Pen & Paper - Spielsysteme > World of Darkness
[VtM] Weltkriege und Kalter Krieg?
Valerius:
Was ist der qualitative (sic!) Unterschied zwischen der Vergewaltigung, Folter und Ermordung von Menschen durch Schwerter, Schlagwaffen, Feuer o.ä. bzw. durch Kugeln, Giftgas o.ä.?
Ein quantitativer Unterschied ist natürlich vorhanden. Dem Rassenwahn der Nazis konnte man sich nicht mehr durch Taufe entziehen und viele andere Dinge kann man anführen. Das ist alles richtig.
Aber was macht das für einen Unterschied aus der Perspektive des Rollenspielers? Ob ich ein Erschießungskommando zu Zeiten des Vernichtungskrieges gegen die SU als Schauplatz wähle oder ein mittelalterliches Juden-Pogrom, finde ich moralisch überhaupt nicht bedenklicher oder unbedenklicher.
Nin:
Meiner Ansicht nach, wurden die entsprechende Punkte doch jetzt schon mehrfach klar umrissen.
- Nazis in Pulp geht (ist aber nicht WoD);
- Nazis als Schergen und Antagonisten (darum geht's hier ja nicht - ist ebenfalls kein Problem)
- Nazis als tragische und scheiternde Figuren (ist nicht VtM ... eher nWoD, Kult oder Wraith o.ä.)
- Nazi Spieler-Charaktere als Helden von Abenteuer, ist für viele nur schwer vorstellbar, denn...
Vielleicht würde eine Diskussion um Charnel Houses of Europe: The Shoah (Wraith) mehr bringen.
Das ist immerhin ein konkretes Beispiel. Mehr oder weniger gelungen - finde ich.
Teylen:
Ein signifikanter Unterschied zwischen den Kreuzzügen sowie dem zweiten Weltkrieg oder gar anderen Aspekten wie dem Kalten Krieg ist das es noch Personen gibt welche diesen erlebt haben. Das es Menschen gibt die über Verwandte einen deutlichen beziehungsweise nahen Bezug zu den Geschehnissen haben sowie einen direkten Bezug zu den Auswirkungen.
Meines Erachtens ist es ein Grund wieso beispielsweise der Fall Konstantinopel beschrieben wird aber ein vergleichsweise kleines Ereignis wie die Anschläge zum elften September übergangen.
Abgesehen von dem recht nahen historischen Bezug der es für einige unangenehm werden lassen könnte sehe ich da jedoch nach wievor andere gute Gründe wieso ich denke das es besser ist wenn man die Ereigniskette weiterhin ursächlich sowie in der Entwicklung bei den Menschen belässt und sich wenn eher damit befasst den Hintergrund darin zu integrieren. Das heißt betrachtet welche Auswirkungen ein solcher Umsturz auf die politischen und gesellschaftlichen Strukturen hat. Mir persönlich erscheint das reizvoller als den Hintergrund aufzubrechen und die Clans quasi auf Länder zu verteilen.
Ich würde nicht behaupten das es zwangsläufig keinen Spaß machen muss oder machen darf wenn man einen Charakter spielt der nach allen vernünftigen Maßstäben ein 'schlechter Mensch' ist, respektive das man ihn tragisch und scheiternd spielen sollte. Ansonsten könnte man auch behaupten das SCs die Vampire sind keine Abenteurer bzw. 'Helden' sein dürften.
Was Wraith angeht fände ich es in Bezug auf die Frage bzgl. V:tM relativ quasi Off-Topic ^^;
Nin:
--- Zitat von: Teylen am 6.05.2013 | 22:34 ---Ich würde nicht behaupten das es zwangsläufig keinen Spaß machen muss oder machen darf wenn man einen Charakter spielt der nach allen vernünftigen Maßstäben ein 'schlechter Mensch' ist, respektive das man ihn tragisch und scheiternd spielen sollte. Ansonsten könnte man auch behaupten das SCs die Vampire sind keine Abenteurer bzw. 'Helden' sein dürften.
--- Ende Zitat ---
Da bin ich mal ganz frech und behaupte, das passt (für die meisten) nicht zu VtM.
Ich hab noch von keiner VtM Runde gehört, bei der die SpielerInnen ihre Figuren in einer Chronik in ein von ihnen selbst gewünschte Scheitern gespielt hätten (Scheitern als Spielziel der SpielerInnen).
Oberkampf:
--- Zitat von: Valerius am 6.05.2013 | 22:12 ---
Aber was macht das für einen Unterschied aus der Perspektive des Rollenspielers? Ob ich ein Erschießungskommando zu Zeiten des Vernichtungskrieges gegen die SU als Schauplatz wähle oder ein mittelalterliches Juden-Pogrom, finde ich moralisch überhaupt nicht bedenklicher oder unbedenklicher.
--- Ende Zitat ---
Es ist so eine Mischung aus Größe des Verbrechens, zeitlicher Nähe und sonstigen Kontextfragen. Aber tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass es auch nicht sonderlich viele Spieler gibt, die Teilenehmer eines mittelalterlichen Lynchmobs spielen wollen. Das fällt nämlich auch nicht unter evil is cool/sexy (und Lynchmobs sind nicht rechtschaffen gut, um das Paladinargument auszuschließen).
Aber vielleicht täusche ich mich, und das Böse bis zur Nazi-Obergrenze ist doch so faszinierend, dass viele es spielen wollen. Dann wäre meine Gegenfrage: Warum sowas in einer Urban Fantasy? Bräuchte es dazu nicht ein eigenes Genre?
--- Zitat von: Samael am 6.05.2013 | 21:54 ---EDIT: Trotzdem finde ich ein rollenspielerisches "NS-Zeit Tabu" reichlich unnötig.
--- Ende Zitat ---
Von generellem Tabu haben weder Teylen noch ich etwas gesagt. Ich sagte, dass ich es mir nicht als ernsthaftes Thema vorstellen kann, das angemessen behandelt wird. Schon gar nicht in einem phantastischen Setting, wo man jedes menschliche Verbrechen gewohnt ist, irgendwelchen Horrorkreaturen anzulasten. Außerdem halte ich es für unpassend zu den "typischen" Genres der oWoD/V:tM (wobei ich die Pulp-Variante nicht gut genug kenne).
Edit: Nin hat das gut zusammengefasst.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln