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[Pathfinder] Fragen zu den APs (war aus [Pathfinder] Regelfragen und Smalltalk)

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Narubia:
Naja, ich habe Railroading einfach (kurz gesagt) generell als Restriktion der Handlungsfreiheit der Spieler verstanden, und das ist prinzipiell nicht so schlecht.

Slayn:

--- Zitat von: Narubia am 30.01.2014 | 20:01 ---Naja, ich habe Railroading einfach (kurz gesagt) generell als Restriktion der Handlungsfreiheit der Spieler verstanden, und das ist prinzipiell nicht so schlecht.
--- Ende Zitat ---

Die Handlungsfreiheit der Spieler schränkt man meistens irgendwo ein, praktisch immer.
Überspitzt ausgedrückt, spätestens wenn man eine Art von Physik im Spiel hat geht schon vieles nicht mehr. Das ist alles nicht das Thema und Dinge Einschränken ist für sich genommen weder "gut" noch "schlecht".
Es ist immer das "wie" das dabei zählt.

Andere Dinge sind es doch mehr, auf die es ankommt, etwa "Ego Tour" vs. "Gruppenspiel" oder "Spielermotivation" vs. "Charaktermotivation".

Guennarr:

--- Zitat von: Narubia am 30.01.2014 | 13:23 ---Ist es nicht. In den Forgotten Realms sind WESENTLICH kreativere Menschen am Zug gewesen. Das fängt mit der Weltkarte an und geht komplett ins Klein-Klein.

Ich gebe mal ein Beispiel:
Schaut man sich die Gesamtkarte Golarions an, so hat man einen deutlichen Eindruck davon, an was sich die Zeichner dieser Karte orientiert haben, nämlich an der Weltkarte.
Der Westliche Kontinent sieht aus wie Amerika, ist sogar praktischerweise in einen Nord- und Südteil unterteilt, und zwar durch einen Golf von Mexiko. Östlich davon sind zwei Kontinente, die Eurasien und Afrika in ihrer Position und Form durchaus ähneln. Ein Unterschied ist jedoch da: Östlichste Teil Asiens, alles östlich von Indien, also China, Nordrussland, ist davon abgetrennt. Ansonsten sieht man sehr gut so Dinge wie die Iberische Halbinsel (Cheliax) oder die Skandinavien (Almhult). Wenn man von der Deformation etwas absieht, kann man diverse europäische Elemente wiederentdecken, wie z. B. den Bodensee Lake Encarthan. Wieder herausgezoomt, Afrika passt natürlich auch klasse, mit einer typischen Wendekreiswüste im Norden sowie einer Küstenwüste im Südwesten, dazu noch Dschungel dazwischen und afrikanische Bewohner.
Okay, und was hat jetzt noch gefehlt? Achja, Ostasien. Wie komme ich eigentlich darauf, dass dieser andere Kontinent da eigentlich das abgeschnittene China ist? Komme ich darauf, weil es z. B. so Länder wie "Tian-Xia" heißt? Nein, daran liegt es sicher nicht.
Achja, und damit kein Kontinent vergessen wird: Australien gibt es auch.

Aber, wie oben schon angesprochen, nicht nur im Großen gibt es diese Ähnlichkeiten, nein. Da hat man abgekupfert bis zum geht nicht mehr.
Ich nehme im folgenden die beiden Länder Osirion und Andoran.
Dann mal Andoran. Andoran liegt also im Süden Europas, Bildet mitunter eine Landzunge ins Meer. Südöstlich davon liegt eine große und bekannte Insel im Mittelmeer. Und um es noch ganz klar zu machen, für die, die es noch nicht erkannt haben, mit welchem europäischen Land wir es zu tun haben: Es hat die erste Demokratie eingeführt. Das war nicht eindeutig genug abgekupfert? Okay, dann wenden wir uns Osirion zu...
Osirion, ich meine, nehmen wir erst einmal die Lage Osirions. Es ist also das nordöstlichste Land Afrikas Garunds, es liegt in einer Wüste, wird von einem großen Strom von Süden nach Norden durchzogen, der den unauffälligen Namen Sphinx River hat, an dem auch die Hauptstadt liegt. Im Norden und Osten des Landes liegt Meer, sie haben viele Monumente, die mit Hieroglyphen verziert sind. Ihr aktueller Herrscher heißt Prinz Khemet (Kemet ist der altägyptische Name des Nildeltas), zudem ist es bekannt als das Land der Pharaonen... An was könnte uns das erinnern? Es schreit, und das nicht nur förmlich.

Ich könnte (und das ist nicht übertrieben) Hunderte dieser Gemeinsamkeiten aufzählen, die alle sicher nicht zufällig sind.
Und ich will jetzt nicht hören "aber die VR klauen auch! Da! DA!". Natürlich klaut jeder irgendwo. Irgendwo nimmt man natürlich seine Inspiration, und ich könnte mich auch beschweren, dass im Norden fast aller Fantasy-Welten immer Kälte ist und im Süden immer Hitze, als wenn man das nicht mal ändern könnte.
Aber die Art und Weise, wie dreist Golarion nicht einmal VERSUCHT, zu kaschieren, dass sie das alles EINS ZU EINS aus der realen Welt und Geschichte geklaut haben, finde ich absolut einmalig schlecht.

Ich habe, wenn ich mir die Weltkarte ansehe, SOFORT das Gefühl, dass ich nicht in Golarion, sondern auf der realen Welt spiele. Aber dann will ich die Länder wenigstens wirklich so nennen dürfen und nicht Ägypten durch Osirion ersetzen müssen. Ich kann ja verstehen, dass vielen US-Amerikanern das mit ihren mangelhaften Kenntnissen der Geographie außerhalb der Staaten vielleicht nicht aufgefallen ist, aber ich verstehe den Hype in Deutschland absolut nicht. Für mich ist diese Art der Kopie so präsent, dass ich darüber nicht mehr hinwegsehen kann.

--- Ende Zitat ---

Ich verstehe irgendwie nicht das Problem, das hier geschildert wird.

Die Vergessenen Reiche/ Forgotten Realms sind ein über Jahrzehnte entwickeltes eigenständiges Setting mit eigener Geschichte, "world shaking events" und Kulturen, die z.T. (z.B. wiederum in der "Ägypten"-Region) irdischen Vorbildern ähneln, überwiegend aber eigenständig sind.

Golarion wurde hingegen in kürzester Zeit entwickelt. Im Vordergrund stand dabei m.E. nie eine innovative, sich deutlich von allem anderen abhebende Welt, sondern ein simples Setting, das für möglichst jeden Spielgeschmack eine eigene Region bietet. Anders als in den Realms gibt es keine fortlaufende Weltgeschichte, die alle paar Jahre den aktuellen Kampagnenliteraturstock wieder veralten lässt.

Aus meiner Sicht sind daher beide Settings von Grund auf unterschiedlich.
Und deshalb muss noch lange nicht jede/r mit beiden Settings gleichermaßen glücklich sein.

Ich nehme mal an, dass das kein üblicher Verriss nach dem Prinzip "Es ist nicht so, wie ich es mir vorstelle, darum ist es allgemein Mist." sein sollte, aber so liest es sich leider. Es zwingt dich doch niemand auf Golarion zu spielen. Setting und Regelwerk sind vollkommen getrennt. Wenn dir Golarion nicht zusagt, dann spielst du halt einfach mit den Pathfinder-Regeln auf Faerûn...  wtf?

Noch ein wenig zum Hintergrund beider Settings, das wahrscheinlich für die meisten hier eh nichts Neues ist:
Die Vergessenen Reiche wurden schon vor der Entstehung von D&D als ein Fantasiesetting von einem gewissen Ed Greenwood entwickelt, der in der Folge in der Jungzeit von D&D durch zahlreiche beeindruckend detaillierte Artikel zu seiner eigenen Spielwelt auffiel. Ende der 80er verkaufte er sein Setting inkl. Hunderter Schreibmaschinenseiten mit Settinginfos an TSR, die daraus das bekannte Setting machten. Es wurde danach von vielen TSR-/ WotC-Autoren mitentwickelt, ist aber in seinen Grundelementen ganz klar das Kind seines Urschöpfers. Vom Stil her bietet es zu den "Rändern" her immer "exotischere" Kulturen, ist im Grunde genommen aber sehr uniform.

Golarion wurde wie gesagt in sehr kurzer Zeit geboren. Eine Keimzelle, die sehr eigenständig ist und von einem der Paizo-Entwickler ebenfalls in jahrelanger Arbeit (in seinen eigenen Runden) entwickelt wurde, ist die Region Varisia, in der inzwischen vier APs angesiedelt wurden. Die anderen Regionen sind z.T. sehr deutlich irdischen Vorbildern nachempfunden, weisen z.T. aber sehr eigenständige Besonderheiten auf. Z.B. bietet Cheliax, das ungefähr in der Region des irdischen Spaniens liegt, die Besonderheit, dass dort nicht wie im Mittelalter erzkatholisch gelebt wird, sondern dass man dort offiziell einen Teufelskult als Staatsreligion betreibt. Andoran mag die erste Demokratie sein, sie weist aber schon optisch einige typisch amerikanische Elemente auf - weniger griechische. In einem Land herrscht eine ewige Revolution (1789 lässt grüßen), in einem Land ist es eher transsylvanisch-gothic-horror-mäßig. Teufel, Dämonen, Daimonen, Cthulhu und sogar eine Region mit den Überresten einer fremden Intelligenz und abgestürzten Raumschiffen sind dort zu finden. Sprich: Wenn es irgendein Lieblingsgenre gibt, lässt es sich einfügen. Und da Paizo großen Gefallen an den Pulp-Fiction-Groschenheften der 30er bis 70er gefunden hat, sind auch aus heutiger Sicht sehr exotisch wirkende SciFi-Fantasy-Kombinationen möglich.

