Medien & Phantastik > Lesen
Hochliteratur vs. Fantasy
Boni:
--- Zitat von: Глитзер am 5.04.2013 | 18:04 ---Ich seh's schon kommen, in 50 JAhren diskutieren die im Anglistikstudium Shades of Grey, Harry Potter, Twilight sowie ein paar fragwürdige YT-Videos und ziehen daraus merkwürdige Schlüsse über unsere Zeit...
--- Ende Zitat ---
Ich sags ja nur ungern, aber meine Schwester hat ihre Abschlussarbeit im Lehramtsstudium Englisch vor ein paar Jahren (iirc 2005) über Harry Potter geschrieben und würde dazu auch mündlich geprüft. Dabei musste sie sich Spoiler verkneifen, da der Dozent den neu erschienenen sechsten Band noch nicht gelesen hatte. Und das beim Thema Todeserfahrungen ;D
condor:
--- Zitat von: Boni am 6.04.2013 | 12:49 ---Ich sags ja nur ungern, aber meine Schwester hat ihre Abschlussarbeit im Lehramtsstudium Englisch vor ein paar Jahren (iirc 2005) über Harry Potter geschrieben und würde dazu auch mündlich geprüft.
--- Ende Zitat ---
Glaube ich sofort. Allerdings macht wird ein Buch noch nicht dadurch zu großer Literatur, dass es Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung ist. Man kann ein Lustiges Taschenbuch oder einen Burger von McDonalds mit den gleichen Methoden untersuchen wie den Zauberberg von Th. Mann oder eine Bouillabaisse von Paul Bocuse.
Falke359:
Bei der literarischen Betrachtung des (späten) 20.Jahrhunderts wird man in späteren Zeiten an der Fantasyliteratur sicherlich nicht vorbeikommen. Die Frage ist aber spannend, welche Werke exemplarisch in 100 Jahren noch in Erinnerung bleiben werden. Und da sehe ich für die bisher genannten Beispiele (vielleicht abgesehen von Harry Potter im Bereich Jugendroman) kaum Chancen, außer etwas würde wiederentdeckt.
Aber das Ganze ist wie immer auch eine Generationenfrage, und wie Bonis Beispiel zeigt, haben jüngere Generationen weitaus weniger Berührungsängste. Auch Comics sind exemplarisch längst im Kanon der "Hochliteratur" angekommen.
Ich frage mich nur, wieso uns das so wichtig sein sollte, dass gerade der Fantasy-Bereich unbedingt in der "Hochliteratur" vertreten sein sollte, vor allem, wenn man nicht alles Phantastische der bisherigen Literaturgeschichte (z.B. Elemente der Romantik) in diese Kategorie einordnet. Ist das nicht einfach nur der Wunsch nach gesamtgesellschaftlicher Anerkennung der ganz persönlichen Vorlieben?
Wäre das nicht ähnlich, wie wenn ich fordern würde, Tabletop-Turniere oder NERF-Fights müssten als Olympische Disziplinen anerkannt werden?
Ich sehe jedenfalls keine "Kampagne" irgendwelcher "Intellektuellen", mit dem Ziel, großartige Werke aus diesem Genre aus purer Ignoranz nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen.
Oberkampf:
--- Zitat von: Falke359 am 7.04.2013 | 03:13 ---
Ich sehe jedenfalls keine "Kampagne" irgendwelcher "Intellektuellen", mit dem Ziel, großartige Werke aus diesem Genre aus purer Ignoranz nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen.
--- Ende Zitat ---
Kampagne klingt so verschwörungstheoretisch. Das heißt nicht, dass sich irgendwelche Literaturkritiker und Germanistikprofessoren in geheimen, dunklen Schlössern treffen, um gemeinsam Pläne zu schmieden, wie sie Fantasy aus dem Kreis der Hochliteratur heraus halten können. Dass Fantasy keine Hochliteratur ist oder werden wird und nicht als Ditiktionsliteratur in Deutschland taugt, ist einfach eine Tradition, die in mehrere Richtungen wirkt. Auch in die Richtung, dass Fantasy-Leser sich nicht als Konsumenten von Hochliteratur verstehen (wollen) und entsprechend auch weniger Nachfrage nach besonders innovativen Produkten vorliegt, die entgegen der Tradition auch mal als Nicht-Kinderbuch unserer Literaturelite aufgenommen werden könnten.
Natürlich hat die Literaturkritik irgendwelche "objektiven" Kriterien "entwickelt", die Hochliteratur von anderer Literatur abgrenzen kann.
Sun Wukong:
Und solange ein gewisses, elitäres - also ausschließendes - Denken in akademischen Kreisen vorhält, solange haben Fantasy-Publikationen und die, die sich damit befassen, einen schweren Stand auf wissenschaftlichem Niveau ernst genommen zu werden. Und dieses "ernst genommen werden" hat wieder unmittelbaren Einfluss auf finanzielle Förderung, Bereitstellung von Forschungsplätzen, wissenschaftliche Aufarbeitung und Analyse etc.
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