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[Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan

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Evil Batwolf:

--- Zitat von: scrandy am 10.12.2014 | 14:33 ---... Die Charaktere haben alle eine Funktion und sind nicht einfach nur Helden und die spannenden Szenen sind auch nicht abgedroschen....
--- Ende Zitat ---
Mal eine Stufe vorher angefangen, bevor wir über Funktionen reden. Was ist Deiner Meinung nach denn das Thema des Films? Hat er eine Message, und wenn ja, welche? Welche Probleme will er diskutieren? Welche Argumente werden dabei durch welche Figuren transportiert?

Ganz ehrlich, ich kann da nichts Konsistentes erkennen. Für mich bleibt Interstellar ein Hollywoodschinken, der sich den Anschein von Anspruch gibt (quasi als Marketing-Gag). Aber vielleicht irre ich mich ja....

Evil Batwolf:

--- Zitat von: Grey am 10.12.2014 | 14:46 ---
 es wird nichts daran ändern, daß der Film einigen Leuten gefallen hat und anderen nicht.

Warum also geht diese Diskussion überhaupt weiter?...
--- Ende Zitat ---
Ich hab' die Diskussion so verstanden, dass es um die Frage geht, ob Interstellar ein Film ist, der den Betrachter zum Nachdenken über bestimmte Themen anregt, oder ob er eher nur so tut, als wolle er zum Nachdenken anregen.

"Gefallen" ist für mich kein relevanter Begriff in diesem Zusammenhang. Helene Fischer gefällt mir auch (wenn sie nicht singt), zum Nachdenken regt sie mich aber eher nicht an.

FlawlessFlo:

--- Zitat von: scrandy am 10.12.2014 | 14:33 ---Das Problem ist, dass solche Aussagen wenig wert haben. Es sind subjektive Einschätzungen. Ich könnte jetzt sagen: "Nein der Film ist aber doch toll." Und wir wären dann wieder beim Anfang. Was willst du mir mit "furchtbare Grütze" überhaupt sagen. Wenn du das Ende meinst, dann ist das schlicht Geschmackssache, weil man dazu Mystery mögen muss. Die Ausgangssituation fand ich durch die verschiedenen Aspekte (Drone, Schule, Farm, Staub usw.) wunderbar gezeichnet. Die Charaktere haben alle eine Funktion und sind nicht einfach nur Helden und die spannenden Szenen sind auch nicht abgedroschen. Also was meinst du tatsächlich?

--- Ende Zitat ---

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Im Endeffekt wird der Zuschauer mMn verarscht. Natürlich kannst du das anders sehen. Aber der ganze Film handelt davon, wie die Menschen um ihr überleben kämpfen. Sie versuchen alles, es wird auch das persönliche Drama gezeigt, es geht um Hoffnung und darum, das blanke Fortbestehen der Spezies zu sichern.

Aber dann: "April, April!". In der Zukunft sind die Menschen Götter und können auch die Vergangenheit verändern, und zwar so sehr, dass sie da mal schwarze Löcher und Wurmlöcher reinstellen können. Zudem bauen sie mal einen magische Kammer, wo ein Vater das Kinderzimmer seiner Tochter zu beliebigen Zeiten besuchen kann und über Gravitation mit ihr kommunizieren kann. Zudem hat diese magische Kammer die Infos zur Rettung der Menschheit. Und die kommuniziert der Vater dann seiner Tochter, Welt gerettet. Dannach wird dann noch der Vater in bekannten Raum gezaubert (was zeigt, wie mächtig und direkt die Menschen-Götter der Zukunft agieren können).

Warum ich mir konkret verarscht vorkomme:

* Wenn die 5-dimensionalen Menschen der Zukunft das alles können, warum dann bitte diese von-hinten-durch-die-Brust-ins-Auge-Rettung der Menscheit?
* Wie konnte die Menscheit überhaupt soweit kommen? Sie wäre doch ohne das Zutun ihrer zukünftigen Menschen untergegangen.
* Dramaturgisch macht die gesamte Expedition (die den Großteil des Films einnimmt) keinen Sinn. Alles, was dort geschieht ist bedeutungslos. Das einzige, das Bedetung hat, sind die letzten 10 Minuten, in denen mir der Film die Rettung der Menscheit druch Götter zeigt.
Der letzte Punkt ist der, der mich wirklich stört, die andern beiden machenden Film mMn zwar etwas weniger plausibel, sind aber keine so großen Probleme.