In gewisser Hinsicht ist damit Golarion sehr viel dichter an Ur-D&D und den damaligen Abenteuern dran.
Faerûn ist deutlich eigenständiger, das Produkt eines Ursprungsautors, in sich geschlossener - sowohl was das Zueinanderpassen von Inhalten, als auch die Einbindbarkeit anderer Inhalte oder der Wechsel zwischen unterschiedlichen Abenteuerstilen betrifft.

Also letztlich reiner Geschmack, über den sich kaum streiten lässt.
Wozu also die Aufregung? ;)

Narubia:

--- Zitat von: Guennarr am 31.01.2014 | 01:43 ---Ich nehme mal an, dass das kein üblicher Verriss nach dem Prinzip "Es ist nicht so, wie ich es mir vorstelle, darum ist es allgemein Mist." sein sollte, aber so liest es sich leider. Es zwingt dich doch niemand auf Golarion zu spielen. Setting und Regelwerk sind vollkommen getrennt. Wenn dir Golarion nicht zusagt, dann spielst du halt einfach mit den Pathfinder-Regeln auf Faerûn...  wtf?
--- Ende Zitat ---
Wenn das so einfach wäre?
Es wäre vielleicht dann einfach, wenn z. B. die Abenteuerpfade einfach generaller gehalten würden und nicht ausschließlich auf Golarion basierten (wobei ich gar nicht genau weiß, wie man das umsetzen könnte).
Aber so - ich habe überlegt, z. B. "Unter Piraten" in den Reichen zu leiten - und ehrlich gesagt - da müsste ich schon einiges anpassen. Aber wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätt ich's getan.


--- Zitat von: Guennarr am 31.01.2014 | 01:43 ---Die anderen Regionen sind z.T. sehr deutlich irdischen Vorbildern nachempfunden, weisen z.T. aber sehr eigenständige Besonderheiten auf. Z.B. bietet Cheliax, das ungefähr in der Region des irdischen Spaniens liegt, die Besonderheit, dass dort nicht wie im Mittelalter erzkatholisch gelebt wird, sondern dass man dort offiziell einen Teufelskult als Staatsreligion betreibt.
--- Ende Zitat ---
ROFL
Was ist der Unterschied?!?!
 :muharhar:



--- Zitat von: Guennarr am 31.01.2014 | 01:43 ---Wozu also die Aufregung? ;)
--- Ende Zitat ---
Deine Ausführungen klingen letztendlich ein wenig wie Entschuldigungen. Und ich will dazu nur sagen, dass ich einfach denke, dass hier sehr viel Potenzial vergeudet wurde.
Aus meiner Sicht hätte man lieber kein Setting mit ausgegeben und eines ordentlich, langsam und überlegt aufgebaut. Natürlich gibt der Erfolg Paizo recht. Aber für mich wird Golarion niemals meine "Heimat", außer der Kontinentaldrift macht sich ganz stark bemerkbar.

Slayn:

--- Zitat von: Narubia am 31.01.2014 | 09:11 ---Wenn das so einfach wäre?
Es wäre vielleicht dann einfach, wenn z. B. die Abenteuerpfade einfach generaller gehalten würden und nicht ausschließlich auf Golarion basierten (wobei ich gar nicht genau weiß, wie man das umsetzen könnte).
Aber so - ich habe überlegt, z. B. "Unter Piraten" in den Reichen zu leiten - und ehrlich gesagt - da müsste ich schon einiges anpassen. Aber wenn ich die Zeit gehabt hätte, hätt ich's getan.
--- Ende Zitat ---

Hm. Je später in der Reihe der AP, umso weniger lässt er sich noch in andere Settings transportieren da sie mehr und mehr mit den Setting-Eigenheiten verwoben sind.
Diese Sachen kommen aber auch in den APs dann verdammt gut raus, etwa Dinge wie die Runelords, Kaer Maga und etliche der Kulturen, Organisationen (etwa die Hellknights) oder Locations.
Spätestens bei den Reise-APs besteht dann schon keine Chance mehr sie zu transportieren, außer man findet durch puren Zufall ein Gegenstück zu den gleichen Gegebenheiten in einem anderen Setting.

Zugegeben, viele Locations in Golarion sagen mir entweder nicht zu oder interessieren mich einfach nicht. Das absolute Highlight ist bisher Varisia mit seinen sehr gut ausgebauten Locations Korvosa, Magnimar, Riddleport und Kaer Maga.
Dinge wie Dungeos/Castles of Golarion erweitern das noch sehr gut.

Was die Forgotten Realms angeht, ist die Qualität wohl immer eine Frage der Edition. Ich empfand die Grey Box Zeiten und die zugehörigen Regionalbände als die absolute Hoch Zeit der Realms, mit einem stimmigen Gesamtbild, einer recht guten Mischung und High und Low Fantasy und vielen interessanten Startpunkten zum Erkunden.
Für mich hörte diese Zeit dann auf, als immer mehr Material aus den Romanen in die Realms portiert wurde und das stimmige Gesamtbild zersetzt hat.
Die d20 FR waren für mich dann schon so ein ziemliches Low Light, wurde doch alles gröber und gröber, noch mehr Meta-Bezuge, nur noch dieser elendige Fokus auf Spielermaterial anstatt Setting-Infos und Ausbau.

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