 Numeri (Singular und Plural), 3 Genera

Adjektive: ebenso, Komparativ und Superlativ

Verben: 6 Tempora (Präsens, Imperfekt, Futur, Perfekt, Plusquamperfekt, Futurum exactum), 3 Modi (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ), 2 Genera verbi (Aktiv, Passiv), 2 Partizipien (Präsens und Perfekt)

Syntax: nach wie vor freie Wortstellung, zunehmende Tendenz zur Zweitstellung des Verbs im Satz

Garethi

Phonologie: einige Phoneme des Bosparano verschwinden, andere kommen neu hinzu

Nomina: 4 Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), 2 Numeri, 3 Genera, bestimmte und unbestimmte Artikel

Adjektive: dito, Komparativ und Superlativ

Verben: wie im Bosparano, jedoch Perfekttempora und Passive nicht mehr synthetisch, sondern mit Hilfsverb + Partizip ausgedrückt

Syntax: weitgehend feste Wortfolge wie im Deutschen

Ich habe hier bewusst ausschließlich Kategorien verwendet, die aus der indoeuropäischen Sprachfamilie hinlänglich bekannt sind, also keine Ergative, Evidentialformen, Switch-Reference-Pronomina, Konverben und was es noch alles so in den Sprachen ferner Weltregionen gibt.
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #16 am: 27.05.2012 | 22:23 »
Also ich mag mal gelesen haben, das Garethi und Bosperano wie Hoch-Deutsch und Alt-Hochdeutsch sein sollen.

Also wer des einen mächtig ist, kann mit Mühe den Sinn des Textes erahnen, aber man muss es wirklich lernen um fließend lesen, schreiben und allgemein damit arbeiten zu können.

Wenn man das Bosperano also als Lateinisch haben will, dann müsste man Garethi ans italienische anlehnen (dem soldatenlatein halt ;)).

Ich finde aber das Sprachen wie Isdira, Orkisch & Koboldisch ruhig vom Indogermanischen abweichen können ;)

Wie sieht es den mit der Regelmässigkeit aus? Willst du die Sprachen künstlich altern lassen um Verschleifungen und Klitika zu simulieren?
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #17 am: 27.05.2012 | 22:35 »
Also ich mag mal gelesen haben, das Garethi und Bosperano wie Hoch-Deutsch und Alt-Hochdeutsch sein sollen.

Also wer des einen mächtig ist, kann mit Mühe den Sinn des Textes erahnen, aber man muss es wirklich lernen um fließend lesen, schreiben und allgemein damit arbeiten zu können.

Wenn man das Bosperano also als Lateinisch haben will, dann müsste man Garethi ans italienische anlehnen (dem soldatenlatein halt ;)).

Natürlich müssen Bosparano und Garethi einander ähnlicher sein als Latein und Deutsch, schließlich stammt Deutsch nicht vom Latein ab!  Aber wenn man die Sprachen typologisch vergleicht (siehe meinen Plan), dann ist es nicht allzu schwer, von einer Sprache, die dem Lateinischen ähnelt, zu einer Tochtersprache zu kommen, die dem Deutschen ähnelt, wenn man unter "ähnlich" versteht "die gleichen Kategorien, mit vergleichbaren Mitteln ausgedrückt".  Althochdeutsch zum Beispiel ist in diesem Sinne dem Lateinischen in der Tat sehr ähnlich.

Zitat
Ich finde aber das Sprachen wie Isdira, Orkisch & Koboldisch ruhig vom Indogermanischen abweichen können ;)

Definitiv!  Das sind ja ganz andere Rassen, deren Sprachen sollten dem MIttelreicher mindestens so fremd sein wie Indianersprachen einem Europäer!

Zitat
Wie sieht es den mit der Regelmässigkeit aus? Willst du die Sprachen künstlich altern lassen um Verschleifungen und Klitika zu simulieren?

Ja, genau.  Die Entwicklung vom AG zum Garethi soll mit Lautverschiebungen etc. "nachgespielt" werden.  Dabei entstehen aus regelmäßigen Strukturen unregelmäßige.
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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #18 am: 7.06.2012 | 16:16 »

Da Fällt mir noch was ein zu dem Thema und zwar bezüglich Wortschatz:

Ich find immer etwas schade, dass künstliche Sprachen oft eine sehr elaborierte Grammatik haben, aber nur einen sehr kleinen Wortschatz (die Kunstsprachen von Tolkien gehören da sicher auch dazu).

