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[Film] Elysium

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Agent_Orange:
Hallo.

Hab' den Film heute gesehen.

Gesamteindruck: Etwas mehr als OK; aber das mit Bedenken.

Empfehlung: Um den Film zu sehen, muss man einerseits relativ befangen sein und andererseits gewisse Brillen aufsetzen.

Was ist "besonders" problematisch an dem Film? Er strapaziert Physik, Medizin und Biologie sowie Naturwissenschaften im allgemeinem in erheblichem Maße. Wenn man da mit seinen Grundkenntnissen aus der Schulzeit rangeht, wirft der Film zu viele Fragen auf, die auch mit dem Totschlagargument, dass er ja im 22. Jahrhundert spiele, nicht zufriedenstellend beantwortet werden können. (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Beispiele:
- Start eines Shuttles von der Erde und Landung nur ca. 20 Minuten später auf der Raumstation über der Erde;
- tödliche Kontamination mit radioaktiver Strahlung ohne im Verlauf des Films abgesehen von ein Mal Kotzen, drei Mal Kopfweh und ein paar Mal Wanken irgendwelche Probleme zu bereiten; OK, es gab Pillen dagegen, die die Zeit angenehmer verstreichen lassen sollten; aber diese Pillen können so etwas wie Gewebezerfall kaum stoppen;
- Operation unter Vollnarkose mit dem Ziel der Verschmelzung eines menschlichen Körpers mit einem cybertechnologischen Exoskelett und nach dem Aufwachen kann man lustig rumlaufen und Dinge machen (unter medizinischen Gesichtspunkten: NEIN, DAS GEHT NICHT!!!!!!!!!!);
- die Raumstation hat eine Atmosphäre wie die Erde - der Lebensbereich ist also nicht voll umbaut -, sodass man mit einem Raumschiff regelrecht reinfliegen kann;
- Raketen werden von schultergestützten Raketenwerfern abgefeuert und fliegen mit mehrstufigen Zündungen bis in den erdnahen Orbit - nee, is' klar;
- "elektrostatisches"(?) Feld, das Projektile von Feuerwaffen abwehren kann;
- sichere Cloud - wtf bbq???;
- uvm.)
Mit anderen Worten: Wegen solcher Dinge kommt man nicht umhin, die Stufe der eigenen "Bereitschaft zum Akzeptieren unmögicher Dinge" entsprechend hochzuschrauben. Denn der Film vermittelt den äußeren Anschein des Authentischen, erweist sich bei näherer Betrachtung diesbezüglich doch eher als "Science Fantasy" (im weiteren Sinne).

Was ist die meines Erachtens größte Schwäche des Films? Dass er die Welt nur beschreibt, wie sie nun mal ist, ohne aber dem Publikum zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist. Dadurch wirken die Motive aller Figuren irgendwie "aufgesetzt" und einfach so dahergeredet. Es fehlt die Identifikation der Figuren mit ihren Milieus; der Zuschauer (zumindest ich) konnte sich zwar von der Ratio her mit dem einverstanden erklären, warum die Figuren handelten, wie sie handelten; allerdings fehlte es an der Abstimmung zwischen diesen individuellen Motiven in ihrem systematischen Zusammenhang mit der Welt. (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Beispiele:
- Der Action-Antagonist ist halt da und hat den Auftrag, den Protagonisten erst zu stoppen und später gefangen zu nehmen; ob er ein Elysianer oder nur ein Untermensch der Erde ist, wie seine Sichtweisen und weiterreichenden Motive sein mögen, das wird nicht so richtig klar bzw. scheint keine Rolle für seine eigenen Motive zu spielen;
- Jodie Foster ist die kalte und harte Verteidigungschefin von Elysium und begründet in einem Satz, dass sie das wegen (ihrer?) Kinder macht und deshalb dem Sesselpupser-Präsidenten die Authorität abspricht, für das Allgemeinwohl Elysiums die richtigen Entscheidungen treffen zu können; allerdings wird diese persönliche Ebene nur einmal angedeutet, sodass dieser Aspekt der Persönlichkeit nahezu völlig wegfällt;
- Matt Damon ... Ja ... *cough* Keine Ahnung, ob er wirklich die beste Wahl für die Rolle war; weder habe ich ihm den Wiederholungskriminellen, noch den Carebear für 'Frey' oder Freys Tochter gesehen; er hat seine Rolle abgespult, und am Ende konnte ich mich mit ihm nicht identifizieren und auch nicht wirklich anfreunden.
Zur Action: Weniger wer mehr gewesen; aber sie war dennoch insgesamt OK. Vor allem die letzten Kämpfe auf Elysium fand ich aber echt nervig und blöd. Diese Wackelkamera-Hysterie und so ... Ich mag es, wenn ich die Choreographien nachvollziehen kann. Hektisches Rumgehektieren k*tzt* mich an (pardon my French). Wenn ich von Choreographie schreibe, meine ich nicht Martial Arts-Übergetreibe Matrix-style, sondern einfach nur solide Action ...

