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Brainstorming: Wie funktionieren Götter-Kulte in einer High-Fantasy-Welt?

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Text:
Ich mache mir gerade Gedanken über die Optik:

Was ist das Zeichen eines Gottes? Ikonografie spielt eine wichtige Rolle zur Wiedererkennung in einer vor-fotografischen Welt. Wenn die Götter real sind, dann werden sie bei der Gestaltung ihres heiligen Symbols zumindest mitwirken. In unserer Realität sind ikonografische Attribute entweder körperliche Merkmale (Hörner, Bart, etc.) oder Requisiten aus einer bekannten Geschichte. Sehen real existierende Götter in echt ähnlich aus wie ihre Abbilder? Sehen sie unterschiedlich genug voneinander aus, damit man sie nur anhand ihres Äußeren identifizieren kann? Tragen sie ihr heiliges Symbol/Requisit bei jeder Gelegenheit (bei jedem öffentlichen Auftritt) mit sich herum? (Kommt mir irgendwie komisch vor: selbst wenn das der Gott der Fischer ist, läuft der doch nicht die ganze Zeit mit einem Fischernetz in der Hand rum, oder?)

Zum Vergleich: Herrschaftsziechen in der realen Welt (Krone und Szepter, etc.) sind nicht wirklich individuell. Jede Gegend hat nur einen König, da reicht es wenn das Volk „den König“ erkennt - es muss nicht einen Bestimmten unter Gleichen. Vermutlich wären heilige Symbole hier eher ein Wappen als ein Herrschaftssymbol. Lässt sich leichter mit sich herumtragen und ist leichter zu individualisieren.

Ahmt der Klerus in seinem Kleidungsstil das Aussehen seines Gottes nach, oder dessen Stil-Geschmack?

Würden die Priester des Gottes der Schönheit versuchen selbst schön zu sein (ihren Gott nachzuahmen) - oder würden sie sich absichtlich hässlich machen (als Kontrast um die Schönheit ihres Gottes noch mehr hervorzuheben)? Würden die Anhänger eines gehörten Gottes sich selbst falsche Hörner ankleben?

Antariuk:
Das kommt denke ich ein bißchen drauf an wie realistisch, bzw. historisch inspiriert man sein möchte. Unsere Geschichte ist voll von Religionen, in denen sich die Namen, Symbole und Zeichen für Götter im Laufe der Zeit verändern, oder auch einfach parallel gültige Alternativen benutzt haben. Schönes Beispiel aus dem Alltag: man sieht auf vielen Autos den christlichen Fisch ICHTYS, aber als Amulett tragen fast alle Christen ein Kreuz. Dennoch sind beides Symbole für denselben Glauben (im groben Sinne). In (den mir bekannten) RPG Settings wird zugunsten der Spielbarkeit meist nur ein markantes Symbol/Kult/Farbe/etc. präsentiert damit die Verwirrungen nicht zu groß werden, und ich denke das ist ein Kompromiss mit dem man gut arbeiten kann, besonders bei einem Pantheon mit vielen göttlichen Figuren.

Wie eine Gottheit wirklich aussehen kann oder soll, wenn er oder sie auf Erden wandelt, würde ich vielleicht nicht einmal allgemeingültig festlegen wollen sondern von der Geschichte abhängig machen. Geht es um das Werben von Anhängern? Das Aufspüren eines verfeindeten Gottes, bzw. seines Avatars? Ist der Gott durch einen Fluch oder ein göttliches Urteil gegen seinen Willen auf die Erde verdammt worden? Wenn die Gottheit z.B. gegen ihren Willen vor Ort ist und ihre eigentliche Funktion momentan gar nicht ausführen kann wäre ein verändertes Aussehen ohne die typischen Erkennungsmerkmale durchaus denkbar und ein Aufhänger mit Geschichts- und Abenteuerpotential.

Für den Normalzustand finde ich es aber immer einfacher, wenn sich Götter sowohl optisch als auch im ihrem jeweiligen Kult voneinander unterscheiden, aus dem o.g. pragmatischen Grund der leichteren Handhabe. Eine Ausnahme bilden da sicherlich Trickster/Gauner/Wanderer-Götter mit wandelbarem Äußeren, die als merkwürdige Begegnung auf einsamen Landstrassen den Sterblichen komische Handel anbieten. Da wird die Identität oft erst hinterher klar, wenn Ereignisse und Konsequenzen übernatürliche Züge annehmen. Wobei das, wenn man z.B. auf die griechische Mythologie guckt, auch kein sonderlicher Einzelfall war - wie oft haben Zeus und Co. in Verkleidung irgendwelche unwissenden Frauen verführt?

