Medien & Phantastik > Lesen

Hochliteratur vs. Fantasy

<< < (17/19) > >>

Talasha:

--- Zitat von: Boni am  6.04.2013 | 12:49 ---Ich sags ja nur ungern, aber meine Schwester hat ihre Abschlussarbeit im Lehramtsstudium Englisch vor ein paar Jahren (iirc 2005) über Harry Potter geschrieben und würde dazu auch mündlich geprüft. Dabei musste sie sich Spoiler verkneifen, da der Dozent den neu erschienenen sechsten Band noch nicht gelesen hatte. Und das beim Thema Todeserfahrungen  ;D

--- Ende Zitat ---

Jemand der Englische Literatur studiert hat hat mal in meiner Gegenwart geflucht das er in Fachliteratur andauernd auf Harry Potter stößt.

Ghostrider:

--- Zitat von: Crimson King am  3.04.2013 | 10:11 ---Hat hier eigentlich schon jemand Trivialliteratur und Hochliteratur definiert und voneinander abgegrenzt?

--- Ende Zitat ---

Soweit ich mich an KT I und II erinnere:

"Hochliteratur" versucht, etwas aufzuarbeiten, bzw. zu erarbeiten, in einem reflektierten Prozess des Erkenntnisgewinns.


"Trivialliteratur" ist vorrangig Unterhaltung, aber muss bei weitem nicht niveaulos sein.
"Faserland" von Christian Kracht fällt mir da als griffiges Beispiel ein. Sehr "trivial", aber bitterböser Zeitkommentar, wenn man ihn so lesen möchte.



Zum Thema an sich:
Die Fantasy und Sci-Fi kommt mittlerweile aus dem Vorwurf der Niveaulosigkeit heraus, das zeigt sich schon auch daran, dass ein recht großer Literaturkritiker namens Denis Scheck Fantasybücher empfiehlt, z.B. "Der Name des Windes". 

Interessanter Artikel, der mich persönlich überrascht hatte, nachdem ich von Scheck erstmals in KTI und II gehört hatte (Der Artikel erschien erst danach):
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.der-hobbit-und-seine-erben-nichts-gegen-fantasy.9ba613a7-8e96-4e54-95ee-85906fea5cec.html
 

Ein Artikel über Scheck, und warum manche ihn als neuen Reich-Ranicky sehen, und manche schlicht als enfant errible des Literaturbetriebs:
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/denis-scheck-was-erlauben-scheck-11039801.html

p.s.: Ich mag D.S., weil er zwar Bücher verreissen kann, wie M.R.-R., dies aber immer schlüssig argumentiert und nie aus reiner Sympathie oder Antipathie.

Thandbar:
Denis Scheck ist da eine Ausnahme, meiner Meinung nach. Der kennt sich mit dem SF- und Fantasy-Zeug ja auch aus und kann das auch richtig besprechen.
Wenn es um den Preise, Wettbewerbe, Förderprogramme etc. geht, scheint mir schon eine gewisse Trennung nach Gattungen vorzuliegen. In Klagenfurt wurde sich über die SF-Geschichte seinerzeit auch eher lustig gemacht, wenn ich mich recht entsinne (ist jetzt drei oder vier Jahre her, glaube ich).
Dass in Deutschland viel Fantasy gelesen wird, ist unbestritten. Aber der Literaturbetrieb selber konzentriert sich - auch förderungstechnisch - eher auf andere Sparten. 

JS:

--- Zitat von: Pyromancer am 16.03.2013 | 18:09 ---Das letzte hochliterarische Werk mit Fantasy-Einschlägen, das ich gelesen habe, war "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" von Christian Kracht. Wenn es nicht ganz zeitgenössisch sein muss würde ich mal bei Thomas Mann und Ernst Jünger nachschauen.

--- Ende Zitat ---

Uff, Respekt, das sind große Stilisten. Kracht war für mich eine Überraschung, die mir fast die Freudentränen in die Augen trieb; man lese nur die ersten Seiten! Doch Obacht: Nach der Lektüre der Werke dieser Meister ist man für viel Fantasygeschreibsel nicht mehr empfänglich.
:)

Noir:
Thread-Nekromantie:

Eine These, die ich jetzt nach einigen Semestern Germanistik-Studium aufgestellt habe ist ja, dass Fantasy-Bücher zuweilen über Dinge berichten, die in irgendeiner Art und Weise wichtig für die Welt, in der sie spielen, sind. Und sich damit selbst disqualifizieren.

Bei "Hochliteratur" - und man verzeihe mir, wenn ich hier sehr direkt bin - habe ich in den letzten Jahren einfach oft nur den Kopf schütteln müssen. Ich habe jetzt in so vielen Autorenlesungen der Universität gesessen (dieses Jahr sogar jede Woche eine, als Seminar) und was ich da zu hören kriege - da drehen sich mir echt die Fußnägel hoch. Völlig unwichtiger Murks, wird da SEITENLANG beschrieben ... und dann behaupten die Autoren gerne noch: "Jaaaa, aber das EIGENTLICH Wichtige ist ja hinter dem Unwichtigen verborgen! Ich walze hier zwar seit 4 Seiten aus, wie der Protagonist auf der Parkbank sitzt und den Geruch seines Darmwindes beschreibt ... aber eigentlich schreibe ich hier natürlich über die Vergänglichkeit des Seins. Der warme Dunst soll hier die Zeit symbolisieren, das man natürlich daran erkennen kann, dass ... "

Und unser eins sitzt da nur und denkt: "Wenn DAS hohe Literatur ist ... dann bin ich dankbar, dass es Trivialliteratur gibt."

Es mag hier stark überzeichnet sein ... aber das sind Gedanken, die hier viele Studenten, mit denen ich gesprochen habe, teilen. Und das finde ich ... zumindest etwas ... beruhigend. Dann fühlt man sich plötzlich nicht mehr so dumm ;)

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln