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[Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan
scrandy:
Du hättest also lieber Blockbuster ohne jeglichen Tiefgang anstatt Tiefgang mit geringen Logikfehlern?
scrandy:
[EDIT: Dieser erste Post-Teil bezieht sich auf einen gelöschten Post von Talasha und ist jetzt (wie einige andere Posts zum Zitat) nicht mehr relavant]:
Also erstmal sind Zitate nicht dazu da eigene Inhalte reinzuschreiben. Ich sehe das nämlich anders. Das hat nichts mit Desinteresse oder Arroganz zu tun.
Zweitens finde ich Interstellar so wie er ist wunderbar. Klar kann man immer irgendwo was verbessern. Aber Interstellar macht in vielen Bereichen Dinge besser als vergleichbare Filme, da sind mir die geringen Plotlücken egal.
Nur weil ein Film einen gewissen Anspruch hat, heißt das nicht das er fehlerfrei oder in jeder hinsicht "realistisch" sein muss. Filme sind von Natur aus nicht fehlerfrei. Die meisten Fehler fallen uns nur nicht auf, weil wir keine Ahnung von den Details haben oder einfach nicht richtig hinsehen. Schau dir mal den Blogpost an, den ich oben verlinkt habe, der trifft das Problem eigentlich ganz gut (vor allem auf Seite 2).
Evil Batwolf:
Das Problem ist, dass Nolan keine kritische Distanz zu seinen Figuren aufbaut, sondern der Film beim Zuschauer eine Identifikation mit den fragwürdigen Ansichten und Verhaltensweisen der Protagonisten aufbaut.
Sicher kann man wertvolle Diskussionen über die im Film angesprochenen Themen führen. Im Film werden diese Themen aber nicht diskutiert.
Edit:
Noch mal ein wenig ausführlicher, damit man es versteht.
Ich habe den Anspruch an Filme, dass sie ein Thema, dass angesprochen wird, in angemessener Form diskutieren, d. h. es gibt Figuren, Ereignisse usw., die bestimmte Sichtweisen zu dem Thema einnehmen, es werden verschiedene Sichtweisen vorgestellt und der Zuschauer hat die Möglichkeit, sich mittels des Films eine Meinung zu bilden oder seine Meinung zu dem Thema zu überprüfen. Wenn dieser Anspruch erfüllt ist, finde ich den Film anspruchsvoll :).
Interstellar macht das nicht. In diesem Film gibt es keine Figur, die die Meinung vertritt, dass man versuchen sollte, die Umweltprobleme auf der Erde zu lösen. Vielmehr wird die Notwendigkeit des Exodus als gegeben hingestellt, quasi achselzuckend, und es geht nur noch um die Frage, wie viele mitfliegen dürfen.
Man könnte ja vielleicht auf die Idee kommen, dass der familientechnische Vollversager Cooper bewusst zum Ausrufer amerikanischer Familienideologie gewählt worden wäre, um diese fragwürdige Sauce zu karikieren. Aber hey, der Typ wird total sympathisch gezeichnet, ist bereit, sich für das Wohl aller zu opfern, rettet am Ende sogar die Welt und kriegt Anne Hathaway. Und Hans Zimmer orgelt Heldenmelodien drüber. Ich kann da beim besten Willen keine Ironie oder kritische Distanz erkennen. Und selbst wenn sie gewollt wäre, wenn man sie nicht erkennt, war's halt schlecht gemacht.
Eine interessante Thematik hätte auch die psychologische Situation von Dr. Mann (Matt Damon) sein können. Hier hätte man die Frage aufwerfen können, ob die Herangehensweise, einsame "Helden" auf Planeten zu schicken und dort mit hoher Wahrscheinlichkeit den Opfertod zu sterben, nicht zutiefst unmenschlich und in ihrer amerikanisch-patriotischen Verblendung von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Was macht Nolan? Er lässt Dr. Mann zum Mörder und Verräter an seinen Rettern werden, also letztlich zu einem charakterlichen Fiesling. Nix mit Opfer der Verhältnisse, der Typ ist einfach unamerikanisch und hat das Leben nicht verdient (weshalb er dann ja auch durch eigene Missetaten ein verdientes Ende findet. Meh.)
Es ist ja o.k., wenn dieser Film zu Diskussionen anregt. Das ist aber dann nicht das Verdienst der Filmqualität. Man kann auch die HoGeSa-Demos zum Anlass nehmen, um gehaltvolle Diskussionen über das Zusammenleben der Religionen in Deutschland, über die Geißel des Rassismus und die Sinnlosigkeit von Gewalt zu führen. Die HoGeSa-Leute bleiben trotzdem hohle Nazis.