Zu deinem Beispiel mit dem Fischergott und dem Netz: es wäre denkbar dass dieses Netz quasi das platonische Ideal eines Fischernetzes ist und die Domäne des Gottes gut erkennbar repräsentiert, natürlich wird er es immer dabeihaben. Da er ein Gott ist hält er es vielleicht nicht wirklich in einer Hand, aber es wird irgendwie immer nahe an ihm sein, da würde ich zur Not auch physikalische Probleme einfach ignorieren wenn es grade unpassen wäre (z.B. der Gott der Fischer kommt an Land und spricht einen mysteriösen Orakelspruch auf dem öffentlichen Platz der Hafenstadt. Da ein triefendes Fischernetz in der Hand den Coolnessfaktor erheblich untergraben würde hat er es vielleicht locker über die Schulter gelegt oder so, oder es ist einfach irgendwie neben/hinter ihm, ohne dass jemand genau sagen könnte wo. Götter eben).

Skeeve:

--- Zitat von: Text am  4.08.2014 | 21:34 ---Ist das nicht schwierig, von wegen Schmetterlingseffekt und so? Welche Zukunft für mich eintritt hängt ja nicht nur davon ab wie ich selbst mich entscheide, sondern auch davon wie alle anderen Menschen auf der ganzen Welt (oder zumindest die mit denen ich gerade direkt interagiere) sich ständig entscheiden, oder nicht?

Ist das in die Vergangenheit "symmetrisch" bei dir? Sprich: wissen die Götter was passiert ist? Oder kennen sie auch nur alle möglichen Vergangenheiten die zu dieser Gegenwart geführt haben könnten?

--- Ende Zitat ---


Ja... weshalb die Götter vielleicht nicht jedes Einzelschicksal sehen können. Aber warum sollte es für die Göttter auch einfach sein? Sie sehen jedenfalls mehr mögliche Zukünfte als ich mit klarem Verstand erfassen kann... und Sicherheit was die Auswirkungen ihres Eingreifens betrifft, haben sie schon mal gar nicht. Da kommt dann im entscheidenen Moment der "menschliche" Faktor/"freie Wille" oder so (vielleicht kann man es auch den Zufall nennen) zum tragen. Weshalb bei mir die Schicksalsgöttinnen erstmal aus dem Pantheon rausgeflogen sind. Was genau die Zukunft bringt wissen noch nicht mal die Götter.

Bei der Vergangenheit ist es klar, da weiß "man" was passiert ist... da die Vergangenheit zum Zeitpunkt X in noch früherer Vergangeheit noch die damalige Zukunft war, können sie sich vielleicht auch an die anderen möglichen Vergangenheit erinnern, aber das ist relativ egal. Da kann man nichts mehr verändern. [Notiz an mich: Zeitreisen im Setting verhindern! ]

aber was die Zukunft betrifft: da kann der Gott wohl sehen "wenn ich jetzt diesen NSC in die Richtung von Dorf X schicke, dann verhindert der NSC vielleicht den Überfall auf das Dorf X. Aber wenn der Überfall nicht stattfindet, dann ist die Wahrscheinlichkeit dass der Charakter Y aus dem Dorf auf Wanderschaft geht um gegen die Anhänger der dunklen Götter zu kämpfen und in einigen Jahren auf Abenteurergruppe ABC trifft und sich der Gruppe anschließt gleich Null.

Aber wenn ich den Überfall stattfinden lasse und dabei nur der Charakter Y überlebt, dann ist die Chance dafür dass er auf Rache aus ist, auf Wanderschaft geht [ist ja nichts mehr im Dorf was ihn halten könnte] und später auf die Abenteurergruppe trifft und alle zusammen dann zukünftig  erfolgreich gegen die dunklen Götter kämpfen auf jeden Fall größer als Null."

Anastylos:
Ich denke die Frage der Theodizee wird IC genauso strittig sein wie bei uns in der Realität. Ebenso wird sich das Verhältnis des Gläubigen zu seinem Gott nicht stark von dem unterscheiden was wir aus der Realität kennen. warum das Rad neu erfinden wenn doch alles schon da ist? Und wozu alles festlegen wenn das doch in der Realität auch nicht der
Fall ist?

Die Symbole der Götter werden einen analogen Charakter haben. Gott wird ja oft als alter Mann mit Bart und Thron dargestellt, obwohl er natürlich weder altert noch ein Mann ist noch auf einem Thron sitzt. Sondern weil wir Alter mit Weisheit identifizieren und einen Thron mit Herrschaft.
Ebenso wird es bei den Göttern sein: Ein Gott der Rechtschaffenheit wird als Ritter oder mit einer Waage dargestellt werden, eventuell auch mit einem Gesetzesbuch, ein Gott des Handels mit Säcken und vielleicht auch etwas beleibter. Das Symbol muss aus dem Alltag der Menschen kommen, damit es verständlich ist.

Text:
@Skeeve: Aber sind sie dann nicht bloß gut im Wahrscheinlichkeiten voraus berechnen und Szenarios aufstellen? (nichts was eine Wettervorhersage nicht auch im Ansatz könnte) "Außerhalb der Zeit" stehen sie doch trotzdem nicht, weil es auch für sie einen Moment "jetzt" gibt, wo alles davor entschieden ist - und alles danach noch offen ist.

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