Medien & Phantastik > Lesen
Hochliteratur vs. Fantasy
גליטצער:
Fantasy hat auch das Zeugs zur Dystopie, man mag allerdings die durchaus berechtigte Frage stellen, wieso Fantasy so selten gesellschaftliche Fragen in Angriff nimmt.
La Cipolla:
Wenn man stumpf ist ... Eskapismus? Ist ein großer Reiz des Genres, und die meisten Eskapisten sind eher progressiv (was mal gar nicht in den intellektuellen Zeitgeist passt), Ausnahmen hin oder her.
--- Zitat ---Welche linke Sci-Fi?
--- Ende Zitat ---
Böse Kapitalisten, böse Imperialisten, böse Rassisten etc ... aber frag mich nicht nach Buchtiteln, ich hab keine Ahnung von Literatur. :(
Sun Wukong:
Fantasy widmet sich meiner Erfahrung nach gerne eher zeitlosen, gesellschaftlichen Fragen und nutzt veränderte und phantastische Historie zur Spiegelung einst herrschender, realer Verhältnisse. Das wirkt bei mir auch immer besser, als allzu deutliche Verweise auf "aktuelle Probleme" unserer Gesellschaft. Einen Fantasyroman, der sich hauptsächlich mit Migration beschäftigt und damit auf die Situation hier in Deutschland verweisen will, fände ich höchstwahrscheinlich sterbenslangweilig. So wie ich mir auch ungerne Theaterstücke gebe, die Iphigenie auf Tauris mit Palästinaflaggen umhertanzen lassen. Das ist auch oft zu bewusst und gewollt "anspruchsvoll".
Xemides:
Es gibt sehr viele intellektuelle Science-Fiction, auch linke:
H.W. Wells (Kritik am Kolonialismus)
George Orwell (Kritik am Kommunismus)
Philip K. Dick (Hinterfragen der Realität)
Joe Haldeman (Der ewige Krieg)
Clifford D. Simak (Als es noch Menschen gab)
Daniel Galouye (Simulacron 3 oder Welt am Draht)
Wir haben die osteuropäischen Autoren wie Lem und die Strugazkis, die durchaus nahe an der Hochlitaratur sind und durchaus sehr hintergründig sind (wer Solaris für trivial hällt soll das mal erklären)
Wellentänzer:
--- Zitat von: Pyromancer am 3.04.2013 | 16:56 ---Und umgekehrt. Viele Fantasy-Leser würden ja ein "ernsthaftes" Buch nicht mit der Kneifzange anfassen, selbst wenn Zwerge und Orks drin vorkämen.
Science Fiction hat es da ein bisschen einfacher, weil es die großen Dystropien gibt, die ganz klar, offensichtlich und mit dem Holzhammer gesellschaftlich relevant sein wollen, und deswegen, sofern sie dem linken Zeitgeist entsprechen, durchaus auch von der Literaturelite gewürdigt werden.
--- Ende Zitat ---
Aua, da schüttelt es mich aber. Paranoia der Schweigespirale revisited? Die aktuelle Finanz-, Schulden- und Systemkrise ist mit Sicherheit keinem "linken Zeitgeist" geschuldet. Die Privatisierung von Profit bei gleichzeitiger Verstaatlichung von Verlusten ist jedenfalls meines Wissens ebenso wie irrwitzige Deregulierung nur bedingt eine klassisch linke Position. Denk vielleicht noch mal drüber nach. Aber eines stimmt immerhin: Utopien wie Dystopien lassen sich in der SciFi erheblich besser transportieren. Fantasy eignet sich dafür durch die genrebedingten Umwege nur bedingt und kommt daher quasi ausnahmslos als Abenteuerliteratur daher - Lord Dunsany und Konsorten dabei mal ausgeblendet.
--- Zitat von: Xemides am 3.04.2013 | 23:34 ---Wir haben die osteuropäischen Autoren wie Lem und die Strugazkis, die durchaus nahe an der Hochlitaratur sind und durchaus sehr hintergründig sind (wer Solaris für trivial hällt soll das mal erklären)
--- Ende Zitat ---
Nah an der Hochliteratur ist lustig. Lem hat Dutzende Literaturpreise gewonnen und gilt seit fast zwei Jahrzehnten als Kandidat für den Nobelpreis.
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