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Brainstorming: Wie funktionieren Götter-Kulte in einer High-Fantasy-Welt?
Anastylos:
Außerhalb der Zeit bedeutet das alle Momente die jemals waren oder sein werden "jetzt" sind. Das funktioniert nur bei einem sehr speziellem Gottesbild. Ich glaube in diesem Fall geht es nicht^^
Text:
--- Zitat von: Anastylos am 5.08.2014 | 01:03 ---Die Symbole der Götter werden einen analogen Charakter haben. Gott wird ja oft als alter Mann mit Bart und Thron dargestellt, obwohl er natürlich weder altert noch ein Mann ist noch auf einem Thron sitzt. Sondern weil wir Alter mit Weisheit identifizieren und einen Thron mit Herrschaft.
--- Ende Zitat ---
Gegenbeispiel: Jesus wird am Kreuz hängend mit Dornenkrone dargestellt, weil man glaubt dass er wirklich in einem ganz bestimmten Moment so oder so ähnlich ausgesehen haben könnte.
Wobei da auch wieder die Frage reinspielt, was den eigentlich Authentizität ist: im europäischen Mittelalter wurden Bibelszenen ja in die Gegenwart des europäischen Mittelalters transportiert. Die dargestellten Personen und Landschaften sollten so aussehen wie es der typische Betrachter aus seinem eigenen Alltag kannte. Irgendwann hat sich das aber verselbstständigt und das Aussehen wurde zum typischen Aussehen von "authentischen" Bibelszenen die nicht mehr an die aktuelle Zeit angepasst wurde. Was dazu führt dass Jesus heute ein bärtiger weißer Mitteleuropäer ist, der in einem mitteleuropäischen Stall geboren wurde und dessen Mutter mittelalterliche Kleidung trägt.
Aber diese Verselbstständigung des Gottesbildes liegt ja daran, dass die Original-Vorlage (Israel um das Jahr 0) nun schon seit 2000 nicht mehr gegenwärtig und greifbar ist. Man macht über 2000 Jahre Kopien von Kopien.
In einer Welt in der die Götter gegenwärtig und real greifbar sind würde das ja nicht passieren. Klar könnte es 2000 Jahre alte Gottesbilder geben - die die Leuten der Gegenwart dann noch mehr oder weniger leicht zuordnen könnten. Aber das Gottesbild der Gegenwart könnte direkt auf dem Gott der Gegenwart basieren. Sie könnten entweder Inhalte sinngemäß übertragen oder fotorealistisch abbilden - aber sie bräuchten keine fotorealistische Abbildung einer alten sinngemäßen Übertragung zu machen.
--- Zitat von: Anastylos am 5.08.2014 | 01:03 ---Ebenso wird es bei den Göttern sein: Ein Gott der Rechtschaffenheit wird als Ritter oder mit einer Waage dargestellt werden, eventuell auch mit einem Gesetzesbuch, ein Gott des Handels mit Säcken und vielleicht auch etwas beleibter. Das Symbol muss aus dem Alltag der Menschen kommen, damit es verständlich ist.
--- Ende Zitat ---
Ja, das ist eine der beiden Möglichkeiten. Die Frage ist halt: wenn man diesen Weg geht, würden die Menschen dann den leibhaftigen Gott noch erkennen, wenn er ohne Ritterrüstung und Waagschale vor ihnen steht?
Ist wahrscheinlich eine generellere Frage: wie unterscheidet man einen leibhaftigen Gott von einem Scharlatan - oder von einem Trickster-Gott der sich als ein anderer Gott ausgibt? (Man will ja seinen potenziellen Gott nicht verärgern indem man seine Identität anzweifelt. Aber ganz ohne Überprüfbarkeit öffnet das doch Missbrauch Tür und Tor.)
Anastylos:
--- Zitat von: Text am 5.08.2014 | 01:27 ---In einer Welt in der die Götter gegenwärtig und real greifbar sind würde das ja nicht passieren. Klar könnte es 2000 Jahre alte Gottesbilder geben - die die Leuten der Gegenwart dann noch mehr oder weniger leicht zuordnen könnten. Aber das Gottesbild der Gegenwart könnte direkt auf dem Gott der Gegenwart basieren. Sie könnten entweder Inhalte sinngemäß übertragen oder fotorealistisch abbilden - aber sie bräuchten keine fotorealistische Abbildung einer alten sinngemäßen Übertragung zu machen.
