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Währungen in SF-Settings
Feuersänger:
--- Zitat von: Galatea am 14.01.2026 | 20:37 ---In meinem SF-Setting ist das am breitesten anerkannte Zahlungsmittel eine Art "Grey Goo"
--- Ende Zitat ---
Hmmh, also sowas wie dieses Omni-Gel in Mass Effect. Wenn sowas im Setting existiert, ist es natürlich nachvollziehbar dass das auch als Währung verwendet wird. Persönlich bin ich mehr als skeptisch, was die technisch-physikalische Machbarkeit von solchen Nano-Assemblern angeht, sodass ich sie aus meinem Setting erstmal ausspare.
Was die Energiewährung angeht, denke ich da eher an schlichte Energie_deckung_. Also du hast ein "Stück Papier in der Tasche" (in Wirklichkeit natürlich elektronisch), das dir ein Anrecht auf zB 100MJ gibt. (Das entspricht so grob 2 Litern Benzin, nur so als Referenz). Und die kannst du eben selber verbrauchen oder gegen andere Dinge eintauschen.
Alternativ sowas wie "Arbeitsstunden" wären natürlich theoretisch möglich, aber sowas funktioniert wohl in der Praxis wirklich nur bei Nachbarschaftshilfen, da in Realitas wohl ein sagen wir mal Automechaniker dir deine Rostmühle nicht für 3mal Rasenmähen reparieren wird, will sagen, Leute verlangen für unterschiedlich komplexe Arbeit unterschiedliche Entlohnung.
--- Zitat ---Eigentlich müsste man Geld haben das mit jedem Tag an Wert verliert, so das man gezwingen ist umzusetzen wenn man den Wert erhalten will.
--- Ende Zitat ---
Äh ja, das ist so ziemlich jede Währung auf der Welt. Nennt sich Inflation. Wenn du dir jetzt 1000€ ins Kopfkissen stopfst und da liegen lässt, guck mal wieviel du in 10 Jahren noch dafür bekommst.
Umgekehrt, Bitcoin als spezieller Fall von deflationärer Kryptowährung hat gleich mehrere Problemquellen, die schon jede einzeln für sich "schwierig" sind und in Kombination das ganze Konzept als Währung komplett untragbar machen.
Hier ein relativ kurzes und knappes Video zu dem Thema (12 Minuten): https://www.youtube.com/watch?v=LPJExBAhMtQ
Was da noch gar nichtmal angesprochen wird: die Validierung einer Transaktion ist ja nicht kostenlos. Der Validator will dafür eine Gebühr haben. Und für die nächste Transaktion auch und für die folgende wieder. Das ist dann nicht einfach "nur" Deflation, das sorgt dafür dass eher über kurz als über lang die komplette (weil begrenzte) Geldmenge von den Blockchainern aufgesogen wird. Als Währung würde es aber schon lange vorher zusammenbrechen.
Wie gesagt: für _irdische_ Währungen kann man meinetwegen auch weiterhin das Fiatprinzip beibehalten, nach dem halt zumindest nominell die Geldmenge durch die Gesamtheit der Waren gedeckt ist, was sich aber nichtmal überprüfen lässt, sodass es in der Praxis reine Vertrauenssache ist. Wenn ich dir zwei Rollenspielbücher für 50€ abkaufe, dann nimmst du die 50€ ja nur an, weil du davon überzeugt bist, dass du dafür morgen 100 Brötchen kaufen kannst, und der Bäcker nicht sagt "Euro interessiert mich nicht, aber schicke Armbanduhr hast du da".
Das funktioniert halt auf dem Planeten Erde, weil die Weltwirtschaft halt so wahnsinnig groß ist und unglaublich viele Teinehmer hat. Da kann man erstens davon ausgehen, dass einem schon _irgendwer_ Brötchen verkaufen wird und zweitens, dass nicht auf einmal 8 Milliarden Menschen gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben wollen.
In einem "harten" Weltraumszenario sieht das halt anders aus. Da ist jede Raumstation ein Mikrokosmos mit begrenzten Ressourcen. Da wird es zum einen harte Limits geben, wieviele lebensnotwendige Güter (wie Luft, Wasser, Nahrung, Energie) man dort überhaupt kaufen _darf_. Geschweige denn, womit. Selbst für 100 Milliarden Erd-Dollar wird man dir nicht sämtliche Lebensmittel verkaufen, aus naheliegenden Gründen. Normale Mengen des täglichen Bedarfs, etwa 1 Space-Espresso und ein Mondhörnchen kannst du vielleicht noch von einem netten Cafébetreiber für Erddollar kaufen, aber womöglich auch schon nur wenn der noch irgendwelche Beziehungen zur Erde hat, worüber er deine Erddollar halbwegs zeitnah wieder ausgeben kann. Ansonsten ist das halt so ein bisschen wie das Szenario, dass ich dir für irgendwas 1000 Papuesische Kina in Münzen anbiete, die du also bestenfalls dann loswerden kannst wenn du mal Urlaub in Papua-Neuguinea machst (und Münzen tauscht einem auch keine Bank um).
Quaint:
Muss ja sonst auch nicht den einen Standard geben auf dem alles fußt. Nur das es irgendwie Geld gibt und das überregional funktioniert, das wäre schon irgendwie hilfreich fürs Setting. Bin aber weder in BWL noch VWL vom Fach. Aber ich denk mal, wenn der eine Chinese zum anderen Chinesen sagt: Kann ich die Autoreperatur vielleicht in US Dollar bezahlen, kannste dir nen Schickes Iphone von kaufen, dann hat das ja brauchbare Chancen. Und damit funktioniert es ja für den einzelnen Verbraucher leidlich.
