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Übersetzungsklopse
Yerho:
--- Zitat von: Teylen am 26.02.2010 | 08:09 ---Zum "nicht wirklich" passt meiner Meinung nach "unwirklich" nicht zu der Aussage die man mit nicht wirklich trifft. Bei:
"Er ist unwirklich geeignet die Aufgabe auszuführen",
"Das glaubst du doch unwirklich" [..]
Rollt sich zumindest mein Sprachgefühl erschreckt, fötal zusammen.
--- Ende Zitat ---
Eben! Deshalb ist es ja falsch.
Das Gegenteil von "wirklich" ist nun einmal "unwirklich", und wenn die Gegenprobe - die Du ja oben durchgeführt hast - nach Blödsinn klingt, ist das ein sicherer Indikator dafür, dass man mit dem Begriff auf dem Holzweg ist, auch wenn er aus Gewohnheit stimmig klingt. Bezeichnenderweise sind die erste Phrase ohnehin Hohlsprech, was man daran merkt, dass das komplette Weglassen des Wortes die Aussage nicht ändert: "Er ist wirklich geeignet die Aufgabe auszuführen." - Merkst Du was? Eine komplett überflüssige Verstärkung. Entweder ist das Subjekt geeignet, die Aufgabe auszuführen, oder eben nicht.
Dein anderes Beispiel "Das glaubst du doch unwirklich." ist ebenfalls von vornherein Unfug, weil du statt "wirklich" die ganze Konstruktion "nicht wirklich" ersetzen müsstest. Außerdem ist die Phrase inhaltlich schlicht falsch, weil sie in der Praxis ja nicht zur Feststellung von (Un-) Wirklichkeit dient, sondern zur Feststellung des Wahrheitsgehalts. Also sagt man beispielsweise "Das glaubst Du doch nicht tatsächlich?", wenn man an den Fakten zweifelt, oder "Das glaubst Du doch nicht ernsthaft?", wenn man vermutet, dass das Gegenüber scherzt. Ansonsten hieße es "Du glaubst doch nicht, dass das wirklich/unwirklich ist?".
Und noch einmal: In der Umgangs- und Gebrauchssprache geht praktisch alles. Besonders, weil zur Umgangssprache nun einmal auch sprachliche "Grauimporte" gehören. Das heißt, wenn Leute in Filmen und Serien so reden oder es in wörtlicher Rede in Romanen vorkommt, ist das absolut legitim. :)
Kommt es jedoch im Erzähltext eines Romans vor, ist es schlichtweg falsch. Dann haben entweder der deutschsprachige Autor oder der Übersetzer Mist gebaut - außer, es ging gezielt darum, eine bestimmte Sprachkultur zu vermitteln (Autobiographien, Szene-Romane etc.). :P
Feuersänger:
Hm, also hier in Franken sagt man gerne "fei wergli" (wobei "fei" absolut keine Entsprechung im Hochdeutschen hat, sondern einfach Bekräftigung ausdrückt). Also sinngemäß "Aber wirklich". "Ned wergli"/"Nicht wirklich" ist da vielleicht einfach eine Analogisierung, obwohl ich sagen muss, dass ich das bisher immer nur hochdeutsch ausgesprochen gehört habe. Der Dialektsprecher sagt statt "nicht wirklich" wohl eher "Gschmärri" oder "Ach Gwaaf". ;)
Yerho:
Ah, gerade wieder so ein schönes Ding gefunden:
"This makes sense" wird gerne mit "das macht Sinn" übersetzt, ergibt für mich jedoch keinen Sinn.
Sinn zu machen, wo in der Natur keiner vorkommt, überlassen wir besser der Politik. ;D
Teylen:
Es macht Sinn ist aber, Zwiebelkolmunen zu trotz, dennoch nicht falsch.
Denn ob der Sinn nun gemacht wird oder sich so spontan mal ergibt ist einerlei.
--- Zitat von: Xanaboy am 26.02.2010 | 09:54 ---Das Gegenteil von "wirklich" ist nun einmal "unwirklich", und wenn die Gegenprobe - die Du ja oben durchgeführt hast - nach Blödsinn klingt, ist das ein sicherer Indikator dafür, dass man mit dem Begriff auf dem Holzweg ist, auch wenn er aus Gewohnheit stimmig klingt.
--- Ende Zitat ---
"Er ist unta(tsa)e(ch)lich geeignet die Aufgabe auszufuehren."
Klappt ebensowenig wie:
"Er ist unernst(haft) geeignet die Aufgabe auszufuehren."
Insofern kann ich das Beispiel nicht nachvollziehen.
Auch das Verstaerkungen oder Abmilderungen ueberfluessig sind.
Just als Beispiel aus der Praxis:
"Mein Fuehrerschein ist nicht geeignet um meine Identitaet zu beweisen."
Denn sie haben ihn auf der Bank abgelehnt.
"Meine belgische Verbleibskarte ist nicht wirklich geeignet um meine Identitaet zu beweisen."
Eigentlich braucht man zur Beweis der Identitaet einen Reisepass oder Personal Ausweis.
Da jedoch beides abgelaufen war, und der Fuehrerschein keine akzeptabele Alternative darstellt, wurde meine belgische Verbleibskarte, zumindest vorrueber gehend als Identitaets Nachweis angenommen. Obwohl sie in Wirklichkeit keiner ist und nicht garantiert wurde das ich eins auf den Deckel kriege weil ein tatsaechlich wirkungsvoller Identitaetsnachweis fehlt.
Wuerde ich dort "tatsaechlich" als Begriff verwenden wollen ergaeben sich gaenzlich andere Konstrukte um die selbe Aussage zu treffen und ich muesste eher auf ein "eigentlich" aus weichen.
Was aber aussen vor liess das sich die Wirklichkeit in Bezug auf die Akzeptanz von Identitaets-Beweisen sowie der Identitaets-Beweis-Fertigkeit der Verbleibskarte einer Beugung unterziehen musste.
--- Zitat ---Also sagt man beispielsweise "Das glaubst Du doch nicht tatsächlich?", wenn man an den Fakten zweifelt, oder "Das glaubst Du doch nicht ernsthaft?", wenn man vermutet, dass das Gegenüber scherzt. Ansonsten hieße es "Du glaubst doch nicht, dass das wirklich/unwirklich ist?".
--- Ende Zitat ---
Es hiesse:
"Du glaubst doch (nicht) das dies der Wirklichkeit (oder den Tatsachen) entspricht?"
Ob man an der Wirklichkeit des Gesamtkonstrukt oder den einzelnen Tatsachen zweifelt (oder nicht) ist dann doch eher eine Frage des inhaltlichen "Geschmacks"?
THEonlytrueSHADOW:
*schaut kurz um die Ecke, wirft einen Link in den Thread und verschwindet ganz schnell wieder*
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