Ok, unabhängig von diesen echten Negativpunkten hier noch ein paar positive Dinge:

a) Die Grundbotschaft ist, was den Film trägt: Der Masse soll es auf Kosten einer elitären Minderheit nicht schlecht gehen - weder in Bezug auf wirtschaftliche Ausbeutung, staatliche Überkontrolle ohne Rechtsschutz und rechtliches Gehör noch hinsichtlich medizinischer Grundversorgung und gesellschaftlichen Strukturen.
b) Der Film ist von A bis Z grundsolide und stimmig erzählt worden. Originelles gibt es wenig. Aber der Film ist in sich schlüssig, bleibt aber zu oberflächlich. Wenn man aber die naturwissenschaftlichen Probleme (s.o.) höher bewertet, kann der Film schon in einem sehr frühen Stadium nicht funktionieren.
c) Mir ist schon früh im Film der Gedanke gekommen: Klasse, endlich mal eine coole Darstellung der Redmond Barrens aus Shadowrun; was 'ne coole Scheiße.
d) Lustig ist auch das Paradoxon: Die Menschen auf der Erde bauen die Roboter, welche die Menschen auf der Erde kontrollieren; und sie bauen diese Roboter, weil andere Leute (die Firmenbosse und Elysianer) das wollen; statt aufzubegehren, machen alle mit.
e) Einfach nur beeindruckende Kulisse und Bildeindrücke.
f) Der Trailer verrät nicht den Film. Das erwähne ich, weil das für mich gefühlt zunehmend die Ausnahme wird ... Jedenfalls habe ich einen deutlich anderen Verlauf des Films erwartet.

Ob man den Film im Kino sehen MUSS bezweifle ich. Wer es anspruchsvoller hinsichtlich Handlung, Charakterdarstellung, naturwissenschaftlicher Plausibilität und/oder Kameraführung in der Action haben will, der wird (u.U. maßlos) enttäuscht werden; wer Konzessionen einzugehen bereit ist, kann, muss aber nicht gut unterhalten werden. Ich jedenfalls habe das Kino nicht mit einem schlechten Gefühl verlassen. Ein überragendes und begeistertes Gefühl will sich aber auch nicht so recht einstellen.

Ok. War 'n bisschen viel. tl;dr

AO

YY:
Technische Anmerkung (ohne Spoiler, weil es mit dem Plot nichts zu tun hat):



--- Zitat von: Agent_Orange am 21.08.2013 | 02:23 ---- die Raumstation hat eine Atmosphäre wie die Erde - der Lebensbereich ist also nicht voll umbaut -, sodass man mit einem Raumschiff regelrecht reinfliegen kann;

--- Ende Zitat ---

Das ist bei Nivens Ringwelt auch so.
Die Station rotiert, um (Pseudo-)Schwerkraft zu erzeugen. Daher reichen entsprechende Seitenwände, um die an den Boden gedrückte Atmosphäre zu halten - man kann tatsächlich einfach reinfliegen.

Ob die Wände hoch genug sind, ob die Rotationsgeschwindigkeit stimmt - das müsste man mühsam recherchieren anhand von Zahlen und Bildern, die irgendjemand auf die Schnelle aus dem Hut gezaubert hat; wahrscheinlich, ohne das Thema dabei im Hinterkopf zu haben.
Kurz: Wird wohl nicht hinkommen ;)

Agent_Orange:
Moin.

@YY
Die Ringwelt von Niven kenne ich nur vom Hörensagen - und Wikipedia. Und eines ist klar: die Ringwelt is a bissl größer als das Rad in Elysium, das sich noch dazu recht langsam gedreht hat. Daher zwar schwer zu vergleichen, aber ausgeschlossen, dass das in der Elysium Station funktionieren könnte ...
Ich saß da gestern zwischen zwei Physikern, die die Hände überm Kopf zusammengeschlagen hat; einer protestierte sehr zum Amüsement der uns umgebenden Zuschauern. Es fehlte nur noch das Wort: Skandal!

*lach*

Mit Physikern ins Kino gehen ... Hehehe ... Das ist großes Kino.