Und für ein hard(ish) Scifi Setting kann man glaube auch sagen: die Erde ist reich und mächtig, klar gibt es da auf VWL Ebene so gewisse Import-Export-Ausgleichsprobleme, aber wenn ich als Skipper von nem kleinen Raumschiff irgendwo im Asteroidengürtel halt mache, kann ich mir schon vorstellen, dass ich da mit Erd-Dollar (oder Saturndollar) was anfangen kann, gegebenenfalls halt gegen ne Gebühr/Aufpreis, damit die Banken auch von was leben können. Natürlich werden die die Versorgungssicherheit ihrer Station nicht gefährden, aber der nächste Transporter kommt bestimmt, und bissle Spielraum werden sie ja haben, dazu kommt: Profit ist immer nett.
Aedin Madasohn:
was du suchst, ist der NuYen
ein allmächtiger Konzerngerichtshof aus AAA Trillakonz wacht darüber, dass nur so viele neue NuYen eingespeist werden, wie durch Produktivitätsfortschritte, angehäufte Investionsgüter sowie vereinbarter Inflation gerechtfertigt sind.
Austernität-im-Quadrat
Galatea:
--- Zitat von: Feuersänger am 14.01.2026 | 21:51 ---Hmmh, also sowas wie dieses Omni-Gel in Mass Effect. Wenn sowas im Setting existiert, ist es natürlich nachvollziehbar dass das auch als Währung verwendet wird. Persönlich bin ich mehr als skeptisch, was die technisch-physikalische Machbarkeit von solchen Nano-Assemblern angeht, sodass ich sie aus meinem Setting erstmal ausspare.
--- Ende Zitat ---
Ja, technische Machbarkeit spielt bei mir eine eher untergeordnete Rolle ;D
Das ganze greift aber in zweites System, den Handel mit Bauplänen. Die gibt es quasi als USB-Stick, in der Regel mit einer begrenzten Anzahl von Anwendungen. Um etwas herzustellen braucht man einen Bauplan und das Gel (und ggf. Energie), wobei es bei größeren Gütern oft so ist, dass der Stick Rohstoffe oder vorgefertigte Teile enthält (besonders bei Teilen die sehr viel Energieaufwand zur Herstellung benötigen) - entsprechend kann so ein "Stick" verdammt groß werden, wenn es z.B. ein Kombipaket ist, das Rohstoffe + vorgefertige Teile + Gel für ein ganzes Schiff enthält.
Solche Baupläne sind auch einer der Gründe warum "Abenteurer" sich in gefährliche Gegenden oder auf langwierige Expeditionen wagen, denn wenn man in den Ruinen den richtigen Bauplan findet und erfolgreich in die "Zivilisation" zurückfindet ohne von der Alienfauna oder biomechanischen Horrorkreaturen/verwilderten Wartungskonstrukten gefressen zu werden, hat man mit einem Schlag ausgesorgt.
Die geringe Größe und universelle Anwendbarkeit macht gerade die "reinen" Bauplan-Sticks zu einer begehrten Währung in den weniger entwickelten Gebieten, denen das technologische Fachwissen fehlt um selbst 'Hochtechnologie' zu entwickeln.
Feuersänger:
@Aedin: naja, so ziemlich im Gegenteil. In meinem Setting sollen Konzerne keine besonders große Macht darstellen. Die meisten können froh sein, wenn sie nicht zerschlagen oder verstaatlicht wurden. Aber wie gesagt, sowas wie eine supranationale Bank und Finanzaufsicht dürfte es durchaus geben. Das würde auch zu internationalen Abkommen gegen Steuervermeidung passen.
@Quaint: hmm, wenn ich so drüber nachdenke -- ja, ist schon plausibel dass "kleinere" Summen an Erdwährung auch zB im Saturnsystem ("der Ring") akzeptiert würden. Da würde ich dann erwarten, dass diese Erdcredits gepoolt werden, um Importe von zB Luxusgütern zu bezahlen. Während im Ring selbst eine eigene, energiebasierte Währung gilt (Arbeitsname "Rin").
Ansonsten sind ja die primären Exporte vom Saturn zur Erde: Helium-3 (geringe Massen, hoher spezifischer Wert) und Wassereis (das Gegenteil). Diese werden ja dann ebenfalls gegen Erdwährung an die Erde verkauft. Auch da muss sich der Ring dann irgendwann entscheiden: entweder immer mehr Kram von der Erde importieren, den man eigentlich nicht unbedingt braucht, oder immer größere Erd-Währungsreserven anhäufen - bzw dann damit auf der Erde investieren und Anteile an Erd-Firmen erwerben, das könnte auch eine lustige Dynamik erzeugen.
Wobei, wenn ich so drüber nachdenke dürften die Exporte zur Erde selbst sich eh in Grenzen halten; auf der blauen Murmel wird man die Energie wohl eh schon lange vor Marktreife der D-3He Fusion komplett mit Sonne, Wind und Geothermie erzeugen, sodass der Bedarf für 3He eher überschaubar bleiben dürfte. Man wird das Zeug also vor allem in der Weltraumwirtschaft brauchen, ebenso wie das Wasser (vor allem als Treibstoff).
Aber das geht jetzt schon wieder sehr in eine andere Richtung, hier soll es ja nach wie vor um Währungen gehen.
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