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Hochliteratur vs. Fantasy

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Falke359:

--- Zitat von: condor am  5.04.2013 | 12:06 ---Deine Kriterien würde ich auch nicht von der Hand weisen. Aber gerade daran scheiden sich ja oft die Geister: Geht es bei Paolo Coelho um existentielle Themen oder um billige Gemeinplätze? Heben sich Mankells Krimis von anderen ab oder bleiben sie eine handwerklich saubere Genreprosa? Ist Bukowskis Sprache genial einfach oder einfach vulgär? Schafft Moers mit seinen intertextuellen Bezügen einen eigenen Anschluss an die Weltliteratur oder nur eine beliebige Collage von Versatzstücken?

--- Ende Zitat ---

Deshalb kristllisiert sich erst nach einer gewissen Rezeptionsgeschichte heraus, was zur Hochliteratur zählt und deswegen fallen darunter hauptsächlich die alten Schinken. Was nach 1-2 Jahrhunderten immer noch oder gerade als hochwertige Literatur angesehen wird, zählt sicherlich dazu. Was bis dahin in den Orkus der Vergessenheit gerät, nicht.
Und bis dahin braucht es einen Diskussionsprozess, der kritisch (also anhand bestimmter Kriterien) und nicht nur nach persönlichen Vorlieben. Wichtig ist natürlich auch immer das Zusammenspiel von Form, Sprache und Inhalt.   

גליטצער:
Ich seh's schon kommen, in 50 JAhren diskutieren die im Anglistikstudium Shades of Grey, Harry Potter, Twilight sowie ein paar fragwürdige YT-Videos und ziehen daraus merkwürdige Schlüsse über unsere Zeit...

El God:
Oder wir lesen Beiträge in Internet-Rollenspielforen...

Kriegsklinge:
Ich vermeide mal die unselige Hochkulturdiskussion - das führt zu nichts. Stattdessen empfehle ich mal ein paar Fantasy-Romane, die ich literarisch für gelungen halte, also handwerklich überzeugend, mit vielschichtigen Figuren und "welthaltig", also eine Menge von gesellschaftlichen/psychologischen Situationen abbildend. Als schwächeres Kriterium nehme ich noch hinzu, dass die literarischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts nicht so ganz verpennt wurden, in formaler Hinsicht, insbesondere aber auch, was die Auseinandersetzung mit Populärkultur angeht .... was den Literaturnbegriff schon wieder in Frage stellt, aber lassen wir das. Es ist halt schwer.

Erstmal vieles, was der Haderlump genannt hat. Dann:

Samuel R. Delany: Nimmerya.

Kommt jüngst neu auf deutsch.
http://golkonda-verlag.de/cms/front_content.php?idart=361

KJ Parker: Die Engineer-Trilogie
http://en.wikipedia.org/wiki/K._J._Parker

China Mieville: Die Bas-Lag Bücher
http://en.wikipedia.org/wiki/China_Mi%C3%A9ville

Susana Clarke: Jonathan Strange & Mr. Norrell
http://en.wikipedia.org/wiki/Susanna_Clarke

John Crowley: Little Big
http://en.wikipedia.org/wiki/Little,_Big

Neil Gaiman und diverse ZeichnerInnen: Sandman
Tja, das sind Comics, aber so ist das halt in der zeitgenössischen Literatur.
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Sandman_%28Vertigo%29

Jeff VanderMeer: Stadt der Heiligen und Verrückten
http://en.wikipedia.org/wiki/Jeff_VanderMeer

Ursula LeGuin: Erdsee
http://de.wikipedia.org/wiki/Erdsee

Auf deutsch vielleicht am ehesten Tobias Meißner: "Paradies der Schwerter" und "Hiobs Spiel", Markolf Hoffmann "Das Flüstern zwischen den Zweigen" und "Raumanzüge und Räuberpistolen" der Gruppe Schlotzen&Kloben.

Wenn es noch etwas weiter Weg von Fantasy im Sinne von "Magie und Schwerter" sein darf, lege ich dir auch noch Matt Ruff, Hal Duncan und Kelly Link ans Herz.

Das sind so Bücher, die aus meiner Sicht "literarisch" auf der Höhe der Zeit sind.

La Cipolla:
Literarisch interessant im Jugendbuchsegment finde ich auch die Artemis-Fowl-Reihe. Ist kein hoher Anspruch (auch wenn ein sehr cooles, glaubwürdiges Setting geschaffen wird), aber wie offen und direkt die Bücher die Ästhetik eines Hollywood-Films aufgreifen, ist faszinierend. Man liest ein Buch und hat das komplette Feeling eines Films. Versuchen viele Autoren, gelingt aber kaum einen.

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