AO

Feuersänger:

--- Zitat von: YY am 20.08.2013 | 16:57 ---Könntest du nicht doch....?  o:)
Wenigstens ein bisschen? *nudge*
--- Ende Zitat ---

Uff, mal sehen was da noch hängengeblieben ist...
Ich mach hier mal ne Spoilerklappe, und will dann kein Gejammer von den-Film-noch-nicht-gesehen-habern hören:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Mal so wild rausgegriffen:
- da fliegen also illegale Shuttles nach Elysium. Und was macht man dagegen? Schießt man die bequem von der Station aus mit der eigenen Point-Defense ab? NEIN! Man funkt auf der ERDE einen EINZELNEN Mann an, der mit einer Art PANZERFAUST Raketen ins WELTALL schiesst. ARGH!
Das ist sowohl vom Setup her hochgradig UNLOGISCH, als auch technisch nicht nur "Far Out", sondern schlicht und ergreifend absolut UNMÖGLICH.
- der Autodoc: "Reatomisiere". Pure Magie. Kein weiterer Kommentar.
- Dass der Typ da verstrahlt wurde, war auch völlig konstruiert. Warum in aller Welt sollte man die Robotergehäuse überhaupt in derartigen Kammern radioaktiv bestrahlen? SCHWACHSINN! -- wenn es nur darum gegangen wäre, sie mit Kernbrennstoff zu befüllen, dann wäre da nicht so eine tödliche Strahlendosis dabei rumgekommen.
- die "deckellose Radstation" wurde ja schon erwähnt; die Station drehte sich meines Erachtens zwar schon, aber so langsam, dass Gase davon keinesfalls am Entweichen gehindert werden könnten.
- die Effekte: hauptsache, alles EXPLODIERT ständig, und zwar muss es das ein paar cm VOR dem Aufprall, sonst wärs ja langweilig. *kopf->tisch*
- die Charaktere: ach, don't get me started. Wie blöd muss Jodie Foster da eigentlich sein, um einen bekannten Psychopathen derart schwach von der Seite anzumachen, ohne jeglichen Backup?
- auch die Geschichte zwischen Max und Frey war völlig irrelevant. Genausogut hätten die sich da im Krankenhaus das erste Mal treffen können.

Ach und so weiter... es war einfach zu viel saublöde Effekthascherei auf Kosten der Logik.


--- Zitat ---Europa Report? ;)
(Ja, kein Actionfilm, ich weiß...)

--- Ende Zitat ---

Hatte ich zuvor noch nichts von gehört, aber könnt man sich mal ansehen.

YY:
@Feuersänger:


SPOILER.


JA, ECHT.



(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ja, den Shuttle-Abschuss fand ich auch zum Schreien.
Da hätte ich mich fast gezwungen gesehen, meinen Nebenmann zu erwürgen, weil der das zu rechtfertigen versucht hat  ;D

Spätestens in Kombination mit dem Autodoc habe ich da den SciFi-Ticker im Hinterkopf ganz schnell abgeschaltet...schrieb ich ja schon.

Trotzdem hat mich der absurd uneinheitliche Techlevel gestört. Weltgeilster Autodoc und Energieschild (freilich nur als einmal auftauchendes Ereignis...), aber andere Sachen laufen quasi noch mit Dampf...


Meine zwei persönlichen Highlights sind die Exoskelett-OP (mit Spax-Schrauben im Fleisch befestigt, ganz großartig :gaga:) und der Arbeitsunfall.
Wenn ich genau drei Knöpfe habe (1. Zu und Start, 2. (Stop und) Auf, 3. Not-Aus), welchen drücke ich dann garantiert nicht als Letztes, bevor ich ohne einen weiteren Mann auf der Außenseite reingehe, um eine Störung zu beheben, die allein dafür verantwortlich ist, dass das Ding nicht schon zugefahren und angelaufen ist?

Da ist Staplerfahrer Klaus ein Waisenkind gegen  ;D


Richtig putzig fand ich das AKM mit dem ultrahochverdichteten Supersprengstoff in den Geschossen... :P

Da hat mich mein ungläubiges Lachen über die visuelle Umsetzung fast darüber hinwegsehen lassen, dass Max nicht die geringste Ahnung hatte, wie man das Ding bedient...wenigstens hat ers schnell gelernt  ::) :D



--- Zitat von: Agent_Orange am 21.08.2013 | 19:18 ---Ich saß da gestern zwischen zwei Physikern, die die Hände überm Kopf zusammengeschlagen hat; einer protestierte sehr zum Amüsement der uns umgebenden Zuschauern. Es fehlte nur noch das Wort: Skandal!

--- Ende Zitat ---

Das kommt bei uns auch öfter mal vor - nicht nur in Sachen Physik :)

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