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Zufall mit Gedächtnis
Erg:
--- Zitat von: Eulenspiegel am 28.07.2015 | 21:24 ---
bzgl. Relevanz und retrospektive Betrachtung
Angenommen ich überlege mir, mir ein Lotterie-Los zu kaufen. Lohnt sich der Kauf für mich? Antwort: Ich weiß es nicht!
Ich weiß, dass der Kauf sich eventuell lohnt. Ich kann ausrechnen, ob sich der Kauf im Durchschnitt lohnt. Ich kann ausrechnen, ob sich der Kauf im Median lohnt. Aber ob sich der Kauf tatsächlich lohnt, kann ich erst retrospektiv im Nachhinein feststellen.
--- Ende Zitat ---
Ich glaube nicht, daß ein neues Beispiel zur gleichen Argumentation es besser macht.
Um meinen Standpunkt zu verdeutlichen, eine Betrachtung des Schluchtsprung-Beispiels unter einem leicht veränderten Blickwinkel:
Ich habe zwei Möglichkeiten, a) Kampf gegen viele Orks, der höchstwahrscheinlich mit meinem Tod endet, oder b) Sprung über die Schlucht, bei dem ich (da ich der weltbeste Weitspringer bin), eine 99% Erfolgswahrscheinlichkeit habe. Entscheide ich mich für a), werden wohl alle Beobachter sagen "Das war keine allzu clevere Idee". Wähle ich b), werden wohl alle Beobachter sagen "Sehr vernünftig". Ich wähle also b), habe immenses Pech und liege tot am Grunde der Schlucht. Wird meine Entscheidung für b) dadurch zu einem dummen Fehler ? Nein, natürlich nicht. Ich habe die bessere Alternative gewählt und einfach Pech gehabt. Ich hoffe, die Parallelen zur Frage der "vergeudeten" Ressourcen sind auch ohne nähere Erläuterung erkennbar (wenn nicht, kann ich die Erklärung gerne nachholen)
Maarzan:
--- Zitat von: Fairy Tale am 29.07.2015 | 08:30 ---Wäre es für Dich eine Alternativlösung, alle möglichen Würfelergebnisse in ausgewogener Verteilung auf ein Blatt Papier zu drucken, und wenn gewürfelt werden soll wird einfach die nächste Zahl genommen und durchgestrichen? Das sollte ja dann genauso "fair" sein und Dir viel Arbeit, Buchhaltung und Rechnerei sparen.
--- Ende Zitat ---
Und könnte trotzdem zu schwer unterschiedlichen Spielerlebnissen führen, wenn die Zuordnung Wert zu Schwerigkeit nicht passt. Eine "55" hat eben eine andere Wirkung wenn man eine "75" braucht als wenn eine "25" nötig ist.
Eulenspiegel:
@ Fairy Tale
Prinzipiell eine schöne Idee. Aber das Problem daran hat Maarzan ja bereits erläutert.
@ Erg
Ja, die Parallelen sind erkennbar.
Und auch bei deinem Schlucht-Beispiel gilt:
[*]Ist es eine vernünftige Idee, über die Schlucht zu springen? Ja.
[*]Würde ich in der gleichen Situation auch über die Schlucht springen? Ja.
[*]Hat es sich gelohnt, über die Schlucht zu springen? Nein.
[*]War es irgendwie relevant? Ist es relevant, ob ich nun tot auf dem Boden der Schlucht liege oder ob ich von den Orks getötet werde? Eher nein. (Ausnahme: Ich habe einen wichtigen Gegenstand bei mir, den die Orks nicht in die Hände bekommen dürfen. In diesem Fall ist es tatsächlich relevant, ob meine Leiche am Grund der Schlucht liegt oder vor den Füßen der Orks. Aber wenn ich nichts Besonderes mit mir rumschleppe, ist es irrelevant.)
[*]Hast du das Gefühl, mit deiner Idee etwas bewirkt zu haben? Wahrscheinlich nein.[/list]
Sicherlich war es eine vernünftige Idee, über die Schlucht zu springen. Aber die Aktion war dennoch nicht relevant (bis auf die oben erwähnte Ausnahme). Ich habe nichts Relevantes mit ihr bewirkt.
K!aus:
--- Zitat von: Eulenspiegel am 29.07.2015 | 17:06 ---Sicherlich war es eine vernünftige Idee, über die Schlucht zu springen. Aber die Aktion war dennoch nicht relevant (bis auf die oben erwähnte Ausnahme). Ich habe nichts Relevantes mit ihr bewirkt.
--- Ende Zitat ---
Mit dieser sprichwörtlich kleinkarierten Sichtweise sind aber so alle Proben irrelevant, denn scheinbar erlaubst du keinen Kontext? wtf?
Du möchtest einen Schwertstreich gegen den großen üblen weltenknechtenden Bösewicht durchführen:
Wirst du ihn treffen? Wahrscheinlich.
Wirst du ihn verletzten? Ebenfalls wahrscheinlich.
Wirst du ihn mit diesem einen Hieb niederstrecken? Nein.
Hast du also das Gefühl mit dieser Idee, ihn mit einem Schwerthieb anzugreifen, etwas bewirkt? Nö!
Also wäre selbst mit dem gelingen der Probe nichts relevantes passiert, also kann ich sie mir auch schenken!
Damit ist also selbst eine epische Kampagne zur irrelevanten Handlung verkommen, denn sogar im Endkampf gegen den Obermotz passiert nichts von Bedeutung!
Aber mal ehrlich: Willst du nicht einfach deine Idee mit deiner Gruppe testen, kommst dann zurück und diskutierst hier die Erfahrung, die du daraus gezogen hast? Wenn man eine Idee so derart verteidigen und / oder begründen muss, dann ist sie im Sinne von Rollenspiel- & Weltenbau scheinbar einfach nichts, was angekommen / gut / praktikabel ist. Klappe zu, Affe tot. Wenden wir uns wieder interessanten Dingen zu. :(
Eulenspiegel:
Wieso sind plötzlich alle Proben irrelevant? Im Gegenteil: Die Probe selber ist extrem relevant! Die Probe entscheidet darüber, ob ich tot am Boden liege oder den Orks entkomme. Das ist extrem relevant!
Und jain: Solche kleinkarierten Kampfsysteme, wo man sich zigmal gegenseitig haut, ohne dass etwas Relevantes passiert, schenke ich mir tatsächlich! Ich will Systeme, wo jede Probe auch etwas bewirkt! Wo ein Kampf vielleicht 1-2 maximal 3 Proben pro Beteiligten erfordert. (Und ja, das habe ich tatsächlich schon getestet. Und es funktioniert wunderbar und beschleunigt vor allem Kämpfe, wenn man keine endlosen Würfelorgien mehr ablegen muss.)
Ansonsten ist deine Implikation "Eine Probe ist nicht relevant --> Also kann ich sie mir auch schenken" fehlerhaft. Manchmal sind auch durchaus irrelevante Proben sinnvoll. (Genau so, wie bei dem obigen Beispiel eine irrelevante Aktion/Spielerentscheidung sinnvoll war.)
Aber die Frage, wann irrelevante Proben sinnvoll sind, ist nicht Thema dieses Threads. Hier geht es um die Frage, wie man dafür sorgen kann, dass Spielerentscheidungen/Aktionen relevant sind.
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