Feuersänger:
Erinnert irgendwie an Indiana Jones, der in Raiders of the Lost Ark keine Rolle gespielt hat. ;)

Grey:

--- Zitat von: Evil Batwolf am 10.12.2014 | 14:53 ---Ich hab' die Diskussion so verstanden, dass es um die Frage geht, ob Interstellar ein Film ist, der den Betrachter zum Nachdenken über bestimmte Themen anregt, oder ob er eher nur so tut, als wolle er zum Nachdenken anregen.

--- Ende Zitat ---
OK, ich versuche mal, diese Frage hier zu beantworten, soweit sie mich selbst betrifft:


--- Zitat von: Evil Batwolf am 10.12.2014 | 14:49 ---Was ist Deiner Meinung nach denn das Thema des Films? Hat er eine Message, und wenn ja, welche?

--- Ende Zitat ---
Die Message, die ich (subjektiv) in dem Film sehe, betrifft nicht so sehr die Welt, sondern das Genre.

Seit rund 20 Jahren gilt SF nur dann als "ernstzunehmend", wenn sie möglichst düster ist. Die Welt muß gefälligst kaputt sein oder gerade vor die Hunde gehen, die Raumfahrt muß ein purer Horrortrip sein usw. usf.

Die Ausgangslage von "Interstellar" steht in meinen Augen nicht etwa für die Realität, wie sie demnächst aussehen wird/könnte; sondern für das Genre, wie es im Moment aussieht. Einer der Schlüsselsätze des Films für mich war, als Cooper sagte: "Früher haben wir nach oben geschaut und uns gefragt, wo unser Platz zwischen den Sternen sei; heute schauen wir nach unten und sorgen uns um unseren Platz im Dreck." Das beschreibt in meinen Augen akkurat den aktuellen Zustand der Science Fiction als Genre.

Dementsprechend empfand ich die einzelnen Stationen des Plots als einen möglichen Weg aus dieser Misere heraus. Die 'Endurance' versetzte mich in die Raumschiff-Ästhetik von "2001" zurück. Der Vorbeiflug am Saturn -- vor allem die Weise, wie er gefilmt war -- stellte für mich einen schönen Gruß von der aktuellen Weltraumforschung dar: "He, Leute, da draußen gibt es Schönheit jenseits unserer wildesten Träume!" Die beiden ersten besuchten Planeten stehen für naive, erste Hoffnungen, die Schiffbruch erlitten haben. Das Weltraumhabitat am Ende stellte für mich eine Heimkehr dar: Zurück in die Science Fiction des "Golden Age", als solche Habitate zum Standard gehörten, zu den großen Träumen und Visionen, was wir eines Tages vielleicht bauen werden. Und als Cooper am Ende in diesen schnittigen Flitzer stieg, um zu seiner Liebsten zu eilen, war das für mich -- emotional -- die Wiedererweckung des Traums davon, "einfach ins Weltall loszufliegen".

Genau darum stören mich die vielen, vielen Logiklöcher auch nicht, zu denen ich ohne Weiteres noch meine selbst gefundenen in den Topf schmeißen könnte. "Interstellar" soll in meinen Augen nur am Rande etwas über die Realität aussagen; in erster Linie ist der Film eine Aussage über das Genre, seine aktuelle Sackgasse in der Finsternis und sein Potential, Visionen zu erschaffen.

Und für mich, der diese Sackgasse seit Jahren geradezu als körperlichen Schmerz fühlt; der ich seit Jahren verzweifelt nach positiver, visionärer SF suche und stattdessen überall nur einen alles erstickenden Dystopie-Mainstream finde; für mich war dieser Film ein Befreiungsschlag für die Seele, und er weckte in mir den Wunsch: "Mehr davon!"

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