Das beste, was man über Interstellar vielleicht sagen kann, ist, dass er so schlecht ist, dass man angeregt wird zu überlegen, wie man die angesprochenen Themen gescheit hätte verfilmen können. Und das ist mir deutlich zu wenig.
Sin:
--- Zitat ---Interstellar macht das nicht. In diesem Film gibt es keine Figur, die die Meinung vertritt, dass man versuchen sollte, die Umweltprobleme auf der Erde zu lösen.
--- Ende Zitat ---
Mutmaßlich deshalb, weil Grundprämisse des Films ist, ein Szenario aufzuzeigen, indem es zu spät ist, die Umwelt zu retten. Scheint mir zumindest so, ich werde den Film nicht im Kino anschauen, weil ich genug drüber gelesen habe, um davon auszugehen, dass ich den Film nicht mögen würde. Überall damit rumzuprahlen, wie wissenschaftlich korrekt der Film sei, mit Unterstützung eines Top-Experten auf dem Gebiet gedreht - nach dem was ich über den Film gelesen habe, einfach nicht tragbar.
--- Zitat ---Das Problem ist, dass Nolan keine kritische Distanz zu seinen Figuren aufbaut, sondern der Film beim Zuschauer eine Identifikation mit den fragwürdigen Ansichten und Verhaltensweisen der Protagonisten aufbaut.
--- Ende Zitat ---
Kann ich gar nicht nachvollziehen, wenn ich etwa an den Film denke, der Nolan wohl zum Superstar als Regisseur macht, The Dark Knight: Batman dient hier offensichtilich als Allegorie auf die US-Außen- und -Sicherheitspolitik: Batman, der Protagonist, stellt sich über das Gesetz und begeht Selbstjustiz (USA als selbsternannte Weltpolizei, das Völkerrecht ignorierend); dadurch erschafft er den Joker, den ultimativen Terroristen (Al-Qaida); als einzig verbliebene Gegenmaßnahme kreiiert Batman die totale Überwachung, wie auch immer das funktioniert mit den Signalen von Handys auf seinen 1000 Monitoren (NSA). Batman siegt, steht aber ziemlich gearscht da und das Überwachungssystem wird vernichtet.
Wie auch immer man die Aussage des Films interpretieren will, man kann als Zuschauer auf jeden Fall eine Menge drüber nachdenken und die Identifikation mit dem Protagonisten wird stärker hinterfragt als in 99% der Hollywood-Blockbuster. Also wenn du ein Problem mit der Darstellung des Protagonisten in Interstellar hast (und nach dem was ich über diesen Film weiß, mag das gerechtfertigt sein), sehe ich das definitiv nicht als Nolan-charakterisierendes Problem.
Evil Batwolf:
--- Zitat von: Sin am 19.11.2014 | 08:24 ---Mutmaßlich deshalb, weil Grundprämisse des Films ist, ein Szenario aufzuzeigen, indem es zu spät ist, die Umwelt zu retten. Scheint mir zumindest so, ...
--- Ende Zitat ---
Naja, so ansatzweise gibt es schon einige Nebenfiguren, die für ein Weitermachen auf der Erde stehen (z. B. die Lehrer der Tochter, auch der Sohn). Die werden aber als Quadratschädel mit "Verwaltermentalität" diffamiert und haben auch weiter keine größere Bedeutung.
Vielleicht soll man ja dieses lakonische "Ist halt so" als kritischen, auf eine untergehende Zivilisation gerichteten Spiegel werten, aber dafür gibt es in dem Film so gar keine Hinweise. Jedenfalls keine, die ich erkannt hätte. Vielleicht bin ich zu doof, aber das hätte ich mit der im Kino versammelten Zielgruppe dann definitiv gemeinsam :D.
Welchen Sinn macht ein Film über Umweltzerstörung, der sich mit dem worst case befasst, ohne dabei die Verhältnisse, die dazu geführt haben, kritisch zu hinterfragen? Wenn ich die gesellschaftliche Lust am Untergang zelebrieren will, ist ein Happy-End mit "Die-Family-hat's-mal-wieder-gerichtet"-Credo aber so was von daneben...Vielleicht soll ja auch das ironisch sein, aber das hätte dann wieder niemand bemerkt. Zumindest nicht in meinem Kinosaal.
Könnte ja sein: Nolan ist so feinsinnig ironisch, dass er bewusst einen vordergründig grottenschlechten Film gedreht hat, um damit den verantwortungslosen Umgang Hollywoods mit wichtigen Themen der Zeit zu verdeutlichen. Wenn das so beabsichtigt war, ist der Film grandios.
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