Jetzt ist mir (grad eben beim Duschen...) eine simpler (bis brachialer) Lösungsansatz für diese Problem eingefallen:

Ist das Phoneminventar einer Kunstsprache einmal gesetzt (sprich: wie viele und welche Phoneme gibt es in der Sprache), liesse sich in einem nächsten Schritt die Phonotaktik der Sprache festlegen (sprich: nach welchen Regeln die Phoneme zu grösseren Einheiten wie Silben und Wörtern zusammengesetzt werden).
Hat man das einmal festgelegt, lassen sich eine beliebige Anzahl von Wörtern in der Kunstsprache erzeugen. Als Vergleich zum Deutschen: wenn man sich an die "Regeln" der deutschen Phonotaktik hält, lassen sich beliebige neue Nonsens-Wörter erfinden, die aber eindeutig "deutsch" sind! :-)

so, nun aber zum brachialen Teil meiner Idee:
Man programmiert sich einen kleinen Zufallsgenerator, der zufällige Phoneme der Kunstsprache nach den Regeln derer Phonotaktik zusammensetzt.
So lässt man sich mal ein paar tausend "Wörter" in unserere Kunstsprache erwürfeln.
Diese erwürfelten Wörter werden dann - ebenfalls völlig zufällig - einer Liste von deutschen Wörtern zugeordnet - und tadaaa, wir haben einen kompletten (und komplett zufälligen, aber völlig "authentisch" klingenden!) Wortschatz unserer Kunstsprache.

jo, ich hoffe ich konnte meine Schnapsidee verständlich machen und das ich keine Fehler mit den Fachausdrücken gemacht habe (meine wenigen Semester Linguistikstudium sind schon zehn Jahre her... :-(



@ WeepingElf: Noch eine Frage,: gehst du bei deinen Kunstsprachen so weit, dass du dir eine Phonotaktik ausdenkst?

Offline Turning Wheel

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #19 am: 7.06.2012 | 16:43 »
Holla! Dieses Thema ist für mich deshalb so spannend, weil ich seit einiger Zeit auch immer mal wieder an meiner eigenen Zwergensprache gebastelt habe. So wie es aussieht (ich leite das mal an den linguistischen Fachworten ab), sind hier aber eine ganze Menge Leute (oder besser gesagt: nur Leute), die sich mit der Materie deutlich besser auskennen als ich.  :)

Ich habe mich gefragt, ob ihr ausschließlich an DSA-Sprachen interessiert seid, oder ob der eine oder andere hier vielleicht mal einen Blick auf das Festisch werfen will.
Es gibt immerhin ein paar grammatische Regeln und ein kleines Wörterbuch. Bisher noch sehr überschaubar.
Die Meinung bzw. der Kommentar eines Linguisten wäre für mich deshalb außerordenlich wertvoll.

Gibt es in DSA eigentlich auch eine eigene Zwergensprache?

Hier mal ein Link zum kleinen Festisch-Wörterbuch:
http://forum.flyinggames.de/showthread.php?tid=559
« Letzte Änderung: 7.06.2012 | 16:55 von Turning Wheel »

Offline Silent

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #20 am: 7.06.2012 | 17:16 »
@DSA Zwergensprache.
Ja, nennt sich Rogolan ;)

@Wörterschatz basteln
Dafür gibt es sogar schon fertige Programme, die das hinbekommen ;)

@Festisch
Das erste was mir auffällt, das du ein Idiom mit einem anderen beschreibst:

"an die Decke stoßen - sich weibisch verhalten"

An sich ganz coole Idee, aber ich würde Redewendungen immer so klar wie möglich umschreiben. Weibisch kann unter Zwergen eine ganz andere Bedeutung haben, als unter Orks oder zum Beispiel Dunkelelfen.

@Grundwortschatz
Man kann sich da auch ein wenig an Schule orientieren ;)
Unter diesem Link ab Seite 21 bis Seite 25 zum Beispiel Dinge gelistet dessen Konzepte in der 1-4 Klasse "sitzen" müssen ;)
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Offline Turning Wheel

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #21 am: 7.06.2012 | 17:38 »
Was würde dagegen sprechen, Festisch als Rogolan zu benutzen?
Oder gibt es zum DSA-Zwergisch schon sprachliche Informationen? Sind die cool?
Wenn ja, würde ich natürlich gerne einen Blick drauf werfen, denn Trauma ist eigentlich genauso EDO wie DSA.

