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High-Magic Fantasy auf der Erde / Parallelwelt?
KlickKlack:
In einer Fantasiewelt mit realen Göttern wird die Verbreitung eines gütigen Gottes (also orientiert am Christentum) doch noch viel plausibler.
Während sich die rach-, eifersüchtigen Götterfamilien zanken und ständig im Leben der Menschen rumpfuschen ohne das man ihre Beweggründe wirklich deuten kann hat sich Gott X, der einzig `wahre` Gott neben all diesen dämonischen Götzen seinen Auserwählten offenbart und erklärt, wie die Welt wirklich beschaffen ist – eine elendige Prüfung unserer Integrität – ein Zerrbild des Himmels. So wie die von Mühsalen geprägte Erde selbst ein finsteres Zerrbild des Himmels ist, so sind auch die Götzen verzerrte, finstere Spiegelbilder all des Ballasts den die Menschheit mit sich rumträgt. Von diesem (und diesen) muß man sich lossagen, das Jammertal anstandslos und integer durchschreiten,
dann wird die Seele geläutert und das Tor zum Himmel öffnet sich.
Wie Schwerttänzer schon anmerkte, greift hier dann die wohl beeindruckenste Waffe des frühen Christentums 1 zu 1 -- es ist egal ob man Mann oder Frau, schwarz oder weiß, klein oder groß, reich oder arm, frei oder unfrei ist, vor Gott X, sind alle gleich.
Funktioniert in einem fantastischen Setting ebenso gut wie auf der antiken Erde.
Problematisch ist es nur, weil man die eigenen Vorurteile gegenüber der Christlichen Religion nur schwer ablegen kann, selbst wenn es dem Spielleiter gelingt, werden sich die durchschnittlichen mitteleuropäischen Rollenspieler verdammt schwer tun.
Feuersänger:
Und wie kommst du darauf, dass es "einen einzig wahren Gott" gäbe und alles andere "dämonische Götzen" sein sollen? Und dass dieser eine gütig und gerecht sein soll und alle anderen kleinlich und rachsüchtig?
Sorry, aber _das_ klingt mir zu sehr nach christlich-evangelistischer Propaganda.
FTR, "Götze" heißt ja gerade "nicht echt". Diese Götter aber sind echt.
Slayn:
@Feuersänger:
Der interessante Teil daran mit unserer echten Welt als Vorlage arbeiten zu können besteht ja darin bestimmte Setzungen als "Wahr" gelten zu lassen und _dann_ die Auswirkungen dieser Setzungen zu extrapolieren.
Ich finde es immer echt schade wenn man z.B. die Option mit dem "Einzig Wahren Gott" marginalisiert und dann lieber zu den Fantasy üblichen Pantheons ohne Bedeutung übergeht. "Deus Vult" ist nun mal ein scheiße mächtiges Instrument das man auch nutzen sollte.
Als Beispiel dafür wo das durchgezogen wurde: In Rokugan hat man konsequent die Physik durch Mystik ersetzt. Natürlich bewegt sich alles im Rahmen den man erwartet, nur kann man auch tatsächlich mit den Kami (kleine Götter) die für die Schwerkraft zuständig sind reden und die Schwerkraft somit manipulieren, etc.
Feuersänger:
Ich hoffe, das wird hier nicht von den Mods als verbotswürdige Religionsdebatte aufgefasst; es geht mir nur darum, etwas realhistorischen Hintergrund zwecks alternativhistorischer Gestaltung zu beleuchten:
Nach dem neuesten Stand der Forschung waren die Israeliten zunächst lange Zeit ebensolche Polytheisten wie alle anderen semitischen Völker auch, und hatten sicherlich weitgehend deckungsgleiche Gottheiten und Mythologien wie ihre Nachbarn. Es gibt nebenbei auch keinerlei archäologische Hinweise auf einen Auszug größerer Massen aus Ägypten -- die aktuelle Theorie ist, dass dieser Punkt erst während des babylonischen Exils (ab 597BCE) als identitätsstiftendes Merkmal erfunden wurde, wo überhaupt die "5 Bücher Mose" erst geschrieben wurden. Auch Geschichten wie die Sintflut wurden vermutlich erst während dieser Zeit von den Gastgebern abgepinnt. Dann kamen 539BCE die Perser, eroberten Babylon und erlaubten den Exilanten die Heimkehr. Das ganze persische Gebahren hat die Israelisten wohl so sehr beeindruckt, dass sie daraufhin ebenfalls monotheistisch werden wollten. Also wurden die ganzen bisher tradierten Mythen von vielen auf eine Gottheit umgeschrieben. So erklärt sich auch, warum der Gott des AT sich über weite Strecken wie ein schizoider Parano aufführt: ursprünglich waren es mehrere Götter, die gegeneinander gearbeitet haben. Der eine will einen NSC zu einem Zugeständnis bringen, der andere "verhärtet sein Herz" damit der NSC auf Stur schaltet. Oder wiederum der Sintflutmythos: einer wollte die Menschheit ersäufen, weil sie ihm zuviel Lärm gemacht hat, der andere hatte Mitleid und hat (gegen das ausdrückliche Verbot der anderen Götter) den Tip mit der Arche durchsickern lassen ("Ach liebe Schilfwand, wenn du wüsstest was ich gehört habe..."). Und so zieht sich das durch.
--
Was generell problematisch werden könnte, ist die Amalgamierung der D&D-Kosmologie mit einem irdischen Setting (und wie gesagt geht es mir primär um ein Setting für D&D). Das geht schon wieder in Richtung Gesinnungsdebatte, die wir ja hier auch schon xmal durchgekaut haben: wir sind es gewöhnt, dass Gut und Böse weitgehend eine Frage der Perspektive ist, prinzipiell sind immer "Wir" die Guten und "Die Anderen" die Bösen; außerdem ist sowieso nicht so strikt schwarz-weiß und alles mehr oder weniger komplex. Babylonische Götter z.B. werden oft explizit mit zwei gegensätzlichen Aspekten beschrieben, also heute Gut, morgen Böse, und der Mensch muss sich dreinfinden.
In D&D ist es eben genau andersrum; Moral ist absolut, Gut und Böse stehen zu dem was sie sind, und gerade Gottheiten haben jeweils genau eine Gesinnung, von Lawful-Good bis Chaotic-Evil. Da könnte ich mir schon vorstellen, dass das Spielern in einem PWS noch größere Probleme bereitet, ihren Kopf da rumzuwickeln, als in einem Standardsetting ohnehin schon.
Slayn:
Du umschiffst aber immer noch die Frage was Götter überhaupt sein sollen und welchen Stellenwert sie haben.
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