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[Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan

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scrandy:
Klar ist das ein Kriterium. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch produktiv. In dem Umfang und mit der Wortwahl wie das hier gemacht wird allerdings nicht. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen Star Trek in den Boden zu stampfen obwohl dort regelmäßig versucht wird Dinge mit der Wissenschaft abzugleichen.

Ich finde ja Diskussionen über einzelne Elemente durchaus interessant, aber das pauschale Abwerten mit Schimpfwörtern macht so keinen Sinn.

Und was den übernatürlichen Anteil betrifft: der ist schon sehr früh im Film verankert (vorkommnisse im Zimmer). Das kann man mögen oder auch nicht. Es ist aber keine Frage der Qualität sondern des Genres. Wenn man generell mit Mystery was anfangen kann dann kann man sicher auch mit dem Ende leben. Soll es stattdessen reine SciFi sein, dann kann man durchaus enttäuscht sein.

Was das Bewerben betrifft ist das sicherlich ein Medienhype, ein Thema das man ausschlachten kann. Viele Filme mit Spezialthemen haben Fachberater. Aber nur weil z. B. ein Schauspieler sagt, er hätte 3 Monate mit echten Boxern trainiert, würde niemand auf die Idee kommen den Film wegen der unauthentischen Kämpfe in den Dreck zu drücken. Fast überall gibt es Berater und je nach Marketingstrategie werden die auch erwähnt. Das bedeutet aber nicht, dass es oberstes Filmziel war realistisch zu sein. Der Anspruch wird schlicht nicht gestellt. Es geht lediglich darum den Film so echt wie möglich wirken zu lassen um "Echtheit" als visuelles Stilmittel zu verwenden.

Das ist nicht viel anders als bei Battlestar Galactica: die interne Schiffskomunikation ist echten Schiffen nachempfunden, damit wir die Gefechte intensiver wahrnemen. Ein Flugzeigträger im Weltraum wird dadurch aber nicht realistischer.

Pyromancer:
Das Problem ist ja nicht alleine, dass der Film nicht wissenschaftlich ist - das Problem ist, dass diese Unwissenschaftlichkeit zu internen Konsistenzproblemen führt und den ganzen Plot ad absurdum führt.

Paradebeispiel: Da braucht die NASA Daten aus dem schwarzen Loch, um einen Gravitationsantrieb bauen zu können, um die Menschheit ins All zu schaffen. Direkt im Anschluss wird dann auch gezeigt, warum dieser Wunder-Antrieb nötig ist: Weil man schon eine riesige Rakete braucht, nur um ein paar popelige Astronauten in den Orbit zu bringen.
Und jenseits des Wurmloches wird dann gezeigt, wie die Astronauten völlig ohne große Raketen mit ihren Raumschiffen problemlos einen Pendel-Verkehr zwischen Oberfläche und Orbit einrichen und offensichtlich diesen Wunder-Antrieb schon haben.

Das ist nicht nur unwissenschaftlich, das widerspricht einer expliziten Prämissen des Films. Und das ist etwas, wofür man nicht Physik studiert haben muss, um es zu merken, dafür muss man nur dem Film aufmerksam folgen. Nun ist es so, dass viele Menschen dem Film nicht aufmerksam folgen, und denen ist es natürlich egal.  Die stellen den Bezug zu den späteren Szenen gar nicht her.

Der Film funktioniert, wenn man sein Gehirn abschaltet, die schönen Bilder anschaut, und am Ende denkt: "Huh?"
Aber damit sind viele der schönsten Stellen des Filmes verschenkt, weil um die zu würdigen muss man aufmerksam sein und mitdenken. Für den mitdenkenden Zuschauer schwankt der Film aber damit zwischen "hehe, nett gemacht!" und "ihr wollt mich wohl verarschen?!"

FlawlessFlo:

--- Zitat von: Pyromancer am  9.12.2014 | 12:10 ---Für den mitdenkenden Zuschauer schwankt der Film aber damit zwischen "hehe, nett gemacht!" und "ihr wollt mich wohl verarschen?!"

--- Ende Zitat ---

So sieht's aus. Sehr schön auf den Punkt gebracht.

YY:

--- Zitat von: scrandy am  9.12.2014 | 10:59 ---Aber nur weil z. B. ein Schauspieler sagt, er hätte 3 Monate mit echten Boxern trainiert, würde niemand auf die Idee kommen den Film wegen der unauthentischen Kämpfe in den Dreck zu drücken.

--- Ende Zitat ---

Doch, das gibt es sehr wohl.

Parade-Negativbeispiel: "Genug" mit J. Lopez.
Da wurde vom eigenen Marketing ein Riesenbohei um den Krav Maga-Part gemacht, mit entsprechendem Medienecho.
Und was dann im Film tatsächlich zu sehen war, war - da lässt sich die Bewertung mit Schimpfworten nicht vermeiden - ein Riesenhaufen Scheiße, den man noch nicht mal dramaturgisch entschuldigen kann, weil das zu allem Überfluss mit einer gelungeneren Darstellung mit besser geworden wäre.

Und auf der anderen Seite hat man Filme wie "Heat", bei dem in der Richtung ein enormer Recherche- und Produktionsaufwand betrieben wurde - Michael Mann hat da nämlich durchaus den Anspruch, dass es nicht nur halbwegs glaubwürdig aussieht.
Freilich ist der Film auch ansonsten gut gemacht, aber das ist einer der Gründe, warum er ein absoluter Klassiker des Genres ist.

Arldwulf:
Interstellar wirkt halt oft als ob man sich erst überlegt hat welche physikalischen Effekte (Wurmlöcher, schwarze Löcher, Zeitdilatation etc.) man zeigen mag - und dann überlegt: So, und jetzt brauchen wir irgendeine Story um das ganze halt halbwegs zu verknüpfen.

Anders herum wäre es sinnvoller gewesen - erst die Story glaubwürdig machen und dann überlegen welche Effekte darin vorkommen.

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