Sich weibisch verhalten kann man schwer genauer definieren. Das Sprichwort wird unter männlichen Zwergen
als universelle Beleidigung benutzt, um all das zusammenzufassen, nach was man als Zwerg nicht anstrebt.
Das hat mit der komplexen Mann-Frau-Beziehung in Festen zu tun und kann nicht sinnvoll in kurze Worte gefasst werden. ;)
Ich hab das aber trotzdem mal versucht etwas genauer zu fassen. Ist aber teilweise widersprüchlich.

Danke für den Grundwortschatz. Allerdings spielen in der Zwergengesellschaft andere Worte eine größere Rolle und zudem will ich auch keinen Wortschatz für die Lebenswelt eines Viertklässlers erstellen, sondern einen für's Fantasy-Rollenspiel. Da gibt es also Differenzen in zwei Dimmensionen. Ist aber trotzdem hilfreich, eine ganze Menge Wörter sind wichtig.
« Letzte Änderung: 7.06.2012 | 17:46 von Turning Wheel »

Offline Silent

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #22 am: 7.06.2012 | 18:36 »
Nur das der Grundwortschatz eines typischen Viertklässlers notwendig ist um eine lebendige Sprache darzustellen. ^^

Natürlich muss man da noch ein wenig kulturelle Dinge berücksichtigen und mehr Augenmerk auf Schmieden, verschiedene Waffentypen und Bergbau legen.

Wenn das Sprichwort eine universelle Beleidigung darstellt würde ich es auch so bezeichnen:

"an die Decke stoßen - universelle Beleidigung der Zwerge"

Das ist dann ein wenig wie das jap. "Baka". Die Japaner haben nicht viele Beleidigungen, daher steckt all ihr Hass in diesem Wort.
Das ganze kann man dann noch mit Adjektiven ergänzen:

"Du bist wohl täglich extrems an die Decke gestoßen!" für eine eine noch stärkere Beleidigung zu

"Kann es sein, das du als Kind manchmal an die Decke gestoßen bist?" als kleiner Seitenhieb, dass die Aktion gerade dumm gewesen sein könnte.


@Rogolan
Soweit ich weiss gibt es Fragmente der Sprache, aber keine komplette Ausarbeitung.
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Offline Turning Wheel

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #23 am: 7.06.2012 | 23:43 »
Du hast natürlich schon Recht mit der Anforderung an eine lebendige Sprache. Ich bin da vollkommen bei dir.
Da ich aber mit der Umsetzung von großen Projekten etwas Erfahrung habe, versuche ich bei dieser Sprachentwicklung Strategien zu verfolgen, die schon deutlich früher zu einem brauchbaren Punkt kommen und realistisch sind.

Offline Silent

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Re: [Brainstorming] Aventurisches Sprachenbasteln
« Antwort #24 am: 8.06.2012 | 00:20 »
Ich ignoriere mal die unnötige Spitze ;)

Nomen sind glaube ich das unwichtigste, da ihre Liste quasi unendlich ist.

Es gibt eine Basisliste an Adjektiven die man haben sollte, da kann man sich leicht an Fremdsprachenbücher orientieren.
Wichtig sind Farben (wobei da 16 meistens ausreichen. Im Zusammenhang mit hell/dunkel) und Dinge die man "sein" kann (Hungrig, Durstig, Müde...)

Verben sind so eine Geschichte. Man kann eigentlich auf sehr viele Verben verzichten, weil viele Verben nur eine Kombi aus einem Basisverb und einen Adverb sind, was verschmolzen zu einem neuem Verb ist.
(Beispiel gehen. Schnelles Gehen wird zu Laufen, extrem schnelles Gehen zu Rennen, aber langsames vorsichtiges Gehen nennen wir Schleichen)

Eine Geschichte welche recht abgeschlossen ist, sind Funktionswörter die zB. Relationen ausdrücken wie "Vor dem Haus, im Haus, links vom Haus...", aber auch "Sein Haus, sein Pferd, seine Freundin".
Da haben wir haben schon den Fall, dass man nicht unbedingt für alles reine Wörter braucht, manches kann auch durch andere Grammatikregeln entstehen.

Den Rest macht man dann eh davon abhängig, was man braucht. Rassen wie die Drow, welche standardmäßig nur Schwarz/Weiß sehen, haben keine so große Notwendigkeit ein ausgefallenes Vokabular an Farben zu haben.
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