Pen & Paper - Spielsysteme > Fate
Verständnisfragen eines Neulings (Achtung: Viel Text)
Marask:
--- Zitat von: Auribiel am 5.08.2015 | 01:05 ---Abgesehen davon: Der Rest der Gruppe spielt "Shaun of the Dead", Maras hingegen hat mit "Dawn of the Dead" gerechnet. Dass es da zu Missverständnissen kommt, ist vorprogrammiert.
--- Ende Zitat ---
Das passt glaube ich ganz gut :)
Ich werde beim nächsten Mal, alles ansprechen. Mal schauen, was bei herum kommt. Vielen Dank für die vielen Tipps und Hinweise!
Marask:
So, gestern hat der zweit Fate-Termin stattgefunden. Dies mal, ohne es anzusprechen, haben sich einige Dinge anders dargestellt als letztes Mal.
Zum Einen hat diesmal der Spielleiter alleine die Umgebung beschrieben. Dies war beim ersten Mal noch bisschen anders, da hat er uns beschreiben lassen, so lange es ihm gepasst hat, dann nicht mehr. Diese, wie sich anschließend herausgestellt hat nicht bewusst vom SL durchgeführte Änderung, hat mir als Spieler doch sehr viel mehr zugesagt.
Zum Anderen wurde das Prinzip mit dem "Überzeugen" ganz anders gelöst. Letztes Mal habe ich versucht einen Mitspieler davon zu überzeugen aus einer aussichtslosen und zum Tode führenden Situation abzuhauen, das Auto zu wenden und wegzufahren. Der dritte Spieler fuhr wie ein verrückter mit seinem Auto auf den Vorhof einer vom Feind besetzten Festung. Hier hatte ich meinen Skill-Check (Mein "Überzeugen" Skill gegen seinen "Empathie" Skill) locker gewonnen. Dennoch hatte der SL es nicht zugelassen ihn überzeugt zu haben, da er kurz zuvor einen FP dem eigentlich überzeugten Spieler gab, da er dessen Aspekt "Hilfe ist unterwegs" angespielt hatte und das doch viel mehr wert sei. Wie bereits von mir gesagt, total bescheuert.
Dies hatte ich auch angesprochen vorab. Gestern haben wir es ganz anders gemacht. Es lief nun als geistige Attacke ab, analog einer Attacke mit Waffen oder Fäusten. D.h. ich habe meinen "Überzeugen" Wurf gemacht, der zu Überzeugende dann einen "Empathie" Wurf und dann eben sich überzeugen lassen oder Konsequenzen geschluckt.
Dieses Prinzip, und an sich das Kampfprinzip, von Fate ist in meinen Augen totaler Schrott, wie gesagt in MEINEN Augen. Denn:
´
1. Habe ich versucht einen Mitspieler zu überzeugen, hat er einfach Konsequenzen genommen, und gut war. Dann wurde mir gesagt, dass das nicht so clever ist einen Mitspieler Stress zuzufügen, da, wie in letzter Session schon vom SL gesagt wurde, man nicht gegen die Gruppe zu arbeiten habe bei Fate. Und außerdem bleibt dieser Stress oder Konsequenzen oder wie das heißt teilweise bis zum Ende eines Szenarios oder sogar bis zum Ende der nächste Session. Geht man nun in einen Konflikt mit einem "echten" Gegner habe man ja nicht mehr so viele Möglichkeiten Konsequenzen zu nehmen. Somit wurde mir "untersagt" meinen Mitspieler zu überzeugen, da er sich nicht überzeugen lassen wollte.
2. Zudem haben wir gegen einen "Endgegner" "gekämpft". Es lief so ab, dass er uns versuchte zu überzeugen und wie ihn versuchten zu überzeugen. Eine geistige Attacke nach der nächsten, bis eben die Konsequenzen voll sind. Rundenlang, immer mal Aspekte erschaffen (dazu später mehr) und überzeugt überzeugt überzeugt - Konsequenzen genommen usw.
3. Dann ist das allerbeste passiert. Mein Charakter, ein Priester, überzeugter Katholik mit Bibel und Kreuz in der Hand. Alles und jeden von Gott bekehrend verlor das "Überzeugen-Duell" gegen den Anführer der anderen Interessenpartei. Also alle Konsequenzen belegt nix mehr zu machen. Was kam? ich bekam einen neuen Dauer-Aspekt "Der Andere ist die Wahrheit. Ich habe es gesehen" sprich ich erkenne ihn als neuen Glaubensführer an. Hallo? Was ein Schwachsinn...Nur weil die Felder voll sind, sowas? Naja...
Das mit dem Aspekte erschaffen ist auch so eine komische Sache. Wir waren gefangen und haben eine Feuerschale, nein zwei Feuerschalen umgeschmissen. Diese großen Schalen mit Kohle usw. fielen auf Teppich. Nun, der gesunde Menschenverstand sagt, dass nun ein Feuer entsteht. Logisch sag ich mal. Aber nein, man hat nur den Aspekt erschaffen "Überall ist Feuer". Aber letztendlich bringt es mir nur etwas, wenn ich diesen Aspekt anspiele. Wir hatten also ein Feuer zwischen uns und den Gegnern entfacht. Es brannte, überall Rauch. Die Gegner konnten unbeeindruckt auf uns schießen als wäre das Feuer nicht da, da man den Aspekt ja erstmal reizen muss. Tut mir leid, aber das ist total bescheuert ;) Entweder es brennt oder es brennt nicht mit allen Konsequenzen. Ein Feuer und den Rauch aber nur dann als gegeben anzusehen, wenn man ihn braucht oder anspielen kann, erscheint mir einfach schwachsinnig.
Wir waren natürlich auch noch in der super Lage keinerlei FP mehr zu haben, so dass uns dieser Aspekt rein garnichts brachte. Ähnliche Situationen gab es mehrere an diesem Abend.
Jeder Charakter gleicht dem anderen, dadurch dass man 30 Fertigkeitspunkte auf 27 Skills (max. 4 auf eine Fertigkeit) packen konnte. Zudem hatte ein Spieler ja ein Universalaspekt mit dem alles begründet wurde und dies zu einem sich immer wiederholenden und immer gleichen Ablauf in jeder Situation führte. "Ach ja ich habe ja Aspekt "Nerd der Apokalypse" das ist ja nun wie in einem Videospiel. FP weg *peng* +2 oder neu würfeln und dann wieder das gleiche. Es gibt überhaupt keine Tiefe im Charakterspiel. Alles gleich. Es reicht bei Fate ja aber auch so aus. Und das ist nicht zufriedenstellend für mich.
Mit dem Würfelprinzip kam es eigentlich in fast allen Fällen dazu, dass man bei einem Check immer seinen Fertigkeitswert +/- 1 erreichte. Das Würfeln ist eigentlich total unnötig, so selten hier was passiert und man ja eh immer die gleichen Aspekte entsprechend anspielt (wenn FP am Start).
Eventuell ist es immernoch eine Frage des Spielleiters. Vielleicht aber auch einfach, dass ich auf Logik in Verbindung mit coolen Beschreibungen stehe. Fate (wie wir es spielten) pfeift auf Logik (siehe die Geschichte mit dem Feuer oder die Situation in der ich mich hinter eine Säule versteckte. Dies aber wurscht war, da ich keinen Aspekt erzeugte und somit die Gegner durch das Feuer/den Rauch im Stile von "Wanted" um die Ecke schießen konnten...)
Ich bin nach dem gestrigen Abend zu dem Ergebnis gekommen, dass Fate totaler Blödsinn ist...für mich. Es mag für viele ein gutes oder sogar das beste System sein. Davon bin ich überzeugt. Für mich ist es das auf gar keinen Fall.
Was mich jedoch interessiert ist, ob es so wie wir es spielten bzw. ich es beschrieb tatsächlich regelkonform ist?!
LG
Maras
Haukrinn:
Nein, regelkonform ist das nicht, zumindest nicht vollständig.
Wenn ihr Feuerschalen umschmeißt und überall ist Rauch dann ist das ein Fakt ("Überall ist Rauch" (oder Feuer oder sonstwas) ist der Aspekt und der ist immer wahr). D.h. dass die Gegner den Aspekt erst überwinden müssen um auf euch zu feuern. Ihr müsst da gar nichts reizen. Wenn du dich hinter einer Säule versteckst (und hier den Aspekt "versteckt" schaffst) dann bist versteckt. Auch das will erst einmal überwunden werden.
Das mit den Konsequenzen stimmt so auch nicht. Erstens sind auch die ein Fakt und zweitens erzeugt die immer derjenige der den Schaden verursacht hat. Als du deinen Mitspieler versucht hast du überzeugen hättest Du ihm also eine Konsequenz geben können (nicht der SL oder er selbst) und die hätte dann gelautet "Blind in die Gefahr laufen ist falsch, das weiß ich jetzt". Damit kann der Spieler das gerade für die aktuelle Situation nicht einfach ignorieren (Und nein, du musst den Aspekt auch nicht reizen. Reizen bedeutet jemanden in Schwierigkeiten zu bringen, du hattest ja genau das Gegenteil vor!). Zweitens, wenn er unbedingt eine Konsequenz nehmen will und das schlecht für die Gruppe ist, sein Pech. Er hätte ja auch einfach den Konflikt aufgeben können. Drittens, so eine Situation über Angriffe und Verteidigungen zu lösen kann man zwar machen, finde ich persönlich aber total Banane. Ein einziger vergleichender Wurf um einen entsprechenden Aspekt zu schaffen (oder eine einfache Überwinden-Aktion) hätte hier völlig ausgereicht.