Ja, das ist eine der beiden Möglichkeiten. Die Frage ist halt: wenn man diesen Weg geht, würden die Menschen dann den leibhaftigen Gott noch erkennen, wenn er ohne Ritterrüstung und Waagschale vor ihnen steht?
Ist wahrscheinlich eine generellere Frage: wie unterscheidet man einen leibhaftigen Gott von einem Scharlatan - oder von einem Trickster-Gott der sich als ein anderer Gott ausgibt? (Man will ja seinen potenziellen Gott nicht verärgern indem man seine Identität anzweifelt. Aber ganz ohne Überprüfbarkeit öffnet das doch Missbrauch Tür und Tor.)
--- Ende Zitat ---
Die Frage ist auch wie erscheint ein Gott den Menschen und warum. Er wird den Menschen so erscheinen dass sie ihn erkennen, außer er will das sie ihn nicht erkennen. Darum wird er auch die Insignien mitführen. Trickstergötter müssen vermutlich mit Verfolgung durch andere Götter rechnen wenn sie deren Gestalt annehmen. Für Menschen sind sie aber nicht zu unterscheiden. Sollte es einen Gott geben der andere Gestalten annehmen kann wird er dass nur mit der Rückendeckung durch andere Götter machen.
Sin:
Ich will mich kurz halten, weil meine Meinung vermutlich dem TO nicht wirklich weiterhilft, da er schon in eine andere Richtung festgelegt ist.
Es scheint ja darauf hinauszulaufen, dass wir hier eine Götterwelt nach Vorbild des olympischen und ähnlicher Pantheons erhalten, d.h. eine Gruppe Götter, alle mit festgelegten Attributen, insbesondere ist jeder die Personifikation eines Teils (oder mehrerer Teile) der Natur (Meer, Tiere, Sonne, Vulkane, Tod...) oder eines Aspekts der menschlichen Gesellschaft/Kultur (Poesie, Assassinen, Musik, Schönheit des menschlichen Körpers...). Natürlich ist das eine weitverbreitete, weil einfach umzusetzende Möglichkeit, aber sie ist auch ungeheur albern (für viele Philosophen der Antike ebenso wie für jeden modernen Menschen, sprich: Rollenspieler).
Wie soll man sich die Entstehung solcher Pantheons dann aber vorstellen? Es macht puff und wir haben zwei Dutzend krankhaft zwanghafte Wesen ungeheuerer Macht, der eine beschäftigt sich eine Unendlichkeit lang nur mit Meuchelmord, die nächste starrt den ganzen Tag nur in den Spiegel und philosophiert über die Ideale menschlicher Schönheit und der nächste sitzt seit Äonen in seinem Lieblingsvulkan? Ne, nicht wirklich.
Ein bisschen nachvollziehbarer wirds vielleicht, wenn man sagt, die Götter haben sich die Attribute und Aspekte untereinander aufgeteilt, damit sie sich nicht die ganze Zeit gegenseitig in die Quere kommen. Das gibt aber nur einen Sinn (nun ja, wenigstens ein bisschen, nicht unbedingt viel), wenn sie auf die Verehrung der Menschen und anderen Spezies angewiesen sind - dann wären wir wieder bei der alten Erklärung, dass die Götter Macht durch ihre Anbetung erhalten... Nun ja.
Das würde allerdings auch bedeuten, dass die Göttin der Schönheit, gar nicht wirklich so versessen auf Schönheit ist und der andere nicht so sehr auf Wind und Wetter, sondern... Irgendwas muss da wohl sein (etwa ein Spiel unter den Göttern, Machtkampf als Wettberb zum Zeitvertreib), sonst würden sich die Götter jeder ein Territorium, ein Volk suchen und sich dort als einziger echter Gott verehren lassen, das wäre viel einfacher und sie müssten sich keine solchen Albernheiten ausdenken, um ihre Macht zu behalten.
Darum würde ich mir lieber gleich was anderes ausdenken, als das altbekannte Pantheon nach olympischem Vorbild.
Das ist meine Meinung dazu, es steht dir natürlich frei sie zu ignorieren, wenn du dich schon auf einen Pfad festgelegt hast.
Anastylos:
Ich persönlich stimme dem zu. Das Pantheon ist ein Prinzip das zu oft verwendet wurde um noch interessant zu sein, aber alles andere wird dann schon wieder sehr an reale Religionen angelehnt sein wodurch es nicht jedermanns Sache ist.
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