Euer "Nerd der Apokalypse" ist als Aspekt viel zu weit gefasst, das haben hier in dem Thread schon diverse Leute ausgeführt. Wenn ihr als Mitspieler so einen Aspekt bei einem Charakter akzeptiert und nicht fordert dass der geändert wird, selbst schuld, sorry.
Das mit dem Endgegner ist erst einmal relativ regelkonform. Allerdings fehlt mir hier die erzählerische Komponente in deinem Bericht? Einfach zu sagen ich überzeuge jetzt ohne zu erläutern wie du das machst? Das ist irgendwie kein Fate. Weiterhin ist Fate darauf ausgelegt dass insbesondere gegen einen Endboss alle Spielercharaktere zusammen arbeiten? Wieso musstest du das alleine durchstehen? Auf der anderen Seite gilt aber auch hier, du hättest jederzeit aufgeben können. Wenn du aus dem Konlfikt genommen wirst, dann entscheidet dein Gegner was mit dir passiert, das war soweit okay. Das der SL aber entscheidet dass du jetzt dauerhaft bekehrt bist? Klingt für mich irgendwie nicht sehr fate-ig und ziemllich arschig. Ich als SL hätte dich vielleicht erst einmal zweifelnd zurück gelassen, damit die Gegner Zeit gewinnen und z.B. deine Kameraden stellen können oder sowas - und selbst das müsste man, weil es ja nun einmal gegen die Kernüberzeugungen des Charakters geht, irgendwie sehr gut untermauern müssen - zumal die Charaktere deiner Mitspieler für so eine Attacke ja ein viel leichteres Ziel gewesen wären.
Bad Horse:
Das ist nicht nur nicht regelkonform - was euer SL da abzieht, verstößt mMn gegen den grundlegenden Kern von Fate. Bei Fate spielt die Gruppe zusammen, um gemeinsam eine coole Geschichte zu erschaffen. Klar, eure SL führt Schwierigkeiten ein und stellt euch vor Herausforderungen (sonst wärs ja langweilig), aber sie soll trotzdem ein Fan eurer Charaktere sein. Und nicht nur von einem Charakter.
Eure Spielleitung macht das alles nicht. Der spielt gegen euch, der scheint "gewinnen" zu wollen. Der ist kein Fan deines Charakters, und er will die Geschichte nicht gemeinsam erschaffen, sondern die Version erzählen, die er cool findet.
Du musst einen geistigen Konflikt übrigens nicht bis zum bitteren Ende durchstehen; du kannst auch aufgeben. In diesem Fall wird der Gegner zwar sein Ziel bis zu einem gewissen Grad erreichen (und "das Konzept des SCs zu verändern" ist kein Ziel, das irgendein NSC bei Fate haben sollte; das geht nach den Regeln so auch gar nicht - er kann dir einen Aspekt / eine Konsequenz "Zweifelnd" oder so etwas verpassen, aber er kann nicht sagen "Hui, jetzt hast du verloren und hast einen neuen Aspekt, der dein Konzept total verändert"). Aber wenn du aufgibst, kannst du Bedingungen stellen; nach dem Motto: Okay, ich kann weder ihn noch seine Hansel überzeugen, und er hat im Moment die Oberhand und ich habe Zweifel, aber ich schaffe es, wegzukommen, damit ich erst mal beten gehen kann. Oder irgendwas ähnliches. Du kannst dadurch nicht gewinnen, aber du kannst das, was du gar nicht haben willst, abwenden. Lass dir da nicht einreden, dass er das ablehnen kann - kann er nämlich nicht. Ihr müsst euch auf Bedingungen einigen, klar, aber er kann nicht einfach seinen Kopf durchsetzen, wie er das will.
Dieses "es läuft so, wie ich das sage" ist ohnehin bei Fate völlig fehl am Platz. Fate lebt davon, dass in Zweifelsfällen verhandelt und sich geeinigt wird. Dafür müssen allerdings beide Seiten daran interessiert sein, eine gemeinsame Lösung zu finden und auf die Vorstellungen des jeweils anderen einzugehen. Das scheint mir in eurer Gruppe aber überhaupt nicht gegeben zu sein. In so einer antagonistischen Konstellation ist es vermutlich wirklich besser, ein System mit starreren Regeln zu verwenden.
Ucalegon:
--- Zitat von: Bad Horse am 6.09.2015 | 19:58 ---In so einer antagonistischen Konstellation ist es vermutlich wirklich besser, ein System mit starreren Regeln zu verwenden.
--- Ende Zitat ---
Das Problem bleibt auch bei traditionellen Systemen bestehen. Niemand lässt sich gerne Agency und Entscheidungsfreiheit im Hinblick auf Handlungen und Überzeugungen des eigenen SC wegnehmen. Da spielt man entweder zusammen oder gar nicht.
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